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Gesundheitspolitik

Gesundheitspolitik

Das deutsche Gesundheitssystem

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Patient sein in Deutschland

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt. Studien belegen jedoch ein hohes qualitatives Niveau der medizinischen Leistungen – sowohl, was die Zugänglichkeit als auch das Angebot betrifft. Was bedeutet dies für Patienten und welche Rechte und Pflichten sind damit verbunden?

Vertrauen ist die Grundlage eines ausgewogenen Arzt-Patienten-Verhältnisses. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass beide Seiten um die Rechte und Pflichten der jeweils anderen wissen.

Wichtige Themen sind dabei:

  • Behandlungsverhältnisse
  • Patienteneinwilligung
  • Selbstbestimmung am Lebensende
  • Patientenaufklärung
  • Dokumentation und Dokumenten-Einsicht
  • Vertraulichkeit
  • Medikamentenzuzahlung
  • nicht GKV-finanzierte Leistungen
Behandlungsverhältnisse

Der Patient kann Arzt oder Krankenhaus frei auswählen und auch wechseln. Auch die Einholung einer zweiten Meinung sollte ihm nicht verwehrt werden.

Der Patient hat nicht nur einen Anspruch auf eine Behandlung im akuten Notfall, sondern auch auf Behandlungen, die zum Zwecke der Prävention und Früherkennung zweckdienlich und wirtschaftlich sinnvoll sind. Für Leistungen, die einen solchen Umfang übertreffen, muss der Patient die Kosten ganz oder teilweise übernehmen.

Eine Beratung über Leistungsansprüche findet nach Wunsch des Patienten durch die gesetzlichen Krankenkassen oder öffentliche Gesundheitsdienste statt.

Patienteneinwilligung

Der Patient bestimmt selber über Gestalt und Ausmaß der medizinischen Leistungen. Der Patient entscheidet frei, ob eine Behandlung vorgenommen werden soll oder ob er dies ablehnt. Dies gilt auch, wenn eine Behandlung medizinisch notwendig ist.

Der Arzt informiert den Patienten, wenn mehrere gleichwertige Behandlungsmethoden möglich sind, und klärt über Risiken und Chancen der einzelnen Methoden auf.

Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, kann der Arzt von einer Behandlung absehen, wenn mit dem Patienten über die Behandlung keine Übereinstimmung hergestellt werden kann.

Um für den Fall eines eventuellen künftigen Verlustes mentaler Fähigkeiten vorzusorgen, kann eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht ausgestellt werden.

Selbstbestimmung am Lebensende

Auch hier gilt grundsätzlich der Wille des Patienten. Wünscht der Patient keine Maßnahmen, die das Leben verlängern, oder einen Behandlungsabbruch, so ist dies sein gutes Recht. Maßnahmen, die das Leben verkürzen, sind in Deutschland aber gesetzlich verboten.

Eine Behandlung zur Linderung der Schmerzen sowie eine angemessene Betreuung gehören zu den Rechten des Patienten. Die Würde des Patienten steht hierbei im Vordergrund.

Kann der Patient Entscheidungen nicht mehr selbst fällen, kann auf eine vorher ausgestellte Patientenverfügung zurückgegriffen werden. Liegt eine solche Verfügung nicht vor, muss der sogenannte mutmaßliche Wille ermittelt werden, der sich auch aus früheren, mündlichen Äußerungen ergeben kann. Um den mutmaßlichen Willen zu ermitteln, spielt das Gespräch mit Verwandten und Bekannten eine große Rolle.

Patientenaufklärung

Der Arzt hat für die Aufklärung der Patienten über die Behandlungen zu sorgen sowie über das Ausmaß und die Risiken von medizinischen Maßnahmen. Zu dieser Aufklärung gehört auch, den Patienten auf das Verhältnis von Risiken im Vergleich zu den Heilungschancen hinzuweisen. Weiterhin ist der Patient über mögliche alternative Behandlungsmethoden zu unterrichten.

Dokumentation und Dokumenteneinsicht

Die wichtigsten Maßnahmen der Therapie und Diagnose sind vom Arzt zu dokumentieren. Hierfür genügt eine stichwortartige Auflistung. Routinekontrollen unterliegen dieser Dokumentationspflicht nicht.

Behandlungsunterlagen, die zum Beispiel den Gesundheitszustand dokumentieren oder einen Behandlungsverlauf aufzeichnen, können von den Patienten nach Verlangen eingesehen und auch auf seine Kosten kopiert werden.

Vertraulichkeit

Informationen, Dokumente und Unterlagen, die den Patienten betreffen, sind von allen Leistungserbringern (zum Beispiel Ärzten, Pflegepersonal, Krankenhauspersonal) vertraulich zu behandeln. Der Arzt unterliegt einer Schweigepflicht, die er grundsätzlich auch gegenüber anderen Ärzten hat. Hat der Patient keine anderen Angaben gemacht, ist sein Gesundheitszustand auch gegenüber Angehörigen nicht offenzulegen.

Medikamentenzuzahlung

Die Zuzahlung zu Medikamenten regelt das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz, kurz AVWG. Ziel des Gesetzes ist die Reduzierung der Ausgaben für Arzneimittel und der stärkere Preis-Leistungs-Vergleich der Medikamente untereinander.

Generell müssen für verschreibungspflichtige Medikamente und Verbandsmittel 10 % des Verkaufspreises von den Patienten hinzugezahlt werden. Hierbei entsteht ein Zuzahlungsbetrag von maximal zehn und minimal fünf Euro.

Darüber hinaus gibt es auch eine große Zahl an Medikamenten, die von der Zuzahlung befreit sind. Die Spitzenverbände der Krankenkassen können Arzneimittel, die ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen, von der Zuzahlung befreien. Sie sind dann für die Patientin oder den Patienten kostenfrei in der Apotheke zu erhalten. Welche Medikamente dies sind, kann der jeweilige Arzt oder Apotheker einsehen und hierüber Auskunft erteilen.

Nicht GKV-finanzierte Leistungen

Nicht alle medizinischen Leistungen, die möglich sind, werden von den Krankenkassen bezahlt. Zu den Leistungen, die nicht finanziert werden, gehören unter anderem die individuellen Gesundheitsleistungen, auch IGeL-Leistungen genannt, die von niedergelassenen Ärzten angeboten werden.

Beispiele für IGeL-Leistungen sind:

  • bestimmte Impfungen und Beratungen, die im Zusammenhang mit Reisetätigkeiten stehen
  • Behandlungen, die den kosmetischen Bereich berühren, wie Fettabsaugung oder Lifting-Maßnahmen
  • spezielle Untersuchungen, die der Früherkennung dienen, wie Ultraschall-Checks von Organen