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Gewichtsreduktion

Einfach abnehmen

Das Problem von Diäten und Pillen

Viele Diäten helfen nicht bei der langfristigen Gewichtsreduktion. Sie führen zum Jo-Jo-Effekt und können sogar gesundheitsgefährdend sein. Auch vom Abnehmen mit Pillen ist dringend abzuraten.

Die Boulevardblätter sind voll mit Diäten, die versprechen, dass man in kürzester Zeit sein Traumgewicht erreichen kann. Doch was ist dran an den vollmundigen Versprechungen? Generell gilt, dass nur eine vernünftige Ernährungsweise und langfristige Ernährungsumstellung zum angestrebten Idealgewicht führen. Vor allem wer sich nur noch auf Kalorienzählen konzentriert und sich genussvolle Lebensmittel vollständig verbietet, läuft Gefahr, früher oder später eine Essstörung zu erleiden.

Vorsicht ist bei Diäten geboten, die strenge Vorschriften bei der Lebensmittelauswahl machen. Solche Diäten erkennt man daran, dass propagiert wird, bestimmte Lebensmittel „ab sofort immer“ oder „ab jetzt nie mehr“ zu essen. Zu rigide Diätregeln können bei Nichteinhalten zu Versagensängsten oder zum Abbrechen der Diät führen. Somit ist das Problem der meisten Diäten, dass sie für eine bestimmte Zeit eingehalten und anschließend nicht in den Alltag übernommen werden. Dann nimmt man meist schnell wieder zu, ohne etwas von der Diät gehabt zu haben.

Es sind auch verschiedene Pillen und Pülverchen auf dem Markt, die zu einer schnellen Gewichtsreduktion führen sollen. Mit diesen Mitteln wird meistens sehr viel Geld verdient, wobei selten der versprochene Erfolg einsetzt. Falls eine Gewichtsabnahme erfolgreich ist, dann meistens mit erheblichen Nebenwirkungen. Verbraucher dieser Produkte lernen in der Regel keine ausgewogene und langfristige Ernährungsumstellung. Deshalb sind die meisten genannten Substanzen als alleinige Maßnahme für eine Gewichtsreduktion ungeeignet.

Jo-Jo-Effekt
Jo-Jo-Effekt

Im Anschluss an die meisten Diäten stellt sich der so genannte Jo-Jo-Effekt ein. Darunter wird eine schnelle Gewichtszunahme nach durchgeführten Crash-Diäten und Hungerperioden verstanden. Ursache ist, dass nach einer anfänglichen Gewichtsabnahme der Körper auf Hungerstoffwechsel umschaltet und weniger Energie verbraucht. Nach dem Beenden der Diät/Hungerphase und Umstellung auf die bisherige Ernährung wird in kurzer Zeit wieder an Gewicht zugenommen. Dies kann durch eine stufenweise Anhebung der Kalorienzufuhr bis zum Halten des erreichten Gewichts vermieden werden. Weiterhin fördert sportliche Bewegung den Fettabbau bei gleichzeitigem Erhalt der Muskelmasse. So kann die stark energieverbrauchende Muskelmasse erhalten und der Energiebedarf gesteigert werden. Folglich kann also auch mehr Nahrungsenergie aufgenommen werden. Im Folgenden werden einige bekannte Diäten wissenschaftlich bewertet.

Nicht empfehlenswerte Diäten

Blutgruppendiät

Diese fast sagenumwobene „Wunderdiät“ soll der Schlüssel zur Gesundheit sein. Die Diät verspricht Krankheiten wie Diabetes mellitus, Adipositas, Magengeschwüre und sogar Krebs zu lindern beziehungsweise zu heilen. Der Erfinder Peter D´Adamo geht davon aus, dass die Blutgruppen des AB0-Systems das körperliche Wohlbefinden bestimmen. Bestimmte Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, sogenannte Lectine, sollen in die Blutbahn gelangen und an für sie spezifische Blutzellen binden. Dies wiederum soll zur Verklumpung der roten Blutkörperchen führen und so die Gesundheit schädigen.

D´Adamo stellt eine Reihe von wissenschaftlich nicht haltbaren Ernährungsregeln auf. So sollen Menschen mit Blutgruppe 0 Weizen meiden, Blutgruppe A auf Milchprodukte und Blutgruppe B auf verschiedene Fische verzichten. Er liefert dafür aber weder wissenschaftliche Beweise, noch führt er Studien an, die seine Ernährungsempfehlungen rechtfertigen. Weiterhin sind auch seine Behauptungen, dass die Einhaltung seiner Diätvorschriften Krebs lindern und heilen kann, nicht wissenschaftlich bewiesen. Bei dieser Diät lautet das Fazit: Finger weg.

Formula-Diät

Formula-Diäten sind in fast allen Apotheken, Drogerien und Supermärkten zu finden. Die nährstoffangereicherten Eiweißkonzentrate ersetzen teilweise oder vollständig Mahlzeiten. Es gibt sie in der Regel als Instantpulver zu kaufen und sie sind nach dem Anrühren trinkfertig. Da die Formula-Diäten alle notwendigen Nährstoffe enthalten, kann man kurzfristig abnehmen und läuft keine Gefahr, einen Nährstoffmangel zu riskieren. Wenn den Verzehrempfehlungen gefolgt wird und man sich ausschließlich von Formula-Produkten ernährt, kann man seine Energieaufnahme auf 1200 kcal/Tag reduzieren.

Auf kurze Sicht kann somit eine Gewichtsabnahme erreicht werden. Eine solche Diät sollte aber nur unter Anleitung eines Therapeuten durchgeführt werden. Zudem kann diese „Fertignahrung“ nicht unbegrenzt eingenommen werden (max. 12 Wochen) und man hat keinen zusätzlichen Lerneffekt. Langfristig pendelt sich so meist das Ausgangsgewicht wieder ein. Es wird weder die Ursachen des (leichten) Übergewichts bekämpft noch eine bleibende Ernährungsumstellung erreicht.

Atkins-Diät

Bei der Atkins-Diät soll auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot, Nudeln und Reis weitestgehend verzichtet werden. Sie sollen angeblich dick machen und deshalb vermieden werden. Stattdessen werden in großen Mengen eiweiß- und fetthaltige Lebensmittel wie Wurst, Fleisch und Käse verzehrt. Diese dürfen in fast unbeschränkter Menge aufgenommen werden. Tatsächlich zeigen Studien, dass der Gewichtsverlust am Anfang der Diät sehr hoch sein kann. Langfristig nimmt man aber nicht ab, sondern eher zu.

Das gesundheitliche Risiko dieser Diät ist sehr hoch. Da hauptsächlich tierische Lebensmittel aufgenommen werden, nimmt man automatisch auch mehr negative Begleitstoffe wie Cholesterin und Purine auf. Cholesterin ist mitverantwortlich für ein gesteigertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck und Purin für die Entwicklung von Gicht. Hinzu kommt, dass durch den Verzicht auf Obst und Gemüse in der Regel zu wenig Vitamine, Ballaststoffe und sonstige gesundheitsfördernde Pflanzeninhaltsstoffe aufgenommen werden. Auch diese Diät ist nicht empfehlenswert.

Glyx-Diät

Grundlage der Glyx-Diät ist die Annahme, dass der Glykämische Index (GI) eines Lebensmittels zur Gewichtsabnahme verwendet werden kann. Dieser gibt an, wie stark der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr eines Lebensmittels ansteigt. Es wird behauptet, dass kohlenhydratarme Lebensmittel mit einem niedrigen GI zu einer Gewichtsabnahme führen, weil sie weniger die Insulinausschüttung stimulieren. Daher steigt bei diesen Lebensmitteln der Blutzuckerspiegel nicht so rasch an und Heißhungerattacken werden vermieden.

Leider hat diese Diät mehrere Nachteile und lässt die aufgenommene Energie- und Fettzufuhr außer Acht. Demnach sollen beispielsweise gekochte Kartoffeln mit einem hohen GI nicht verzehrt werden, wenn sie aber als Pommes Frites in Fett gebacken sind und somit einen niedrigen GI aufweisen, dann sind sie erlaubt. Weiterhin wird in Hinsicht einer Gewichtsreduktion nur auf den Blutzuckerspiegel Bezug genommen. Dass dieser nicht alleine für eine Gewichtsabnahme entscheidend ist, wird bei dieser Diät nicht berücksichtigt.

Auch von der Durchführung der Glyx-Diät ist abzuraten.

Low Carb and High Fat

Es gibt zahlreiche Diäten, die eine Reduzierung der täglichen Kohlenhydrataufnahme anregen. Es wird empfohlen, die Kohlenhydratzufuhr auf ein Minimum zu senken und stattdessen die Fett- oder Proteinaufnahme zu steigern.

Allerdings sollten Kohlenhydrate 50 % der täglichen Energieaufnahme ausmachen. Dabei ist darauf zu achten, hauptsächlich komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Reis, Kartoffeln und Getreideflocken zu sich zu nehmen.

Der Verzehr von Kohlenhydraten hat zahlreiche Vorteile. Man nimmt gleichzeitig Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe auf. Komplexe Kohlenhydrate sorgen für eine adäquate Magenfüllung und anhaltende Sättigung. Gerade das Gehirn ist auf die Zufuhr von Traubenzucker (Glucose) angewiesen. Eine zu geringe Kohlenhydratzufuhr birgt außerdem das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie).

Substanzen zur Gewichtsreduktion
Substanzen zur Gewichtsreduktion

Appetitzügler

Appetitzügler greifen auf unterschiedlichste Weise in die Hunger- und Sättigungsregulation ein. Manche hemmen den Appetit und manche verlängern das Sättigungsgefühl. Weiterhin gibt es einige Präparate, die Amphetamine enthalten. Diese steigern auf der einen Seite den Energieverbrauch und wirken auf der anderen Seite appetithemmend. Kurzzeitig können Appetitzügler tatsächlich zu einer Gewichtsabnahme führen. Bleibt es aber nur bei der alleinigen Einnahme, wird keine lang anhaltende Gewichtsreduktion erreicht.

Nach Absetzen der Mittel nehmen die meisten Menschen wieder an Gewicht zu. Einige Appetitzügler weisen zudem heftige Nebenwirkungen auf. Sie können zu Blutdrucksteigerungen, Nervosität und Schlafstörungen führen. Appetitzügler mit dem Wirkstoff Sibutramin können erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen und zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem für Herzinfarkt, erhöhen.

Die Einnahme von Appetitzüglern sollte nur kurzfristig und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Orlistat

Orlistat ist ein Wirkstoff, der die Fettaufnahme im Darm reduziert beziehungsweise verhindert. Effektiv nimmt man dadurch weniger Nahrungsfett und somit weniger Kalorien auf. In der Regel kann man bis zu 10 % seines Körpergewichtes verlieren. Dies muss aber in Verbindung mit einer energiereduzierten Mischkost erfolgen und zeigt nur bei manchen Patienten Erfolg.

Generell sollten orlistathaltige Präparate nur bei stark übergewichtigen Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 und unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Auch dieses Mittel allein führt nicht zur gewünschten Gewichtsreduktion, sondern nur in Kombination mit ausreichend Bewegung und einer kalorienverminderten Ernährung.

Hormone

Auch hormonelle Substanzen werden mit der Absicht zur Gewichtsabnahme eingenommen. Diese Anwendung ist aber meist zweckentfremdet. Das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin steigert zwar den Energiestoffwechsel der Zelle, führt aber mehr zu einem Abbau der fettfreien Masse als zu einem Fettverlust. Dies wiederum kann nicht das Ziel einer langfristigen Gewichtsabnahme sein. Von der Einnahme ist abzuraten.

Weiterhin wird auch das Wachstumshormon Somatotropin (STH) zur Gewichtsreduktion eingenommen. Dieses ist aber ungeeignet, da es nicht bei den Ursachen des (leichten) Übergewichts ansetzt und potentielle Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

Abführmittel

Abführmittel werden missbräuchlich bei einer gewünschten Gewichtsreduktion angewendet. Sie führen zu einer beschleunigten Darmentleerung. Es gibt eine Reihe von unterschiedlich wirkenden Abführmitteln:

Bestimmte Stoffe (zum Beispiel Rizinusöl) verhindern einerseits die Aufnahme von Wasser und Natrium in den Darm und fördern andererseits den Einstrom von Wasser in den Darm und somit die Wasserausscheidung.

Gleitmittel enthalten für den Darm schwer aufnehmbare Öle wie zum Beispiel Glycerin. Dadurch wird der Stuhl gleitfähiger gemacht und zusätzlich durch hypertone Lösungen der Reflex der Stuhlentleerung angeregt.

Quellstoffe wie Leinsamen und Weizenkleie sind quellfähig und können bei Wasseraufnahme das Stuhlvolumen erhöhen. Die Darmwand wird dadurch gedehnt und die Stuhlentleerung beschleunigt.

Osmotisch wirkende Abführmittel wie Sorbit, Lactol oder Lactulose halten das Wasser durch Osmose im Darmrohr zurück, halten den Stuhl damit voluminös und beschleunigen somit dessen Ausscheidung.

Vom Gebrauch von Abführmitteln für eine Gewichtsabnahme ist abzuraten. Bei langfristiger Einnahme kann es zu heftigen Nebenwirkungen wie Darmverschluss, Kaliumverlust, Muskelschwäche, Herz-Rhythmus-Störungen und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln kommen.

Enzyme

In vielen Abnehmratgebern werden Enzyme wie Chymopapain, Lysozym, Papain und Bromelain (aus der Papaya und Ananas) als Fatburner angepriesen. Da Enzyme aber biochemisch gesehen Eiweiße sind, werden sie während der Magenpassage größtenteils aufgespalten und somit unwirksam gemacht. Enzyme helfen daher eindeutig nicht, Fett im Körper abzubauen.

Schlankheitstees

Pu-Erh-Tee oder Lapachotee werden häufig als Fettkiller angepriesen. Die Inhaltsstoffe wie Koffein, Gerbsäuren oder Bitterstoffe sollen die Fettverbrennung ankurbeln. Insgesamt ist bisher aber kein eindeutiger Effekt auf den Fettstoffwechsel und somit einer erfolgreichen Gewichtsabnahme nachgewiesen.

Carnitin

Carnitin soll den Fettabbau fördern und so zu einer schlanken Linie führen. Studien zeigen aber, dass der Fettabbau durch eine zusätzliche Zufuhr von Carnitin zum Beispiel in Form von Nahrungsergänzungsmitteln nicht gesteigert wird. Eine ausgewogene Mischkost deckt zudem den Carnitinbedarf bereits ausreichend

Weiterführende Links und Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.





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