Gesund Leben: Gicht

Gicht

auch bekannt als: Urikopathie

Die Gicht ist eine meist chronische Erkrankung, die in akuten, sehr schmerzhaften Schüben verläuft und der eine Störung im Stoffwechsel der Purine zugrunde liegt. Gicht ist häufig mit anderen Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck sowie mit einer Erhöhung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.


Entstehung der Krankheit

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Übersicht

Purine sind wichtige Bausteine der Nukleinsäuren aus denen sich die menschliche und tierische Erbsubstanz, die DNA (DNS) zusammensetzt. Sie entstehen im Körper selbst oder werden über die Nahrung aufgenommen. Vor allem in tierischen Lebensmitteln sind viele Purine enthalten. Die Purine werden im menschlichen Organismus zu Harnsäure abgebaut, welche wiederum hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird.

Sobald die Harnsäurekonzentration im Blutserum über 6,4 mg/dl ansteigt spricht man von einer Hyperurikämie. Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie zu viel Harnsäure im Blut. In den Industrieländern trifft dies auf etwa ein Fünftel der Bevölkerung zu. In den meisten Fällen verursachen diese erhöhten Harnsäurewerte aber keine Beschwerden.

Von der eigentlichen Gichterkrankung ist nur etwa jeder zehnte bis zwanzigste Patient mit erhöhten Harnsäurewerten betroffen. Dem liegt zugrunde, dass sich in diesen Fällen die überschüssige Harnsäure im Körper in harte Kristalle umwandelt und ablagert. Dadurch entstehen die typischen Gichtbeschwerden, zu denen beispielsweise Schmerzen in den Gelenken (häufig im Großzehengrundgelenk) gehören.

Harnsäurestoffwechsel

Purine entstehen im Körper bei Abbau von Zellen (1a) oder auch als Stoffwechselprodukt (1c). Purine werden aber auch über die Nahrung aufgenommen (1b).

Die Purine werden im Körper mit Hilfe spezieller Proteine verstoffwechselt (2). Diese Proteine werden als Enzyme bezeichnet und machen die biochemischen Reaktionen möglich, die zur Herstellung der Harnsäure aus Purinen nötig sind. Sie wirken sozusagen als Katalysatoren. Harnsäure ist ein Abfallprodukt und muss vom Körper ausgeschieden werden (3).

Der größte Teil der Harnsäure wird über die Nieren ausgeschieden (ungefähr 75 %), ein geringerer Teil über den Darm, Speichel oder Schweiß (ungefähr 25 %) (4 und 5). Das Alter, das Geschlecht und auch die Ernährung eines Menschen beeinflussen entscheidend die Höhe des Harnsäurespiegels.

Harnsäureerhöhung (Hyperurikämie)

Sobald die Harnsäurekonzentration im Blutserum über 6,4 mg/dl ansteigt, spricht man von einer Harnsäureerhöhung (Hyperurikämie). Das heißt, dass in einem Deziliter Blutserum mehr als 6,4 mg Harnsäure festgestellt werden können. Dieser Überschuss an Harnsäure im Körper kann vier Ursachen haben:

  • verminderte Ausscheidung von Harnsäure (häufigste Ursache)
  • vermehrter Abbau von körpereigenen Zellen (bei Tumorerkrankungen, Leukämien oder Strahlentherapie)
  • vermehrte Aufnahme von Purinen über die Nahrung (häufiger Zusatzfaktor)
  • vermehrter körpereigener Aufbau von Harnsäure (sehr seltene Erkrankungen)

Natürlich ist auch eine Kombination dieser Faktoren denkbar.

Ursachen für verminderte Ausscheidung von Harnsäure

Störung der Harnsäureausscheidung in den Nieren aufgrund einer vererbten Stoffwechselstörung:

  • Die Hyperurikämie manifestiert sich als Krankheit aber erst bei zusätzlich purinreicher Ernährung und Übergewicht.
  • Die Mehrzahl der Patienten haben Familienmitglieder, die ebenfalls unter dieser Erkrankung leiden oder gelitten haben.

Störung der Harnsäureausscheidung in den Nieren aufgrund von Nierenerkrankungen, Störungen im Säure-Basen-Haushalt des Körpers oder durch Medikamenteneinnahme:

  • Nierenerkrankungen wie Entzündungen der Niere oder Nierentumoren können die Nierenfunktion und damit die Fähigkeit der Nieren zur Harnsäureausscheidung einschränken.
  • Störungen im Säure-Base-Haushalt des Körpers können die Harnsäureausscheidung in der Niere vermindern.
  • Bestimmte Medikamente wie Diuretika, die auf die Niere wirken, können die Harnsäureausscheidung vermindern.

Ursachen für vermehrten Abbau von körpereigenen Zellen

Jeden Tag baut der Körper auch im gesunden Zustand Zellen ab. Beim Abbau wird die DNS, die bei fast allen Körperzellen im Zellkern gespeichert ist, freigesetzt. Damit werden auch Purine freigesetzt und zu Harnsäure abgebaut. Unter bestimmten Umständen kann der Zellzerfall allerdings vermehrt sein, so dass im Körper auch Harnsäure vermehrt anfällt:

  • Tumorerkrankungen oder bösartige Erkrankungen der Blutzellen, wie zum Beispiel Leukämien
  • Chemo- oder Strahlentherapie

Ursache für vermehrte Aufnahme von Purinen über die Nahrung

Menschen, die an Gicht leiden oder erhöhte Harnsäuewerte haben, sollten purinreiche Nahrungsmittel wie Fleisch, Innereien und Meeresfrüchte meiden beziehungsweise purinarme Kost zu sich nehmen. Es sollten nicht mehr als 300 mg Purine pro Tag konsumiert werden, was einer Harnsäureproduktion von etwa 700 mg entspricht.

Es gibt Tabellen, in denen man nachschauen kann, wie viel Purine in bestimmten Lebensmitteln enthalten sind und wie viel Harnsäure daraus entsteht. Aus 1 mg Purin entstehen etwa 2,38 mg Harnsäure.

  • Beispielsweise enthalten 100 g Weißbrot ungefähr 6 mg Purine, aus denen ungefähr 21 mg Harnsäure entstehen.
  • 100 g Rindfleisch enthalten dagegen schon 58 mg Purine, aus denen ca. 140 mg Harnsäure entstehen.
  • 100 g Rinderleber enthalten bereits 231 mg Purine, aus denen ca. 554 mg Harnsäure entstehen.

Purinreiche Ernährung allein reicht bei den üblichen Essgewohnheiten in Deutschland heutzutage kaum aus, um eine Hyperurikämie auszulösen. Vielmehr ist sie bei einer der drei anderen Ursachen ein häufiger Zusatzfaktor, der das zugrundeliegende Problem erst sichtbar macht.

Vor einigen Jahrhunderten ernährten sich wohlsituierte Gesellschaftsschichten vor allem von Hähnchen und Wildbret. Damals gab es vermehrt Fälle von Gicht. Die Krankheit wurde damals mit dem Begriff „Zipperlein“ bezeichnet.

Ursachen für vermehrten körpereigenen Aufbau von Harnsäure

Vererbbare Enzymfehlfunktionen im Purinstoffwechsel können zu einer Überproduktion von Harnsäure führen. Diese Erkrankungen sind sehr selten, manifestieren sich in der Regel bereits im Kindesalter und gehen mit schwerwiegenderen Beschwerden einher als den Symptomen der Gicht.

Auslöser des akuten Gichtanfalls

Ein akuter Gichtanfall kann ausgelöst werden, wenn sich der Harnsäurespiegel im Blut plötzlich ändert. Dazu können purinreiche Ernährung, Alkoholkonsum (insbesondere Bier) oder Fasten, aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Diuretika, Acetylsalicylsäure, Ciclosporin A, Methotrexat) führen. Auch zu Beginn einer Therapie, die den Harnsäurespiegel senken soll, können akute Gichtanfälle ausgelöst werden. Fasten führt allerdings nur sehr selten zum akuten Gichtanfall, so dass sich Betroffene beispielsweise durch diese Tatsache nicht davon abhalten lassen sollten, eine notwendige Gewichtsabnahme durchzuführen. Gichtpatienten, die abnehmen wollen, sollten mit ihrem Hausarzt darüber sprechen.

Beim akuten Gichtanfall lagert sich die Harnsäure in Form von Uratkristallen in der Gelenkflüssigkeit ab. Die Gelenkflüssigkeit wirkt innerhalb der Gelenkkapsel wie ein Schmierstoff und ist für die Funktionsfähigkeit eines Gelenks essentiell. Außerdem dient die Gelenkflüssigkeit der Ernährung des Gelenkknorpels, da sie Nährstoffe wie Eiweiße oder Zucker enthält und eine stoßdämpfende Funktion hat.

Die Uratkristalle, welche sich in der Gelenkflüssigkeit ablagern, werden von Fresszellen des Immunsystems (Phagozyten) aufgenommen. Diese Zellen lösen daraufhin eine Entzündungsreaktion aus, die zu den typischen Beschwerden führt. ### Häufigkeit der Gichterkrankung

In Hausarztpraxen ist die gichtbedingte Gelenkentzündung (Arthritis urica) mit einer Häufigkeit von 1,4 % die häufigste Gelenkentzündung bei Erwachsenen. Das Erkrankungsrisiko von Männern zu Frauen beträgt 4:1 bis 9:1. Frauen erkranken also deutlich seltener, da Östrogene die Harnsäure-Ausscheidung fördern. Frauen erkranken deswegen auch oft erst nach den Wechhseljahren, da dann der Östrogenspiegel im Körper sinkt.


Symptome

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Übersicht

Typischerweise macht sich die Gicht mit starken Schmerzen im Gichtanfall bemerkbar. Allerdings bekommt nicht jeder Mensch, bei dem man erhöhte Harnsäurewerte nachweisen kann, Gichtanfälle. Erhöhte Harnsäurewerte ohne entsprechende Gichtsymptome sind etwa zehn Mal häufiger als symptomatische Gichtfälle. Manche Betroffenen haben nur sehr selten Gichtanfälle, andere in regelmäßigen Abständen.

Akuter Gichtanfall

Als Leitspruch für die Auslöser eines akuten Gichtanfalls gilt: „Fasten und Feste“. Sowohl Hungerkuren als auch festliche Anlässe mit viel purinreichem Essen und/oder viel Alkohol (insbesondere Bier) können Auslöser eines akuten Gichtanfalls sein.

Bei einem akuten Gichtanfall kommt es plötzlich zu starken Schmerzen in einem Gelenk. Die Beschwerden treten häufig während der Nacht auf und in der Mehrzahl der Fälle (ca. 60 %) ist ein Großzehengrundgelenk betroffen. Häufig berichten die Betroffenen, dass sie das Gewicht der Bettdecke nicht mehr auf dem betroffenen Gelenk ertragen können. Die Haut über dem entzündeten Gelenk ist in der Regel gerötet, überwärmt und geschwollen.

Weitere Gelenke, an denen ein akuter Gichtanfall auftreten kann, können die Sprunggelenke und die Fußwurzel sein sowie Kniegelenke. Zehen- oder Fingergelenke (hier besonders Daumengrundgelenk) sowie Hand- und Ellenbogengelenk sind ebenfalls häufig betroffen.

Der Anfall kann einige Tage oder bis zu drei Wochen andauern. Es kann sein, dass während des akuten Gichtanfalls gar keine Harnsäureerhöhung mehr besteht, da gleichzeitig mit dem Auskristallisieren der Harnsäure im Gelenk der Serumspiegel der Harnsäure bereits wieder abgefallen ist.

Der erste Gichtanfall heilt in der Regel ohne Folgen ab, jedoch sind weitere Anfälle dann sehr wahrscheinlich. In einer Untersuchung vor der Zeit, als man die Harnsäure mit Medikamenten senken könnte, erlitten innerhalb von zwei Jahren vier von fünf Teilnehmern einen zweiten Anfall. Innerhalb von zehn Jahren waren es neun von zehn Personen, die einen erneuten Anfall erlitten. Auch werden die symptomfreien Intervalle bei vielen unbehandelten Personen immer kürzer, bis schließlich nach durchschnittlich zwölf Jahren eine chronische Gicht vorliegt.

Symptome im späteren Krankheitsverlauf

Bei der chronischen Gicht entstehen von außen oder im Röntgenbild sichtbare Kristallablagerungen in verschiedenen Körperregionen. Diese Ablagerungen werden auch als Gichttophi bezeichnet. Des Weiteren kann die Erhöhung des Harnsäurespiegels bei der Gicht die Niere schädigen.

Bei folgenden Symptomen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen

Wenn Sie unter Gicht leiden oder bei Ihnen erhöhte Harnsäurewerte bekannt sind, sollten Sie bei Symptomen eines akuten Gichtanfalls umgehend einen Arzt benachrichtigen, damit Ihnen geholfen werden kann. Des Weiteren sollten Sie sich bei Gelenkproblemen in ärztliche Behandlung begeben.

Da die Beteiligung der Niere eine ernst zu nehmende Komplikation bei Gicht ist, sollten Sie bei Hinweisen auf eine Nierenschädigung umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen. Dazu gehören vor allem:

  • Nierenkoliken
  • Fieber
  • schäumender Urin
  • Blut im Urin
  • Brennen beim Wasserlassen

Komplikationen

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Übersicht

Mögliche Komplikationen bei Gicht:

  • allgemeine Komplikationen wie Schmerzen und Fieber
  • Gelenkentzündungen
  • Harnsäureablagerungen in Weichteilen und Knochen, die zu langfristigen Gelenkschäden führen können
  • Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen

Allgemeine Komplikationen

Im akuten Gichtanfall kann es zu starken Schmerzen im betroffenen Gelenk kommen und infolge der Entzündungsreaktion auch zu Fieber. Der Gichtanfall heilt in der Regel ohne Folgen ab, jedoch sind weitere Anfälle häufig.

In einer Untersuchung aus der Zeit, bevor man die Harnsäure mit Medikamenten absenken konnte, erlitten innerhalb von zwei Jahren vier Fünftel der Studienteilnehmer einen erneuten Anfall. Nach zehn Jahren waren es sogar neun von zehn Studienteilnehmern, die einen erneuten Anfall erlitten.

Gelenkentzündungen

Durch eine Entzündungsreaktion am betroffenen Gelenk im akuten Gichtanfall kommt es zu Schmerzen. Des Weiteren kommt es zu Überwärmung, Schwellung und Rötung des Gelenks.

Gichttophi

Bei der chronischen Gicht entstehen von außen oder im Röntgenbild sichtbare Kristallablagerungen in verschiedenen Körperregionen. Diese Ablagerungen werden auch als Gichttophi bezeichnet und treten nur sehr selten auf.

Nierenschäden

Die Erhöhung des Harnsäurespiegels bei der Gicht kann in seltenen Fällen die Niere schädigen:

  • Nierensteine aus Harnsäureablagerungen (Uratnephropathie), die Nierenkoliken auslösen und Harnwegsinfekte sowie Nierenentzündungen begünstigen können
  • in seltenen Fällen kann akutes Nierenversagen besonders bei Anfall extrem großer Harnsäuremengen in der Niere vorkommen

Eine Nierenschwäche kann zum Anstieg der Harnsäure führen. Gleichzeitig dürfen bei einer Nierenschwäche Gichtmedikamente wie Allopurinol nur besonders vorsichtig dosiert werden. Gichtpatienten mit Nierenschwäche können sich zu dieser Problematik von ihrem Hausarzt beraten lassen.


Diagnose

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Übersicht

Die Diagnose Gicht muss von einem Arzt gestellt werden. Sollten bei Ihnen Symptome eines akuten Gichtanfalls auftreten, suchen Sie Ihren Hausarzt zur weiteren Abklärung auf.

Blutuntersuchung

Eine Überhöhung der Harnsäurekonzentration im Blutserum über 6,4mg/dl ist das diagnostische Kriterium zur Feststellung einer Harnsäureerhöhung (Hyperurikämie). Im akuten Gichtanfall kann es allerdings sein, dass für die Dauer des Anfalls normale Harnsäurewerte gemessen werden.

Urinuntersuchung

Die Ausscheidung von Harnsäure kann im 24-Stunden-Urin gemessen werden. Hierbei muss der Patient den während 24 Stunden ausgeschiedenen Urin in einem Gefäß sammeln, bevor die Harnsäurekonzentration bestimmt werden kann.

Sollte Ihr Arzt Sie gebeten haben, aus diagnostischen Gründen Ihren 24-Stunden-Urin zu sammeln, finden Sie hier einige hilfreiche Hinweise zum richtigen Vorgehen. So können Fehlbestimmungen vermieden werden:

  • Die Sammelperiode beginnt morgens um 7:00 oder 8:00 Uhr.
  • Zuerst wird die Blase entleert (diesen Urin noch nicht sammeln).
  • Dann wird gesammelt bis zum nächsten Morgen zur gleichen Zeit (diesen Urin auch noch sammeln).

Neben der richtigen Sammelmethode sind auch einige andere Dinge zu berücksichtigen, um korrekte Ergebnisse bei der Harnsäurebestimmung im 24-Stunden-Urin zu erzielen. Zwei bis drei Tage vor der Urinsammlung sollten stark purinhaltige Lebensmittel gemieden werden (zum Beispiel Fleischbrühe, Leber, Nieren, Geflügel, Heringe, Ölsardinen, Sardellen, Hülsenfrüchte).

Röntgenaufnahmen

Röntgenaufnahmen können in seltenen Fällen notwendig sein, um typische Harnsäurekristallablagerungen an den Knochen oder Gelenkschäden zu identifizieren.

Untersuchung der Gelenkflüssigkeit

Möglicherweise kann es notwendig sein, Gelenkflüssigkeit aus einem betroffenen Gelenk zu entnehmen, um darin Harnsäurekristalle nachzuweisen.


Therapie

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Übersicht

Gicht kann mit folgenden Maßnahmen behandelt werden:

  • purinarme Ernährung

  • ausreichend Flüssigkeitszufuhr

  • Beschränkung des Alkoholkonsums

  • Aufnahme von Vitamin C

  • Abbau von Übergewicht

  • Schmerzmittel und Colchizin

  • Medikamente, die entweder die Harnsäurebildung vermindern (Urikostatika) oder die Harnsäureausscheidung erhöhen (Urikosurika)

  • Operationen

  • Physiotherapie

Wichtiger Hinweis

Die hier vorliegenden Informationen zur Behandlung der Erkrankung beruhen auf einem strengen und aktuellen wissenschaftlichen Nachweis, der den weitgehenden Nutzen einer Behandlung gezeigt hat.

Leider gibt es in Deutschland keine allgemeingültige Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Gicht. Daher wurden in diesem Artikel vor allen Dingen die im Jahr 2006 entwickelten Leitlinien der European League Against Rheumatism (EULAR) herangezogen.

Es ist zu beachten, dass die hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten unter bestimmten Bedingungen angepasst werden müssen. Dabei spielen die persönlichen Wünsche und Lebensziele des Patienten eine wichtige Rolle. Auch das Alter, der Schweregrad der Erkrankung sowie mögliche Nebenerkrankungen können die Empfehlungen mitunter stark beeinflussen. Betroffene mit Nebenerkrankungen sollten ihren Hausarzt daher unbedingt darüber in Kenntnis setzen. Darüberhinaus sollten sie ihren Hausarzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen.

Der Hausarzt wählt für seinen Patienten die passende Behandlungsform entsprechend der oben genannten Kriterien. Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neueste oder kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchsten Qualität einer Therapie für einen Patienten. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden.

Purinarme Ernährung

Die Purinzufuhr in der Nahrung sollte maximal 300 mg pro Tag betragen. Das kommt schnell zusammen. Am besten sollten Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten oder Gicht die aufgenommenen Purinmengen täglich notieren. Dazu gibt es Tabellen, in denen der Puringehalt verschiedener Lebensmittel nachgeschaut werden kann. Um ein Gefühl für die Purinbegrenzungen zu bekommen, hier einige Beispiele.

300 mg Purine entsprechen beispielsweise folgenden Nahrungsmittelkombinationen:

  • 250 g Schweineschnitzel mit 100 g Erbsen
  • 100 g Haferflocken, 0,33 l Cola, 200 g gegarter Fisch
  • 100 g Ölsardinen und 200 ml Bier
  • 100 g Sprotten
  • 500 g mageres Fleisch
  • 600 g Wurst
  • ¾ l Apfelsaft
  • 300 g Schinken

Keine oder kaum Purine sind beispielsweise in folgenden Lebensmitteln enthalten:

  • Milch, Joghurt und Quark
  • Eier
  • Salatgurken, Paprikaschoten und Tomaten
  • Kartoffeln
  • Hartkäse
  • Obst
  • Eiernudeln und Reis
  • Walnüsse

Die Reduktion der Purinzufuhr mit der Nahrung bekämpft direkt die Ursache der Gicht: Den erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Sicherlich ist es für Betroffene nicht ganz einfach, sich daran zu gewöhnen, nun immer ein Auge auf den Puringehalt von Lebensmitteln zu haben. Mit der Zeit wird es aber ganz selbstverständlich, und ein Gefühl für die täglich aufgenommene Menge an Purinen stellt sich schnell ein.

Der Nutzen des Behandlungsverfahrens ist sehr groß. In jedem Stadium der Hyperurikämie gehört eine Ernährungsumstellung zur Behandlung dazu. Im Stadium der Hyperurikämie ohne Symptome ist die Ernährungstherapie in der Regel sogar die ausschließliche Therapie. Die wichtigste ernährungstherapeutische Maßnahme ist die Einschränkung der Aufnahme von Purinen mit der Nahrung. Risiken aufgrund der Ernährungsumstellung gibt es keine, wenn man von der Gefahr einer einseitgen Ernährung absieht.

Natürlich sollte bei einer Umstellung auf purinarme Ernährung trotzdem darauf geachtet werden, dass auch alle wichtigen Närstoffe weiterhin aufgenommen werden. Wichtig ist, dass Betroffene ihre Familienangehörigen und Freunde in das Thema Ernährungsumstellung einbeziehen. Es fällt in der Regel sehr viel leichter, Änderungen in der Ernährungen umzusetzen, wenn auch das Umfeld mithilft und über die Wichtigkeit der Maßnahme Bescheid weiß.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Bei erhöhten Harnsäure-Werten oder Gicht ist es wichtig, dass ausreichend Flüssigkeit getrunken wird, um die Harnsäure-Ausscheidung über die Nieren zu verbessern. Sofern keine Nebenerkrankungen bestehen, die eine Limitierung der täglich erlaubten Flüssigkeitsmenge erforderlich machen, sollten etwa 1,5 l am Tag getrunken werden. Sehr gut geeignet zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs ist Mineralwasser.

Eingeschränkter Alkoholkonsum

Alkohol (insbesondere Bier) ist am besten ganz zu vermeiden, da der Konsum einen akuten Gichtanfall auslösen könnte. Falls das nicht ganz möglich sein sollte, können Betroffene versuchen, auf purinärmere Alkoholika auszuweichen. So ist Rotwein deutlich ärmer an Purinen als Bier.

Das Thema Alkohol ist bei Gicht sehr wichtig. Denn sehr viele Gichtanfälle entstehen infolge eines feuchtfröhlichen Abends in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages.

Aufnahme von Vitamin C

Die tägliche Aufnahme von 1 bis 1,5 g Vitamin C führt bei Männern erwiesenermaßen zu einer vermehrten Ausscheidung von Harnsäure. Diese Maßnahme ist daher zu empfehlen. Vor allem, da die Umsetzung einfach, kostengünstig und ohne unerwünschte Nebenwirkungen ist.

Übergewicht abbauen

Betroffene sollten versuchen, ihr Körpergewicht normal zu halten beziehungsweise ein normales Körpergewicht zu erreichen. Dabei ist es aber sehr wichtig, Fastenkuren oder Radikaldiäten zu vermeiden, da diese einen akuten Gichtanfall auslösen könnten. Wenn Gichtpatienten oder Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten Gewicht abbauen möchten, sollten sie am besten den Rat ihres Hausarztes hinzuziehen.

Medikamente im akuten Anfall

Im akuten Anfall sind Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die Mittel der ersten Wahl. Bei Unverträglichkeit können stattdessen auch Glukokortikoidpräparate (Cortisonpräparate) zum Einsatz kommen.

Colchizin ist ein Mittel zweiter Wahl, das wegen seiner zahlreichen Nebenwirkungen lieber vermieden wird. Es hemmt die Aktivität der Fresszellen, welche auf die Aufnahme von Harnsäurekristallen hin eine Entzündungsreaktion auslösen können. Zu den Nebenwirkungen zählen vor allem Magen-Darm-Beschwerden bis hin zum Durchfall sowie einige seltene aber ernsthafte Störungen des Blutbildes (Agranulozytose) und Muskelerkrankungen (Myopathien).

Zu beachten ist, dass die Symptome eines akuten Gichtanfalls auch unbehandelt spätestens innerhalb von sieben bis zehn Tagen abklingen. Einen erneuten Anfall erleiden etwa 60 % der Patienten innerhalb des ersten Jahres. Bei Harnsäurewerten über 9 mg/dl liegt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres eine gichtbedingte Gelenkentzündung zu erleiden, bei etwa 5 %.

Medikamente in der Dauerbehandlung

In der Dauerbehandlung der Gicht unterscheidet man Medikamente, die den Anfall an Harnsäure im Körper vermeiden (Urikostatika) von Medikamenten, die die Harnsäure-Ausscheidung verbessern (Urikosurika).

Medikamente, die den Harnsäureanfall vermeiden (Urikostatika)

Allopurinol hemmt ein Enzym, das für die Bildung von Harnsäure aus Purinen notwendig ist. Dadurch fällt weniger Harnsäure in Geweben aus. Allopurinol darf allerdings nicht im akuten Gichtanfall gegeben werden.

Bei Einnahme von Allopurinol kann es unter anderem zu allergischen Reaktionen und Blutbildungsstörungen kommen. Insbesondere in Kombination mit manchen Chemotherapeutika kann es außerdem zur Wirungsverstärkung kommen, auf die in solchen Fällen geachtet werden sollte.

Es ist davon abzuraten, Allopurinol auch in solchen Fällen einzusetzen, bei denen alleine eine Harnsäurewerterhöhung (ohne gleichzeitige Symptomen der Gicht) vorliegt, da Allopurinol zu schweren allergischen Reaktionen führen kann. Diese treten zwar nur in wenigen Fällen auf, sollten aber zum sehr überlegten Einsatz dieses Medikaments veranlassen. Selbst ein einzelner Gichtanfall ist häufig noch kein Anlass zur Einnahme von Allopurinol.

Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung können von einer Behandlung mit Allopurinol eventuell auch in Hinsicht auf diese Erkrankung profitieren. So konnte bei einer Studie, bei der Patienten mit koronarer Herzerkrankung gleichzeitig Allopurinol einnahmen, eine verbesserte Belastbarkeit bis zum Auftreten von Herzbeschwerden festgestellt werden.

**Medikamente, die die Harnsäureausscheidung fördern (Urikosurika)

Benzbromaron und Probenecid können die Harnsäureausscheidung in der Niere erhöhen. Es ist wichtig, bei der Therapie mit diesen Wirkstoffen viel zu trinken (ca. 2 Liter täglich). Es besteht die Gefahr, dass sich die Harnsäure in der Niere kristallisiert, oder dass sich Harnsteine bilden. Benzbromaron ist ein Mittel zweiter Wahl, da es einnahmebedingt durchschnittlich bei einem von 25 Patienten zu Durchfall als Nebenwirkung kommt. Zusätzlich wird in der Regel Kaliumnatriumhydrogencitrat in Form von Granulat eingenommen.

Physikalische Therapie

Die Beschwerden einer chronischen Gicht können mit physikalischen Maßnahmen behandelt werden. Dazu gehören:

  • Schmerztherapie mit Ultraschall-, Elektro- oder Wärmeanwendungen

  • Kräftigung der Muskulatur durch Krankengymnastik, direkte Mittelfrequenzstrombehandlung oder eine Reizstromtherapie

  • Verbesserung der Durchblutung und Muskelentspannung mittels Massagen und Behandlung mit Wärme oder Kälte

  • Behandlung von Bewegungseinschränkungen beziehungsweise Korrektur und Vermeidung von Fehlstellungen durch Krankengymnastik und Ergotherapie

Operative Therapie

Die typischen Gichtknoten (Tophi) in Weichteilen und Knochen können operativ entfernt werden. Außerdem können in fortgeschritteneren Fällen Gelenkdeformationen vor allem an Fingern und Zehen chirurgisch korrigiert werden. Auch können künstliche Gelenke oder die Versteifung eines Gelenks angewendet werden, wenn eine Korrektur der Fehlstellung nicht ausreichend ist.

Dabei ist zu beachten, dass auch die modernste orthopädische Chirurgie nicht alle Gelenkschädigungen, die durch Gicht entstehen können, wieder heilen kann. Darüber hinaus sind Operationen natürlich stets mit typischen Risiken verbunden. Dazu gehören unter anderem Infektionen, Risiken infolge der Anästhesie oder Blutungen. Allerdings können gelungene Operationen zur deutlichen Verbesserung der Gelenkfunktion führen und damit zu einer enormen Verbesserung der Lebensqualität.

Weitere Therapieverfahren

Die hier dargestellten Behandlungsverfahren entsprechen den Therapien, deren Wirksamkeit, Sicherheit und Sinn durch Studien belegt worden sind und die in den Leitlinien empfohlen werden, welche zur Erstellung dieses Texts herangezogen worden sind. Unter anderem und vor allem zählt dazu die EU Leitlinie zur Behandlung der Gicht. Darüber hinaus gibt es gegebenenfalls noch weitere Therapiemöglichkeiten. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Bei Nicht-Behandlung können Gelenk- und Organschäden, als Folge der Gicht, schneller und in schwererer Form auftreten. Außerdem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Gichtanfalls und die damit verbundenen heftigen Schmerzen.


Prävention

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Übersicht

Um der Entstehung einer Gicht vorzubeugen, ist es unabhängig von der Veranlagung sinnvoll:

  • ein normales Körpergewicht zu erreichen oder zu halten,
  • ein gesundes Essverhalten und ein Bewusstsein für den Puringehalt von Lebensmitteln zu haben,
  • nicht übermäßig Alkohol zu konsumieren und
  • auf genügend Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Körpergewicht

Eine Normalisierung des Körpergewichts kann oft bereits zu einer Senkung des Harnsäurespiegels führen. Jeder sollte mit seinem Arzt abklären, ob eine Gewichtsreduktion notwendig ist. Wer ein normales Gewicht hat, hat ein geringeres Risiko an Gicht zu erkranken und beugt auch sehr vielen anderen Krankheiten vor.

Gesundes Essverhalten und Puringehalt

Eine gesunde Ernährung besteht überwiegend aus pflanzlichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln mit einer hohen Nährstoffdichte. Sie soll helfen, ernährungsbedingten Krankheiten vorzubeugen.

Um der Gicht vorzubeugen, sollte man sich öfters auch mal für Proteinlieferanten entscheiden, die gleichzeitig vergleichsweise arm an Purinen sind. Dazu gehören beispielsweise fettarme Milch und Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Quark, aber auch Eier.

Pro Tag sollte nicht mehr als 100 g Fleisch, Fleischprodukte, Wurst oder Fisch gegessen werden. „Purinbomben“ wie Innereien, Anchovis, Heringe, Makrelen oder Ölsardinen sollten nicht zu oft verzehrt werden. Menschen mit erhöhten Harnsäure-Werten und Gichtkranke sollten sie ganz meiden. Bei Geflügelverzehr wie gebratenem Hähnchen ist außerdem zu beachten, dass die Haut besonders purinreich ist.

Alkoholkonsum

Gichtkranken und Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten ist zur Vorbeugung von Gichtanfällen zu empfehlen, ganz auf Alkohol zu verzichten. Ansonsten sollte man sich auf ein Glas Wein am Tag beschränken. Bier löst am häufigsten eine Gicht aus. Schnaps wird dagegen nur gelegentlich und Wein gar nicht für Gichtanfälle verantwortlich gemacht.

Menschen, bei denen bislang weder Gicht noch erhöhte Harnsäurewerte festgestellt wurden, sollten sich an die allgemeinen Empfehlungen für Alkoholkonsum halten. Männer sollten demnach am Tag nicht mehr als 20 - 30 g Alkohol (entspricht etwa einem Bier), Frauen nicht mehr als 10 - 15 g Alkohol (entspricht etwa einem kleinen Glas Wein) zu sich nehmen.

Flüssigkeitszufuhr

Täglich sollten etwa 1,5 Liter Mineralwasser oder ungesüßter Tee getrunken werden, wenn aufgrund anderer Erkrankungen keine anderen Werte empfohlen wurden.


Leben mit ...

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Übersicht

Gicht ist eine chronische Erkrankung, die im akuten Anfall mit starken Schmerzen, bei längerem Bestehen auch mit körperlichen Einschränkungen infolge von Gelenkschädigungen einhergehen kann.

Betroffene sollten ihre Medikamente kennen

Betroffene sollten sich von Ihrem Arzt genau über die einzunehmenden Medikamente aufklären lassen. Hierzu zählen wichtige Fragen wie:

  • Wie heißen meine Medikamente und wie heißen die Wirkstoffe?

  • In welcher Dosierung und zu welcher Zeit muss ich meine Medikamente einnehmen?

  • Welche Nebenwirkungen habe ich zu beachten?

  • Kann es zu Interaktionen mit anderen Medikamenten oder gar Lebensmitteln kommen? So kann es bei der medikamentösen Gichtbehandlung unter der gleichzeitigen Einnahme von wassertreibenden Medikamenten beziehungsweise Blutdruckmitteln, deren Wirkstoffname auf „-pril“ endet, relativ häufig zu Hautnebenwirkungen kommen.

Regelmäßige Kontrolle

Auch bei einer gut eingestellten Hyperurikämie sind regelmäßige Kontrollen des Harnsäurespiegels im Blut durch Ihren Arzt sinnvoll. In welchem Abstand diese Kontrollen stattfinden sollten, ist von Ihrem persönlichen Risikoprofil abhängig und wird von Ihrem Arzt beurteilt.

Solche regelmäßigen Untersuchungen dienen nicht nur der Kontrolle des Harnsäurespiegels, sondern auch dem frühzeitigen Erkennen von Erkrankungen, welche im Lauf der Zeit hinzutreten können und eventuell eine Anpassung der Medikamente oder deren Dosis notwendig machen.

Es gibt in Deutschland bislang keine Gicht-Selbsthilfegruppen. Betroffene können jedoch weitere Informationen insbesondere bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder der Deutschen Rheumaliga finden.

Die fünf wichtigsten Tipps

  1. Betroffene sollten purinarm essen! Purine sind vor allen Dingen in Fleisch, Innereien und Hülsenfrüchten enthalten. Es muss nicht ganz auf Fleisch verzichtet werden, aber man sollte auf kleine Portionen von nicht mehr als 100 bis 150 g täglich achten. Innereien, Schweineschwarten, Schalen- und Krustentiere, Sardinen, Sardellen sowie Hefe- und Sojaprodukten sollten Betroffene soweit möglich meiden. Am besten hilft eine Tabelle mit dem Puringehalt von Lebensmitteln, damit täglich notiert werden kann, wie viel Purin gegessen wurde. Maximal 300 mg Purine pro Tag sind erlaubt. An Obst und Gemüse kann man sich satt essen, da Pflanzen in der Regel nur sehr wenige Purine enthalten. Lediglich bei Hülsenfrüchten, Spargel und Feldsalat ist etwas mehr Vorsicht geboten. Diese pflanzlichen Nahrungsmittel enthalten relativ viele Purine.
  2. Betroffene sollten auf eine fettarme Ernährung achten und weitgehend auf Alkohol verzichten!
  3. Betroffene sollten radikale Hungerkuren vermeiden, da diese einen Gichtanfall auslösen können.
  4. Täglich mindestens 30 Minuten Bewegung.
  5. Betroffene sollten konsequent die Medikamente einnehmen, die von ihrem Hausarzt verordnet wurden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechsel-Erkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäure-Konzentration im Blut ausgelöst wird. Die Symptome der Gicht treten allerdings erst auf, wenn sich die überschüssige Harnsäure im Körper in harte Kristalle umwandelt, die vor allem in den Gelenken abgelagert werden. Bei Gicht kann es unter anderem zu heftigen Gelenkschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Fehlstellungen und auch Nierenschäden kommen. In den Industrieländern zählt Gicht zu den häufigsten Stoffwechsel-Erkrankungen. An Gicht erkranken mehr Männer (90 – 95 %) als Frauen.

Was ist Harnsäure?

Harnsäure ist ein Stoff, der als Endprodukt des Purin-Stoffwechsels im Körper anfällt. Purine sind wichtige Bausteine der Nukleinsäuren, aus denen sich die menschliche und tierische Erbsubstanz, die DNA (DNS), zusammensetzt. Sie entstehen im Körper selbst oder werden über die Nahrung aufgenommen. Vor allem in tierischen Lebensmitteln sind viele Purine enthalten. Die Purine werden im menschlichen Organismus zu Harnsäure abgebaut, die wiederum hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird.

Was ist eine Hyperurikämie?

Sobald die Harnsäurekonzentration im Blutserum über 6,4 mg/dl ansteigt spricht man von einer Hyperurikämie. Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie zu viel Harnsäure im Blut. In den Industrieländern trifft dies auf etwa ein Fünftel der Bevölkerung zu. In den meisten Fällen verursachen diese erhöhten Harnsäurewerte aber keine Beschwerden. In den Industriestaaten haben 20 - 30 % der Männer und 3 % der Frauen einen erhöhten Harnsäure-Spiegel. Etwa jeder Zehnte bis Zwanzigste von ihnen erkrankt an Gicht.

Was ist der Unterschied zwischen erhöhten Harnsäure-Werten (Hyperurikämie) und Gicht?

Bei einer Hyperurikämie handelt es sich zunächst ausschließlich um die Erhöhung der Harnsäure-Werte im Blut. Solange keine Symptome einer Gicht dazu kommen, wie Schmerzen in Gelenken oder Knoten, liegt auch keine Gicht vor. Von einer Gicht spricht man also erst, nachdem ein erster Gichtanfall aufgetreten ist. Gicht kann nicht entstehen, ohne dass die Harnsäure-Werte erhöht sind. Umgekehrt muss es aufgrund erhöhter Harnsäure-Werte keinesfalls zwangsläufig zur Gicht kommen.

Wie entsteht Gicht?

Meistens ist die Gicht erblich bedingt. Die Veranlagung dazu ist in der Bevölkerung sehr weit verbreitet. Aber auch bei vorhandener Veranlagung kommt es nicht zwangsläufig zur Erkrankung. Meistens müssen weitere Faktoren, wie falsche Ernährung, Übergewicht oder mangelnde Bewegung, hinzukommen. Der erste Gichtanfall tritt bei Männern meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Die Harnsäurewerte von Frauen steigen erst nach den Wechseljahren und können im Alter von 50 - 60 Jahren Gicht auslösen.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn bei mir erhöhte Harnsäure-Werte festgestellt worden sind?

Sie sollten den Befund ernst nehmen, aber Grund zur übertriebenen Sorge gibt es nicht. Sehr viele Menschen haben erhöhte Harnsäure-Werte, erkranken aber nie an Gicht. Von der eigentlichen Gichterkrankung ist nur etwa jeder zehnte bis zwanzigste Patient mit erhöhten Harnsäurewerten betroffen. Bis auf das höhere Risiko einer Gichterkrankung schaden erhöhte Harnsäure-Werte darüber hinaus dem Körper nicht. Achten Sie dennoch auf eine purin- und fettarme Ernährung und bewegen Sie sich regelmäßig. Dann müssen Sie sich über Gicht nicht viel mehr Gedanken machen, als jeder andere Mensch auch.

Gibt es Getränke, die sich bei Gicht oder erhöhten Harnsäurespiegeln besonders gut eignen?

Zu empfehlen sind Mineralwasser sowie kalorienarme Frucht- und Gemüsesäfte. Unter den Mineralwässern sind solche mit einem hohen Hydrogencarbonat-Gehalt von Vorteil, da sie den pH-Wert des Urins anheben (alkalischer machen), wodurch die Harnsäure besser gelöst wird. Das hat eine vermehrte Harnsäureausscheidung zur Folge. Der Hydrogencarbonat-Gehalt sollte über 1300 mg pro Liter liegen. Erst dann zeigt sich eine Wirkung. Unter den Gemüsesäften hat Selleriesaft eine harntreibende Wirkung und ist daher gut geeignet. Bei den Fruchtsäften sollten Sie darauf achten, dass es sich um einen Saft ohne Zuckerzusatz handelt, der nur fruchteigenen Zucker enthält. Auch Kaffee schützt vor Gicht. Allerdings sollten Sie es mit dem Kaffeekonsum nicht übertreiben, um nicht andere Krankheiten und Beschwerden, wie Magenprobleme oder Nervosität, zu begünstigen.

Wie bekomme ich meine Gicht in den Griff?

Die wichtigsten Regeln bei Gicht sind: Alkohol reduzieren, purinhaltige Nahrungsmittel meiden, viel Flüssigkeit trinken, Gewicht reduzieren (aber keine radikalen Fastenkuren, da das einen Gichtanfall auslösen könnte), regelmäßige körperliche Bewegung, Stress abbauen, ausreichend Schlaf und Entspannung. Manche dieser Regeln fordern zugegeben einiges an Selbstdisziplin, vor allem wenn man ständigen Versuchungen ausgesetzt ist.

Außerdem sollten Sie regelmäßig zum Arzt gehen, um Kontrolluntersuchungen wahrzuhnemen, und verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen.

**Was begünstigt Gicht noch außer der falschen Ernährung?

Außer einer purinreichen Ernährung und Alkohol kann ein Gichtanfall durch folgende Faktoren begünstigt werden: Nasskaltes Wetter, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr.

Muss ich Medikamente nehmen, wenn ich erhöhte Harnsäure-Werte habe?

Ihr behandelnder Arzt entscheidet, wann die Einnahme von Medikamenten zur Senkung des Harnsäure-Spiegels notwendig wird. Wenn Sie unter Gicht leiden, müssen Sie wahrscheinlich Medikamente einnehmen. Wenn Sie nur erhöhte Harnsäure-Werte haben, aber bisher keine Anzeichen für Gicht aufweisen, wird aber in der Regel auf Medikamente verzichtet. Hier reicht eine Behandlung mit Ernährungsumstellung, Alkohleinschränkung und mehr Bewegung.

**Muss Gicht nach einem ersten Gichtanfall schon behandelt werden?

Ja, unbedingt. Ein erster Gichtanfall zieht meist weitere Anfälle nach sich, wenn er nicht behandelt wird. Außerdem kann eine Gicht langfristig ernstzunehmende Folgen haben, wie zum Beispiel Gelenkzerstörung und Nierenleiden.

Ist Gicht gefährlich?

Das kommt darauf an, wie „gefährlich“ definiert wird. Gicht ist nur in sehr seltenen Fällen lebensbedrohlich, und zwar dann, wenn die Ablagerungen von Harnsäure-Kristallen, lebenswichtige Organe so stark schädigen, dass sie nicht mehr richtig funktionieren können. Davon sind am ehesten die Nieren betroffen. Zum Glück kommt es aber nur in Ausnahmefällen dazu. Was viel gefährlicher an der Gicht ist, sind die Gelenkschäden, zu denen die Erkrankung führen kann. Diese sind zwar nicht lebensgefährlich, können aber zu ernsthaften Bewegungseinschränkungen führen. Das kann im Extremfall den Verlust der Gehfähigkeit zur Folge haben.

Ist immer nur der große Zeh von einem Gichtanfall betroffen?

Nein! Zwar ist in 50 - 90 % der akuten Gichtanfälle das Großzehen-Grundgelenk betroffen, aber auch andere Gelenke können beteiligt sein. Sprunggelenk und Fußwurzel sind in bis zu 30 % der Fälle betroffen. Das Kniegelenk in bis zu 10 % der Fälle. Seltener, aber immer noch mit Anteilen von jeweils um die 5 %, schädigt die Gicht andere Gelenke, wie weitere Zehengelenke, das Handgelenk oder die Fingergelenke.

Welche Lebensmittel sind besonders purinarm?

Purinarm sind Obst und Gemüse (Ausnahme: Feldsalat, Spargel, Hülsenfrüchte). Ganz frei von Purinen sind Milch, Käse und Eier.

Welche Lebensmittel sind besonders purinreich und sollten daher gemieden werden?

Innereien, Hirn, Schalentiere, Geflügel, Schweinefleisch, Hülsenfrüchte und Bier enthalten viele Purine.

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