Sport und Bewegung

So bleiben Sie auf Trab

Muskulatur

Der Mensch hat mehr als 600 Muskeln, die durch ihre Aktivität der Anspannung und Entspannung lebenswichtige Funktionen in unserem Körper aufrechterhalten. Das vielseitige Muskelgewebe sorgt dafür, dass der Körper beweglich ist und lebensnotwendige Vorgänge ganz unbewusst funktionieren.

Die vom Menschen bewusst steuerbare Skelettmuskulatur sendet bei jeder Bewegung gesundheitswirksame Reize an die glatte Muskulatur und andere Organe, auf die wir ansonsten willentlich keinen Einfluss nehmen können.

Besonders das Herz als Pumpmuskel profitiert von der Aktivität der Skelettmuskeln, wenn sie ausreichend und regelmäßig trainiert werden.

Die Arbeitsweise der Muskulatur ist absolut ökonomisch. Sie leistet nur das, was sie muss. Wenn sie nicht ausreichend belastet wird, stellt sie ihren Betrieb ein.

Das Muskelgewebe

Es werden drei Arten von Muskelgewebe unterschieden:

  • quergestreifte Muskulatur (Skelettmuskulatur)
  • glatte Muskulatur
  • Herzmuskelgewebe

Die quergestreifte Muskulatur (Skelettmuskulatur)
Die quergestreifte Muskulatur (Skelettmuskulatur)

Muskeln gehören zum Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers. Anders als bei den passiven Strukturen des Stützapparates, den Knochen, Knorpeln und Bändern, kann auf die Skelettmuskulatur durch Bewegung und Training aktiv Einfluss genommen werden.

Bei aktiver Bewegung findet ein Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung der Muskeln statt. Die quergestreifte Skelettmuskulatur besteht aus nahezu allen Muskeln, die willentlich angespannt werden können, und macht 35 - 45 % der Körpermasse aus.

Bei komplexen Bewegungsabläufen werden viele der 640 Muskeln gemeinsam tätig. So sind am Lachen etwa 15 Muskeln beteiligt, beim Balancieren beispielsweise schon Dutzende.

Der elementare Baustein des Skelettmuskelgewebes ist die quergestreifte Muskelfaser. Im Inneren der Muskelfasern befinden sich die Myofibrillen, die in Längsrichtung verlaufen und sich bei Anspannung verkürzen. Die unter dem Mikroskop sichtbare Querstreifung entsteht dadurch, dass die Myofibrillen abwechselnd aus hellen und dunklen Elementen bestehen, die auf gleicher Höhe liegen.

Aufgaben der Skelettmuskulatur

Der Skelettmuskel erfüllt mehrere Aufgaben:

  • aktive Bewegung des Körpers, zum Beispiel Gehen, Laufen oder Greifen eines Gegenstands
  • aufrechte Körperhaltung
  • Energieumsatz (in Ruhe fallen etwa 20 - 25 % des Energieumsatzes auf die Skelettmuskulatur, das heißt je stärker diese trainiert ist, desto mehr Energie verbrauchen wir in Ruhe)
  • Wärmeproduktion (Wärme entsteht, weil von der Energie, die zur Anspannung des Muskels eingesetzt wird, nur 45 % für die Kontraktion selbst gebraucht werden; als „Abfallprodukt“ entsteht Körperwärme)

Im Krankheitsfall, zum Beispiel bei Fieber, wird die Muskulatur ausschließlich als Wärmelieferant genutzt. Durch Schüttelfrost ist sie in der Lage, 85 % der Körperwärme zu erzeugen.

Muskulatur bei Männern und Frauen

Männer verfügen von Natur aus über mehr Skelettmuskelgewebe als Frauen. Frauen können nur 65 % der Muskelkraft eines durchschnittlichen Mannes entwickeln.

Die wichtige Stütz- und Bewegungsfunktion der Rückenmuskulatur

Entsprechend ihrer Stütz- und Bewegungsfunktion wird die Rückenmuskulatur in zwei Systeme aufgeteilt:

Das globale, „lange“ System besteht aus langen Muskeln, zum Beispiel den Rückenstreckern rechts und links neben der Wirbelsäule. Sie liegen an der Oberfläche unseres Körpers und dienen der Bewegung.

Das lokale, „kurze“ System besteht aus kurzen, querliegenden Muskeln, die gelenknah verlaufen und die Wirbelsäule Segment für Segment stabilisieren. Auf diese Weise wird die Wirbelsäule vor abrupten Bewegungen und Überlastung geschützt. Für einen schmerzfreien Rücken ist dieses Muskelkorsett von grundlegender Bedeutung.

Geht die Stabilität verloren, sind die knöchernen Strukturen der Wirbelsäule und die Bandscheiben nicht mehr optimal geschützt. Bestimmte Alltagsbewegungen oder Belastungen können als Folge Schaden anrichten und zu Schmerzen führen.

Zu den stabilisierenden Muskeln der Wirbelsäule gehören auch die schrägen Bauchmuskeln, die wie das „kurze System“ in der Tiefe und gelenknah sitzen. Beim Training werden sie fatalerweise oft vergessen.

Unsere Muskulatur als Boten der Bewegung

Während der muskulären Aktivität, zum Beispiel beim Laufen oder Heben von Gegenständen, kommt es förmlich zu einer Reizüberflutung in unseren Skelettmuskeln. Nerven als Befehlsgeber, Blut als Versorger und das Bindegewebe als Verstärker haben wesentlichen Einfluss darauf, wie unsere Muskelfasern auf einen Reiz reagieren und wie sie diesen Impuls als „Boten der Bewegung“ in unserem Körper verteilen.

Nerven als Befehlsgeber

Muskeln und Nerven bilden zusammen „motorische Einheiten“. Wenn ein Befehl zur Bewegung aus dem zentralen Nervensystem, also dem Gehirn oder dem Rückenmark, eintrifft, führen elektrische Impulse zu einem Einströmen von Kalzium in die Muskelzelle, was eine Kontraktion bewirkt.

Blut als Versorger
Blut als Versorger

Das Blut liefert unterschiedliche Botenstoffe, Sauerstoff und die Nährstoffe, die jeder Muskel für seine Arbeit braucht: Fett, Traubenzucker (Glucose) und Aminosäuren (Proteine). Über die Kapillaren werden die Muskelzellen damit versorgt. Gleichzeitig werden über die Kapillaren die Abfallprodukte des Muskelstoffwechsels, unter anderem Kohlendioxid, abtransportiert. Zusätzlich verbreiten sich zahlreiche Proteine, die während des Muskelaufbaus entstanden sind, im ganzen Körper und regen das Immunsystem an.

Das Bindegewebe als Verstärker

Jede Muskelfaser ist eine Zellstruktur mit vielen Zellkernen, die von Bindegewebe umhüllt ist. Das Bindegewebe verbindet die Muskelfasern untereinander. Bei Bewegung werden Signalstoffe ausgeschüttet, die das Muskelwachstum anregen.

Sportler verstärken diesen Effekt zum Beispiel durch das Anlegen eines Tape-Verbandes. Die Klebestreifen geben bei jeder Bewegung über die Hautbehaarung Reize über sogenannte Mechanorezeptoren an das Bindegewebe weiter. Ein Tape-Verband stützt also nicht nur äußerlich, sondern fördert auch die Tiefensensibilität, das heißt die „blinde“ Koordination des Muskels, die nach Verletzungen gestört ist.

Die glatte Muskulatur

Glatte Muskelzellen befinden sich in den Wänden der meisten Organe und in den Blutgefäßen. Ihre Aktivität kann nicht bewusst beeinflusst werden. Sie werden über das vegetative Nervensystem angeregt und sind entscheidend an der Steuerung des Kreislaufs, der Blutzirkulation, der Atmung, des Stoffwechsels, der Verdauung, des Salz- und Wasserhaushaltes sowie auch der Sexualfunktionen beteiligt.

Zwar kann kein direkter Einfluss auf die glatte Muskulatur ausgeübt werden, jedoch können durch körperliche Aktivität und Krafttraining die Muskelmasse erhöht, dadurch das Herz-Kreislauf-System gestärkt und dadurch wiederum nachweislich unbewusste Prozesse, zum Beispiel die Verdauung, positiv beeinflusst werden.

Die Herzmuskulatur

Als sogenannter Hohlmuskel besteht die Herzwand hauptsächlich aus Muskelgewebe. Der Herzmuskel kontrahiert unwillkürlich, rhythmisch und kontinuierlich ungefähr 70-mal in der Minute. Wir können ihn nicht bewusst anspannen oder entspannen.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.


Infozept Nr. I-SPO-012