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Patientenverfügung

Patientenverfügung

Jetzt für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit vorsorgen

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Rahmenbedingungen

Um eine möglichst gute Vorsorge durch eine Patientenverfügung zu erreichen, sollten einige Formalitäten eingehalten werden. So ist eine schriftliche Erstellung mit notarieller Beglaubigung angeraten. Auch sollte das Dokument häufiger aktualisiert werden.

In einer Patientenverfügung kann die Entscheidung für oder gegen bestimmte medizinische Maßnahmen in der Zukunft festgelegt werden, wenn die Äußerung eines selbstbestimmten Willens nicht mehr möglich ist – zum Beispiel nach einem schweren Unfall. Der Patient wird in diesem Fall als entscheidungsunfähig erklärt. Laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ist eine Patientenverfügung die schriftliche Fixierung eines Volljährigen, die besagt, wie in bestimmten Situationen, die aktuell noch nicht unmittelbar bevorstehen, medizinisch verfahren werden soll.

Auch Werte, religiöse Vorstellungen und Beschreibungen der eigenen Lebensweise finden Platz in der Patientenverfügung. Sie ermöglichen in strittigen Fällen, wenn die reale Situation nicht zu der im Text beschriebenen passt, eine bessere Ermittlung des Patientenwillens. So ist auch für das medizinische Personal sowie Verwandte und Bekannte leichter nachvollziehbar, wie die Entscheidung des Patienten zustande gekommen ist.

Vorbereitung

Bei der Patientenverfügung handelt es sich um ein schwieriges Gebiet. Kaum jemand macht sich gerne über die eigene Sterblichkeit Gedanken und trifft eine Vorsorge für den Fall der Fälle. Doch so kann die persönliche Selbstbestimmtheit auch nach dem Eintritt einer Entscheidungsunfähigkeit gewährleistet werden. Wichtig ist, sich gut auf das Thema vorzubereiten – zum Beispiel mit konkreten Fragen.

Welche Ängste ergeben sich bei den Gedanken an schwere Krankheiten und den Tod? Welche Wünsche resultieren daraus?

Am Ende solcher Überlegungen kann auch die Entscheidung stehen, auf eine Patientenverfügung zu verzichten.

Die folgenden Fragen sollen einen weiteren Anstoß geben, die eigene Situation besser zu reflektieren und die Einschätzung zu erleichtern, ob in bestimmten Situationen eine ärztliche Hilfe angenommen werden würde, oder nicht:

  • Was ist mir wichtiger – Lebensqualität oder Lebensdauer? Wie entscheide ich mich, wenn ich nicht beide Komponenten haben kann?
  • Welche Wünsche habe ich für die Zukunft?
  • Wie bin ich mit schwierigen Situationen in der Vergangenheit umgegangen?
  • Wie habe ich schwere Zeiten und persönliches Leid bewältigt?
  • Wie gehe ich mit Situationen um, in denen ich Hilfe von anderen benötige?
  • Was löst das Leid und Leiden von anderen in mir aus?
  • Wie stehe ich zum Thema Tod?
  • Was bedeutet Religion für mein Leben?

Die schriftliche Ausarbeitung solcher Fragen kann einer Patientenverfügung angefügt werden.

Form

Die aktuelle Gesetzgebung im BGB sagt aus, dass Patientenverfügungen der Schriftform bedürfen, eigenhändig unterschrieben oder von einem Notar beglaubigt werden sollen, wenn der Patient nicht in der Lage ist eigenhändig zu unterzeichnen. Eine einmal gegebene Patientenverfügung ist übrigens nicht in Stein gemeißelt. Ein formloser Widerruf ist zu jeder Zeit möglich.

Obwohl die Patientenverfügung grundsätzlich schriftlich erteilt wird, sind auch mündliche Willensäußerungen nicht bedeutungslos. Vertreter der Patienten können diese bei der Erkundung des Patientenwillens mit einbringen.

Es empfiehlt sich, die eigene Patientenverfügung in bestimmten Zeitintervallen, zum Beispiel alle zwei Jahre, auf ihre Aktualität zu überprüfen. Denn Einstellungen zu bestimmten Themen können sich im Laufe des Lebens ändern und eine vor Jahren abgegebene Patientenverfügung kann somit möglicherweise nicht mehr den aktuellen Stand der eigenen Meinungen wiedergeben.

Zur Erstellung sollte auf die Hilfe von Experten nicht verzichtet werden. Umso individueller und genauer die Patientenverfügung angepasst ist, desto besser. Außerdem ist sie auf eine ungewisse Zukunft ausgerichtet, die niemand vorhersehen kann. Ist bereits eine schwere Krankheit eingetreten, kann die Patientenverfügung auf diese Situation zugeschnitten werden.

Ausdrücke und Phrasen, die erst interpretiert werden müssen, sind schwierig. Will ein Person ein „unwürdiges Leiden“ oder ein „qualvolles Dahinvegetieren“ vermeiden, sollten solche allgemeinen Formulierungen entweder nicht verwendet, oder im Weiteren genauer erklärt werden – zum Beispiel durch die Schilderung konkreter Situationen.

Formulare und Muster für Patientenverfügung können einen ersten Anhaltspunkt darstellen – obwohl der Text im Endeffekt sehr individuell abgefasst sein sollte.

Übermittlung an den behandelnden Arzt

In manchen Situationen, zum Beispiel bei Unfällen, müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden. Daher sollte ein Hinweis darauf, dass eine Patientenverfügung existiert, immer mitgeführt werden – zum Beispiel im Portemonnaie. Hierzu gehört auch ein Hinweis, wo genau diese Patientenverfügung liegt. Wenn der Patient dazu in der Lage ist, kann er natürlich auch selbst auf das Dokument hinweisen. Enge Verwandte und Bekannte sollten auch über das Vorhandensein informiert werden.

Gültigkeit

Die Äußerungen in der Patientenverfügung sind rechtlich bindend. Sie müssen sich auf konkrete Umstände, Situationen und medizinische Maßnahmen beziehen, damit die Willensabgabe konkret zugeordnet werden kann.

Liegt eine solche Verfügung vor, sind Ärzte und das medizinische Personal verpflichtet, sie auch zu beachten. Eine Nichtbeachtung kann strafbar sein und als Körperverletzung ausgelegt werden.

Sofern die Verfügung aus freien Stücken abgegeben und in der Vergangenheit nicht widerrufen wurde, ist sie als gültig anzusehen. Ausnahmen sind Passagen, in denen der Patient das medizinische Personal auffordert, eine Tötung auf Verlangen durchzuführen, die strafbar ist.

Liegt keine Patientenverfügung vor, entscheiden die Vertreter des Patienten, beispielsweise Betreuer oder Bevollmächtigte, über die Zustimmung zu medizinischen Maßnahmen, wenn der Patient dessen nicht mehr mächtig ist. Der mutmaßliche Wille des Patienten wird anhand seiner in der Vergangenheit geäußerten Überzeugungen ermittelt.