Schilddrüsenunterfunktion

auch bekannt als: Hypothyreose

Entstehung der Krankheit

Icon Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann die unterschiedlichsten Ursachen haben (z. B. Autoimmunerkrankungen, Jodmangel, Entzündungen). Es kommt nicht selten vor, dass die Ursachen einer Störung bereits längere Zeit bestehen, bevor sie sich bemerkbar machen.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion werden zu wenige Schilddrüsenhormone produziert und in den Körper abgegeben. Im Folgenden werden die Funktion der Schilddrüse und Ursachen, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen können, genannt.

Die Schilddrüse und der Schilddrüsenhormonregelkreis

Die Schilddrüse befindet sich an der Halsvorderseite und hat eine Schmetterlingsform. Ihre Funktion ist die Produktion von Hormonen und die Speicherung von Jod.

Um die verschiedenen Ursachen von einer Schilddrüsenunterfunktion verstehen zu können, ist es hilfreich, den Schilddrüsenhormonregelkreis zu kennen. Dabei handelt es sich um die fördernden und hemmenden Mechanismen der Schilddrüsensteuerhormone und der Schilddrüsenhormone.

Aus einer Gehirnregion, dem so genannten Hypothalamus, wird das Hormon TRH freigesetzt, welches in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) die Abgabe des Schilddrüsensteuerhormons TSH bewirkt.

TSH führt im Darm zur Aufnahme von Jod und fördert in der Schilddrüse die Bildung der beiden Schilddrüsenhormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin). T3 und T4 können daraufhin ihre Wirkung im Körper entfalten.

Gleichzeitig führt der Anstieg von T3 und T4 im Blut zu einer Drosselung der Ausschüttung der Schilddrüsensteuerhormone TSH und TRH im Gehirn. Auf diese Weise wird verhindert, dass die Schilddrüse immer weiter zur Hormonproduktion stimuliert wird.

Außerdem würde zu viel freigesetztes TSH zu einer Größenzunahme der Schilddrüse führen, da TSH auch das Wachstum der Schilddrüsenzellen fördert. Eine vergrößerte Schilddrüse kann nach außen sichtbar werden, was dann als Kropf bezeichnet wird.
Die zwei Hauptformen der Schilddrüsenfunktionsstörung

Unter normalen Bedingungen hat der Körper ein fein austariertes Regulationssystem, über das er genau bestimmen kann, wie viele Schilddrüsenhormone (T3, T4) er benötigt und wie viele demnach produziert und freigesetzt werden sollen. Gesteuert wird dies unter anderem über die Schilddrüsensteuerhormone (TSH und TRH) aus dem Gehirn.

Die Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel. Sie wirken auf das Nervensystem, auf die Muskulatur und auf die Aktivität des Herzens. Gerät das feine Regelsystem von Bedarf, Produktion und Angebot der Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, sind daher oft gleich mehrere Körperfunktionen hiervon betroffen.

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung besteht entweder in einer Über- oder Unterfunktionen.

Bei der Schilddrüsenüberfunktion gibt es einen Überschuss der Schilddrüsenhormone. Grund ist meist eine Störung der Schilddrüse selbst und nur selten eine Störungen der übergeordneten Zentren.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion besteht eine Unterversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen. Die Folge ist eine Verlangsamung des gesamten Stoffwechsels.

Sowohl bei der Über- als auch bei der Unterfunktion unterscheidet man zwischen einer verborgenen (latenten) und einer offenbar erkennbaren (manifesten) Schilddrüsenfunktionsstörung.

Zur Erkennung dieser Unterschiede, dienen die Blutlaborwerte der Schilddrüsenhormone T3 undT4, und der Schilddrüsensteuerhormone TSH und TRH. Das verborgene Stadium einer Schilddrüsenfunktionsstörung bildet oft ein Übergangsstadium zu der offenbar erkennbaren Schilddrüsenfunktionsstörung.

Schilddrüsenentzündung

Eine Schilddrüsenentzündung kann in der Anfangsphase eine Schilddrüsenüberfunktion und im weiteren Verlauf eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen. Es gibt verschiedene Formen der Schilddrüsenentzündung:

Chronische Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoditis)

  • Auslöser: Autoimmunreaktion des Körpers

  • 90 % der Fälle

  • wird häufig erst nach Jahren bei der Untersuchung eines Kropfs oder einer Schilddrüsenunterfunktion entdeckt, da sie lange beschwerdefrei verläuft

  • mehr Frauen als Männer sind betroffen

  • Häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion

Unterschwellig akute Schilddrüsenentzündung

  • selten

  • Auslöser: Viren, nach Autoimmunreaktion

  • Schilddrüse ist fest, geschwollen und bei Druck schmerzhaft Fieber und Müdigkeit

Akute Schilddrüsenentzündung

  • sehr selten

  • Auslöser: Bakterien, Viren

  • ein akuter Beginn mit geröteter, sehr schmerzhafter Schilddrüse, hohes Fieber
Erworbene Schilddrüsenunterfunktion

Selten erkranken bereits Kinder (ca. 0,25–1 % in Deutschland) an Schilddrüsenunterfunktion. Folgende Formen der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion werden unterschieden:

Primäre Schilddrüsenunterfunktion

Als primär werden alle Schilddrüsenunterfunktionen bezeichnet, die an der Schilddrüse selbst entstehen. Ursache dafür können eine Radiojodtherapie, eine Schilddrüsenoperation, Jodmangel oder Schilddrüsenmedikamente, die hemmend auf die Schilddrüsenfunktion wirken, sein.

Sekundäre Schilddrüsenunterfunktion

Bei dieser seltenen Form der Unterfunktion gibt es einen Mangel an Schilddrüsensteuerhormon TSH. Dieser bewirkt eine geringere Produktion von T3 und T4 in der Schilddrüse.

Tertiäre Schilddrüsenunterfunktion

Sehr seltene Form der Unterfunktion aufgrund eines Mangels an Schilddrüsensteuerhormon TRH oder einer Störung der Kommunikation zwischen den Steuerungsgebieten im Gehirn.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Von der angeborenen Schilddrüsenunterfunktion sind ca. 0,2 ‰ der Neugeborenen betroffen. Die Ursache ist eine nicht ausreichende oder fehlende Schilddrüse oder eine nicht ausreichende Schilddrüsenhormonbildung oder –ausschüttung.

Schilddrüsenunterfunktion durch Jodmangel

200 µg Jod benötigt die Schilddrüse täglich. Da Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, nehmen die Menschen durchschnittlich weniger als 100 µg täglich zu sich.

Die Schilddrüse benötigt Jod für die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Jodmangel kann daher eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen. Das Gehirn stimuliert trotzdem durch (TSH) weiterhin die Schilddrüse und regt sie zur Produktion an, obwohl zu wenig Jod zur Verfügung steht. Zur Kompensation des Jodmangels beginnt die Schilddrüse zu wachsen. Auf Dauer funktioniert diese Art der Kompensation allerdings nicht. Außerdem verursacht das Schilddrüsenwachstum eine Kropfbildung, die optisch und durch den zusätzlichen Platz den sie benötigt stören kann.

Besonders in der Schwangerschaft muss sorgfältig auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden. Ein Jodmangel und damit Schilddrüsenunterfunktion von Geburt an kann im Extremfall bei Kindern zu Kleinwüchsigkeit mit Schwerhörigkeit und ausgeprägter geistiger Unterentwicklung führen.

Jodmangel kann auch eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen, wenn durch den Jodmangel eine Autonomie in der Schilddrüse ausgelöst wird.
Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft

Das Schwangerenhormon ß-hCG ist im ersten Drittel der Schwangerschaft in hoher Konzentration im Blut der Mutter enthalten. Es hat eine ähnliche Wirkung wie das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH, weshalb am Anfang der Schwangerschaft die Konzentration der Schilddrüsenhormone Tund T4 ansteigt. Nur sehr selten entwickelt sich daraus eine Schilddrüsenüberfunktion. Meistens haben sich die Werte bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels wieder normalisiert.

Der Jodbedarf der Mutter ist in der Schwangerschaft durch folgende Ursachen erhöht:

  • vermehrter Jodverlust über den Urin

  • zusätzlicher Jodbedarf durch das ungeborene Kind

  • ca. um 50 % gesteigerte Schilddrüsenhormonproduktion durch den mütterlichen Körper

  • erhöhter Jodbedarf in der Stillzeit

Schwangere sollten in aller Regel zur Vorbeugung eines Jodmangels täglich Jod in Tablettenform zu sich nehmen und sich dazu von ihrem Arzt beraten lassen.

Um zu prüfen, ob Mutter und Kind ausreichend mit Jod versorgt sind, ist es ratsam, während der Schwangerschaft die Konzentration der Schilddrüsenhormone zu überwachen.

Im Laufe der Schwangerschaft kann eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Sie sollte möglichst schnell entdeckt und behandelt werden. Denn eine ausreichende Versorgung mit Jod und damit Vorbeugung einer Schilddrüsenunterfunktion sind besonders wichtig für die Entwicklung des ungeborenen Kindes.

Schilddrüsenunterfunktion während der Schwangerschaft

Die Schilddrüsenhormone sind extrem wichtig für eine gute körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Weltweit ist Jodmangel in der Schwangerschaft die häufigste vermeidbare Ursache für körperliche und geistige Unterentwicklung.

Jodmangel in der Schwangerschaft kann folgende Symptome bei Neugeborenen verursachen:

  • Trinkfaulheit

  • Verstopfung

  • Neugeborenengelbsucht

  • Bewegungsunlust

  • Nabelbruch

In der späteren kindlichen Entwicklung können Einschränkungen wie Schwerhörigkeit, Sprachstörungen und körperlicher Minderwuchs hinzukommen.

Je früher bei einem Neugeborenen eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt wird, desto besser ist die Prognose für seine Entwicklung. Daher wird bei jedem Neugeborenen ein sogenanntes „Neugeborenen-Schilddrüsen-Screening“ am 3. Lebenstag durchgeführt.

Mit der frühzeitigen Behandlung einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion lässt sich ein späterer körperlicher Kleinwuchs vermeiden, ein entstandener geistiger Schaden ist allerdings nicht mehr zu beheben.

Im schlimmsten Fall kann eine Schilddrüsenunterfunktion der Mutter zu einer Fehlgeburt führen.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.


Infozept Nr. I-SCH-023