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Fettstoffwechselstörungen

Fettstoffwechselstörungen

auch bekannt als: Dyslipoproteinämien

Überblick Entstehung Symptome Komplikationen Diagnose Therapie Prävention Leben mit

Therapie

Bei der Therapie von Fettstoffwechselstörungen geht es um die Reduktion von begleitenden Risikofaktoren zur Verhinderung von Folgeerkrankungen. Dies bedeutet oft eine konsequente Umstellung der Lebensgewohnheiten, ist aber nach wie vor effektiver als eine rein medikamentöse Behandlung.

Wie genau die Therapie einer Fettstoffwechselstörung aussieht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Jede Therapie der Fettstoffwechselstörung hat jedoch die gleichen drei Grundpfeiler:

  • Lebensstiländerung: Bewegung, Ernährungsumstellung
  • Beenden der begleitenden Risikofaktoren (gute Einstellung des Diabetes, Behandlung von  Bluthochdruck, Gewichtsnormalisierung, aufhören zu rauchen, Minderung des Alkoholkonsums etc.)

  • Medikamente

Erst wenn die Umstellung des Lebensstils nicht zu den erwünschten Ergebnissen führt, sollte mit der medikamentösen Therapie begonnen werden. Besonders bei genetisch bedingt erhöhten Blutfettwerten ist eine Ernährungsumstellung oft nicht ausreichend. Dann ist zum Teil eine Filterung des Blutes (Plasmapherese) notwendig.

Das Ziel der Therapie ist von Patient zu Patient unterschiedlich und ist maßgeblich von den begleitenden Risikofaktoren abhängig. Generell ist eine Senkung der Blutfette angestrebt.

Wie erfolgreich die Therapie ist, hängt stark von der Mitarbeit der Patienten ab. Denn nach wie vor ist die Reduktion von Risikofaktoren der medikamentösen Therapie überlegen. Es ist nachgewiesen, dass bereits 1 % Reduktion von LDL das Herzinfarktrisiko um 2 % senkt. Außerdem können sich durch erhöhte Blutfette bedingte Veränderungen in den Gefäßen ebenfalls teilweise wieder zurückbilden.
Eine Therapie mit unterschiedlichen Zielen

Bei der Senkung der Blutfette gibt es kein einheitliches Ziel. Die jeweiligen Ziele sind immer abhängig von der Ausgangssituation. Berücksichtigt werden muss:

  • Typ der Fettstoffwechselstörung

  • Höhe der Blutfettwerte

  • wie ist das Verhältnis von LDL zu HDL (Quotient, siehe Kapitel "Diagnose")?

  • liegen Risikofaktoren vor? Dazu zählen Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, HDL <40mg/dl, hohes LDL, gehäuftes Auftreten von einer Fettstoffwechselstörung in der Familie

  • besteht bereits eine Gefäßverkalkung?

  • besteht bereits eine Herzerkrankung?

  • Geschlecht und Alter des Patienten

Zielwerte

Risikogruppe

gesunde Gefäße, kein Risiko

mehrere Risiko-faktoren

bestehende Gefäß-erkrankungen

Gesamtcholesterin (HDL+LDL)

<250mg/dl

<250mg/dl

<180mg/dl

LDL

<160mg/dl

<100mg/dl

<70mg/dl

HDL

>40mg/dl (♂)

>50mg/dl (♀)

 

>40mg/dl (♂)

>50mg/dl (♀)

Triglyceride

<200mg/dl

<150mg/dl

<150/dl

Quotient LDL/HDL

max. 4,0

<3,0

<2,0

Weitere Ziele sind:

  • Vermeiden von Gefäß und Herz-Kreislauferkrankungen

  • Ausschalten von Risikofaktoren

  • Fettknötchen in der Haut

  • Leberverfettung

  • Bauchspeicheldrüsenentzündung

Ernährungsumstellung – Diät

Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie und hat auf alle Blutfette eine positive Wirkung.

Ernährungstipps bei zu hohen Cholesterinwerten:

  • Fett reduzieren auf 30 % der täglichen Kalorien

  • Vermeiden von tierischen Fetten

  • ungesättigte Fettsäuren bevorzugen, zum Beispiel Olivenöl

  • weniger Kohlehydraten

  • mehr Ballaststoffe

  • viel Obst und Gemüse

  • nicht mehr als 2-3 Eier pro Woche

  • mediterranes Essen

Zur Senkung der Cholesterinwerte ist besonders die Art der verzehrten Fette wichtig! Konsequente Ernährung senkt den Cholesterinwert um 20-60mg/dl und verbessert die Wirkung der Medikamente

Mehr zur Ernährung unter "Prävention" und "Leben mit".

Bewegung

Körperliche Aktivität hat auf die Triglyceridwerte eine direkt senkende Wirkung und erhöht den Wert des (guten) HDL.

Bewegung wirkt zwar nicht direkt auf den Cholesterinspiegel. Das bedeutet aber nicht, dass auf regelmäßige Aktivität verzichtet werden sollte. Besonders Ausdauersportarten wie Radfahren, Walking, Schwimmen und Wandern haben einen positiven Effekt.

Was Bewegung bewirkt:

  • Senkung der Triglyceride

  • Erhöhung des HDL (gutes Cholesterin, welches vor Gefäßverkalkung schützt)

  • Senkung der begleitenden Risiken wie Gefäßverkalkung und dadurch entstehende Gefahren wie Herzinfarkte und Schlaganfälle

  • Erhöhung des Energieverbrauchs – dadurch Gewichtsreduktion

  • körperliches Wohlbefinden

  • psychische Ausgeglichenheit

  • Stressreduktion und verminderte Anspannung

Regelmäßige Bewegung bedeutet mehrmals wöchentlich mindestens 30 Minuten

Stressbewältigung

Stress als Folge körperlicher Anspannung und Überforderung kann einen Anstieg der Cholesterinwerte bewirken. Außerdem verursacht Stress eine Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz und birgt somit ein zusätzliches Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen.

Aus diesem Grund sollte die Reduktion bzw. Bewältigung von Stress ebenfalls ein fester Bestandteil der Therapie sein. Wie Stress empfunden wird, ist ebenso von Person zu Person verschieden, wie seine Bewältigung.

Körperliche Aktivität hat bei sehr vielen Menschen eine positive Wirkung zur Stressbewältigung, da sie zusätzlich das körperliche Wohlbefinden stärkt.
Medikamentöse Therapie

Erst wenn die Umstellung der Lebensgewohnheiten nach 3-6 Monaten keine signifikante Verbesserung der Blutfettwerte bewirkt, sollte eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden.

Anfangs sollte mit einem einzelnen Medikament begonnen werden, nach 1-2 Monaten lässt sich dann die Wirkung beurteilen. Falls das eine Medikament allein nicht die gewünschte Wirkung erzielt, kann danach eine kombinierte Therapie begonnen werden.

Die medikamentöse Therapie ist oft der Beginn einer jahrelangen Behandlung. Daher ist es umso wichtiger, dass die Wahl des Medikaments mit großer Sorgfalt getroffen wird und auch anfänglich banal erscheinende Nebenwirkungen entschieden zu berücksichtigen.                                                                                                              

WICHTIG: Der Beginn einer medikamentösen Therapie bedeutet auf keinen Fall, dass die Umstellung der Ernährung sowie anderer Lebensgewohnheiten wie körperliche Aktivität und aufhören zu Rauchen nun überflüssig würden. Die Umstellung der Lebensgewohnheit bewirkt eine sehr viel bessere Ansprechbarkeit des Körpers auf die Medikamente und größere Therapieerfolge.

Folgende Medikamentengruppen gibt es:

• Statine

• Gallensäurebinder (Anionenaustauscher)

• Cholesterinaufnahmehemmer (Cholesterinabsorbationshemmer)

• Fibrate

• Nicotinsäure

 

Statine

  • Cholesterinsenkend - Senken LDL um 20-60 %
  • senken auch VLDL und Triglyzeride (das Senken von Triglyzeriden hat oft HDL-Anstieg zur Folge).
  • schützen vor Gefäßverkalkung

Zu Beginn sollten nach jeweils drei Wochen die Blutfettwerte kontrolliert werden. Während der Einnahme sollte keine extreme körperliche Belastung stattfinden wie z.B. Marathonläufe. Bei bestehender Therapie sollten regelmäßig die Leberwerte kontrolliert werden.

Statine sind derzeit die wirksamsten LDL-Senker. Sie sind gut anwendbar für Patienten mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gallensäurebinder

  • Cholesterinsenker- senkt LDL um 20-25 %

  • erhöht HDL leicht

Wechselwirkungen:                

Einige Medikamente werden in Kombination mit Gallensäurebindern vom Körper nicht richtig aufgenommen und müssen daher mindestens 4 Stunden nach der Einnahme von Gallensäurebindern eingenommen werden. Zu den Medikamenten gehören:

  • Aspirin

  • bestimmte Statine

  • Thyhroxin

  • Cumarin

  • Digitalispräparate

  • Vitamin C

Gallensäurebinder dürfen nicht genommen werden bei:

  • Triglyceriderhöhung >400 mg/dl

Cholesterinaufnahmehemmer

  • Cholesterinsenkend – senken LDL bis 18 %

Fibrate

  • Cholesterinsenkend – LDL und VLDL um ca. 20%

  • HDL Erhöhung um ca. 30%

  • senkt Triglyceride um ca. 50%, (nur bei geringer Triglyceriderhöhung)

Wechselwirkungen: 

  • Verstärken die Wirkung einiger Diabetesmedikamente und Blutverdünner.

Fibrate dürfen nicht genommen werden bei:

  • Nierenschwäche

  • Lebererkrankungen

  • Schwangerschaft

Fibrate werden meist in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt, da sie so die beste Wirkung erzielen.

Nicotinsäure

  • Cholesterinsenker - senkt VLDL um ca. 20 %

  • senkt Triglyceride (das Senken von Triglyceriden hat oft HDL-Anstieg zur Folge.)

  • erhöht HDL

Nicotinsäure ist das Medikament bei Fettstoffwechselstörungen, welches den höchsten HDL-Anstieg bewirkt. Es wird häufig bei kombinierter Cholesterin- und Triglyceriderhöhung eingesetzt.

Lipidsenker

Lipidsenker sind Arzneimittel zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Plasmaseparation/Filterung des Blutes (Plasmapherese)

Die Plasmaseparation ist ein Verfahren, mit dem sich Blutbestandteile aus dem Plasma (der flüssige zellfreie Bestandteil des Blutes) herausfiltern lassen. Durch ein Plasmapheresegerät wird das Plasma des Patienten abgefiltert. Bei einer Fettstoffwechselstörung wird LDL und VLDL aus dem Blut herausgefiltert. Danach wird das übrige Plasma, angereichert mit einer Substitutionslösung, dem Körper wieder zugeführt.

Das Verfahren ist sehr schnell wirksam und wird vor allem bei schweren Cholesterinerhöhungen eingesetzt. Allerdings eignet es sich nicht für eine Therapie über längere Zeit.

Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, die durch erhöhte Triglyceride ausgelöst wird, ist ein sofortiger Plasmaaustausch notwendig.