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Gesund Leben: Depression

Depression

Unipolare Depression

Depression ist eine weit verbreitete Erkrankung. Betroffene leiden über einen längeren Zeitraum unter einer niedergedrückten Stimmung, Interessenlosigkeit und Antriebsminderung. Die Dunkelziffer ist enorm hoch: In etwa der Hälfte der Fälle werden Depressionen nicht erkannt und daher auch nicht adäquat behandelt. Dabei gibt es viele erfolgversprechende Therapieansätze, die zur Heilung führen können.


Entstehung der Krankheit

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Übersicht

Als Depression bezeichnet man einen längeren Zustand deutlich gedrückter Stimmung, Interesselosigkeit und Antriebsschwäche. Phasen der Trauer oder Niedergeschlagenheit kennt jeder. Sie gehören zum menschlichen Dasein genauso dazu wie Hochphasen des Glücks. Wann daraus die Krankheit Depression wird, ist nicht immer leicht zu erkennen. Oft fällt es depressiven Menschen schwer, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen und sie leiden unter starken Selbstzweifeln.

Depressionen sind weltweit häufige Erkrankungen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden sie im Jahr 2030 die höchste Krankheitslast in der Weltbevölkerung verursachen – noch vor den Herz- und Kreislauferkrankungen. Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten.

Das Bundesgesundheitsministerium nimmt an, dass derzeit in Deutschland mindestens vier Millionen Menschen von einer Depression betroffen sind. Dabei ist die Dunkelziffer hoch: Nach den Ergebnissen einer Studie der Weltgesundheitsorganisation werden depressive Erkrankungen in etwa der Hälfte der Fälle gar nicht festgestellt. Betroffene gehen häufig nicht zum Arzt oder der Arzt erkennt die Depressionen nicht.

Es gibt verschiedene Formen und Schweregrade der Depression. Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Risiko in sich, depressiv zu werden. Doch ob jemand tatsächlich erkrankt, unterliegt Einflüssen, die wir nicht unbedingt steuern können. Dazu gehören erbliche Anlagen, körperliche Faktoren und das persönliche Lebensumfeld.

Häufig können Patienten, die unter Depression leiden, keine schlüssige Erklärung für ihre Erkrankung finden. Ursachen für die Erkrankung können erblich bedingt und/oder im Lebensumfeld des Betroffenen zu suchen sein. Folgende Faktoren werden als mögliche Ursachen angesehen:

  • erbliche Veranlagung

  • Ungleichgewichte von Botenstoffen im Nervensystem

  • Medikamente

  • aktuelle oder zurückliegende belastende/verletzende Ereignisse

  • chronische Erkrankungen

  • Lichtentzug in den Wintermonaten (sogenannte saisonale Depression)

  • erlernte negative Denkstrukturen

  • Schlafstörungen

Erbliche Veranlagung

Untersuchungen konnten aufzeigen, dass bei Verwandten von depressiven Patienten ebenfalls ein erhöhtes Risiko besteht, selbst an einer Depression zu erkranken. Obwohl also offensichtlich die Gene eine Rolle spielen, besteht keine Einigkeit darüber, welche Gene an der Auslösung der Krankheit beteiligt sind. Eine aktuelle Studie widerlegt auch die Existenz eines Depressions-Gens.

Ungleichgewichte von Botenstoffen im Nervensystem

Forschungen im Bereich der Neurobiologie unterstützen die Theorie, dass bei Menschen mit Depressionen eine Fehlregulation bestimmter Botenstoffe im Gehirn vorliegt. Bei Betroffenen führt dies zu einer Verminderung der Interessen und des Antriebs sowie zu einem Mangel an Freude. Für die Forschung sind vor allem die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin relevant.

Medikamente

Einige Arzneimittel können Depressionen als unerwünschte Nebenwirkung auslösen. Dies ist zum Beispiel bei Kortisonpräparaten oder Medikamenten zur Behandlung von Schizophrenie (Neuroleptika) der Fall.

Belastende Ereignisse (Stress)

Akute Trennungs- oder Verlusterlebnisse, wie der Verlust des Partners oder des Arbeitsplatzes, können Auslöser einer Depression sein. Auch privater und beruflicher Stress oder lang andauernde, belastende Erfahrungen in der Lebensgeschichte sowie Erlebnisse in der Kindheit können eine Rolle spielen.

Chronische Erkrankungen

Fast alle chronischen Erkrankungen stellen eine dauerhafte Belastungssituation für die Betroffenen dar und können daher Depressionen auslösen. Insbesondere ist dies bei Patienten mit Morbus Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie, Herzinfarkt, Krebserkrankungen, Schilddrüsen-Funktionsstörungen (Über- oder Unterfunktion) und Diabetes der Fall.

Lichtentzug in den Wintermonaten

Bei einer saisonalen Depression kommt es in der dunklen Jahreszeit (Herbst und Winter) zu Symptomen der Depression, die durch den Lichtentzug ausgelöst werden. Darüber hinaus leiden die Betroffenen auch häufig unter einem großen Schlafbedürfnis und Heißhunger-Attacken.

Erlernte negative Denkstrukturen

Bei vielen Betroffenen kann die depressive Symptomatik vorübergehend durch Wachtherapie (Schlafentzug) gebessert werden. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass durch ein vollständiges Vermeiden des Schlafes eine Besserung eintritt, die zwei bis drei Tage anhält.

Einigen Betroffenen, die regelmäßig in den Herbst- und Wintermonaten von depressiven Symptomen betroffen sind und zudem ein vermehrtes Schlafbedürfnis sowie auftretenden Heißhunger aufweisen, kann eine Lichttherapie von Nutzen sein. Dabei setzen sich die Betroffenen regelmäßig für 30 - 40 Minuten einer Lichtquelle aus.

Aus klinischer Erfahrung heraus kann außerdem körperliches Training empfohlen werden, um das Wohlbefinden zu steigern und depressive Symptome zu lindern.

Schlafstörungen

Wer häufig Probleme mit dem Schlaf hat, kann anfälliger für Depressionen sein. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht bei Menschen mit Schlafstörungen von einem drei- bis vierfach höheren Risiko für psychische Erkrankungen wie die Depression.

Verschiedene Formen der Depression

Die Depression ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Einzelne depressive Phasen nennt man depressive Episoden. Diese können einmalig oder wiederholt auftreten.

  • Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung (Rezidiv). Zwischen zwei depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten.

  • Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie, eine anhaltende getrübte Stimmung, die das Befinden zwar beeinträchtigt, aber nicht so stark wie eine depressive Episode.

  • Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die depressiven Anzeichen mehr als zwei Jahre anhalten.

  • Eine vollständige Wiederherstellung der psychischen Gesundheit nennt man Remission (Genesung). Nach einer depressiven Episode kann diese Remission auch unvollständig sein. Den Betroffenen geht es dann zwar deutlich besser als während der depressiven Episode, aber nicht ganz so gut wie zuvor.


Symptome

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Übersicht

Die Depression hat viele Erscheinungsbilder. Trauer und Niedergeschlagenheit wirken sich auch auf die körperliche Verfassung aus. Einige körperliche Anzeichen, wie Schmerzen oder Schlafstörungen, können auf eine Depression hinweisen.

Depressive Patienten bestätigen häufig folgende Aussagen:

  • „Ich bin traurig, einsam oder unglücklich.“
  • „Ich fühle mich erschöpft, ausgelaugt und leer.“
  • „Ich komme am Morgen kaum aus dem Bett.“
  • „Ich habe Konzentrationsprobleme und kann alltägliche Aufgaben nur mit Mühe erledigen.“
  • „Ich fühle mich wertlos und ungeliebt.“
  • „Ich kann mich nicht mehr über Dinge freuen, die ich früher schön fand.“
  • „Ich ziehe mich zurück, weil Gesellschaft mich anstrengt und mir Stress bereitet.“
  • „Ich fühle mich schuldig.“

Es ist ganz normal, dass jeder Mensch in bestimmten Lebensphasen solche Aussagen als auf sich zutreffend bewertet. Wenn sich aus diesen Ansichten jedoch grübelnde Gedankengänge entwickeln, aus denen sich der Betroffene nicht mehr befreien kann, löst dies einen großen Leidensdruck aus. Dauert dieser Zustand über mehrere Wochen an, könnte eine Depression vorliegen. Durch das Abfragen der Kernsymptome kann dann erfasst werden, ob wirklich eine Depression vorliegt.

Psychische Symptome

  • depressive Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Antriebsstörung
  • Energieverlust
  • erhöhte Ermüdbarkeit
  • verminderte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl (das Gefühl von Wertlosigkeit)
  • Schuldgefühle, Selbstvorwürfe oder Gedanken an Selbstmord
  • negative oder pessimistische Sicht auf die Zukunft
  • innere und körperliche Unruhe
  • Verlust von Selbstbewusstsein und Gehemmtsein

Körperliche Symptome

  • allgemeine körperliche Abgeschlagenheit und Mattigkeit
  • Schlafstörungen (Ein- und/oder Durchschlafstörungen)
  • Appetitstörungen, Magendruck, Gewichtsverlust
  • Verdauungsprobleme wie Verstopfung (Obstipation) oder Durchfall (Diarrhöe)
  • Kopfschmerz oder andere Schmerzen, häufig Rückenschmerzen
  • Druckgefühl in Hals und Brust, Beengtheit im Hals (Globusgefühl)
  • Störungen von Herz und Kreislauf (Herz-Rhythmus-Störungen, Herzrasen) oder Atemnot
  • Schwindelgefühle, Flimmern vor den Augen, Sehstörungen
  • Muskelverspannungen, plötzlich einschießende Schmerzen
  • Verlust des sexuellen Interesses, Aussetzung der Monatsblutung, Impotenz, sexuelle Funktionsstörungen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen

Symptome der Gefährdung durch einen Selbstmord

Wenn depressive Symptome vorhanden sind, muss immer auch die Gefährdung durch einen Suizid beachtet werden. Auf eine erhöhte Gefahr weisen folgende Symptome hin:

  • frühere Suizidversuche
  • höheres Alter
  • Suizid in der Verwandtschaft
  • sehr schwere Depression
  • sehr ausgeprägte Schuldgefühle
  • fehlende familiäre und soziale Bindungen
  • Verlust des sozialen Umfeldes oder des Berufes
  • Entwurzelung durch Trennung
  • Kränkungen durch Zurückweisung oder eigenes Fehlverhalten
  • Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen

Bei folgenden Symptomen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen

Es gibt einen einfachen Test, der den Verdacht auf eine depressive Störung erhärtet: Den so genannten Zwei-Fragen-Test:

  • Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
  • Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Werden beide Fragen mit ja beantwortet, dann sollten Sie sich von Ihrem Hausarzt eingehend untersuchen lassen. In einem ausführlichen Gespräch sollen alle wichtigen möglichen Haupt- und Nebensymptome (Anzeichen) einer Depression erfragt werden. Damit kann eine Erkrankung zuverlässig festgestellt oder ausgeschlossen werden.

Weitere Symptome, die ärztliche Hilfe unbedingt notwendig machen:

  • Selbstmordgedanken
  • Angst sterben zu müssen, einen Herzinfarkt oder eine andere tödliche Erkrankung zu bekommen
  • Atemnot und Panikgefühle
  • andauernde Antriebs-, Interesse- oder Freudlosigkeit

Es ist meistens sehr schwer, sich selbst objektiv einzuschätzen und Symptome als solche zu erkennen. Das gilt für psychische Symptome und depressive Menschen ganz besonders. Darum sollten Betroffene den Rat ihres Umfelds sehr ernst nehmen. Häufig erkennen Familienangehörige und Freunde viel früher, dass jemand an Depressionen leiden könnte.


Komplikationen

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Übersicht

Eine Depression geht häufig mit anderen seelischen oder körperlichen Erkrankungen einher. Häufige psychische Begleiterkrankungen sind:

  • Angst- und Panikstörungen
  • Zwangsstörungen
  • Wahnzustände (Psychosen)
  • Missbrauch von Alkohol oder Drogen
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie)
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Selbstmordabsichten (Suizidalität)
  • Frühgeburtlichkeit
  • Schlaganfall

Auch Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Infektionen, anhaltende Schmerzen, Diabetes oder Hirnerkrankungen (neben Schlaganfall) können mit depressiven Symptomen verbunden sein.

Menschen, bei denen eine Depression festgestellt worden ist, sollten sich unbedingt auch auf Begleiterkrankungen hin untersuchen lassen.

Angst- und Panikstörungen

Eine Depression kann mit einer sehr starken Gehemmtheit, Ängstlichkeit oder mit Panikattacken einhergehen. Daher werden im Rahmen einer Panikstörung die typischen Symptome einer Depression erfragt. Nicht selten kommen depressive Symptome und Angst gleichzeitig vor, ohne dass diese für sich ausreichend stark ausgeprägt sind, um die entsprechenden Diagnosen Depression oder Angststörung zu stellen.

Zwanghafte Störungen

Von Zwängen wird gesprochen, wenn Betroffene unter Handlungen oder Gedanken leiden und diese nicht unterdrücken können, obwohl sie als unerträglich, sinnlos oder zeitraubend empfunden werden.

Wahnzustände (Psychosen)

Psychotische Symptome können im Zusammenhang mit schweren depressiven Episoden auftreten. Gelegentlich können depressive Fehlüberzeugungen für den Betroffenen zu einer unverrückbaren und indiskutablen Realität heranwachsen. Es kann zu Wahnideen, Halluzinationen oder extrem verlangsamten Reaktionen (sogenannter depressiver Stupor) kommen.

Missbrauch von Alkohol oder Drogen

Bei einer depressiven Erkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Durch Suchtmittel wird häufig ein Ausweg aus der niedergedrückten Stimmung gesucht. Dabei machen Alkohol und Drogen die Situation nur noch schlimmer.

Menschen mit Depressionen sollten Alkohol und Drogen unbedingt meiden. Wichtig ist, dass im Falle eines Problems mit Alkohol oder Drogen der behandelnde Arzt darüber Bescheid weiß, um angemessene Hilfe anbieten zu können. Betroffene sollten dem Arzt gegenüber daher sehr offen über ihre Alkohol- und Drogengewohnheiten sprechen.

Essstörungen (Magersucht, Bulimie)

Häufig gehen Depressionen mit Essstörungen einher. Meistens sind Frauen von diesen Begleiterkrankungen betroffen, aber zunehmend leiden auch Männer unter Essstörungen. Auch hier ist ein offener Umgang mit den Begleiterkrankungen sehr wichtig.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind solche Störungen, die ein flexibles, situationsangemessenes Verhalten und Erleben der Betroffenen erschweren oder unmöglich machen. Es gibt viele verschiedene Formen. Diese oft sehr schwer zu erkennenden Erkrankungen gehen oft mit Depressionen einher.

Selbstmordabsichten (Suizidalität)

Es ist nicht selten, dass Betroffene in einer depressiven Episode den Lebensmut verlieren und daran denken, sich das Leben zu nehmen. Gerade in derartigen Situationen kann es depressiven Menschen auch schwerfallen, solche Gedanken beiseite zu schieben.

In diesem Fall sollten sich Betroffene nicht scheuen und dies ihrem Hausarzt oder einer vertrauten Person mitteilen. In einigen Fällen hilft es auch weiter, die Gründe zu erkennen, die sie daran hindern, sich tatsächlich das Leben zu nehmen.

Frühgeburtlichkeit

Es gibt Hinweise darauf, dass Depressionen bei Schwangeren das Risiko einer Frühgeburt deutlich erhöhen können.

Schlaganfall

Heute wird davon ausgegangen, dass einige Medikamente, die zur Behandlung von Depressionen infrage kommen (Antidepressiva), das Risiko von Schlaganfällen steigern können. Daher sollte bei einer leichten depressiven Episode der Nutzen einer medikamentösen Therapie mit den möglichen Risiken abgewogen werden.


Diagnose

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Übersicht

Wenn sich Betroffene entschlossen haben, einen Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen, befragt dieser sie in einem ausführlichen Gespräch. Dabei wird er sich an bestimmten Beispielfragen oder Fragebögen orientieren, die sich in der Forschung als zuverlässig und aussagekräftig erwiesen haben.

Dieses Gespräch ist das wichtigste Mittel des Arztes oder Psychotherapeuten, um herauszufinden, ob jemand an einer Depression erkrankt ist und wie stark diese möglicherweise ausgeprägt ist. Deshalb ist wichtig, dass Betroffene dem behandelnden Experten vertrauen können und möglichst offen antworten.

Die Diagnose einer depressiven Störung wird gestellt, wenn mindestens zwei Hauptsymptome sowie zwei Zusatzsymptome über einen Zeitraum von zwei Wochen vorliegen.

Der Schweregrad, das wiederholte Auftreten (Rezidiv) beziehungsweise die Dauer sowie das Vorhandensein von zusätzlichen körperlichen (somatischen) oder realitätsfernen (psychotischen) Symptomen sind weitere wichtige Informationen zur Eingrenzung der Depression. In jedem Fall muss bei Vorliegen depressiver Symptome die Gefährdung durch die Suizidalität aktiv untersucht werden.

Kriterien zur Diagnose einer Depression

Für die Diagnose einer Depression müssen mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome über den Zeitraum von mindestens zwei Wochen auftreten.

Kern-/Hauptsymptome bei Depression:

  • depressive Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Antriebsstörung
  • Energieverlust
  • erhöhte Ermüdbarkeit

Zusatzsymptome bei Depression:

  • verminderte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl, das Gefühl von Wertlosigkeit
  • Schuldgefühle, Selbstvorwürfe oder Gedanken an Selbstmord (Suizid)
  • negative oder pessimistische Sicht auf die Zukunft
  • innere und körperliche Unruhe (psychomotorische Unruhe)
  • Verlust von Selbstbewusstsein und Gehemmtsein
  • Schlafstörungen
  • Appetit- und Gewichtsverlust
  • vermindertes Interesse an Sexualität

Schweregradbestimmung

Man unterscheidet zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Depression. Die Behandlungsmöglichkeiten für alle drei Schweregrade sind verschieden. Deswegen ist es notwendig, dass alle Krankheitsanzeichen so genau wie möglich erfasst werden.

Von einer leichten depressiven Episode spricht man, wenn zwei Haupt- und höchstens zwei Nebensymptome mehr als zwei Wochen andauern. Bei zwei Haupt- und drei bis vier Nebensymptomen spricht man von einer mittelgradigen Depression. Mindestens drei Haupt- und vier oder mehr Nebensymptome kennzeichnen eine schwere Depression.

Die Einteilung nach Schweregraden wird von Fachleuten vorgenommen, indem sie das Vorhandensein bestimmter Symptome prüfen.

Wiederholte (rezidivierende) depressive Episode

Von einer wiederholten (rezidivierenden) depressiven Episode spricht man, wenn es neben der gegenwärtigen depressiven Episode in der Vorgeschichte wenigstens eine weitere gab.

Dysthyme Störung/ Dysthymie

Dauert die depressive Verstimmung über einen Zeitraum von zwei Jahren an, spricht man von einer chronischen Verstimmung (Dysthymie).

Somatisches Syndrom

Es kann ein sogenanntes somatisches Syndrom vorliegen, wenn zusätzlich zu der Diagnose einer leichten oder mittelgradigen depressiven Episode mindestens vier der folgenden Symptome eindeutig vorhanden sind:

  • Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  • mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren
  • frühmorgendliches Erwachen zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit
  • Morgentief
  • der objektive Befund einer psychomotorischen Hemmung oder Agitiertheit
  • deutlicher Appetitverlust und Gewichtsverlust, häufig von mehr als 5 % des Körpergewichts im vergangenen Monat
  • deutlicher Libidoverlust

Das diagnostische Gespräch

Der Arzt oder Psychotherapeut wird diese Themen mit einem Betroffenen ansprechen. Je offener und genauer die Antworten, desto besser kann der Arzt oder Psychotherapeut feststellen, ob eine Depression vorliegt. Das ist wichtig, denn die Behandlung richtet sich auch nach dem Schweregrad der Erkrankung. In den meisten Fällen kann eine Depression gut behandelt werden. Wenn bei einem Menschen depressive Anzeichen festgestellt wurden, heißt das nicht zwangsläufig, dass dieser an einer Depression leidet.

Auch bei anderen psychischen Störungen gehören viele dieser Zeichen zum Krankheitsbild. So können Ermattung oder Schlafstörungen bei körperlichen Erkrankungen auftreten. Deswegen sollte der Arzt oder Psychotherapeut in einem nächsten Schritt Fragen zu anderen möglichen Krankheiten stellen, um diese abzugrenzen.

Andererseits kann die Diagnose gerade bei Menschen mit schweren körperlichen oder psychischen Erkrankungen oder bei älteren Menschen schwieriger sein, weil bei ihnen allgemeine Schwäche oder Schlafstörungen auch unabhängig von einer Depression auftreten können.

Wenn eine depressive Erkrankung festgestellt wurde, bespricht der Arzt oder Psychotherapeut gemeinsam mit dem Patienten das weitere Vorgehen und leitet, wenn nötig, eine Behandlung ein.


Therapie

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Übersicht

Depressionen sind in der Regel gut zu behandeln. Dazu stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich gibt es vier Behandlungsstrategien:

  • aktiv-abwartende Begleitung (watchful waiting)
  • medikamentöse Behandlung
  • psychotherapeutische Behandlung (Psychoanalyse, Verhaltenstherapie)
  • Kombinationstherapie

Welche Behandlung für einen Patienten geeignet ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung und dem bisherigen Krankheitsverlauf sowie von dessen persönlichen Wünschen ab. In jedem Fall sollten Betroffene gemeinsam mit ihrem Arzt oder Psychotherapeuten Nutzen und Risiken der in Frage kommenden Verfahren gründlich abwägen.

Die Behandlung verfolgt stets mehrere Ziele. Die Symptome der Depression sollen so weit zurückgehen, dass die Betroffenen ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden und im sozialen wie beruflichen Alltag wieder voll einsatzbereit sind. Darüber hinaus soll die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene einen Rückfall oder später eine Wiedererkrankung erleiden, so gering wie möglich gehalten werden.

Wichtiger Hinweis

Die hier vorliegenden Informationen zur Behandlung von Depressionen beruhen auf einem strengen und aktuellen wissenschaftlichen Nachweis, der den weitgehenden Nutzen einer Behandlung gezeigt hat. Dabei ist zu beachten, dass die hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten unter bestimmten Bedingungen angepasst werden müssen. Die persönlichen Wünsche und Lebensziele des Patienten spielen eine wichtige Rolle. Auch das Alter, der Schweregrad der Erkrankung sowie mögliche Nebenerkrankungen können die Empfehlungen mitunter stark beeinflussen. Betroffene mit Nebenerkrankungen sollten ihren Hausarzt daher unbedingt darüber in Kenntnis setzen. Darüber hinaus sollten sie ihren Hausarzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen.

Der Hausarzt wählt für seinen Patienten die passende Behandlungsform entsprechend der oben genannten Kriterien. Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neuste oder die kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchsten Qualität einer Therapie für einen Patienten. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden.

Abschnitte der Therapie

Die Behandlung lässt sich grundsätzlich in drei Abschnitte einteilen:

  • Akuttherpie
  • Erhaltungstherapie
  • Rezidivprophylaxe

In der Akuttherapie geht es darum, die vorliegenden Beschwerden und Anzeichen der Depression so schnell und so gut wie möglich zu behandeln, bis sie weitestgehend verschwunden sind.

Wenn das der Fall ist, setzt die Erhaltungstherapie ein. Durch eine Weiterführung der gewählten Behandlung meist über etwa vier bis neun Monate bei medikamentöser und oft acht bis zwölf Monate bei psychotherapeutischer Behandlung soll sich der Zustand stabilisieren. Damit kann die Gefahr eines Rückfalls erheblich gesenkt werden. Es ist also wichtig, die gewählte Behandlung nicht vorschnell abzubrechen, sobald eine Linderung der Beschwerden eingetreten ist.

Bei bestimmten Patienten sollte sich an die Erhaltungstherapie eine weitere Behandlung zur Vorbeugung gegen ein erneutes Auftreten nach vollständiger Genesung anschließen (Rezidivprophylaxe). Die Behandlung kann sich über ein Jahr oder länger erstrecken. Sie wird empfohlen, wenn ein hohes Risiko dafür besteht. Das ist der Fall, wenn ein Patient mit Depression schon mehrere Rückfälle erlebt hat, während der depressiven Phase sehr stark eingeschränkt war oder an einer chronischen Depression leidet.

Aktiv-abwartende Begleitung (watchful waiting)

Bei einer leichten depressiven Episode kann mit dem Beginn der Behandlung abgewartet werden, wenn die Betroffenen eine Behandlung ablehnen, oder man davon ausgehen kann, dass sich die depressive Symptomatik auch ohne Therapie zurückbildet.

Jedoch sollte üblicherweise innerhalb der nächsten beiden Wochen eine erneute Überprüfung der Symptomatik erfolgen. Das watchful waiting kann beispielsweise mit Aufklärung bezüglich des Schlaf-Wach-Rhythmus verbunden werden.

Allgemeines über die medikamentöse Therapie bei Depression

Eine Depression kann auch mit Medikamenten behandelt werden, die auf die Psyche wirken. Da diese gezielt gegen (lateinisch: anti) Depressionen wirken, werden sie auch Antidepressiva genannt (Einzahl: Antidepressivum).

Zur Behandlung von depressiven Störungen stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Bei mittel- oder schwergradigen depressiven Episoden wird Betroffenen eine Behandlung mit Medikamenten, eventuell in Kombination mit einer Psychotherapie, angeboten. Untersuchungen zufolge können einige medikamentöse Therapien das Risiko für Schlaganfälle und andere Todesursachen steigern.

Generell ist bei der medikamentösen Behandlung Nutzen und Risiko miteinander abzuwägen. Daher wird bei der Erstbehandlung von einer leichten depressiven Episode oft vom Einsatz von Antidepressiva abgesehen. In der Regel greifen die medikamentösen Therapien in den Hirnstoffwechsel ein und verändern bestimmte Stoffwechselvorgänge zwischen Nervenzellen.

Die Wichtigsten Wirkstoffgruppen sind:

  • klassische Antidepressiva (wirken je nach genauem Typ des Medikaments stimmungsaufhellend, beruhigend oder antriebssteigernd)
  • Wiederaufnahmehemmer (erhöhen die Konzentration von Botenstoffen im Gehirn, die der Depression entgegenwirken)
  • Inhibitoren (verhindern den Abbau von Botenstoffen im Gehirn, die der Depression entgegenwirken)
  • weitere Antidepressiva
  • pflanzliche Antidepressiva

Klassische Antidepressiva

Zu den klassischen Antidepressiva gehören die tri- und tetrazyklischen Antidepressiva.

Trizyklische Antidepressiva, zum Beispiel Clomipramin und Amitriptylin, greifen gleichzeitig in mehrere Systeme des Hirnstoffwechsels ein und wirken beruhigend, stimmungsaufhellend oder antriebssteigernd.

Bei trizyklischen Antidepressiva sind zahlreiche Nebenwirkungen zu beachten. Bei Patienten mit folgenden Grunderkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko bei der Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Engwinkelglaukom (bestimmte Art des grünen Stars)
  • gutartige Prostatavergrößerung
  • Verengungen im Magen-Darm-Trakt
  • schwere Verstopfung
  • Demenzerkrankungen
  • Krampfleiden
  • Verwirrtheitszustände

Wiederaufnahme-Hemmer

Um unerwünschte Nebenwirkungen zu mildern, werden modernere Wirkstoffe hinsichtlich ihrer Wirkung auf einzelne (selektive) Botenstoffe des Gehirns entwickelt. Diese sind allerdings den trizyklischen Antidepressiva hinsichtlich der antidepressiven Wirkung nicht überlegen. Die Botenstoffe (Neurotransmitter) dienen der Verbindung/Übertragung zwischen Nervenzellen.

In der Regel wird ein Botenstoff von einer Nervenzelle in den Zellzwischenraum (synaptischen Spalt) ausgeschüttet und stimuliert dann damit die Zielzelle. Je nach Botenstoff werden unterschiedliche Reaktionen in der Zielzelle ausgelöst. Über spezielle Mechanismen wird der Botenstoff dann wieder aus dem synaptischen Spalt entfernt. Wird diese Wiederaufnahme von Botenstoffen, die einer Depression entgegenwirken können, medikamentös gebremst, kann der Botenstoff länger wirken und damit den Mangel ausgleichen, welcher zu den Symptomen der depressiven Störungen führt.

Man unterscheidet mehrere Gruppen von Wiederaufnahmehemmern. Es gibt Wiederaufnahmehemmer, die gezielt die Konzentration der Botenstoffe Serotonin oder Noradrenalin im synaptischen Spalt erhöhen, aber auch solche, die die Wiederaufnahme beider Botenstoffe hemmen.

Häufig eingesetzt werden die selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Besonders zu Beginn einer Therapie mit SSRI sollten Betroffene darauf hingewiesen werden, dass sie beim Auftreten der folgenden Symptome, die auf ein sogenanntes Serotoninsyndrom hinweisen, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen sollten:

  • Verwirrtheit und delirartige Zustände
  • Zittern/Frösteln und Schwitzen
  • Veränderungen des Blutdrucks
  • Muskelzuckungen
  • Pupillenerweiterung

Inhibitoren

Die Monoaminoxidase ist ein Enzym, dessen Bedeutung im Abbau von Serotonin und Noradrenalin besteht. Die Hemmung der Monoaminoxidase steigert dementsprechend die Konzentration dieser Botenstoffe, wodurch eine antidepressive Wirkung erzielt wird.

Weitere Antidepressiva

Es gibt eine Reihe weiterer Wirkstoffgruppen, die auf spezielle Stoffwechselvorgänge im Gehirn wirken und damit verbundenen Symptomen der Depression entgegen wirken sollen. Dazu gehören Stoffe wie Reboxetin oder Bupropion.

In einer aktuellen Studie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen wurde die Wirksamkeit von Reboxetin für Akuttherapien und Rückfallprävention nicht erwiesen und Patienten brachen die Therapie häufiger wegen unerwünschter Nebenwirkungen ab. Dieselbe Studie gibt Hinweise darauf, dass sich eine medikamentöse Therapie mit dem Wirkstoff Bupropion XL, welcher gegen die Symptome der Antriebsschwäche eingesetzt wird, für eine Akuttherapie und zur Vorbeugung von Winterdepressionen eignet.

Pflanzliche Antidepressiva

Unter den pflanzlichen Antidepressiva spielt Johanniskrautextrakt eine Rolle. Wegen seiner vermeintlich geringen Nebenwirkungen wird es in Deutschland häufig verordnet. Allerdings ist seine Wirkung umstritten: Es gibt Studien, die eine erhöhte Wirksamkeit gegenüber einem Placebo nachweisen, aber auch solche, die das widerlegen.

Eine aktuelle Übersicht kommt zu dem Ergebnis, dass bei leichter und mittelschwerer Depression Johanniskraut wirksam ist, bei schwerer Depression aber nicht. Doch die Dosierung in einzelnen Johanniskrautextrakt-Präparaten ist sehr unterschiedlich. Es sollten nur solche Medikamente verordnet werden, deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde und die als verschreibungspflichtige Arzneimittel zugelassen sind.

Johanniskraut ist meist gut verträglich, obwohl einschränkend gesagt werden muss, dass die meisten Studien relativ wenige Teilnehmer hatten und deshalb nur begrenzt zuverlässige Aussagen erlauben. Häufig wird Lichtempfindlichkeit als Nebenwirkung erwähnt, in den Studien finden sich aber nur wenige Hinweise darauf. Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen. Vor allem die Pille zur Verhütung von Schwangerschaften kann unwirksam werden. Blutverdünnende Medikamente und Medikamente zur Behandlung von Epilepsie werden in ihrer Wirkung gemindert.

Psychotherapie

In der Psychotherapie wirkt der Psychotherapeut ohne Einsatz von Medikamenten oder anderen Heilmitteln im Gespräch auf die Psyche des Patienten ein. Der Patient hat hierbei eine aktive Rolle. Das bedeutet, Psychotherapie ist weitgehend Hilfe zur Selbsthilfe.

Es gibt viele verschiedene Arten und Formen der Psychotherapie. In Deutschland werden aber bei der Behandlung von Depressionen ambulant (in der Praxis) in der Regel nur Psychotherapieverfahren von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und bezahlt, die zu den sogenannten Richtlinienverfahren gehören. Als Richtlinienverfahren gelten die Verhaltenstherapie und die psychoanalytisch begründeten Verfahren. Die Wirksamkeit dieser Verfahren konnte in Studien zuverlässig nachgewiesen werden, wobei die meisten Belege für die Wirksamkeit bei leichter und mittelgradiger Depression vorliegen.

Bei Depression wird als spezifische psychotherapeutische Form eher die kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Dabei wird versucht, passive Verhaltensweisen wie Grübeln durch die Förderung von angenehmen Aktivitäten im Tagesgeschehen zu ersetzen und soziale Kompetenzen zu festigen. Denn Betroffene nehmen oft ihre negativen Kommunikationsmuster mit anderen nicht wahr. Eine Umstrukturierung negativer Gedankenmuster hat zum Ziel, den Abbau der belastenden Erfahrungen voran zu bringen.

Der Nutzen psychotherapeutischer Verfahren ist vor allem bei leichten und mittelgradigen Depressionen belegt und denen einer medikamentösen Behandlung vergleichbar. Bei mittelgradigen bis schweren Depressionen setzt die Wirkung psychotherapeutischer Behandlung in der Regel etwas später ein als bei einer Behandlung mit Medikamenten und ist bei sehr schwer ausgeprägten Krankheitszeichen oft nicht alleine möglich. Hier sind Kombinationsbehandlungen (Psychotherapie und Medikamente) wirkungsstärker.

Die Psychotherapie birgt auch Risiken: Es kann sein, dass die Therapie keinen Erfolg zeigt, der Zustand sich unter Umständen (teils vorübergehend) verschlechtert und den Betroffenen dies nicht sofort bewusst wird. Vielleicht ist zum Beispiel das Vertrauensverhältnis zum Psychotherapeuten beeinträchtigt. Das kann auch passieren, wenn Patient und Psychotherapeut einfach „nicht miteinander können“. In der psychotherapeutischen Behandlung ist der Patient sehr auf seinen Psychotherapeuten angewiesen. Es sind seltene Fälle belegt, in denen der Psychotherapeut diese Abhängigkeit ausnutzt. Außerdem ist nicht jeder Mensch zu einer Psychotherapie bereit. Man muss Zeit investieren. Eine erfolgreiche Psychotherapie setzt eine entsprechende Motivation, Bereitschaft und Fähigkeit zur Mitwirkung voraus.

Sonstige Therapien

Bei vielen Betroffenen kann die depressive Symptomatik vorübergehend durch Wachtherapie (Schlafentzug) gebessert werden. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass durch ein vollständiges Vermeiden des Schlafes eine Besserung eintritt, die zwei bis drei Tage anhält.

Einigen Betroffenen, die regelmäßig in den Herbst- und Wintermonaten von depressiven Symptomen betroffen sind und zudem ein vermehrtes Schlafbedürfnis sowie auftretenden Heißhunger aufweisen, kann eine Lichttherapie von Nutzen sein. Dabei setzen sich die Betroffenen täglich (bis zu einer Woche) für 30 - 40 Minuten einer Lichtquelle aus.

Aus klinischer Erfahrung heraus kann außerdem körperliches Training empfohlen werden, um das Wohlbefinden zu steigern und depressive Symptome zu lindern.

Weitere Therapieverfahren

Die dargestellten Behandlungsverfahren entsprechen den Therapien, deren Wirksamkeit, Sicherheit und Sinn durch Studien belegt worden sind und die in den Leitlinien empfohlen werden, welche zur Erstellung dieses Texts herangezogen worden sind. Unter anderem und vor allem zählen dazu die Nationale Versorgungsleitlinie zur Depression und die dazugehörige Patienteninformation. Darüber hinaus gibt es gegebenenfalls noch weitere Therapiemöglichkeiten. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Auch ohne Behandlung klingt eine Depression nach einer bestimmten Zeit häufig wieder ab. In einigen Studien war das nach etwa sechs bis acht Monaten der Fall. Es kann sein, dass die Depression wiederkommt und die einzelnen Episoden auch länger andauern. Auch mit einer Behandlung kann eine Depression bei etwa der Hälfte der Betroffenen wiederkehren oder chronisch werden. Chronisch bedeutet, sie dauert zwei Jahre oder länger an. Dies ist bei zwei von zehn Patienten der Fall. Mit einer Behandlung, die auf die persönlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen des Einzelnen abgestimmt ist, sind drei Viertel der Patienten nach im Schnitt etwa vier bis sechs Monaten wieder vollständig gesundet. Dabei sind Krankheitsverlauf und -dauer von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.


Prävention

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Übersicht

Menschen, die ein erhöhtes Risiko für Depressionen aufweisen, sollten früh damit beginnen, eigene Kompetenzen im Umgang mit alltäglichen Belastungen und unerwarteten Krisensituationen zu fördern. Sollte der Verdacht auf eine Depression bestehen, können Betroffene sich vertrauensvoll an ihren Hausarzt wenden.

Früherkennung

Menschen, die ein erhöhtes Risiko aufweisen, sollten Maßnahmen der Früherkennung in Anspruch nehmen. Zur Risikogruppe zählen Menschen, die bereits früher depressive Störungen hatten, an körperlichen Erkrankungen leiden, einen gesteigerten Alkohol- oder Drogenkonsum aufweisen oder deren Familienangehörige starke emotionale Probleme hatten oder sich das Leben genommen haben.

Ausreichend schlafen und Schlafstörungen vermeiden

In einer aktuellen amerikanischen Studie wird gezeigt, dass bereits sieben Prozent der Teenager (7. bis 12. Schulklasse) als ernsthaft depressiv eingestuft werden müssen. Die Jugendlichen, die gewöhnlich bis nach Mitternacht wach waren, waren deutlich häufiger depressiv.

Im Gegensatz zur Wachtherapie bei einer aktuellen depressiven Störung wirkt regelmäßiger und ausreichender Schlaf eher als Schutz vor Depressionen.

Die eigenen Stärken stärken und die Schwächen schwächen

Vor dem Hintergrund, dass Depressionen auch eine Reaktion auf eine starke Überforderung sein können, ist es wichtig, sich eigene Stärken und Schwächen vor Augen zu führen.

Menschen, die auf ihre eigenen Stärken stolz sind und ihre eigenen Schwächen kennen und akzeptieren, sind besser vor Depressionen gefeit, als Menschen, die dazu neigen, zu streng mit dem eigenen Charakter ins Gericht gehen. Menschen, die in eine depressive Phase geraten, geht nämlich oft die Fähigkeit verloren, eigene Stärken als solche erkennen zu können. Gleichzeitig wirken dann als vermeintliche Unzulänglichkeiten empfundene persönliche Eigenschaften stärker negativ, als sie es objektiv gesehen sind.

Man sollte sich daher in einer von Selbstzweifeln geprägten Phase nicht scheuen, Freunde und Angehörige um Hilfe zu bitten, das eigene Selbstbild objektiv mit dem Fremdbild zu vergleichen (Reality Check). Es ist dann auch genauso wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen als solche zu akzeptieren und anzunehmen.

Schutzfaktoren gegen Selbstmord

Schützende Faktoren vor Suizid hängen von Erfahrungen in der frühen Kindheit ab, die Einfluss auf das spätere Leben haben:

  • dauerhafte gute Beziehung zu mindestens einer primären Bezugsperson
  • Großfamilie, kompensatorische Elternbeziehungen, Entlastung der Mutter
  • gutes Ersatzmilieu nach frühem Mutterverlust
  • soziale Förderung (Jugendgruppen, Schule, Kirche)
  • verlässlich unterstützende Bezugsperson(en) im Erwachsenenalter

Außerdem sind überdurchschnittliche Intelligenz, ein robustes und kontaktfreudigesTemperament und die Bereitschaft zu festen Bindungen schützende Faktoren vor Selbstmordgedanken.


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Übersicht

Ursachen der Depression sind nicht allein in vererbten oder unveränderlichen Zuständen zu suchen. Depressionen lassen sich heute sehr gut behandeln. Für eine Heilung oder spürbare Besserung ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen erkennen, dass sie erkrankt sind und in einer Behandlung aktiv etwas zu ihrer Genesung beitragen können.

Allgemeine Hinweise

Es gibt verschiedene therapeutische Hilfen zum besseren Umgang mit spezifischen Problemen und Belastungen bei Depression. Bereits das Gespräch mit Hausarzt und Angehörigen kann helfen, mit Ängsten besser umzugehen.

Depression als Erkrankung erkennen

Eine Depression ist keine persönliche Schwäche, sondern eine behandelbare Erkrankung. Ein erster bedeutender Schritt besteht darin, professionelle Hilfe aufzusuchen. Je länger sich eine Depression in das Leben von Betroffenen einschleicht, umso schwieriger wird es, zu einem normalen Alltag zurück zu finden. Es ist wichtig, immer wieder mit kleinen Rückschlägen umgehen zu lernen.

Familie, Freunde und Selbsthilfe-Gruppen

Häufig hilft es weiter, mit Problemen nicht allein da zu stehen. Betroffene sollten sich nicht zurückziehen, sondern aktiv auf ihre Familie und Freunde zugehen, um das Gespräch zu suchen. Auch Selbsthilfe-Gruppen können aufgrund der persönlichen Erfahrungen oft helfen, spezielle Probleme zu lösen.

Tagesstruktur

Klare Tagesstrukturen (feste Aufstehzeiten und regelmäßige Mahlzeiten) können äußerst hilfreich sein. In schriftlicher Form kann ein solcher Plan beispielsweise helfen, um Schlafprobleme zu lindern.

Erlebnisse

Durch körperliche Aktivität an der frischen Luft wie Spazierengehen oder Radfahren können Betroffene ihr Wohlbefinden steigern. Dabei ist es wichtig, dass sie sich realistische Ziele setzen, um Enttäuschungen zu vermeiden, und dass ihnen genug Zeit für Ruhe- und Entspannungsphasen bleibt.

Alkohol, Drogen und Medikamente

Depressive Patienten sollten Alkohol meiden. Alkohol oder Drogen können die Probleme eines Betroffenen nicht lösen. Neben der Abhängigkeitsgefahr können Alkohol und Drogen die Bewältigung der Probleme verzögern oder sogar verhindern.

Ebenso sollten Betroffene keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Hausarzt Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel einnehmen.

Die fünf wichtigsten Tipps

  1. Depression ist eine weitverbreitete Erkrankung, die meistens gut behandelt werden kann.
  2. Der wichtigste Schritt, den Betroffene machen können, ist der Gang zum Arzt.
  3. Es gibt keinen Grund, sich für Depressionen zu schämen oder zu verstecken.
  4. Gedanken an Selbstmord müssen immer sehr ernst genommen werden und erfordern sofortige ärztliche Hilfe.
  5. Depressionen sind oft von anderen psychischen Erkrankungen begleitet und äußern sich nicht selten auch über körperliche Symptome, wie Schlafstörungen oder Schmerzen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Depression?

Depression ist eine psychische Erkrankung, unter der viele Menschen in Deutschland leiden. Die Erkrankung kann unter anderem zu Freudlosigkeit, starken Selbstzweifeln und im schlimmsten Fall zu Selbstmordgedanken oder –versuchen führen. Daher sind Depressionen sehr ernst zu nehmen und sollten nicht verharmlost oder verdrängt werden.

Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Es kann schwierig sein, den „richtigen“ Psychotherapeuten zu finden. Zum einen ist es häufig schwer, einen freien Termin zu bekommen. Zum anderen müssen Sie und der Psychotherapeut auch zueinander passen, wenn die Therapie Erfolg haben soll. Wichtig ist, dass Sie sich von anfänglichen Fehlschlägen nicht entmutigen lassen.

Sie können andere um Rat und Hilfe bei der Suche bitten, zum Beispiel Ihren Hausarzt, Ihre Krankenkasse, Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld. Auch eine Poliklinik für psychische Erkrankungen oder die psychiatrische Ambulanz eines Krankenhauses kann eine erste Anlaufstelle für Sie sein, von der aus man Ihnen weiterhilft. Daneben gibt es psychologische Beratungsstellen, die Sie aufsuchen können.

Wenn Ihnen die „anonyme“ Suche über das Internet lieber ist, dann können Ihnen die Suchdienste der Berufsgruppen und Fachverbände weiterhelfen (zum Beispiel der bundesweite Psychotherapeuten-Suchdienst).

Mir wurde gesagt, ich soll mich zusammenreißen. Heißt das, ich bin selbst Schuld, dass ich Depressionen habe?

Nein, niemand ist schuld an seiner Depression. Depression ist eine Erkrankung. Nach den Ergebnissen einer Studie der Weltgesundheitsorganisation werden depressive Erkrankungen in etwa der Hälfte der Fälle gar nicht festgestellt, weil die Betroffenen nicht zum Arzt gehen oder der Arzt sie nicht erkennt. Betroffene fürchten sich vor dem Makel „psychische Erkrankung“ oder schämen sich, mit ihrer schlechten Stimmung nicht allein fertig zu werden.

Dabei ist eine psychische Erkrankung ebenso wie eine körperliche keine Frage von Schuld: Niemand würde sich schämen, wegen Rückenschmerzen einen Arzt aufzusuchen. Die Behandlung seelischer Erkrankungen gehört genauso zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen wie die Behandlung körperlicher Erkrankungen. Bei privaten Krankenkassen ist dies jeweils vom individuellen Versicherungsvertrag abhängig.

Gibt es verschiedene Formen von Depression?

Die Depression ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Einzelne depressive Phasen nennt man depressive Episoden. Diese können einmalig oder wiederholt auftreten. Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung (Rezidiv). Zwischen zwei depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten.

Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie, eine anhaltende getrübte Stimmung, die das Befinden zwar beeinträchtigt, aber nicht so stark wie eine depressive Episode.

Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die depressiven Anzeichen mehr als zwei Jahre anhalten. Eine vollständige Wiederherstellung der psychischen Gesundheit nennt man Remission (Genesung). Nach einer depressiven Episode kann diese Remission auch unvollständig sein. Den Betroffenen geht es dann zwar deutlich besser als während der depressiven Episode, aber nicht ganz so gut wie zuvor.

Was ist Dysthymie?

Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie, eine anhaltende getrübte Stimmung, die das Befinden zwar beeinträchtigt, aber nicht so stark wie eine depressive Episode.

Was ist eine postpartale Depression?

Eine postpartale Depression ist eine Depression, die bei Frauen auftreten kann, die ein Kind entbunden haben. Diese Erkrankung kann noch bis zu zwei Jahre nach der Geburt des Kindes auftreten. Postpartale Depression ist dringend behandlungsbedürftig.

Was ist eine Winterdepression?

Bei der so genannten Winterdepression treten depressive Symptome nur im Herbst und Winter, also während der dunklen Jahreszeit, auf und gehen während des Frühjahrs und des Sommers wieder zurück. Für diese depressive Erkrankungsart hat sich die Behandlung mit künstlichem Licht als wirksam erwiesen.

Eine Depression belastet nicht nur den Betroffenen, sondern auch Partnerschaft, Familie und Freunde. Als Angehörige sind Sie in einer schwierigen Situation: Sie wollen helfen und unterstützen und brauchen gleichzeitig vielleicht selbst Hilfe und Unterstützung.

Einen Menschen leiden zu sehen, der einem nahe steht, ist schwer. Es kann Ihnen helfen, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie als Angehöriger zwar helfen aber nicht heilen können. Und das erwartet auch niemand von Ihnen. Die Ursachen für eine Depression sind vielfältig. Manche können auch im familiären Umfeld zu finden sein. Familie und Partnerschaft sind eine ständige Baustelle.

Auch wenn familiäre Konflikte eine Depression mit verursachen können: Niemand trägt Schuld an der Erkrankung. Weder Sie noch der Erkrankte.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Ich soll zu einem Paar-/Familiengespräch mitkommen. Was bedeutet das?

Falls es dazu kommt, dass der Arzt oder Psychotherapeut Ihres Partners Sie zu einem Paar- oder Familiengespräch einlädt, dient das niemals dazu, Schuld zu verteilen, sondern Prozesse und Belastungen aller Beteiligten besser zu verstehen und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Kein Mensch wird absichtlich oder aus Versagen krank. Depression ist kein Ausdruck von Unvermögen oder Nichtwollen. Auch wenn es von außen ganz einfach scheint, dagegen anzugehen: Für den Betroffenen selbst kann es eine große Anstrengung bedeuten, sich zu den einfachsten Dingen aufzuraffen.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Was kann ich tun?

Hilfreich für den Betroffenen ist es zum Beispiel, wenn Sie zunächst einmal Verständnis für seine Situation und seine Gefühle aufbringen. Wenn Sie ihn in seiner Erkrankung ernst nehmen, ohne zu dramatisieren. Und ihm gleichzeitig vermitteln, dass Hilfe möglich ist und es ihm in Zukunft wieder besser gehen wird.

Deshalb ist es so wichtig, dass Sie ihn in seiner Entscheidung unterstützen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Viele Betroffene haben große Angst, dann als „verrückt“ zu gelten und von ihrem Umfeld abgelehnt oder verlacht zu werden. Machen Sie klar, dass solche Befürchtungen nicht gerechtfertigt sind. Vielleicht kennen Sie auch Beispiele anderer Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung behandelt werden oder wurden und die davon profitieren. Vielleicht können Sie sich als Begleiter durch eine schwere Zeit sehen.

Es kann gut sein, wenn Sie den Betroffenen in den Dingen unterstützen, die ihm helfen: wieder mit kleinen Aktivitäten zu beginnen, einen Spaziergang zu machen, sich ein wenig zu bewegen, miteinander zu reden. Oder etwas zu tun, was ihm Freude bringt, zum Beispiel Musik hören, ein Bild ansehen. Dabei werden Sie vielleicht zurückgewiesen werden. Doch das zielt nicht auf Sie als Person, sondern ist der Erkrankung geschuldet.

Nicht immer ist der andere in der Lage, Ihre Vorschläge anzunehmen. Wenn Sie das respektieren, ohne Ihre Versuche aufzugeben, helfen Sie ihm sehr. Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, einem depressiven Menschen seine Erkrankung zu erklären, sie herunterzuspielen oder gut gemeinte Ratschläge zu geben. Das alles signalisiert ihm, dass Sie ihn nicht akzeptieren, auch wenn Sie es ganz anders meinen.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Ich fühle mich selbst sehr belastet davon. Was kann ich tun, um nicht auch selbst den Mut zu verlieren?

Der Umgang mit einem depressiven Menschen kann dazu führen, dass Sie selbst auf vieles verzichten. Auf Dinge, die Ihnen lieb sind, wie Hobbies, Sport, Kontakte, Kultur. Es mag Ihnen egoistisch erscheinen, dass Sie sich vergnügen, während der andere leidet. Doch damit ist dem Betroffenen nicht geholfen.

Wenn Sie nicht auf sich selbst Acht geben, werden Sie bald keine Kraft mehr haben, für den anderen da zu sein. Der Umgang mit einer chronischen schweren Erkrankung ist für Angehörige eine Herausforderung. Sie können sich selbst Hilfe holen. Sie haben die Möglichkeit, sich psychotherapeutische Unterstützung zu suchen, um diese belastende Situation zu verarbeiten. Es gibt inzwischen auch zahlreiche Selbsthilfegruppen für Angehörige. Wer viel hilft, darf sich zugestehen, auch selber Hilfe in Anspruch zu nehmen, um nicht auszubrennen. Alles, was Sie entlastet, hilft auch dem Angehörigen, um den Sie sich sorgen. Das ist nicht egoistisch, sondern pragmatisch.

Jemand, der mir nahe steht, hat Depression. Es gab bereits Situationen in denen ich große Angst hatte, dass er sich etwas antut. Was kann ich im Notfall tun?

Hören Sie zu und nehmen Sie alle Äußerungen oder Beobachtungen sehr ernst. Versuchen Sie, das Gespräch in Gang zu halten, und rufen Sie Notarzt und/oder Polizei. Lassen Sie den Verzweifelten nicht allein, bis Hilfe eintrifft, und beseitigen Sie gefährliche Gegenstände aus dem Umfeld.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung kann eine Einweisung ins Krankenhaus auch gegen den Willen des Betroffen nötig sein! Für diesen Notfall ist die Polizei zuständig. Die Zwangseinweisung ist ein schwieriger, allerletzter Ausweg, um Schlimmeres zu verhindern: nämlich Fremd- oder Selbstgefährdung. Das bedeutet, dass das Leben oder die körperliche Unversehrtheit des Betroffenen beziehungsweise einer anderen Person gefährdet ist. Dann handelt es sich um einen Notfall. Am wenigsten eingreifend ist es für alle Beteiligten, wenn Angehörige oder Freunde den Betroffenen selbst in das zuständige psychiatrische Krankenhaus bringen. Wenn der Patient sich jedoch weigert, hat es keinen Sinn, einen Krankenwagen zu rufen. Rettungssanitäter dürfen nicht gegen den Willen des Betroffenen handeln und ihn zwangsweise transportieren. Hierfür ist die Polizei zuständig.

Nationale Versorgungsleitlinie Depression

Patienteninformation zur Nationalen Versorgungsleitlinie Depression

Telefonseelsorge

Kompetenznetz Depression

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK)