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Gesund Leben: Gastroenteritis

Gastroenteritis

auch bekannt als: Magen-Darm-Grippe

Die Gastroenteritis oder Magen-Darm-Grippe, wie sie umgangssprachlich genannt wird, ist gekennzeichnet durch häufiges Erbrechen und starke Durchfälle. Doch wie kommt es eigentlich zu dieser sehr plötzlich auftretenden und in der Regel auch schnell wieder verschwindenden Erkrankung?


Entstehung der Krankheit

Definition

Unter Gastroenteritis wird eine Entzündung der Magen- und Dünndarmschleimhaut verstanden, die oftmals mit einem Brechdurchfall einhergeht. Dabei wird der Stuhlgang meist breiig oder flüssig (also die Stuhlkonsistenz nimmt ab) und die Stühle nehmen von der Häufigkeit her zu (meist dreimal oder mehr pro Tag). Häufig werden die Begriffe akute Enteritis, Magen-Darm-Infekt oder Magen-Darm-Grippe synonym verwendet. Mit der eigentlichen Grippe (Influenza) hat diese Erkrankung jedoch nichts zu tun.

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Besonders im Säuglings- und Kindesalter tritt die Gastroenteritis sehr häufig auf. So sind Säuglinge und Kleinkinder in den ersten drei Lebensjahren durchschnittlich etwa 1−2-mal pro Jahr betroffen. Ungefähr jedes 10. Kind im Alter zwischen 6 und 24 Monaten muss in ein Krankenhaus eingewiesen werden.

Krankheitsursachen

Im Wesentlichen kann eine akute Gastroenteritis folgende Ursachen haben:

  1. Infektiös: Bakterien, Viren

2. Toxisch: Durch Bakterien produzierte Toxine, andere Gifte

3. Allergisch: Nahrungsmittelallergene und –unverträglichkeiten

4. Physikalisch: radioaktive Strahlung

Gastroenteritis-Erreger

Eine Gastroenteritis wird in der Regel durch verschiedene Erreger in verunreinigten Nahrungsmitteln, auf kontaminierten Gegenständen oder durch direkten Kontakt zu bereits Erkrankten ausgelöst.

Werden beispielsweise Lebensmittel verzehrt, die stark mit krankheitserregenden Keimen wie Salmonellen belastet sind, kommt es zu einer Infektion des Magen-Darm-Trakts (Lebensmittelvergiftung). Auch bei unzureichender Lagerung und Kühlung von Lebensmitteln kann durch „normale“ Bakterien und deren Stoffwechselprodukte eine Gastroenteritis entstehen. In hohen Konzentrationen können diese Bakterien und deren Stoffwechselprodukte auch die Magen-Darm-Schleimhaut schädigen. Die Folge ist dann eine sogenannte Gastritis.

Die Erreger können auch aus dem Stuhl und/oder Erbrochenem des Betroffenen auf Lebensmittel oder Oberflächen übertragen werden. Von dort können sie über die Lebensmittel bzw. die Hände in den Mund und letztendlich in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Deshalb ist es wichtig, gewisse hygienische Grundregeln einzuhalten. Zum Beispiel sollten Betroffene sich häufig mit einem wirksamen Desinfektionsmittel die Hände reinigen, um die Ausbreitung der Erreger zu vermeiden. Diese Empfehlung gilt natürlich auch für Personen, die nicht erkrankt sind, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Die häufigsten Erreger einer Gastroenteritis

Sehr häufig sind bei Erwachsenen Noroviren und bei Kindern Rotaviren die Ursache einer Magen-Darm-Grippe. Infektionen mit Noroviren werden oftmals in Gemeinschaftseinrichtungen und im Winter beobachtet. Entweder werden sie durch belastete Lebensmittel oder von Mensch zu Mensch übertragen, wobei die Übertragung von wenigen Viruspartikeln ausreicht, um eine Erkrankung auszulösen. Nach ungefähr 12 bis 48 Stunden treten Erbrechen, Durchfälle oder häufig auch Fieber auf.

Vielen bekannt ist die Reisediarrhö, die vor allem im Urlaub in Entwicklungsländern auftritt. Dabei werden die Durchfälle in der Regel durch ein hitzestabiles Bakteriengift des Erregers E. Coli ausgelöst.

Zudem ist auch die Übertragung von krankheitserregenden Keimen über das Trinkwasser möglich. Dies ist vor allem in Entwicklungsländern ein schwerwiegendes Problem. Nach Schätzungen sterben jedes Jahr weltweit 4 Millionen Kinder unter 5 Jahren an infektiösen Durchfällen, weil diese häufig zu einem schweren Wasserverlust (Dehydratation) führen.

Das EHEC Virus

Vielen ist aus den Medien auch das sogenannte EHEC-Virus bekannt. Wir haben Ihnen hier die abschließenden Fakten zu dieser Mitte 2011 in Deutschland ausgelösten EHEC-Erkrankungswelle zusammengetragen.

In der Zeit von Mai bis Juli 2011 kam es vor allem im Norden Deutschlands zu zahlreichen Erkrankungen an Gastroenteritis, die vermehrt von einem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) und blutigen Durchfällen begleitet wurden. Als Erreger wurde ein bestimmter Typ des Escherichia coli Bakteriums - EHEC - identifiziert. Ende Juli erklärte das Robert Koch-Institut den Ausbruch für beendet. Es waren 3 Wochen lang keine neuen, dem Ausbruch eindeutig zugehörigen Erkrankungsfälle mehr festgestellt worden.

Insgesamt wurden 855 Erkrankungen an HUS und 2.987 Fälle von akuter Gastroenteritis erfasst, die dem EHEC-Bakterium zugerechnet werden (Stand: 16.08.2011). Der Anteil der Frauen überwog deutlich. Bei den Erkrankten handelte es sich überwiegend um Erwachsene. Unter den Patienten mit einem HUS verstarben 35 (4,1%) und unter den EHEC-Patienten mit Gastroenteritis 18 (0,6%).

Erkrankungsfälle wurden aus allen Bundesländern registriert, jedoch waren in den 5 nördlichsten Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen die meisten Erkrankungen gemeldet worden.

Lebensmittelunverträglichkeiten

Auch Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel können zu Gastroenteritis typischen Symptomen wie Durchfall und seltener auch Erbrechen führen. Oft geht eine solche Nahrungsunverträglichkeit auch mit Blähungen, Völlegefühl und Übelkeit einher. In der Regel zeigt sich aber ein milderer Verlauf, als bei der akuten Gastroenteritis. Entscheidend ist auch die aufgenommene Menge des unverträglichen Nahrungsmittels. Im Allgemeinen beruhen die Reaktionen auf Störungen von Enzymen, die für die Spaltung oder Aufnahme bestimmter Nahrungsmittelbestandteile zuständig sind.

Übersicht andere Ursachen

Weitere, seltenere Auslöser für ein Gastroenteritis können auch

  • die Einnahme von Eisenpräparaten
  • Alkoholmissbrauch
  • die Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten (zum Beispiel: Diuretika, Digitalis, Chinidin, Laxantien oder nichtsteroidale Antiphlogistika)
  • eine Therapie mit Zytostatika
  • eine Vergiftung mit Quecksilber
  • radioaktive Strahlung in hoher Dosierung

sein.


Symptome

Beschwerden

Das klassische Symptom, das eine Gastroenteritis kennzeichnet, ist wässriger oder breiiger Durchfall (Diarrhö). Dieser kommt durch eine Schädigung der Darmwand zustande, die zu einer übermäßigen Absonderung von Wasser und Elektrolyten führt. Von echten Durchfällen ist die Rede, wenn mehr als dreimal täglich dünnflüssige Stühle abgegeben werden. Die Symptome treten erfahrungsgemäß nach mehr als 6 Stunden nach dem Erregerkontakt und sehr plötzlich auf.

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Nachfolgend sind die wichtigsten Symptome zusammengefasst:

  • Durchfälle (blutig, schleimig, breiig, flüssig)
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen und -krämpfe
  • Fieber
  • Übelkeit

Es treten hauptsächlich wässrige Durchfälle auf, wobei diese bei einer Infektion mit bestimmten Erregern auch blutig ausfallen können. Entweder treten nur einige oder aber alle der genannten Symptome in unterschiedlichem Schweregrad auf. Bei gesunden Erwachsenen klingen die Symptome in der Regel innerhalb von 24 Stunden wieder ab.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat akut auftretende Durchfälle nach ihrem Schweregrad eingeteilt. Dabei ist Grad 0 normal und ohne Beschwerden und Grad 4 geht mit den meisten und stärksten Beschwerden einher. Diese Klassifikation kann herangezogen werden, um den Krankheitsstatus zu beurteilen. Bei Vorliegen von Grad 4 sollte zum Beispiel eine Flüssigkeitszufuhr unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts (parenteral), das heißt via Infusion, erfolgen.

Beschwerden bei Säuglingen und Kindern

Auch bei Säuglingen und Kindern treten erfahrungsgemäß bei einer akuten Magen-Darm-Grippe wässrige Durchfälle, Erbrechen und Fieber auf.

Bei Kindern zeigen sich außerdem folgende Beschwerden und Komplikationen:

  • Appetitlosigkeit
  • Unruhe
  • Teilnahmslosigkeit
  • Trägheit
  • häufiges Schreien
  • Übellaunigkeit
  • Bauchschmerzen
  • Wasser- und Elektrolytverlust
  • Gewichtsverlust
  • Abnahme der Hautelastizität
  • Einstülpung eines Darmabschnitts (Invagination)
  • Schock durch Volumenmangel
  • Hirnkrämpfe oder Hirnentzündung als Folge des Wasser- und/oder Elektrolytverlusts
  • Unterzuckerung (Hypoglykämie)

In der Regel hört das Erbrechen bei ausreichendem Flüssigkeits- und Elektrolytersatz nach weniger als 48 Stunden auf. Der Durchfall sollte nach zwei, spätestens nach sieben Tagen abklingen.

Frühzeichen einer Austrocknung beim Kind sind:

  • Trockene Lippen, Zunge und Mundschleimhaut
  • Urin ist dunkel, Windel aber noch feucht (das heißt das Kind lässt noch mindestesn alle sechs Stunden Urin)
  • Kind darf schlapp sein, aber nicht teilnahmslos

Spätzeichen einer Austrocknung beim Kind sind:

Sollten Sie folgende Zeichen feststellen, sollten Sie das Kind umgehend einem arzt vorstellen oder, falls nicht möglich, ein Krankenhaus aufsuchen:

  • Kind lässt keinen Urin mehr (Windel acht Stunden trocken oder Kleinkind geht 12 Stunden nicht auf die Toilette)
  • bein Weinen zeigen sich keine Tränen
  • beim anheben einer Hautfalte zum Beispiel im Bauchbereich, geht diese nur langsam zurück oder bleibt ohne Halten stehen
  • die Augen des Kindes erscheinen eingefallen und seine Haut sieht blass-grau aus
  • das Kind ist schläfrig und teilnahmslos

Arztbesuch

Ein Arztbesuch ist dringend angeraten, falls bei Säuglingen der Durchfall und/oder das Erbrechen länger als sechs Stunden und bei Kleinkindern länger als 12 Stunden anhält. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass beim Auftreten von Durchfall und Bauchkrämpfen eine Blinddarmentzündung vorliegen kann, auch deswegen ist ein Arztbesuch dringend zu empfehlen. Für den Arzt ist besonders die Beurteilung des Wasser- und Elektrolytmangels (Dehydratation) wichtig, weil sich daraus die Therapie ableitet.

Für Erwachsene gilt: In der Regel sollte der akute Durchfall in zwei bis drei Tagen vorüber sein. Klingt er danach nicht ab, ist sehr heftig oder fühlen sich die Betroffenen sehr krank und können keine Flüssigkeit bei sich behalten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.


Komplikationen

Komplikationen

Erfahrungsgemäß wird eine Gastroenteritis ohne schwerwiegende Komplikationen überwunden. Das Erbrechen lässt häufig innerhalb von ein bis zwei Tagen nach und der Durchfall klingt nach etwa zwei bis sieben Tagen ab.

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Falls aber starke Durchfälle länger als ein bis zwei Tage andauern, kann dies zu ernstzunehmenden Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten führen. Diese „Austrocknung des Organismus“ (Exsikkose) stellt insbesondere für Kinder und ältere Menschen eine ernsthafte Komplikation dari und muss auf jeden Fall behandelt werden. Unbehandelt kann es zu

  • Kreislaufstörungen bis zum Schock
  • Krampfanfällen
  • Nierenversagen

kommen.

Seltener kann es durch eine zunehmende Darmbeweglichkeit bei Säuglingen und Kleinkindern auch zu einer Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen kommen (Invagination). Die Folge ist ein Darmverschluss.

Spezielle Komplikationen treten nur unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel bei bereits abwehrgeschwächten Patienten und bei bestimmten Erregern, auf. So kann es in extremen Fällen zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen. Eine schwerwiegende Komplikation bei der Gastroenteritis mit dem EHEC-Erreger stellte das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) dar. Aufgrund der abgegebenen Bakteriengifte, aber auch durch andere Ursachen werden dabei Blutzellen und die Nierenfunktion geschädigt. Es kommt zum akuten Nierenversagen.


Diagnose

Krankengeschichte

In der Regel erfragt der konsultierte Arzt zuerst die Krankengeschichte des Betroffenen:

  • Welche und wie oft treten die Beschwerden auf?
  • Seit wann ebstehen die Beschwerden?
  • Wie ist die Stuhlkonsistenz beschaffen?
  • Weist der Stuhl Beimenungen von Blut oder Schleim auf?
  • Wie viel Flüssigkeit wurde bereits durch die Durchfälle und das Erbrochene ungefähr verloren und wie viel Flüssigkeit wurde aufgenommen?
  • Was wurde in den letzten Stunden vor Beginn der Symptome verzehrt?
  • Wurden Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika eingenommen?
  • Liegen andere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Laktoseintoleranz oder Nahrungsunverträglichkeiten vor?
  • Liegt ein vorangegangener Auslandsaufenthalt vor (Wenn ja, welches Land?)
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Alle diese Informationen helfen dem Arzt dabei, die Diagnose zu stellen. Nach Erhebung der Krankengeschichte folgt eine körperliche Untersuchung des Betroffenen zur Feststellung des allgemeinen Zustandes. Die Diagnosestellung erfolgt meistens anhand der typischen Beschwerden (siehe Kapitel Symptome).

Ergänzend kann bei schweren Verläufen auch eine Blutuntersuchung und/oder Gewichtsermittlung durchgeführt werden, um Flüssigkeits- und Elektrolytverlust besser abschätzen zu können.

Diagnostik bei Kindern

Da insbesondere Säuglinge und Kinder häufig von einer akuten Magen-Darm-Grippe betroffen sind, sind nachfolgend die wesentlichen Schritte der Diagnosestellung aufgeführt. Für den Arzt ist es wichtig, das Körpergewicht des Kindes vor der Erkrankung zu wissen. Anschließend muss das Kind unbekleidet gewogen und untersucht werden. Der Flüssigkeitsverlust wird anhand der in Tabelle 3 dargestellten Schweregrade unterteilt und abgeschätzt. Anschließend kann das Gewicht, das vor der Erkrankung vorlag, mit dem aktuellen Gewicht zur Abschätzung des Flüssigkeitsverlusts verglichen werden.

Sicherung der Diagnose

Wenn die Erkrankungsdauer kurz ist, ist prinzipiell keine weitere Diagnostik notwendig.iii Eine Sicherung der Erreger durch eine Stuhlprobe erfolgt nur bei Verdacht auf bestimmte Keime. Dazu wird die Stuhlprobe des Patienten in einem Speziallabor untersucht.

Dies kann unter anderem bei folgenden Symptomkonstellationen und Umständen erforderlich sein:

  • bei blutigem Stuhlgang
  • bei schwerem, langem Krankheitsverlauf
  • bei Immunschwäche (wie zum Beispiel AIDS)
  • bei hohem Fieber
  • nach Urlaub in einer Risikoregion
  • falls Beschwerden bei ganzen Personengruppen auftreten (zum Beispiel in Kindergärten oder Altersheimen)

Meldepflicht

Um eine unkontrollierte Ausbreitung von Infektionen mit Durchfall auslösenden Erregern zu verhindern, besteht nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz eine Meldepflicht bei Infektionen mit folgenden Erregern:

  • Enterohämorrhagische E. Coli (EHEC)
  • Campylobacter sp., darmpathogen
  • Listerien
  • Rotavirus
  • Norovirus
  • Salmonella Paratyphi
  • Salmonella Typhi
  • Salmonella, sonstige
  • Shigella sp.
  • Yersinia enterocolitiica, darmpathogen
  • Vibrio cholerae

Auch wenn nur ein Verdacht auf Infektion mit diesen Erregern vorliegt, muss dies gemeldet werden.


Therapie

Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes

Die Behandlung einer Gastroenteritis zielt hauptsächlich auf den Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes ab, der durch den Brechdurchfall verursacht wird. Da die Beseitigung des eigentlichen Verursachers in der Regel nicht möglich ist, werden also die Folgen der Erkrankung, die Austrocknung und der damit verbundene Elektrolytverlust, behandelt. Diese Art von Behandlung wird als symptomatische Therapie bezeichnet, weil sie sich an den Symptomen orientiert.

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Glucose-Elektrolytlösungen

Besonderes Augenmerk liegt bei dem Ausgleich der Wasser- und Elektrolytverluste auf dem richtigen Verhältnis von Flüssigkeit, Salzen und Mineralstoffen. Ziel ist es, die Aufnahme von Wasser und Elektrolyten bis zu einer ausgeglichenen Bilanz (von Aufnahme und Verlust) zu steigern. Dies gelingt in der Regel durch die orale Zufuhr von Lösungen mit einem Glucose-Natrium-Verhältnis von 1:1. Denn Glucose und Natrium werden zu gleichen Anteilen im Darm aufgenommen. Daraufhin wird auch Wasser in den Darm transportiert. Um den meistens auch bestehenden Kaliumverlust auszugleichen, wird den Lösungen häufig Kaliumchlorid zugesetzt.i Zur einfachen Anwendung gibt es von der WHO empfohlene, standardisierte Lösungen mit einem Traubenzucker-Salz-Gemisch (WHO-Rehydratationslösung).

Falls durch die orale Zufuhr einer Glucose-Elektrolytlösung keine ausgeglichene Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz erreicht werden kann, sind erfahrungsgemäß ein vollständiger Nahrungsverzicht und eine Wasser- bzw. Elektrolytzufuhr unter Umgehung des Magen-Darmtrakts notwendig. In der Regel erfolgt dies intravenös und ist in der akuten Phase der Erkrankung angezeigt. In Abhängigkeit des Beschwerdebildes erfolgt anschließend schrittweise ein Kostaufbau. Dieser sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise einem Ernährungsexperten aus Tee, Mineralwasser und komplexen Kohlenhydraten (Weißbrot, Haferflocken, rohem Apfel oder Karottensuppe) bestehen.

Geeignete Lösungen zum Flüssigkeitsausgleich bei Durchfall (insbesondere für Kleinkinder) - Empfehlung nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

***Fertiglösung aus 20 g Traubenzucker, 3,5 g Kochsalz, 1,5 g Kaliumchlorid, 2,5 Natriumbikarbonat oder 2,9 g Tri-Natriumcitrat. Diese Fertiglösungen sind in der Apotheke erhältlich und sollten gerade für Säuglinge und Kleinkinder eingesetzt werden.***

Bei erkrankten Säuglingen und Kleinkindern ist besonders auf den Flüssigkeitsausgleich zu achten. Für sie können sehr viel geringere Wasser- und Mineralstoffverluste schon lebensbedrohlich sein.

Ernährungstherapie

Bei einer unkomplizierten Gastroenteritis ist es oft gar nicht notwendig, auf eine vorgefertigte Lösung aus der Apotheke zurückzugreifen. In der Regel kann man einer Austrocknung und einem Elektrolytverlust auch mit einer Anpassung der Ernährung entgegenwirken und so die Symptome der Erkrankung lindern. In jedem Fall ist es wichtig, immer auf eine ausreichende, dem Verlust angepasste Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Die Ziele der Ernährungstherapie sind:

  • Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes
  • Verlangsamung der Passage des Nahrungsbreis durch den Darm
  • Verbesserung der Flüssigkeits- und Elektrolytaufnahme
  • Wachstumshemmung von krenkeitserregenden Bakterien im Darm

Fasten mit Tee

Es sollte 1-2 Tagen ausschließlich Tee (ca. 2-3 l pro Tag) getrunken werden. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts ist schwarzer oder grüner Tee zu bevorzugen. Den im Tee enthaltenen Gerbstoffen wird eine beruhigende Wirkung auf den Darm zugeschrieben. Außerdem haben sie leichte antibakterielle und schmerzlindernde Eigenschaften.

Es sollte aber darauf geachtet werden, dass diese bis zu 20 Minuten ziehen, bevor sie getrunken werden. Alternativ können auch Mate-, Kamillen- oder Pfefferminztee getrunken werden.

Unverdauliche Kohlenhydrate

Es empfiehlt sich der Verzehr von unverdaulichen Kohlenhydraten wie Pektin. Diese nehmen Wasser auf und werden durch Dickdarmbakterien zu Säuren zersetzt, die wiederum das Wachstum von krankheitserregenden Bakterien im Darm hemmen. Pektin ist in Äpfeln, Karotten und Johannisbrotkernmehl enthalten.

Diät mit rohem Apfel

5-6-mal am Tag sollte etwas zerriebener Apfel als Mahlzeit zu sich genommen werden. Das in Äpfeln enthaltene Pektin kann durch seine schützende Wirkung auf die Darmwand und die Fähigkeit zur Bindung von Bakteriengiften die Beschwerden bei leichtem Durchfall verringern. Allerdings sollten insgesamt nicht mehr als zwei bis drei Äpfel pro Tag verzehrt werden, da der im Apfel enthaltene Fruchtzucker in großen Mengen nicht vertragen wird.

Karottensuppe

Ein Pfund Karotten in Würfel schneiden und kochen. Anschließend mit dem Kochwasser pürieren, auf 1 l Wasser auffüllen und 3 g Kochsalz hinzufügen. Warum gerade Karotten gewählt werden sollten? Beim Kochen der Karotten entstehen kleinste Zuckermoleküle, sogenannte Oligosaccharide, die ebenfalls durch die Bindung von Bakteriengiften zu einer schnelleren Ausscheidung dieser Gifte beitragen.

Johannisbrotkernmehl

Johannisbrotkernmehl kann im Handel als diätetisches Lebensmittel − also Lebensmittel, die bei bestimmten Erkrankungen angewendet werden können – erworben werden. Zubereitungsempfehlungen können in der Regel dem Verpackungsaufdruck entnommen werden. Mit Johannisbrotkernmehl können die gleichen Effekte wie bei einer Diät mit Karotten und Äpfeln erreicht werden.

Verbreitete Mythen

Entgegen dem weit verbreitetem Glauben, dass Cola und Salzstangen ein optimales Heilmittel wären, reicht die Einnahme dieser beliebten Snacks bei einer Magen-Darmgrippe nicht aus, um einen Flüssigkeits- und Salzverlust auszubalancieren. In Form von Salzstangen und sehr zuckerhaltiger Cola sind die Mengen an Zucker und Salzen, die man zu sich nimmt, nur schwer kontrollierbar und verstärken so unter Umständen den Durchfall noch.

Auch ein Flüssigkeitsausgleich durch Alkohol oder Milch ist zu vermeiden.

Weitere medikamkentöse Therapie

Für die akute Gastroenteritis gibt es aufgrund der Vielzahl der Ursachen keine standardisierte medikamentöse Therapie. Antibiotika, die bei anderen bakteriellen Erkrankungen oft zur Eliminierung von Bakterien eingesetzt werden, haben bei den Gastroenteritis–Erregern nur eine begrenzte Wirksamkeit und werden sehr zurückhaltend verwendet. Für weitere Medikamente gilt auch in diesem Zusammenhang das Prinzip der symptomatischen Behandlung. Sie dienen also in erster Linie dazu vorhandene Symptome zu lindern.

Antibiotika

Falls immungeschwächte Personen betroffen sind oder es sich um einen schweren Verlauf einer bakteriell bedingten Gastroenteritis handelt, kann der Einsatz von Antibiotika unter bestimmten Voraussetzungen notwendig sein. Dieser dient der Elimination des bakteriellen Auslösers. In der Praxis werden Antibiotika aber eher selten eingesetzt werden und sind auch nicht in jedem Fall wirksam.

Antiemetika

Als Antiemetika werden Medikamente bezeichnet, die das Erbrechen hemmen. Bei starkem Erbrechen und bleibender Übelkeit können sie vom Hausarzt unterstützend verschrieben werden.

Weitere Medikamente

Des Weiteren gibt es Medikamente, die die Darmtätigkeit verändern, zum Beispiel Loperamid, oder sie hemmen, zum Beispiel Butylscopolamin. Vor einer Einnahme sollte aber vom Hausarzt zunächst das Risiko gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden.

Wichtiger Hinweis

Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neueste oder die kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchstmöglichen Qualität einer Therapie. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden**.**

Folgen einer Nicht-Behandlung

Beim Auftreten einer Gastroenteritis empfiehlt es sich häufig, einen Arzt aufzusuchen. Falls eine schwer verlaufende Gastroenteritis nicht behandelt wird, kann es zu schweren Kreislaufstörungen, Blutgerinnseln, Blutvergiftung oder akutem Nierenversagen kommen.

Die meisten Komplikationen entwickeln sich aus einem nicht ausgeglichen Wasser- und Elektrolytverlust. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind viel schneller durch eine Austrocknung gefährdet.


Prävention

Hygiene-Regeln

Die Vorbeugung der Magen-Darm-Grippe besteht hauptsächlich in der Befolgung von hygienischen Regeln. Dies gilt vor allem für die Essenszubereitung. Es sollte genau darauf geachtet werden, ob Lebensmittel verdorben oder nicht mehr genießbar sind. Arbeitsflächen und Geräte, auf denen insbesondere risikobehaftete Lebensmittel wie Hühnerfleisch verarbeitet wurden, sollten gründlich gereinigt werden. Auch Küchenschwämme, Lappen und Geschirrtücher sollten regelmäßig gewaschen und ausgewechselt werden. Um eine Ansteckung und Verbreitung mit einem Magen-Darm-Erreger zu vermeiden, sollten außerdem folgende Hygiene-Standards eingehalten werden:

  • Hände waschen vor und nach der Essenzubereitung
  • Verunreinigte, angelaufene und verdorbene Nahrungsmittel und Getränke meiden
  • Kein Konsum von risikobehafteten und unvollständig gegartem Fleisch (zum Beispiel Geflügel oder Hackfleisch) oder Fisch
  • besondere Vorsicht bei Mayonnaise, Eis, roheh Eiern (Salmonellengefahr), ungewaschenem Salat und Obst
  • die im Krankenhaus geltenden hygienischen Vorgaben beachten
  • Rohmilch nur gekocht verzehren
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Zudem ist wichtig, dass die Herstellung und der Vertrieb von Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs, wie zum Beispiel in Großküchen und Kantinen, mit besonderer Sorgfaltspflicht durch das ausführende Personal erfolgt. Es kann an dieser Stelle nur wiederholt werden, dass eine gründliche und gewissenhafte Desinfektion der Hände oberste Priorität hat, um eine Verbreitung der Erreger zu verhindern.

Dies gilt aber auch im Zusammenhang mit betroffenen Säuglingen und Kindern. Eltern sollten nach einem Windelwechsel bei Ihrem Kind auf eine anschließende Desinfizierung der Hände achten, um eine Ansteckung ihrer selbst oder weiterer Familienmitglieder zu vermeiden.

Krankenhaushygiene

Bei Erwachsenen werden bis zu 50 % und bei Kindern etwa 30% aller nicht-bakteriellen und akuten Fälle der Magen-Darm-Grippe durch Noroviren ausgelöst. Falls Betroffene stationär im Krankenhaus behandelt werden, besteht die Gefahr, dass sich die Erreger, wie beispielsweise Noroviren, explosionsartig unter den Patienten als auch dem behandelnden Personal ausbreiten. Die Ansteckung kann über den Stuhl und das Erbrochene des Betroffenen erfolgen. Dabei können geringe Mengen des Erregers noch bis zu 2 Wochen nach der Erkrankung ausgeschieden werden. Meistens passiert die Übertragung über die nicht desinfizierten Hände des Patienten oder des Personals. Im Falle des Noro-Virus ist der Erreger äußerst stabil in der Umwelt und kann über drei Wochen lang infektionsfähig bleiben. Deshalb ist eine Ansteckung auch über die Oberfläche von Gegenständen, zum Beispiel Türgriffen, möglich. In der Regel werden Erkrankte im Krankenhaus in Räumen mit einer eigenen Toilette untergebracht, um eine Ansteckung anderer Patienten und des Personals zu verhindern.

Angehörige des Patienten und das Personal sollten wichtige Hygienemaßnahmen einhalten. So sollten sich Besucher des Betroffenen vor dem Betreten des Zimmers vom Stationspersonal über die korrekte Ausführung der Händedesinfektion unterrichten lassen. Denn in der Regel ist ein alkoholisches und viruzides Einreibepräparat (im Falle einer virus-bedingten Infektion) erforderlich, weil die herkömmlichen alkoholischen Händedesinfektionsmittel nur ungenügend wirksam sind. Die Desinfektion sollte 2-mal bei jeweils 1 Minute Einwirkzeit erfolgen. Des Weiteren muss gegebenfalls Schutzkleidung (Kittel, Mundschutz) getragen werden.

Impfung gegen Rotaviren

Eine Impfung gegen die Erreger der Magen-Darm-Grippe kann unter Umständen vor der Erkrankung schützen. In Deutschland stehen 2 Impfstoffe zur Verfügung, die einer Erkrankung mit Rotaviren vorbeugen können. Diese werden als Schluckimpfung eingenommen. Die erste Gabe der beiden Impfstoffe sollte zwischen der 6. und der 12. Lebenswoche erfolgen. Dabei beträgt die Schutzrate beim ersten Impfstoff (monovalenter attenuierter Lebendimpfstoff) etwa 85% gegen eine schwere Magen-Darm-Grippe durch Rotaviren. Der zweite Impfstoff (human-boviner reassortierer Impfstoff) wirkt gegen die fünf am häufigsten auftretenden Typen des Rotavirus. Die Schluckimpfung kann gleichzeitig mit den anderen Impfungen verabreicht werden, sollte aber bis zum Ende der 32. Lebenswoche beendet werden.

Es empfiehlt sich, sich vor einer Impfung gegen Rotaviren bei seiner Krankenkasse zu erkundigen, ob die Kosten für die Impfung übernommen werden.


Leben mit ...

Übersicht

In der Regel ist die Krankheitsdauer einer Gastroenteritis nur sehr kurz und übersteigt selten 2-4 Tage. Deshalb sind Empfehlungen für einen langfristigen Umgang mit der Erkrankung nicht notwendig. Wichtig ist, dass die im Kapitel Prävention aufgezeigten Ratschläge eingehalten werden. Dies betrifft vor allem die hygienischen Regeln zur Zubereitung und dem Umgang mit Lebensmitteln. Auch eine Impfung gegen Rotaviren kann durchaus sinnvoll sein, obwohl beachtet werden muss, dass es eine Vielzahl von anderen Erregern gibt, die ebenfalls eine Gastroenteritis auslösen können. Deshalb kann man leider auch erkranken, auch wenn man gegen Rotaviren geimpft ist.

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Die fünf wichtigsten Tipps

1. Falls Sie an einer Magen-Darm-Grippe leiden, sollten Sie sich regelmäßig mit einem wirksamen Desinfektionsmittel die Hände reinigen.

2. Keine fraglich verdorbenen Lebensmittel verzehren.

3. Fleisch gut durchgaren.

4. Ei- und Eiprodukte nicht roh verzehren, da Salmonellengefahr besteht.

5. Rohmilch nur gekocht trinken.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Gastroenteritis?

Antwort: In der Regel nicht länger als 2-4 Tage.

Wodurch wird eine Gastroenteritis ausgelöst?

Antwort: Oft werden Lebensmittel verzehrt, die stark mit krankheitserregenden Keimen wie Salmonellen belastet sind.

Wie kann man einer Gastroenteritis vorbeugen?

Antwort: Die Vorbeugung der Magen-Darm-Grippe besteht hauptsächlich in der Befolgung von hygienischen Regeln. Dies gilt vor allem für die Essenszubereitung. Verdorbene und nicht mehr genießbare Lebensmittel sollten vermieden werden.


Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE), weitere Informationen zu Gastroenteritis bei Säuglingen und Kindern,

Medline Plus, englischsprachige Onlinebibliothek der Medizinwissenschaften der USA, detaillierte Informationen zu vielen Aspekten der Gastroenteritis,

E+Z Entwicklung, Monatszeitschrift, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird. Weiterführende Informationen hauptsächlich über die Folgen von Gastroenteritiden in Entwicklungsländern