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Gesund Leben: Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall

Auch bekannt als: Discus prolaps oder Bandscheibenprotrusion

Ein Bandscheibenvorfall ist ein Krankheitsbild mit Schmerzen in Rücken, Beinen und Armen. Bandscheibenvorfälle treten bei älteren Menschen besonders durch Abbauprozesse der Bandscheiben auf. Als Folge verlieren die Bandscheiben ihre Struktur und drücken auf den Wirbelkanal, die knöcherne und sehnige Hülle des Rückenmarks oder austretende Nerven. Es kann auch bei jungen Patienten zu einem Bandscheibenvorfall kommen, hier eher durch falsche Belastung. Ein Bandscheibenvorfall lässt sich in den meisten Fällen therapieren. Mit einer fachgerechten Prävention bestehen Schmerzen durch den Bandscheibenvorfall nur selten fort.


Entstehung der Krankheit

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Übersicht

Mit dem Alter degenerieren die Bandscheiben, das heißt die Beweglichkeit der Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern nimmt ab. Immer weniger Wasser ist in die Bandscheiben eingelagert, sodass sie immer spröder werden. Durch die fehlende Elastizität, die Dehnbarkeit der Bandscheibe, kommt es bei leichteren Belastungen der Wirbelsäule zu kleineren oder größeren Rissen im äußeren, faserigen Anteil der Bandscheibe. Das Reißen des Faserrings einer gesunden Bandscheibe durch eine plötzliche starke Belastung oder Krafteinwirkung (Trauma) tritt hingegen nur sehr selten auf.

Je nachdem ob sich der Faserring der Bandscheibe vorwölbt oder reißt, wird die Bandscheibenprotusion vom „echten“ Bandscheibenvorfall unterschieden.

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit eines Bandscheibenvorfalls erhöhen.### Bandscheibenvorfall und Bandscheibenprotusion

Bei Druck auf den innen liegenden zähflüssigen Anteil der Bandscheibe (Gallertkern) drückt dieser von innen gegen den außen liegenden Faserring, der sich bei degenerativen Veränderungen dann in den Wirbelkanal vorwölbt. Bei der Vorwölbung der Bandscheibe wird von einer Bandscheibenprotusion gesprochen. Hierbei beschränken sich die Beschwerden nur auf Schmerzen im Rücken.

Wenn der degenerativ veränderte Faserring der Belastung nicht mehr standhalten kann, reißt er ein und der Gallertkern tritt in den Wirbelkanal ein oder drückt auf einen austretenden Nerv. Hierbei handelt es sich um einen echten Bandscheibenvorfall.

Je nach Richtung in welche der Bandscheibenvorfall drückt kann nur ein einzelner Nerv oder das komplette Rückenmark zusammengedrückt und geschädigt werden.

Durch ein geringes Platzangebot werden die im Wirbelkanal liegenden Nerven durch die Bandscheibe zusammengedrückt und funktionieren dadurch nicht mehr einwandfrei. Die zusammengedrückten Nerven können keine Signale weiterleiten und je nach Versorgungsgebiet des Nervs entsteht ein Taubheitsgefühl im entsprechenden Areal.

Steigt der Druck auf den Nerv, werden auch andere Funktionen beeinträchtigt: Die vom Nerv angesteuerten Muskeln verlieren an Kraft. Fällt die Versorgung komplett aus, können Nerven absterben und es tritt eine Lähmung der versorgten Muskulatur auf. Bei ersten Lähmungserscheinungen kann das Beschwerdebild durch eine operative Entlastung verbessert werden.### Anatomie

Die Wirbelsäule besteht aus Wirbelkörpern und dazwischenliegenden Bandscheiben. Die 23 Bandscheiben des Körpers dämpfen zusätzlich zur Biegung der Wirbelsäule Druckbelastungen ab.

Die Bandscheibe besteht aus Knorpel und funktioniert wie ein Stoßdämpfer: der innere Teil ist mit einer gallertartigen Flüssigkeit ausgefüllt, die sehr viel Wasser speichern kann. Bei Druck auf die Bandscheibe pressen der oberhalb und unterhalb der Bandscheibe gelegene Wirbelkörper auf den Gallertkern und dieser weicht zur Seite aus. Dem wirkt der außen liegende Faseranteil entgegen und fängt die Seitwärts-Bewegung des Gallertkerns auf.

Die Bandscheiben werden nicht von Blutgefäßen durchzogen, das heißt die Ernährung und Versorgung der Bandscheibe kann nur mittels Diffusion von außen stattfinden. Der Nährstofftransport wird also nur von äußeren Faktoren (Bewegung) beeinflusst. Bei zu wenig Bewegung wird das Gewebe nur schlecht versorgt, Abbauprozesse sind die Folge.

Der Wirbelkanal bildet eine Art Kabelkanal, um das empfindliche Rückenmark zu schützen. Der Kanal wird hauptsächlich durch Knochen gebildet: vorn durch den Wirbelkörper, hinten durch die dünneren Längs- und Querfortsätze. Zusätzlich liegen dem Knochen straffe Bänder an, um ein Verrutschen der Wirbel zu verhindern.

Das Rückenmark ist die Fortsetzung des Gehirns. Über jedem Wirbel verlassen zwei Nerven (Spinalnerven) das Rückenmark. Beide Nerven bilden ein Segment. Hierbei wird je nach Höhe des Austrittes aus dem Wirbelkanal von Nervenwurzeln der Halswirbelsäule (C1-C8), Brust (Th1-Th12) und Lendenwirbelsäule (L1-L5) gesprochen. Die beiden Nerven eines Segmentes teilen sich weiter auf und ziehen u.a. zu Muskeln und zur Haut. So werden beispielsweise Tastinformationen der Haut (Sensibilität) zum Rückenmark (und dann weiter zum Gehirn) geleitet. Daneben werden auch Temperaturempfindungen und Schmerzen weitergeleitet. Durch Bahnen die vom Rückenmark zu den Muskeln ziehen, werden Muskeln angeregt und machen somit willkürliche Bewegungen möglich. Jeder Spinalnerv versorgt ein bestimmtes Areal auf der Haut und einen bestimmten Muskel. Entsprechende Muskeln werden Kennmuskeln genannt. Bei einer Nervenverletzung ist der entsprechende Muskel gelähmt. Das Rückenmark endet bereits deutlich vor dem Ende des Wirbelkanals. Im letzten Bereich laufen nur noch Nerven zu den Austrittslöchern und weiter in die Peripherie. Da diese Struktur einem Pferdeschwanz ähnelt, wird hierfür der lateinische Name Cauda equina verwendet.

Das Areal auf der Haut, zu dem die Fasern eines Spinalnervs ziehen, wird Dermatom genannt. Dermatome sind an den Armen in langen Bändern angeordnet, die meist vom Rumpf über die Extremitäten verlaufen. An Brust und Bauch verlaufen die Ränder der Dermatome überwiegend horizontal, an den Beinen bilden sie größere Areale an der Vorderseite. An den Seiten und der Rückseite verlaufen sie wieder weitestgehend Bandförmig. Fällt ein Nerv aus, werden aus dem entsprechenden Dermatom keine Informationen mehr weitergeleitet, das Hautareal ist somit taub.

Risikofaktoren

Auch wenn die genaue Ursache für einen Bandscheibenvorfall ungeklärt bleibt, gibt es einige Risikofaktoren, die das Auftreten begünstigen. Hierunter fallen unter anderem:

  • Alter: Bandscheibenvorfälle betreffen häufig Menschen zwischen 35 und 45 Jahren, da erste Abbauprozesse die Bandscheiben angreifen und gleichzeitig noch eine hohe Belastung stattfindet.
  • Gewicht: hohes Gewicht erhöht die Belastung der Wirbelsäule und der Bandscheiben. Eine schnellere Abnutzung der Bandscheiben, bevorzugt im Kreuzbereich ist die Folge.
  • Rauchen: Rauchen führt zu Verengung und Verstopfung von Blutgefäßen. Davon sind auch die Bandscheiben betroffen: es resultiert eine schnellere Degeneration, da die Nährstoffversorgung eingeschränkt ist.
  • Größe: Männer über 1,80 m und Frauen über 1,70 m leiden häufiger an Bandscheibenvorfällen
  • Job: körperlich beanspruchende Arbeiten erhöhen das Risiko für einen Bandscheibenvorfall. Aber auch Tätigkeiten, bei denen über längere Zeit die Körperposition nicht verändert wird (PC-Arbeit), erhöhen das Auftreten von Bandscheibenvorfällen

Symptome

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Übersicht

Symptome des Bandscheibenvorfalls treten etwa zehnmal häufiger in den Beinen als in den Armen auf. Extrem selten sind Beschwerden am Rumpf.

Bei Druck auf einen Nerv treten zu Beginn der Erkrankung ausstrahlende Schmerzen meist im Gesäß, über den hinteren Oberschenkel bis in die Wade auf. Vom Patienten werden diese Schmerzen als elektrisierend einstrahlend beschrieben. Erst bei fortschreitendem Bestehen des Vorfalls treten Kribbeln, Missempfindungen (Parästhesien) und Taubheitsgefühl (Hypästhesien) auf. Die Ausprägungen dieser Symptome sind sehr individuell und lassen auch meist keinen Rückschluss auf die Größe eines Bandscheibenvorfalls zu. Erst bei weit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf treten Muskelschwächen auf, wobei die betroffenen Muskeln nicht unterhalb der sensiblen Empfindungsstörungen liegen müssen.

Beim Auftreten der beschriebenen Symptomatik im Gesäß und den Beinen wird von einer Ischialgie gesprochen. Symptome in Hals und Armen werden als Brachialgie zusammengefasst. Rückenschmerzen werden als Lumbalgie oder Lumbago bezeichnet.

Meist treten sensible (die Empfindung betreffende) und motorische (muskuläre) Störungen in einem typischen Muster auf. Somit kann der Arzt den Ort des Bandscheibenvorfalls bestimmen.### Lumbago

Lumbago bezeichnet typischerweise einen Rückenschmerz. Hierbei treten Verspannungen der Rückenmuskulatur durch Schmerzreize auf. Schmerzen können hierbei von Nerveneinengung (Nervenkompression) oder auch durch Gelenkfehlstellungen bedingt sein. Kommt es zur Muskelverspannung, bleibt der betreffende Muskel ständig angespannt. Nun treten zusätzlich Beschwerden in falsch belasteten Gelenken auf. Es kommt zu einem Teufelskreis: Schmerzreiz, Muskelverspannung, verstärkte Belastung, zusätzlicher Schmerzreiz.

Bei der Ischialgie werden meist Schmerzen im Gesäß beschrieben, die über die äußere Seite des Oberschenkels, das Knie und den vorderen Unterschenkel ausstrahlen. Die Schmerzen können meist durch Beugung der Hüfte bei gestrecktem Knie ausgelöst werden. Es treten große Unterschiede im Ausmaß und der Lokalisation der Symptome auf. Es kann beispielsweise auch nur der Fuß oder der vordere Oberschenkel betroffen sein. Sensibilitätsausfälle lassen sich Dermatomen an den Beinen zuordnen. Muskelschwächen sorgen für Beeinträchtigungen bestimmter Bewegungen. Häufig treten hierbei Gangunsicherheiten und Änderungen im Gangbild auf, da bereits kleine Veränderungen des Bewegungsablaufes zu sichtbaren Störungen führen.

Je nach Höhe, in der ein Bandscheibenvorfall (Nervenwurzel – siehe Anatomie) auftritt, sind folgende Muster von Symptombildern typisch, jedoch nicht immer zwingend genau in dieser Ausprägung anzutreffen:

**Nerven-wurzel** **Ort der Sensibilitätsstörung** **Art der Bewegungseinschränkung**
**L2** Vorderer Oberschenkel, oberes Drittel Adduktion in der Hüfte (siehe Grafik), Beugung der Hüfte
**L3** Vorderer Oberschenkel, mittleres Drittel Beugung der Hüfte, Kniestreckung
**L4** Außenseite des Oberschenkels, Kniescheibe, Innenseite des Unterschenkels Kniestrecken, Fußheben
**L5** Innenseite des Unterschenkels, Fußrücken, Großzehe Zehenheben, Abduktion in der Hüfte (siehe Grafik)
**S1** Äußerer hinterer Unterschenkel, Fußaußenkante Abrollen des Fußes

Tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, kann es zusätzlich zu einer Harn- oder Stuhlinkontinenz kommen. Hierbei fehlt die Kontrolle über die entsprechenden Schließmuskeln an Blase und After.

Drückt der Bandscheibenvorfall auf die letzten austretenden Nerven der sogenannten Cauda equina (lat. für Pferdeschwanz, da die entsprechende anatomische Struktur diesem ähnelt), ist häufig eine Reithosenanästhesie zu beobachten. Hierbei handelt es sich um eine Taubheit im Bereich einer Reithose: an den Innenseiten der Oberschenkel, sowie im Schritt ist die Empfindlichkeit herabgesetzt.### Brachialgie

Auch bei Symptomen in den Armen, die durch einen Bandscheibenvorfall bedingt sind, treten folgende Muster einzeln oder in Kombination auf:

**Nerven-wurzel** **Ort der Sensibilitätsstörung** **Art der Bewegungseinschränkung**
**C1/2** Nacken und Hinterkopf
**C3/4** Nacken und Schulter Ausfall der Atmung durch eine Zwerchfelllähmung (extrem selten)
**C5** Schulter Armheben (Delta-Muskel)
**C6** Daumenseite (Radialisseite) des Ober- und Unterarms Beugung und Außendrehung (Supination – siehe Grafik) des Unterarms (Bizeps-Muskel)
**C7** Vorderseite des Unterarms, Zeige-, Mittel- und Ringfinger Streckung des Unterarms (Trizeps-Muskel)
**C8** Kleinfingerseite (Ulnarisseite) des Unterarms und kleiner Finger Fingerspreizen

Komplikationen

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Übersicht

Ein Bandscheibenvorfall ist in der Regel kein akuter Notfall, der sofort operiert werden muss. Meist kann mit einer konservativen Therapie gestartet werden. Auch eine Operation kann in der Regel vorher geplant werden.

Trotzdem kann es im Verlauf eines Bandscheibenvorfalls zur Verstärkung der Schmerzen kommen. Daneben können zusätzlich Taubheit, Missempfindungen oder Schwächen in den betroffenen Extremitäten auftreten oder sich ausbreiten.

Die Schmerzen, die mit einem Bandscheibenvorfall einhergehen, lösen gleichzeitig Muskelverspannungen aus. Somit treten eine Fehlbelastung der Gelenke und ein erneuter Schmerzreiz auf. Wird dieser Teufelskreis nicht durchbrochen, verstärkt sich das Krankheitsbild zunehmend. Gleichzeitig können die Schmerzen chronifizieren, das heißt der Körper erlernt den Schmerz und nachdem die Ursache (der Bandscheibenvorfall) behoben wurde, bleibt der Schmerz weiterhin bestehen.

Ein Bandscheibenvorfall wird bei fehlender Behandlung ständig größer, da weiterhin Belastung auf die Bandscheibe ausgeübt wird und somit mehr Bandscheibeninhalt in den Wirbelkanal drückt. Hierdurch nehmen häufig Schmerzen zu.

Wenn der Vorfall zu groß ist, wird die Blutversorgung der Nervenwurzel abgeklemmt, es kommt zum Wurzeltod. Da keine Schmerzen weitergeleitet werden, bemerkt man nun weniger Beschwerden. Allerdings werden nun auch keine Informationen an die entsprechenden Muskeln gesendet, die somit taub sind.### Schäden durch Nervenschädigungen

Schäden an Nerven entstehen durch höheren Druck, da zum einen die Nervenleitung negativ beeinflusst wird, zum anderen wird auch die Blutversorgung eines Nervs unterbunden werden. Dadurch kommt es zur Ausbreitung und Verschlimmerung der Symptome.

Die eingeschränkte Blutversorgung führt erst zu einer Verbesserung der Symptomatik: Der Nerv kann keine Schmerzen mehr weiterleiten und es kommt zur Schmerzfreiheit. Gleichzeitig werden auch Muskelfasern geschädigt und die entsprechenden Muskeln werden gelähmt. Dies wird auch als Wurzeltod bezeichnet, da bei zu langer Unterbrechung der Blutversorgung der Nerv irreversibel geschädigt wird. Eine Operation muss bei Auftreten von Lähmungserscheinungen innerhalb der nächsten 24 Stunden durchgeführt werden, um eingeklemmte Nerven zu entlasten.Zudem kann es zu Problemen der Blasen- und Mastdarmentleerung kommen. Hierbei wird eine Überlaufblase beobachtet, das heißt obwohl die Blase gefüllt ist, kann sie nicht gezielt entleert werden.

Eine weitere Komplikation ist die Reithosenanästhesie. Es kommt zur Taubheit in den Bereichen, die von einem Sattel berührt werden: die inneren Unterschenkel, hinteren Oberschenkelflächen und um das Rektum.

Bei diesem Krankheitsbild drückt ein Bandscheibenvorfall auf alle Nerven im Wirbelkanal. Es wird von einem niedrigen Querschnitt gesprochen. Meist ist auch die Potenz betroffen. Ein Querschnitt kann auch höher auftreten, da durch den Druck des Bandscheibenvorfalls die Blutversorgung des Rückenmarks eingeschränkt ist. Dies tritt jedoch selten auf.

Auch bei diesen Komplikationen muss eine Operation innerhalb der nächsten 24 Stunden nachdem die Symptome zum ersten Mal aufgetreten sind, durchgeführt werden. Sonst bleiben diese Schäden auch nach einer Operation erhalten.### Komplikationen nach Operationen

Eine Operation bedeutet immer ein gewisses Risiko für den Patienten. Jedoch sind die meisten Eingriffe bei Bandscheibenvorfällen nicht sehr groß und nur selten mit direkten Komplikationen während der Operation verbunden.

Häufiger kommt es allerdings nach einer Operation zu Beschwerden im Operationsgebiet. Bei vielen Operationen muss die Rückenmuskulatur von der Wirbelsäule getrennt werden, um an das Rückenmark zu gelangen. Diese Trennung führt zu einer Muskelschwäche in diesem Bereich oder aber zu Vernarbungen, die auch häufig Beschwerden verursachen. Mit neueren endoskopisch ausgeführten Operationstechniken werden Schäden reduziert, da hierbei weniger Muskulatur während der Operation geschädigt wird.


Diagnose

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Übersicht

Die vom Patienten im ärztlichen Gespräch geäußerten Beschwerden müssen mit den Ergebnissen der Untersuchung sowie mit den bildgebenden Verfahren übereinstimmen. Nach dem ärztlichen Gespräch dient die klinische Untersuchung der genaueren Beschreibung der Symptome, wie Schmerz, Missempfindungen, Taubheit oder Lähmungen. Zusätzlich kann der Ort des Bandscheibenvorfalls (die betroffene Nervenwurzel) genauer eingeschätzt werden. Erst im Anschluss daran findet eine Diagnostik mit weiteren Geräten statt. Hierbei werden am häufigsten bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt, verwendet.

Untersuchungstechniken

Untersuchung von Empfindungsstörungen

Zur genaueren Untersuchung von Empfindungsstörungen (Sensibilitätsausfälle) lassen sich verschiedene Verfahren für die unterschiedlichen Sinneseindrücke, für welche die Haut zuständig ist, verwenden. Hierunter fällt die Prüfung des Tast- und Vibrationssinns, sowie des Kälte- und Wärmeempfindens. Die folgenden Untersuchungen sollten vor und nach erfolgter Therapie erhoben werden, um den Erfolg zu messen:

  • Der Tastsinn lässt sich mit zwei Nadeln untersuchen: der geringste Abstand, der bei einer Berührung mit beiden Nadeln noch wahrgenommen wird (2-Punkt-Abstand), nimmt bei Nervenschädigung ab.
  • Das Vibrationsempfinden lässt sich mit Stimmgabeln überprüfen. Die Stimmgabel wird angeschlagen und schwingend auf die Haut gesetzt. Geringere Intensitäten der Vibration werden bei Ausfällen nicht mehr wahrgenommen.
  • Wärme- und Kälteempfinden können mit zwei Röhrchen, gefüllt mit kaltem und warmem Wasser, überprüft werden. Werden die Röhrchen auf die Haut gehalten, lassen sich Störungen des Temperaturempfindens entlang der Dermatome feststellen.

Nervendehnung – häufige Ursache von Schmerzen

Bei folgenden Untersuchungen wird eine Nervendehnung vorgenommen und somit ein Schmerz provoziert. Auch diese Untersuchungen dienen einerseits der Eingangsuntersuchung, andererseits im Behandlungsverlauf zur Überprüfung der Therapiewirksamkeit:

  • Beim Vorwärtsbeugen ist der Finger-Boden-Abstand aussagekräftig, zusätzlich muss überprüft werden, ob ein seitwärts oder Rückwärtsbeugen des Rumpfes Schmerzen auslöst.
  • Lasègue: In Rückenlage kommt es beim Beugen des Beines bei gestrecktem Knie zu Schmerzen vom Gesäß bis in die Rückseite des Beines.
  • Im Lendenbereich wird geschaut, ob Druck neben der Wirbelsäule Schmerzen auslöst.

Weitere Untersuchungen

  • Auch Änderungen das Gangbildes sind typisch für einige Bandscheibenvorfälle.
  • Ist der Zehenspitzen- und Fersengang nicht möglich, spricht dies auch für einen Bandscheibenvorfall.
  • Trendelenburg-Zeichen: beim Heben des Beines auf der gesunden Seite sinkt die Hüfte auf der Gegenseite ab.

Schmerzhafte Druckpunkte: Wade, Kniekehle, Hinterseite des Oberschenkels und des Gesäßes (Valleixsche Druckpunkte)

Reflexprüfung

Die Reflexprüfung dient der Beurteilung des Nervenzustandes. Zur Untersuchung wird mit einem Reflexhammer leicht gegen die Sehne eines Muskels gehauen. Bei intaktem Nerv vom und zum entsprechenden Muskel tritt die typische unwillkürliche und manchmal als unangenehm empfundene Anspannung des Muskels auf. Veränderungen zeigen sich bei Verletzungen von Nerven oder des Rückenmarks. Sie sind bei einem einseitigen Bandscheibenvorfall gegenüber der Gegenseite abgeschwächt. Untersucht werden hierbei:

  • Der Kniesehnenreflex: mit leichtem Druck durch den Reflexhammer wird auf die Sehne unter der Kniescheibe gehauen. Durch diesen Reflex lässt sich die Nervenwurzel L4 einschätzen.
  • Der Achillessehnenreflex: Bei entspanntem Fuß wird Druck auf die Achillessehne ausgeübt.
  • Der Bizepssehnenreflex: Die Bizepssehne verläuft in der Ellenbeuge, sodass bei Druck auf die Sehne der Unterarm gebeugt wird. Ein Ausfall bei einem Bandscheibenvorfall lässt auf die Nervenwurzel C6 schließen
  • Der Trizepssehnenreflex: um den Trizepssehnenreflex auszulösen wird auf die Sehne oberhalb des Ellenbogens gedrückt. Ein Ausfall zeigt eine Schädigung der Nervenwurzel C7

Bildgebende Verfahren

Heutzutage werden für die Diagnose des Bandscheibenvorfalls hauptsächlich die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt, angewandt.

Die CT arbeitet wie das klassische Röntgen mit Röntgenstrahlen und misst die Abschwächung der Stärke der Röntgenstrahlen, wenn diese durch den Körper treten. Im Unterschied zum herkömmlichen Röntgen werden hierbei Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln gemacht. Das Gesamtbild, das hierbei entsteht, zeigt den Körper in vielen kleinen Schichten, wobei die Farben auf den Bildern im Groben denen eines Röntgenbildes entsprechen: Knochen ist weiß, Luft schwarz abgebildet. Muskeln und Nerven liegen dazwischen und werden grau abgebildet. Unterschiede zwischen Muskeln, Nerven aber auch Fettgewebe können hierbei nicht eindeutig erkannt werden. Daher eignet sich die CT zur Beurteilung der knöchernen Strukturen, um bspw. die Weite des Wirbelkanals oder Knochenbrüche zu erkennen.

Die MRT trägt weit mehr zur Diagnosestellung bei. Hierbei ist die Strahlenbelastung deutlich geringer, da keine Röntgenstrahlen benutzt werden. Durch einen magnetischen Impuls werden Wassermoleküle angeregt und aus ihrem Ruhezustand gelöst. Die Zeit bis sich die Wassermoleküle wieder in ihrem Ursprungszustand befinden ist für fast jedes Gewebe unterschiedlich und ermöglicht somit deren Unterscheidung.

Die MRT kann nicht bei allen Patienten verwendet werden. Auf Grund der starken Magnetfelder, die für die Untersuchung verwendet werden, treten Wechselwirkungen mit Metallen auf. Herzschrittmacherpatienten dürfen keiner MRT Untersuchung unterzogen werden, da sich die Schrittmacher stark erhitzen können und zu Gewebeschäden führen. Die MRT Untersuchung bei Patienten mit Metallimplantaten scheint weniger problematisch, da neue Legierungen weniger magnetisch sind und durch die Größe der Implantate keine starke Erwärmung im umliegenden Gewebe stattfindet. Die MRT Untersuchung ist zudem nicht aussagekräftig, wenn bereits eine Voroperation im Untersuchungsgebiet stattfand und ein Metallimplantat eingesetzt wurde. In seltenen Fällen wird dann eine Röntgenaufnahme, bei der ein Kontrastmittel um das Rückenmark gespritzt wird, nötig (Myelographie).


Therapie

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Übersicht

Die Therapie des Bandscheibenvorfalls ist stark von der Ausprägung der Symptome und der subjektiven Beschwerden sowie der Krankheitsdauer abhängig. Bei einer Vorwölbung mit leichten Beschwerden reicht eine konservative Therapie mit Medikamenten und physiotherapeutischen Übungen. Erst bei längeren Beschwerden von mehr als 6 Wochen oder wenn keine Verbesserung durch eine konservative Therapie eintritt, wird eine Operation durchgeführt. Dies geschieht auch bei subjektiv hohem Leidensdruck durch den Bandscheibenvorfall. Ein in bildgebenden Verfahren nachgewiesener Bandscheibenvorfall mit gleichzeitig bestehenden Muskellähmungen oder Störungen der Blasen- und Mastdarmentleerung muss innerhalb der nächsten 24 Stunden operiert werden.

Konservative Therapie

Eine Bandscheibenvorwölbung bildet sich, solang keine Fasern endgültig in den Wirbelkanal gelangt sind, teilweise spontan zurück. Hierbei wird erst einmal eine funktionelle Entlastung beispielsweise durch Bettruhe auf fester Unterlage mit gebeugter Hüfte und Knien (Stufenbettlagerung) gesetzt. Im Vordergrund steht anfänglich eine Behebung der reflektorischen Verspannung der Rückenmuskulatur im betroffenen Segment, um den Teufelskreis aus zusätzlicher Belastung der Gelenke und weiteren Schmerzen zu durchbrechen.

Die Verabreichungsform (Tabletten, Pflaster, Zäpfchen) von Medikamenten ist hierbei zweitrangig. Folgende Medikamente sind gegen Schmerz und Verspannung der Rückenmuskulatur hilfreich:

  • Schmerzmittel und antientzündlich wirkende Medikamente (Analgetika und Antiphlogistika)
  • Eine vorrübergehende Entspannung der Muskulatur herbeirufende Medikamente (Myotonolytika)
  • Direktes Spritzen von örtlich wirksamen Betäubungsmitteln um die Nervenwurzel oder das Rückenmark (Lokalanästhetika-Injektion)

Neben der medikamentösen Schmerztherapie ist auch eine physiotherapeutische Unterstützung sinnvoll. Als lindernd wird häufig örtliche Wärmeanwendung durch Heilschlamm (Fango-Packungen) oder eine gezielte Erwärmung der Körpergewebe durch Kurzwellentherapie (Diathermie) empfunden. Eine Massage ist durchaus auch hilfreich, jedoch sollte bei Schmerzverstärkung während der Massage diese Therapie abgebrochen werden, da Instabilitäten der Wirbelsäule die Nervenquetschung verstärken.

Im Anschluss wird eine Kräftigung der Rücken- und Bauchmuskulatur gesetzt, um einer erneuten Fehlhaltung oder einer Fehlbelastung in diesem Bereich vorzubeugen. Sinnvoll hierbei ist eine ambulante Durchführung von Krankengymnastik. Teilweise ist aus pflegerischen Gründen oder persönlichem Aufwand auch eine stationäre Unterbringung während der Therapie sinnvoll. Nach der anfänglichen Therapie sollten die gezeigten Übungen auch zu Hause weiter durchgeführt werden, um einer erneuten Bandscheibenproblematik vorzubeugen. Unter Prävention sind weitere Übungen gezeigt, die sinnvoll für die Vorbeugung von ersten beziehungsweise erneuten Bandscheibenvorfällen geeignet sind.

Operative Therapie

Eine operative Therapie sollte nur gut überlegt durchgeführt werden, da eine aufwändige Bandscheibenoperation immer ein zusätzliches Risiko für den Patienten bedeutet. Daher sollte wenn möglich zuerst eine konservative Therapie durchgeführt werden. Die Ergebnisse einer Bandscheibenoperation sind trotzdem sehr gut und übertreffen langfristig die Resultate der konservativen Therapie. Nach einer Operation sind ungefähr 80 % der Patienten beschwerdefrei. Nur Bei 5 % der Patienten treten nach der Operation erneut Bandscheibenbeschwerden im Operationsgebiet auf.

Die Operation erfolgt meist in mikrochirurgischer Technik. Hierbei wird über den Rücken ein Zugang zum Wirbelkanal hergestellt. Das Rückenmark wird dargestellt und mit einem Haken während der Operation geschützt. Nun wir das hintere Längsband am Wirbelkörper eingeschnitten. Die Masse des Bandscheibenvorfalls (Sequester) kann nun mit einer Fasszange entfernt werden. Wenn nötig werden gleichzeitig knöcherne Engstellen, die das Rückenmark einengen entfernt und somit ein normal großer Wirbelkanal geschaffen.

Gerade an der Halswirbelsäule lässt sich ein Bandscheibenvorfall auch von der Vorderseite entfernen (perkutane Nukleotomie). Mit diesem Verfahren lassen sich gute Ergebnisse erzielen, da es deutlich seltener zur Narbenbildung der Rückenmuskulatur kommt. Gleichzeitig ist die Operation riskanter, da wichtige und empfindliche Strukturen durch den Operationszugang verlaufen (Halsschlagader), die während der Operation geschützt werden müssen.

Beide Verfahren lassen sich auch mit geringsten Verletzungen (minimal invasiv) durchführen. Der Operationszugang wird deutlich verkleinert, da eine Metallröhre als Arbeitskanal bis zum Bandscheibenvorfall vorgeschoben wird (endoskopische Operation). Die Entfernung des Bandscheibenvorfalls erfolgt analog zum klassischen Operationsverfahren.

Alternative Medizin

Neben den schulmedizinischen Verfahren stehen auch weitere Methoden aus der alternativen Medizin zur Verfügung, um Schmerzen zu behandeln. Hierzu gehören:

  • Akupunktur: Studien haben gezeigt, dass Akupunktur bei Rückenschmerzen kurzzeitig Besserung verschafft.
  • Massagen: klassische Massagen sind besonders bei Kreuzschmerzen hilfreich.
  • Manuelle Therapie und chiropraktische Manipulation: Bei kurz anhaltendem Rückenschmerz sind diese Verfahren hilfreich. Bei chronischen Schmerzen sollten diese Verfahren nur nach vorheriger Absprache mit dem Arzt stattfinden.
  • Yoga: Einige Übungen führen zu Linderung von Rückenschmerzen. Jedoch sollten nicht alle Übungen angewandt werden, da es zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommen kann.

Prävention

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Übersicht

Einem Bandscheibenvorfall kann mit verschiedenen Übungen vorgebeugt werden. Auch nach einem Bandscheibenvorfall sollten krankengymnastische Übungen durchgeführt werden, um das erneute Auftreten eines Bandscheibenvorfalls zu verhindern. Hierbei wird auf regelmäßige Bewegung ohne zu starke Belastung gesetzt. Häufig werden Sportarten, in denen eine nach vorn gebeugte Haltung der Wirbelsäule eingenommen wird, als angenehm empfunden. Daneben sollten auch Allgemeinmaßnahmen, die zur Rückenschonung dienen, beachtet werden. Risikofaktoren sollten vermieden werden.

Allgemeinmaßnahmen

Rückenschonendes Tragen und Arbeiten

  • Richtiges Heben: schwere Lasten sollten nicht mit gestreckten Beinen, sondern aus der Hocke heraus angehoben werden.
  • Falsche und unsymmetrische Belastungen sollten vermieden werden.
  • Große Lasten werden möglichst dicht am Körper transportiert.
  • Eine falsche Körperhaltung beim Stehen und beim Arbeiten im Sitzen (vor dem PC) führt zu falscher Belastung und sollte korrigiert werden. Lasten sollten möglichst symmetrisch verteilt werden, beim Arbeiten vor dem PC sollte auf eine möglichst aufrechte Haltung des Rückens geachtet werden.

Ernährung

  • Gesunde Ernährung: für gesunde Knochen sind hauptsächlich Vitamin D und Kalzium verantwortlich. Also: viele Milchprodukte verspeisen und häufiger in die Sonne gehen (dabei wird Vitamin D produziert!).
  • Insgesamt sollte auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse geachtet werden

Risikofaktoren vermeiden

  • Für eine bessere Durchblutung der Bandscheiben und der Knochen ist es sinnvoll mit dem Rauchen aufzuhören. Bei Rauchern degenerieren Bandscheiben deutlich schneller.
  • Gesundes Gewicht: Gewicht bedeutet Belastung für Wirbelsäule und Bandscheibe. Daher muss Übergewicht reduziert werden.

Sport und Bewegung

Sport und Bewegung tun nicht nur der Bandscheibe und Wirbelsäule, sondern dem ganzen Körper gut. Sport und Sportarten mit zu starker und unsymmetrischer Belastung sollten jedoch vermieden werden. Hierzu gehören zum Beispiel Tennis und Extremsportarten.

Sport sollte möglichst regelmäßig durchgeführt werden. Wichtig vor jeder Bewegung ist ein sinnvolles Aufwärmen. Folgende Sportarten sind gut um die Rückenmuskulatur zu stärken und trotzdem die Bandscheiben nicht übermäßig zu belasten:

  • Nordic Walking
  • Joggen (auf weichem Untergrund – kein Asphalt und mit den richtigen Schuhen)
  • Rückenschwimmen
  • Rad fahren
  • Wandern (bergauf ist besser geeignet als bergab)
  • Kraftsport zur Rückenschulung und zum Vorbeugen vor Bandscheibenvorfällen. Jedoch muss hier auf eine schonende und gleichmäßige Anwendung geachtet werden

Leben mit ...

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Übersicht

Bandscheibenbeschwerden sind in den meisten Fällen gut behandelbar. Schlägt eine konservative Therapie nicht an, wird eine Operation durchgeführt. Meistens ist der Rücken nach einer erfolgreichen Therapie bereits nach 8-12 Wochen wieder voll einsatzfähig. Jedoch sollten nun, gerade um ein erneutes Auftreten des Bandscheibenvorfalls zu verhindern, vorbeugende Maßnahmen angewandt werden. Diese Übungen entsprechen hauptsächlich präventiven Maßnahmen, wie sie im letzten Kapitel beschrieben werden.

Viele Patienten beschreiben eine Besserung bei häufiger Bewegung. Sportarten, die einem Bandscheibenvorfall vorbeugen, können auch zur schnelleren Heilung des Operationsgebietes eingesetzt werden (Rückenschwimmen, Radfahren, Gymnastik).

Nach etwa drei Monaten ist eine Bandscheibe nach einer Operation ausgeheilt und kann in den meisten Fällen wieder voll belastet werden. Sinnvoll sind Übungen zum Erlernen richtiger Bewegungen und Haltungen. Daneben muss ein Aufbau der stützenden Rückenmuskulatur sattfinden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und falscher Belastung vorzubeugen. Zum Erlernen von Bewegungsübungen empfiehlt sich die Unterstützung von professionellem Personal. Die erlernten Übungen müssen zu Hause eigenständig weitergeführt werden. Bei richtiger Anleitung und eigenständiger Weiterführung der Übungen kann einem erneuten Bandscheibenvorfall vorgebeugt werden. Auch das tägliche Leben ist damit in den meisten Fällen wenig eingeschränkt.

Nur in wenigen Fällen treten Schmerzen nach einer Bandscheibenoperation weiter auf oder es kommt zu einem erneuten Bandscheibenvorfall. Eine Operation verschafft etwa 90 % der Patienten eine Besserung über längere Zeit.

Nach einem Bandscheibenvorfall sollte auf starke körperliche Arbeit von mehreren Stunden Dauer verzichtet werden. Hierbei kann es notwendig sein, auch das Arbeitsumfeld zu wechseln um Belastung des Rückens zu vermeiden. Dies hängt jedoch stark von individuellen Ergebnissen und Vorbelastungen ab und sollten für jeden Einzelfall geprüft werden.### Bewegungsübungen nach einem Bandscheibenvorfall

  • Zum Erlernen richtiger Körperhaltung kann die Alexander-Technik sinnvoll sein.
  • Als Verbindung von Bewegungsübungen und manuellen Therapien gibt es das Konzept der „Mechanischen Diagnose und Therapie (MDT)“ nach McKenzie.
  • Zum Erfahren und Erlernen von richtigen Bewegungen bietet die Spiraldynamik eine weitere Möglichkeit. Bisher fehlen jedoch Studien, die die Wirksamkeit der Spiraldynamik belegen.

Rückenschule

Allgemeines zum Training

Die Übungen sollten Sie etwa drei- bis viermal pro Woche für jeweils eine halbe Stunde durchführen. Vorher ist eine Aufwärmung sinnvoll. Zum Unterlegen empfiehlt sich eine weiche Matte. Es ist auf eine richtige Durchführung der Übungen und einen möglichst fließenden Bewegungsablauf zu achten. Zu ruckartige Bewegungen können die Beschwerden verstärken. Auch auf die Atmung zu achten ist wichtig: Bei Entspannung einatmen, bei Anspannung ausatmen. Sechs bis zehn Übungen nacheinander durchführen. Fünf Durchgänge mit etwa 10 Wiederholungen pro Übung sind sinnvoll. Pausen sind wichtig. Richtwert ist eine halbe Minute nach den 10 Wiederholungen einer Übung.

Nach einem Bandscheibenvorfall ist es sinnvoll die Rückenmuskulatur zu stärken. Hierdurch werden eine gleichmäßigere Belastung und eine Entlastung der Bandscheiben erreicht. Sinnvolle Übungen sind:

Brückenposition

  1. Legen Sie sich auf den Rücken, die Knie sind etwas angestellt, die Arme liegen etwa 20 cm neben dem Körper.
  2. Heben Sie Ihren Körper mit den Schulter- und Kniemuskeln an. Halten Sie diese Position für 3-4 normale Atemzüge.
  3. Legen Sie Ihren Körper wieder ab. Ein höherer Effekt lässt sich erzielen, wenn Sie abwechselnd nur ein Bein aufstellen.

Katzenbuckel

  1. Knien Sie sich hin und stützen Sie sich mit den Armen ab.
  2. Machen Sie einen runden Rücken (Katzenbuckel) Bewegen Sie den Kopf dabei nach unten.
  3. Nun gehen Sie in ein leichtes Hohlkreuz (Pferderücken). Der Kopf bewegt sich nach oben.

Weitere Übungen für den Rücken:

  • In Rückenlage heben Sie Knie und Kopf an, anschließend ziehen Sie Ihre Knie Richtung Kopf. Diese Übung dient der Mobilisation der geraden Rückenmuskulatur.
  • In Rückenlage stützen Sie Ihren Oberkörper mit den Armen seitlich ab. Nun bewegen Sie die angestellten Knie abwechselnd nach links und rechts. Die Schultern bleiben während der gesamten Übung am Boden

Übungen für die Bauchmuskulatur

  • Aus der Anfangsstellung der Brückenposition drücken Sie das Kreuz auf den Boden.
  • Sit-ups: in Rückenlage stellen Sie die Beine an. der Oberkörper wird in Richtung der Knie bewegt. Richten Sie sich dabei nicht vollständig auf. Der Abstand zwischen Boden und Schultern sollte dabei 20 cm nicht überschreiten. Sit-ups trainieren hauptsächlich die gerade Bauchmuskulatur
  • Sit-ups mit erhöhten Beinen: Winkeln Sie Hüfte und Knie im 90 Grad-Winkel an (am besten einen Hocker unter die Beine stellen). Ansonsten bleibt der Ablauf gleich
  • In Seitenlage heben Sie die Beine etwa 20 cm über den Boden. Die Übung wiedeholen Sie auf beiden Seiten. Hierbei wird besonders die seitliche Bauchmuskulatur gestärkt.

Weitere Übungen für die Rückenmuskulatur

  • Knien Sie sich hin und stützen Sie den Oberkörper mit den Armen ab. Nun bewegen Sie einen Arm und gegenläufige Bein bis in die Waagerechte.
  • In Bauchlage heben Sie Arme und Beine vom Boden ab. Als Abwechslung der Übung können ein Arm und gegenläufiges Bein angehoben oder die Hände hinter dem Kopf verschränkt werden.

Leitlinien DEGAM