Gastroenteritis

auch bekannt als: Magen-Darm-Grippe

Therapie

Icon Im Vordergrund der Behandlung steht der Wasser- und Elektrolytausgleich der Betroffenen. Hierzu stehen Glucose-Elektrolyt-Lösungen zur Verfügung. Aber auch bestimmte Ernährungsmaßnahmen eignen sich. So kann bspw. mit Tee oder Karottensuppe gefastet oder eine Rohapfel-Diät durchgeführt werden.

Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes

Die Behandlung einer Gastroenteritis zielt hauptsächlich auf den Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes ab, der durch den Brechdurchfall verursacht wird. Da die Beseitigung des eigentlichen Verursachers in der Regel nicht möglich ist, werden also die Folgen der Erkrankung, die Austrocknung und der damit verbundene Elektrolytverlust, behandelt. Diese Art von Behandlung wird als symptomatische Therapie bezeichnet, weil sie sich an den Symptomen orientiert.

 

Glucose-Elektrolytlösungen

Besonderes Augenmerk liegt bei dem Ausgleich der Wasser- und Elektrolytverluste auf dem richtigen Verhältnis von Flüssigkeit, Salzen und Mineralstoffen. Ziel ist es, die Aufnahme von Wasser und Elektrolyten bis zu einer ausgeglichenen Bilanz (von Aufnahme und Verlust) zu steigern. Dies gelingt in der Regel durch die orale Zufuhr von Lösungen mit einem Glucose-Natrium-Verhältnis von 1:1. Denn Glucose und Natrium werden zu gleichen Anteilen im Darm aufgenommen. Daraufhin wird auch Wasser in den Darm transportiert. Um den meistens auch bestehenden Kaliumverlust auszugleichen, wird den Lösungen häufig Kaliumchlorid zugesetzt.i Zur einfachen Anwendung gibt es von der WHO  empfohlene,  standardisierte Lösungen mit einem Traubenzucker-Salz-Gemisch (WHO-Rehydratationslösung).

Falls durch die orale Zufuhr einer Glucose-Elektrolytlösung keine ausgeglichene Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz erreicht werden kann, sind erfahrungsgemäß ein vollständiger Nahrungsverzicht und eine Wasser- bzw. Elektrolytzufuhr unter Umgehung des Magen-Darmtrakts notwendig. In der Regel erfolgt dies intravenös und ist in der akuten Phase der Erkrankung angezeigt. In Abhängigkeit des Beschwerdebildes erfolgt anschließend schrittweise ein Kostaufbau. Dieser sollte in Absprache mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise einem Ernährungsexperten aus Tee, Mineralwasser und komplexen Kohlenhydraten (Weißbrot, Haferflocken, rohem Apfel oder Karottensuppe) bestehen.

Geeignete Lösungen zum Flüssigkeitsausgleich bei Durchfall (insbesondere für Kleinkinder) - Empfehlung nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

Fertiglösung aus 20 g Traubenzucker, 3,5 g Kochsalz, 1,5 g Kaliumchlorid, 2,5 Natriumbikarbonat oder 2,9 g Tri-Natriumcitrat. Diese Fertiglösungen sind in der Apotheke erhältlich und sollten gerade für Säuglinge und Kleinkinder eingesetzt werden.

Bei erkrankten Säuglingen und Kleinkindern ist besonders auf den Flüssigkeitsausgleich zu achten. Für sie können sehr viel geringere  Wasser- und Mineralstoffverluste schon lebensbedrohlich sein.

Ernährungstherapie
Ernährungstherapie

Bei einer unkomplizierten Gastroenteritis ist es oft gar nicht notwendig, auf eine vorgefertigte Lösung aus der Apotheke zurückzugreifen. In der Regel kann man einer Austrocknung und einem Elektrolytverlust auch mit einer Anpassung der Ernährung entgegenwirken und so die Symptome der Erkrankung lindern. In jedem Fall ist es wichtig, immer auf eine ausreichende, dem Verlust angepasste Flüssigkeitszufuhr zu achten.

 

Die Ziele der Ernährungstherapie sind:

  • Ersatz des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes

  • Verlangsamung der Passage des Nahrungsbreis durch den Darm

  • Verbesserung der Flüssigkeits- und Elektrolytaufnahme

  • Wachstumshemmung von krenkeitserregenden Bakterien im Darm

Fasten mit Tee

Es sollte 1-2 Tagen ausschließlich Tee (ca. 2-3 l pro Tag) getrunken werden. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts ist schwarzer oder grüner Tee zu bevorzugen. Den im Tee enthaltenen Gerbstoffen wird eine beruhigende Wirkung auf den Darm zugeschrieben. Außerdem haben sie leichte antibakterielle und schmerzlindernde Eigenschaften.

Es sollte aber darauf geachtet werden, dass diese bis zu 20 Minuten ziehen, bevor sie getrunken werden. Alternativ können auch Mate-, Kamillen- oder Pfefferminztee getrunken werden.

 

Unverdauliche Kohlenhydrate

Es empfiehlt sich der Verzehr von unverdaulichen Kohlenhydraten wie Pektin. Diese nehmen Wasser auf und werden durch Dickdarmbakterien zu Säuren zersetzt, die wiederum das Wachstum von krankheitserregenden Bakterien im Darm hemmen. Pektin ist in Äpfeln, Karotten und Johannisbrotkernmehl enthalten.

 

Diät mit rohem Apfel

5-6-mal am Tag sollte etwas zerriebener Apfel als Mahlzeit zu sich genommen werden. Das in Äpfeln enthaltene Pektin kann durch seine schützende Wirkung auf die Darmwand und  die Fähigkeit zur Bindung von Bakteriengiften die Beschwerden bei leichtem Durchfall verringern. Allerdings sollten insgesamt nicht mehr als zwei bis drei Äpfel pro Tag verzehrt werden, da der im Apfel enthaltene Fruchtzucker in großen Mengen nicht vertragen wird.

Karottensuppe

Ein Pfund Karotten in Würfel schneiden und kochen. Anschließend mit dem Kochwasser pürieren, auf 1 l Wasser auffüllen und 3 g Kochsalz hinzufügen. Warum gerade Karotten gewählt werden sollten? Beim Kochen der Karotten entstehen kleinste Zuckermoleküle, sogenannte Oligosaccharide, die ebenfalls durch die Bindung von Bakteriengiften zu einer schnelleren Ausscheidung dieser Gifte beitragen.

Johannisbrotkernmehl

Johannisbrotkernmehl kann im Handel als diätetisches Lebensmittel − also Lebensmittel, die bei bestimmten Erkrankungen angewendet werden können – erworben werden. Zubereitungsempfehlungen können in der Regel dem Verpackungsaufdruck entnommen werden. Mit Johannisbrotkernmehl können die gleichen Effekte wie bei einer Diät mit Karotten und Äpfeln erreicht werden.

Verbreitete Mythen

Entgegen dem weit verbreitetem Glauben, dass Cola und Salzstangen ein optimales Heilmittel wären, reicht die Einnahme dieser beliebten Snacks bei einer Magen-Darmgrippe nicht aus, um einen Flüssigkeits- und Salzverlust auszubalancieren. In Form von Salzstangen und sehr zuckerhaltiger Cola sind die Mengen an Zucker und Salzen, die man zu sich nimmt, nur schwer kontrollierbar und verstärken so unter Umständen den Durchfall noch.

Auch ein Flüssigkeitsausgleich durch Alkohol oder Milch ist zu vermeiden.

Weitere medikamkentöse Therapie
Weitere medikamkentöse Therapie

Für die akute Gastroenteritis gibt es aufgrund der Vielzahl der Ursachen keine standardisierte medikamentöse Therapie. Antibiotika, die bei anderen bakteriellen Erkrankungen oft zur Eliminierung von Bakterien eingesetzt werden, haben bei den Gastroenteritis–Erregern nur eine begrenzte Wirksamkeit und werden sehr zurückhaltend verwendet. Für weitere Medikamente gilt auch in diesem Zusammenhang das Prinzip der symptomatischen Behandlung. Sie dienen also in erster Linie dazu vorhandene Symptome zu lindern.

Antibiotika

Falls immungeschwächte Personen betroffen sind oder es sich um einen schweren Verlauf einer bakteriell bedingten Gastroenteritis handelt, kann der Einsatz von Antibiotika unter bestimmten Voraussetzungen notwendig sein. Dieser dient der Elimination des bakteriellen Auslösers. In der Praxis werden Antibiotika aber eher selten eingesetzt werden und sind auch nicht in jedem Fall wirksam.

Antiemetika

Als Antiemetika werden Medikamente bezeichnet, die das Erbrechen hemmen. Bei starkem Erbrechen und bleibender Übelkeit können sie vom Hausarzt unterstützend verschrieben werden.

Weitere Medikamente

Des Weiteren gibt es Medikamente, die die Darmtätigkeit verändern, zum Beispiel Loperamid, oder sie hemmen, zum Beispiel Butylscopolamin. Vor einer Einnahme sollte aber vom Hausarzt zunächst das Risiko gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden.

Wichtiger Hinweis

Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neueste oder die kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchstmöglichen Qualität einer Therapie. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Beim Auftreten einer Gastroenteritis empfiehlt es sich häufig, einen Arzt aufzusuchen. Falls eine schwer verlaufende Gastroenteritis nicht behandelt wird, kann es zu schweren Kreislaufstörungen, Blutgerinnseln, Blutvergiftung oder akutem Nierenversagen kommen.

Die meisten Komplikationen entwickeln sich aus einem nicht ausgeglichen Wasser- und Elektrolytverlust. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind viel schneller durch eine Austrocknung gefährdet.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.


Infozept Nr. I-GAS-044