Schilddrüsenunterfunktion

auch bekannt als: Hypothyreose

Diagnose

Icon Hinweise auf die Diagnose kann der Arzt oft bereits aus dem vom Patienten beschriebenen Beschwerdebild und der körperlichen Untersuchung bekommen. Normalerweise werden dann noch eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse sowie eine Blutuntersuchung durchgeführt.

5 Abschnitte der Diagnoseerstellung:

  1. Anamnese-Gespräch mit dem Patienten über die aktuelle und eventuelle frühere Beschwerden und Erkrankungen

  2. äußerliche Begutachtung des Patienten

  3. manuelle körperliche Untersuchung

  4. Laboruntersuchung des Blutes

  5. bildgebende Untersuchungen, zum Beispiel Ultraschall

Die ersten drei Diagnoseschritte können allesamt direkt beim ersten Kontakt zwischen Patient und Arzt erfolgen. Deshalb ist es besonders sinnvoll, wenn dem Arzt und dem Patienten für den ersten Kontakt ausreichend Zeit zur Verfügung stehen. Denn je mehr bereits in den ersten Schritten über die Krankheit herausgefunden werden kann, desto enger lassen sich die Folgeschritte einschränken.

Von den ersten Resultaten der Diagnosestellung wird abhängig gemacht, welche Werte im Labor untersucht werden und welche bildgebenden Untersuchungsverfahren zur Anwendung kommen.

Patientengespräch Anamnese

Folgende Fragen wird der Arzt dem Patienten stellen:

  • Ist eine Größenveränderung der Schilddrüse aufgefallen?

  • Ist ein Druck- oder Kloßgefühl im Hals aufgefallen?

  • Ist Heiserkeit aufgetreten?

  • Ist Kurzatmigkeit aufgetreten?

  • Entsteht ein pfeifendes Geräusch beim ausatmen?

  • Gibt es Schilddrüsenerkrankungen in der Familie?

  • Werden Medikamente eingenommen?

  • Wie ist die Ernährung, wird mit Jodsalz gekocht, wie viel Fisch wird gegessen?

Ergänzende Fragen im Hinblick auf eine Schilddrüsenunterfunktion:

  • Ist ein vermindertes Schwitzen und gesteigertes Kälteempfinden aufgefallen?

  • Sind vermehrt kalte Hände und Füße aufgefallen?

  • Ist trockene, schuppige, z.T. teigige Haut aufgefallen?

  • Ist eine raue Stimme aufgefallen?

  • Ist eine nicht erklärbare Gewichtszunahme aufgefallen?

  • Ist vermehrter Hunger aufgefallen?

  • Sind trockene und spröde Haare aufgefallen

  • Ist ein langsamer Herzschlag aufgefallen?

  • Ist vermehrt Verstopfung aufgefallen?

  • Sind Ödeme an den Augen und Schienbeinen aufgefallen, die sich nicht eindrücken lassen?

  • Sind Muskelschwächen und –schmerzen aufgefallen?

  • Ist eine innere Antriebslosigkeit und geringe Motivation aufgefallen?

  • Ist vermehrte Müdigkeit aufgefallen?

  • Sind depressiven Stimmungen aufgefallen?

  • Sind sexuelle Antriebsstörungen aufgefallen?

Bei Frauen:

  • Sind Zyklusstörungen aufgefallen?

  • Ist Unfruchtbarkeit aufgefallen?

Bei Männern:

  • Sind Erektionsstörungen aufgefallen?

Äußerliche Begutachtung (Inspektion)

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung kann am gesamten Körper sichtbare Symptome verursachen. Deshalb wird der Arzt den Patienten bitten, sich bis auf die Unterwäsche zu entkleiden.

Nach folgenden Symptomen wird geschaut:

  • Größenveränderung der Schilddrüse, normalerweise sollte die Schilddrüse nicht sichtbar sein (zur Größeneinteilung siehe WHO-Einteilungen im Kapitel "Komplikationen" Abschnitt Kropf.)

  • Zustand der Haut

  • Gesundheit der Haare

  • Erscheinung der Augen (typische Veränderungen bei „Morbus Basedow“)

  • Ernährungszustand
  • Ödeme an den Augenlidern

  • Ödeme an den Schienbeinen

  • psychische Verfassung

Unter dem Kapitel Symptome sind jeweils die typischen Veränderungen für Schilddrüsenüberfunktion bzw. -unterfunktion aufgelistet.

Manuelle körperliche Untersuchung

Für die Untersuchung der Schilddrüse steht der Arzt meist vor dem sitzenden Patienten.

Die allgemeine körperliche Untersuchung betrifft folgende Bereiche:

  • den Zustand der Haut

  • die Untersuchung eventueller Ödeme. Lassen sie sich nicht eindrücken, handelt es sich um typische Ödeme, die bei einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten (Myxödeme)

  • Abhorchen des Herzens
  • Blutdruckmessung

  • Pulsmessung

  • Untersuchung der Augen. Bei Morbus Basedow treten die Augen hervor und die Lider lassen sich nicht vollständig schließen

Genauere Untersuchung der Schilddrüse:

  • abtasten der Schilddrüse, um Größenveränderungen und/oder Knoten festzustellen

  • Der Patient/in wird gebeten zu schlucken. Im gesunden Zustand und bei Vergrößerung gleitet die Schilddrüse beim Schlucken unter den Fingern des Arztes entlang. Knoten und Verhärtungen, die sich tasten lassen, aber beim Schlucken nicht gleiten, sollten dringend weiter untersucht werden

  • Abhorchen der Schilddrüse mit einem Stethoskop. Bei einer stark durchbluteten Schilddrüse wie beispielsweise bei der Krankheit Morbus Basedow kann der Arzt manchmal ein Rauschen hören

Unter dem Kapitel Symptome sind die typischen Veränderungen für Schilddrüsenunterfunktion aufgelistet

Laboruntersuchung des Blutes

Die Untersuchung des Blutes im Labor ist eine ebenso einfache wie wichtige Methode bei der Diagnose von Schilddrüsenfunktionsstörungen.

Da die Schilddrüsenhormone und die Schilddrüsensteuerhormone sehr empfindlich auf Veränderungen in der Schilddrüse reagieren, lassen sich über die Blutuntersuchung bereits wichtige und detaillierte Aussagen über die Art der Schilddrüsenfunktionsstörung treffen. Die Schilddrüsenantikörperbestimmung wird außerdem beim Verdacht, einer zu Grunde liegenden Autoimmunerkrankung gemacht.

Ultraschall

Die Ultraschalluntersuchung ist eine Routineuntersuchung bei der Schilddrüsendiagnostik. Sie kann Informationen über Folgende Punkte geben:

  • Strukturveränderungen der Schilddrüse = Knoten, Zysten

  • Erscheinung der Schilddrüse ist z.B. bei einer Entzündung der Schilddrüse verändert

  • Schilddrüsenvolumen Messung: Obere Grenzwerte für Frauen 18ml Volumen, für Männer 25ml Volumen

  • die normale Größe der Schilddrüse sollte nicht größer sein als die des Daumenglieds des Patienten

  • wenn es im Rahmen der genaueren Untersuchung eines Knotens zu Gewebeentnahme kommt, wird diese per Ultraschall begleitet

Szintigraphie

Die Szintigrafie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung. Der Patient nimmt ein radioaktiv markiertes Mittel ein, das sich in der Schilddrüse sammelt und Strahlung abgibt.

Die Schilddrüsenzellen, die Jod aufnehmen, nehmen auch diese radioaktiven Substanzen auf. Mit der Kamera lassen sich dann Zellen, die die radioaktive Substanz aufgenommen haben, durch die abgegebene Strahlung sichtbar machen.

Kalte Areale nehmen kein radioaktives Material auf und sende daher keine Strahlen ab. Heiße Areale nehmen radioaktives Material auf und ihre Strahlung ist sichtbar.

Das Ergebnis der Szintigrafie wird Szintigramm genannt. Damit bei der Szintigrafie keine falschen Ergebnisse auftreten, dürfen 4-6 Wochen vor der Untersuchung keine jodhaltigen Medikamente genommen werden, da diese die Aufnahme des radioaktiven Materials stören können.

Bei Schilddrüsen mit geringer autonomer Aktivität wird außerdem ein spezielles Suppressionsszintigramm durchgeführt, da sie bei der Laboruntersuchung und der normalen Szintigraphie unentdeckt bleiben können.

Probeentnahme

Eine Probe der Schilddrüse wird entnommen, wenn man die Zellen eines Knotens, entzündete Schilddrüse, Zysten in der Schilddrüse oder ein krebsverdächtiges Areal genauer untersuchen möchte. Per Ultraschall wird kontrolliert, dass die Nadel die Probe an der richtigen Stelle entnimmt.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.


Infozept Nr. I-SCH-023