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Bluthochdruck

Bluthochdruck

auch bekannt als: Arterielle Hypertonie

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Entstehung der Krankheit

Die meisten Bluthochdruckfälle sind auf das Zusammenspiel mehrerer unterschiedlicher Faktoren zurückzuführen wie Alter, Lebensstil oder Ernährung. Selten tritt der sogenannte sekundäre Bluthochdruck auf als Folge einer anderen Grunderkrankung.

Der Blutdruck beschreibt die Kraft, die das Blut durch das Gefäßsystem fließen lässt, um Sauerstoff und wichtige Nährstoffe zu transportieren. Ist der Blutdruck über einen bestimmten Wert erhöht, spricht man von einem Bluthochdruck (arterielle Hypertonie).

In ungefähr 90 % der Fälle ist ein Bluthochdruck multifaktoriell bedingt. Das bedeutet, dass mehrere unterschiedliche Faktoren zur Erhöhung des Blutdrucks, der sogenannten essentiellen Hypertonie, beitragen. Viel seltener ist der sogenannte sekundäre Bluthochdruck. Dieser entsteht als Folge bestimmter Grunderkrankungen. Eine spezielle Form ist der Bluthochdruck während der Schwangerschaft.

Was ist der Blutdruck und wie entsteht er?

Der Blutdruck ist der Druck, der im Herz und Gefäßsystem herrscht. Er beschreibt die Kraft, die das Blut im Gefäßsystem des Körpers fließen (zirkulieren) lässt. Er ist somit unbedingt erforderlich, damit frisches Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen über die Arterien in die Organe und Muskeln des Körpers gelangt.

Die Höhe des Blutdrucks ist maßgeblich von der Menge Blut, die das Herz pro Minute durch den Körper pumpt (Herzzeitvolumen), sowie vom Widerstand in den Blutgefäßen abhängig:

Blutdruck = Herzzeitvolumen x Gefäßwiderstand

Das bedeutet also, je stärker das Herz pumpt oder je höher der Widerstand in den Gefäßen ist, desto höher ist auch der Blutdruck.

Oberer und unterer Wert: Systolisch und Diastolisch

Bei der Messung des Blutdrucks werden ein erster beziehungweise oberer Wert und ein zweiter beziehungsweise unterer Wert angegeben. Beim oberen Wert spricht man vom systolischen Blutdruckwert. Den unteren Wert nennt man diastolischen Blutdruckwert.

Der systolische Wert entspricht dem Druck im arteriellen Gefäß im Moment der Pumpaktion – also beim Zusammenziehen des Herzmuskels (Systole). Anschließend fällt der Blutdruck in der Phase, in der sich das Herz wieder mit Blut füllt, auf den diastolischen Wert zurück (Diastole).

Der multifaktorielle Bluthochdruck (essentielle Hypertonie)

Diese Gruppe beinhaltet mit etwa 90 % den größten Anteil aller Bluthochdruckpatienten (Hypertoniker). Als multifaktoriell bezeichnet man einen Bluthochdruck, der auf der Grundlage vieler unterschiedlicher Faktoren entsteht. Zum einen gibt es Faktoren, die leider nicht beeinflussbar sind. Zum anderen gibt es Faktoren, die den Lebensstil und die Ernährung betreffen.

Zu den blutdrucksteigernden Faktoren zählen:

Alter

  • Mit zunehmendem Alter verlieren Blutgefäße zunehmend ihre Elastizität. Durch die Starre der großen Gefäße erhöht sich der Blutdruck.

Ernährung

  • Fettreiche Kost führt zu Arteriosklerose der Gefäße und zu Übergewicht (weitere Erhöhung des Blutdrucks).

  • Übermäßiger Kochsalzkonsum steigert das Blutvolumen im Gefäßsystem und erhöht damit den Blutdruck.

Übergewicht

  • Der erhöhte Anteil an Fettgewebe steigert den peripheren Gefäßwiderstand und führt über einen Reflex zu einer Erhöhung des Herzzeitvolumens (HZV).

  • Übergewichtige Patienten leiden häufiger an einem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom, bei dem es im Schlaf zu Atemaussetzern und Schnarchen kommt, und das ebenfalls zu einer Blutdruckerhöhung beiträgt.

Bewegungsmangel

  • Bei Mangel an Bewegung verlernen die Gefäße und das Nervensystem, passend auf körperliche Anstrengung zu reagieren. Untrainierte Muskeln nutzen die zur Verfügung stehenden Nährstoffe sowie den Sauerstoff weitaus schlechter, als trainierte Muskeln. Zusammen führt dies zur weiteren Steigerung des Bluthochdrucks.

Alkohol

  • Ein übermäßiger Alkoholkonsum erhöht die Herzfrequenz und das Herzzeitvolumen und damit auch den Blutdruck. Je höher der Alkoholkonsum ist, desto wahrscheinlicher kann ein Bluthochdruck auftreten. Außerdem vermindert Alkohol die Wirkung von (Bluthochdruck-)Medikamenten.

Stress

  • Psychischer, privater und beruflicher Stress, aber auch Stressfaktoren wie Lärm, führen zu einer Blutdrucksteigerung

Veranlagung

  • Genetische Faktoren können auf unterschiedliche Weise zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen. Die genauen Mechanismen sind noch nicht ganz geklärt.

Rauchen

  • Nikotin bewirkt eine Verengung der Blutgefäße und kann damit den Blutdruck kurzfristig steigern. Langfristig hat es aber keine Auswirkungen auf den Blutdruck. Allerdings steigert das Rauchen von Zigaretten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich.

Fachbegriffe im Überblick
Der sekundäre Bluthochdruck

Dieser Gruppe gehören etwa 10 % aller Bluthochdruck-Patienten (Hypertoniker) an. Man spricht von einem sekundären Bluthochdruck, wenn ursächlich eine andere Grunderkrankung vorliegt, die zu dem erhöhten Blutdruck führt. Häufig sind Erkrankungen der Niere (renale Hypertonie) sowie Störungen des Hormonhaushalts Ursachen eines sekundären Bluthochdrucks (endokrine Hypertonie).

Die Nierenerkrankungen, die zu Bluthochdruck führen, können eingeteilt werden in:

  • Erkrankungen, die das Nierengewebe betreffen (zum Beispiel Entzündungen oder Zysten) und eine Funktionsstörung der Niere zur Folge haben. Diese führt zu verminderter Wasser- und Kochsalzausscheidung und darüber zu einer Blutdruckerhöhung

  • Gefäßengstellen vor der Niere (Nierenarterienstenose), wodurch es zu einer Ausschüttung von Hormonen kommt, die blutdrucksteigernd wirken

Zu den bluthochdruckauslösenden Erkrankungen hormonproduzierender Organe zählen:

  • ein meist gutartiger Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom), der blutdrucksteigernde Hormone (Adrenalin, Noradrenalin) produziert

  • eine Überproduktion des Hormons Cortisol, die direkt oder indirekt durch verschiedene gut- oder bösartige Tumore verursacht werden kann (endogenes Cushing-Syndrom)

  • eine übermäßige Produktion des Hormons Aldosteron (Conn-Syndrom), welche eine verminderte Natrium- und damit Wasserausscheidung zur Folge hat und dadurch zur Erhöhung des Blutdrucks führt

  • eine Unterform des sogenannten Adrenogenitalen-Syndroms (AGS) aufgrund eines Enzymdefekts, die zur vermehrten Bildung eines blutdrucksteigernden Hormons führt

Seltene Ursachen, die zu einem sekundären Bluthochdruck führen, sind:

  • Verengung der Hauptschlagader (Aorten-Isthmus-Stenose)

  • Störung des Nervensystems (neurogene Hypertonie)

  • chronische Atemaussetzer während des Schlafes (Schlaf-Apnoe-Syndrom)

  • Medikamente (zum Beispiel Cortison, Anti-Baby-Pille)

  • übermäßiger Lakritz-Konsum

  • Drogen (Kokain, Amphetamine)

Bluthochdruck während der Schwangerschaft

Eine weitere ernst zu nehmende Form des Bluthochdrucks ist ein während der Schwangerschaft auftretender Bluthochdruck.

Bei einem Bluthochdruck während der Schwangerschaft unterscheidet man zwischen verschiedenen Formen und Schweregraden:

  • chronische Hypertonie: Bereits vor der Schwangerschaft bestehender Bluthochdruck

  • Schwangerschafts-Bluthochdruck: Bluthochdruck bei Frauen, die vor der Schwangerschaft einen normalen Blutdruck hatten und bei denen sich der erhöhte Blutdruck in den ersten 3 Monaten nach der Geburt wieder normalisiert

  • Präeklampsie (akuter Notfall): Schwere Form des Schwangerschafts-Bluthochdrucks, bei dem zusätzlich Eiweiß im Urin als Zeichen einer Nierenschädigung nachweisbar ist

  • Eklampsie (akuter Notfall): Präeklampsie mit zusätzlich neurologischen Symptomen (zum Beispiel Augenflimmern, epileptische Krampfanfälle)
  • Propfeklampsie: Bereits vor der Schwangerschaft bestehender Bluthochdruck mit Nachweis von Eiweiß im Urin während der Schwangerschaft

Berechnung des persönlichen kardiovaskulären Risikos

Es gibt Möglichkeiten, das Risiko eines Menschen für eine Herz-Kreislauf-Krankheit zu berechnen. Dazu haben unterschiedliche Fachgesellschaften Systematiken entwickelt:

  • ARRIBA ist ein Projekt der Abteilungen für Allgemeinmedizin der Universitäten Marburg, Düsseldorf und Rostock, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Damit können Hausärzte für ihre Patienten eine individuelle Risikoprognose für Herzinfarkt und Schlaganfall erstellen. ARRIBA steht für die sechs ARRIBA-Schritte: „Aufgabe gemeinsam definieren“, „Risiko subjektiv herausfinden“, „Risiko objektiv messen“, „Informationen über Präventionsmöglichkeiten“, „Bewertung von Präventionsmöglichkeiten“, „Absprache über weiteres Vorgehen“.

  • Der PROCAM Risikoscore der Assmann-Stiftung für Prävention dient der Ermittlung von Herz- und Gefäßrisiken. Er basiert auf einer seit 1978 durchgeführten großen Beobachtungsstudie zur Ermittlung von Risikofaktoren vor allem für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfall. PROCAM steht für „PROspective CArdiovascular Münster Study“.
Gefahren eines zu hohen Blutdrucks

Ein chronisch, also langfristig erhöhter Blutdruck schädigt die Blutgefäße und das Herz. Dadurch steigt das Risiko für schwere Folge-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Das Risiko steigt mit der Höhe des Blutdrucks.