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Fettstoffwechselstörungen

Fettstoffwechselstörungen

auch bekannt als: Dyslipoproteinämien

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Leben mit ...

Für Betroffene ist es wichtig im täglichen Leben darauf zu achten, bewusst mit der Erkrankung umzugehen, auch wenn diese zunächst keine wirklichen Beschwerden verursacht. Mit einfachen Maßnahmen zur Ernährungsumstellung kann beispielsweise schon viel erreicht werden. 

Der Rat die Lebensgewohnheiten umzustellen ist leicht gesagt, die konsequente Umsetzung jedoch oft weit schwieriger. Gewohnheiten können sehr stark sein, besonders wenn es sich um Dinge wie Vorlieben beim Essen handelt. Man sollte sich jedoch bewusst machen, wie gravierend die Folgen einer unbehandelten Fettstoffwechselstörung aussehen und was für Komplikationen im schlimmsten Falle auftreten können. Im Gegensatz dazu kann mit einer Lebensmittelumstellung bereits viel erreicht werden.

Eine Therapie mit Medikamenten, ohne die viele nicht auskommen, ist zwar eine unterstützende Hilfe, sollte aber möglichst nicht die einzige Maßnahme sein. Zumal es sich bei Fettstoffwechselstörungen um eine chronische Erkrankung handelt und das oft eine jahrelange Medikamenteneinnahme bedeutet. Wenn die Wahl besteht zwischen der Umstellung einiger Gewohnheiten und der jahrelangen Einnahme von Medikamenten, dann wird schnell deutlich, was langfristig die angenehmere Lösung sein wird.

Den größten Teil der Umstellung betreffen die Ernährungsgewohnheiten. Im Folgenden sind einige Informationen aufgeführt, die helfen sollen, sich im Dschungel der Ernährungsinformationen zurechtzufinden.

Die richtige Ernährung

Was ist richtige Ernährung? Ein Hauptkriterium ist, dass das Verhältnis von Fett, Eiweiß und Kohlehydraten stimmt.

Empfohlen ist laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, folgendes Verhältnis der Nährstoffe:
  • Kohlenhydrate: 55 %

  • Eiweiß: 15 %

  • Fette: 30 %

Dies entspricht bei 2000 kcal am Tag ungefähr 70 g Fett, 75 g Eiweiß und 275 g Kohlehydraten

Doch beim Großteil der Menschen sieht das Verhältnis so aus:

  • Kohlenhydrate: 40 %

  • Eiweiß: 20 %

  • Fette: 40 %

Hier ist deutlich zu sehen, dass die meisten Menschen zu viel Fett zu sich nehmen.

Braucht der Körper Fett?

Fette sind für den Körper lebensnotwendig, allerdings sollte nur ungefähr 1/3 des täglichen Energiebedarfs (Kalorienmenge) in Form von Fetten aufgenommen werden. Denn fettreiche Ernährung kann schnell zu Übergewicht führen und Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen.

Es ist nicht nur wichtig wie viel Fett gegessen wird, sondern auch welches.

  1. gesättigte Fettsäuren in Butter, Fleisch, Ei und Schmalz = ungesund, erhöhen LDL

  2. einfach ungesättigte Fettsäuren in Olivenöl und Rapsöl = gesund, senken LDL, erhöhen leicht HDL

  3. mehrfach ungesättigte Fettsäuren in Sonnenblumenöl, Maisöl, Diestelöl, Sojaöl, Leinöl und Fettfisch = eher gesund, senken LDL, senken leicht HDL

  4. Transfettsäuren entstehen beim Erhitzen ungesättigter Fettsäuren über 130° = ungesund, erhöhen LDL, senken HDL

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden auch essentielle Fettsäuren genannt.

Wie viel von welchem Fett?

Generell lässt sich sagen, dass die Fettzufuhr aus je 1/3 mehrfach ungesättigten, einfach ungesättigten und gesättigten Fettsäuren bestehen sollte. Besonders der Anteil tierischer Fette sollte durch den Anteil pflanzlicher Fette ausgetauscht werden.

Das bedeutet für den Alltag:

Weniger

Mehr

fettes Fleisch und fette Wurst

Seefisch

Schmalz, Speck, Butter

Pflanzenöl

Frittiertes

Gedünstetes

Eier

Gemüse

Milchprodukte und Käse

mit vollem Fettgehalt

fettarme Milchprodukte

und fettarmer Käse

Fett einsparen

Fett beim Frühstück reduzieren:

  • Margarine bzw. Butter nur sehr dünn verwenden

  • anstelle von Streichfett Senf, Tomatenmark, Sauerrahm

  • anstelle von Wurst oder Käse fettarme vegetarische Brotaufstriche

  • Marmelade oder Honig statt Nussnougatcreme

  • fettarme statt vollfetter Milch

  • Müsli ohne Nüsse, Sonnenblumenkerne und Schokostückchen

Die Fette zwischendurch reduzieren:

  • keine Chips und Erdnüsse, stattdessen lieber Gemüsestückchen und Obst

  • anstelle von Schokolade lieber Obst oder Trockenfrüchte

  • Obstkuchen und Hefekuchen anstelle von Sahnetorte, Biskuitteig und Blätterteig

Fette bei Hauptmahlzeiten reduzieren:

  • anstelle von Brat- oder Bockwurst lieber Putensteak oder Hähnchenbrust

  • Pommes und Bratkartoffeln gegen Vollkornreis oder gekochte Kartoffeln austauschen

  • bei Suppen, Saucen, Fonds das erstarrte Fett abschöpfen

  • zum Saucenbinden anstelle von Sahne oder Creme fraiche lieber püriertes Gemüse oder Kartoffelpüreeflocken nutzen

  • fettarme Garmethoden: dünsten, dämpfen, kochen, grillen, garen oder in Folie im Ofen

  • bei Ölen darauf achten, dass es sich um mehrfach ungesättigte Fettsäuren handelt und Olivenöl kalt gepresst ist

  • zum Braten beschichtete Pfannen und Töpfe verwenden – benötigt weniger Öl

  • Pudding, Milchreis und Kartoffelpüree mit fettarmer Milch zubereiten

  • Fleisch und Fisch besser grillen und dünsten statt panieren

Der Cholesteringehalt einiger Lebensmittel

Neben der verminderten Aufnahme von Fett spielt ebenfalls die reduzierte Aufnahme von Cholesterinen eine wichtige Rolle bei der Umstellung der Ernährung.  Maximal 300 mg Cholesterin sollten dem Körper pro Tag zugeführt werden.

Die folgende Tabelle gibt einen beispielhaften Überblick über den Cholesteringehalt einiger Lebensmittel.

Lebensmittel à 100 g

Cholesteringehalt

Hühnerei (Gesamtei-Inhalt)

  396 mg

Butter

  240 mg

Goudakäse

  114 mg

Sahne mit mind. 30 % Fett (Schlagsahne)

  109 mg

Eierteigwaren (Nudeln, Makkaroni, Spaghetti)

  96 mg

Schweineschinken gekocht 

  85 mg

Rindfleisch

  70 mg

Schweinefleisch

  70 mg

Huhn Brust

  60 mg

Schweinefleisch Bauch

  60 mg

Ernährungstipps bei Cholesterinerhöhung

Nahrungs-bestandteil

Maßnahme

Nahrungsmittel meiden

Nahrungsmittel bevorzugen

gesättigte Fette, Cholesterin

vermindern

Wurstwaren, fettes Fleisch, Vollmilchprodukte, Käse, Palm- und Kokosöl

Fisch, besonders Seefisch, fettarmes Geflügel, mageres Fleisch, Magermilchprodukte (möglichst 0,3 % Fett)

ungesättigte Fette

beibehalten oder vermindern

gehärtete Fette, Fertigbackwaren, Frittiertes

pflanzliche Fette und Öle, diätetische Brotaufstriche

Ballaststoffe

erhöhen

Avocado

Getreideprodukte, Vollkornteigwaren, Gemüse, Vollkornreis, Kartoffeln, Obst

Ernährungstipps bei Triglyceriderhöhung:

  • Verzicht auf Alkohol
  • Gewichtsnormalisierung

  • Fett reduzieren auf 30 % der täglichen Kalorien

  • Vermeiden von tierischen Fetten

  • ungesättigte Fettsäuren bevorzugen, zum Beispiel Olivenöl

  • für den Körper schnell verwertbare Kohlehydrate wie Zucker und Honig meiden

  • bei Kohlehydraten Vollkornprodukte bevorzugen

  • regelmäßiger Verzehr von Meeresfisch (die darin enthaltenen Fettsäuren senken den Triglyceridwert)

Sport und Stressbewältigung

Zu der Umstellung der Lebensgewohnheiten gehört neben den Essgewohnheiten ein unterstützendes Angebot an ausreichender Bewegung und Stressbewältigung. Gesunde Ernährung spielt zwar die entscheidende Rolle, sollte aber durch regelmäßige körperliche Bewegung und Entspannung unterstützt werden. Dies senkt nicht nur die Blutfettwerte, sondern steigert gleichzeitig das Wohlbefinden.

Mehr zu Bewegung und Sport im Kapitel "Therapie"

Noch mehr Tipps zum Leben

Ballaststoffe

Eine ballaststoffreiche Ernährung trägt zu gesunden Blutfettwerten bei. Ballaststoffe sind fast ausschließlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten.

Empfohlen sind ungefähr 30 g täglich.

Reich an Ballaststoffen sind zum Beispiel:

Lebensmittel à 100 g

Gesamt-Ballaststoff-

gehalt in g

Vollkornreis

  4,0

Hafer

  9,3

Weizen

  9,6

Roggen

  13,4

Vollkornnudeln (gekocht)

  4,4

Möhren

  2,9

Linsen

  2,8

grüne Erbsen

  5,0

weiße Bohnen

  7,5

Äpfel

  2,3

Birnen

  2,8

Drei Wege, wie Ballaststoffe Cholesterinsenkend wirken:

  • Verkürzung der Verdauungszeit. Dadurch können weniger Cholesterine im Darm aufgenommen werden

  • Verminderung der Wiederaufnahme von Gallensäure im Darm

  • Hemmung der Cholesterinherstellung

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fetsäuren gehören zu den ungesättigten essentiellen Fettsäuren. Sie sind für den Körper lebensnotwendig und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Seefisch sowie einige Öle (zum Beispiel Leinsamenöl) enthalten viele Omega-3-Fettsäuren.

Sie haben zwei positive Wirkungen im Bezug auf das Cholesterin: Sie wirken gegen die Erhöhung von Cholesterinen und Triglyceriden und hemmen die Anlagerung von Blutgerinnseln an den Gefäßwänden. Dadurch werden Gefäßverschlüsse verhindert, die zu Durchblutungsstörungen führen und Herzinfarkte sowie Schlaganfälle verursachen können.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe haben zum Teil eine cholesterinsenkende Wirkung.

Saponine

Vorkommen: in Hülsenfrüchten (Bohnen, Luzernesamen)

  • senken die Aufnahme der Cholesterinen im Darm

Phytosterine

Vorkommen: in Pflanzenölen

  • hemmen vermutlich Cholesterinaufnahme im Darm.

Tocotrienole

Vorkommen: in Samen der Gerste, des Hafers und des Roggens

  • hemmen die körpereigene Cholesterinproduktion

Sulfide

Vorkommen: in Zwiebelgewächsen und Knoblauch (frisch)

  • hemmen die körpereigene Cholesterinproduktion

FAZIT: Eine ausgewogene gesunde Ernährung reich an pflanzlichen Lebensmitteln, Vollkorn- und Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse kann auf vielen Ebenen dazu beitragen, dass die Blutfettwerte sinken und damit der Einsatz von Medikamenten nicht nötig ist oder  auf ein geringes Maß reduziert werden kann.

Weiterführende Links

Die Internetseite der, Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung  von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF, bietet weitere Informationen rund ums Thema Fettstoffwechselstörungen.

http://www.lipid-liga.de/cms

Nationale Versorgungsleitlinien

http://www.versorgungsleitlinien.de/