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Übergewicht

Übergewicht

auch bekannt als: Präadipositas und Adipositas

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Entstehung der Krankheit

Grundvoraussetzung für die Entstehung von Übergewicht ist eine positive Energiebilanz, das heißt die Energiezufuhr ist höher als der Energieumsatz. An der Entstehung sind immer drei Ursachenkomplexe beteiligt: Gene, Ernährung und Bewegung.

In der Geschichte der Menschheit war es dank der Evolution möglich, durch komplexe Mechanismen den Energiebedarf als Grundvoraussetzung zum Überleben zu sichern. Über lange Zeiten musste noch mit Nahrungsmangel gerechnet werden. Um zu geringe Energieaufnahme zu überbrücken, spezialisierte sich der menschliche Organismus darauf, sich in Zeiten des Nahrungsüberflusses Reserven anzueignen. In Zeiten des Mangels konnte er so die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen sichern. In Hungerperioden wurden diese Reserven aufgebraucht und das Körpergewicht schwand.

Umgekehrt hat der Organismus jedoch keine Mechanismen entwickelt, um sich vor einer zu hohen Energieaufnahme zu schützen. Hungerperioden bleiben heute aus. Nahrung ist immer und überall in den Wohlstandsländern verfügbar. Daher spricht man auch von einer Wohlstandskrankheit, die durch eine erhöhte Energiezufuhr gekennzeichnet ist.

Das Körpergewicht der Betroffenen steigt, weil sie mehr Energie in Form von Kalorien zuführen, als der Körper verbrauchen kann. In diesem Fall spricht man von einer positiven Energiebilanz (siehe Kapitel Gesunde Ernährung). 

Ursachenbereiche

An der Entstehung dieser positiven Energiebilanz sind fast immer drei Ursachenbereiche beteiligt:

  • Gene: Sie regulieren den Energieumsatz (Grundumsatz) und die Energiezufuhr (Hunger und Sättigung). Somit kann die Veranlagung an Adipositas zu erkranken vererbt sein, nicht aber die Krankheit Adipositas selbst

  • Ernährung: Ein gestörtes Essverhalten und eine Nahrungsauswahl, die durch zu viel, zu fett, zu süß und zu oft gekennzeichnet ist, führen zu einer erhöhten Energieaufnahme

  • Bewegung: In den Wohlstandsländern leiden die meisten Menschen unter Bewegungsmangel. Besonders der technisierte Alltag und das Fehlen von sportlicher Aktivität begünstigen einen zu geringen Energieverbrauch

Faktoren für eine positive Energiebilanz

Sättigungsmechanismen: Beim Essen füllt sich der Magen. Die Magendehnung verursacht Nervenimpulse, welche das Sättigungsgefühl herbeiführen. Wird zu schnell gegessen, stellt sich dieses Sättigungsgefühl zu spät ein. Dann wurde bereits mehr Nahrung als eigentlich benötigt aufgenommen.

Psychische Faktoren: Seelische Unausgeglichenheit, etwa durch Ärger, Ängste, Stress, Kummer, Frustration oder Langeweile, sowie mangelndes Selbstbewusstsein ist häufig der Grund für ein ungesundes Essverhalten. Sie kann zu sogenannten "Heißhungerattacken" oder "Frustessen" führen.

Essstörungen: Einige Menschen mit Übergewicht neigen dazu, häufiger und auch schneller zu  essen als Normalgewichtige. Das Sättigungsgefühl stellt sich auch bei hoher Kalorienzufuhr erst später ein. Erkrankungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht),  Binge-Eating-Disorder (Fressanfälle) oder Night-Eating-Disorder (nächtliche Essanfälle) zeigen sich ebenfalls durch eine extrem hohe Kalorienzufuhr in kurzer Zeit.

Medikamente: Glukokortikoide, die Antibabypille, Antidiabetika, Antidepressiva, Neuroleptika und andere Medikamente steigern den Appetit und können so zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme führen. Die Folge ist ein steigendes Körpergewicht.

Hormonelle Erkrankungen: Bestimmte hormonelle Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder das sogenannte Cushing-Syndrom (erhöhter Kortisolspiegel im Blut) können ebenfalls zu Übergewicht führen.

Lebensalter: Mit zunehmendem Lebensalter fällt der Energiebedarf geringer aus. Wird die Ernährung nicht angepasst, kann dies Übergewicht begünstigen.

Außerdem: Faktoren wie eine lange Bettlägerigkeit, Schwangerschaft, Nikotinverzicht oder Operationen in der Hypothalamusregion können zu Übergewicht führen.
Pathophysiologie der Fettzellen

Wird zu viel  Nahrung bei einer Mahlzeit aufgenommen, kann der Körper diese nicht ausreichend verwerten – die Nährstoffe werden dann in den Fettzellen eingelagert. Daher nimmt die Größe der Fettzellen zu, je mehr Übergewicht ein Erwachsener hat. Gleichzeitig führt das Übergewicht dazu, dass die Anzahl und die Empfindlichkeit der sogenannten Insulinrezeptoren im Fettgewebe abnehmen.

Bei der Nahrungsaufnahme kommt es unter normalen Umständen zur Ausschüttung des Hormons Insulin, welches dafür zuständig ist, dass Zucker aus der Nahrung in Zellen aufgenommen werden kann und damit aus dem Blutkreislauf in das Gewebe übertritt. Dafür muss Insulin an den Zellen, auf die es wirkt, an den Insulinrezeptor binden. Erst dieses Schlüsselschlossprinzip führt zur Zuckeraufnahme in den jeweiligen Zellen.

Typische Zellen, die Zucker aufnehmen, sind Fettzellen. Bei zu häufiger und zu starker Nahrungsaufnahme kann es dazu kommen, dass die Zellen durch den ständigen Einfluss von Insulin überreizt werden. Infolge dessen kann es zu einer Abnahme der Anzahl und auch der Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren im Fettgewebe kommen. Dadurch sprechen die Fettzellen nur noch schlecht auf das Hormon Insulin an.

Durch angelagerte Fettdepots  entsteht außerdem eine starke Wärmeisolierung. Bewegt man sich gleichzeitig zu wenig, nimmt man Energie durch die Nahrung auf, diese kann aber kaum in nennenswerter Weise abgegeben werden.

Entscheidenden Einfluss haben bestimmte Hormone, körperliche Bewegung und die Nahrungsmenge auf die Größe und Anzahl der Fettzellen. Das Hormon Kortison zum Beispiel erhöht die Beladung der Fettzellen, während männliche Sexualhormone (Androgene) die Beladung der Fettzellen reduzieren, ohne das Volumen der Zellen selbst zu beeinflussen. Reduktionskost und körperliche Bewegung verkleinern die Fettzellengröße. Die Anzahl der Fettzellen bleibt jedoch im Gegensatz zu ihrem Gehalt an Fett gleich. Dies ist für die Therapie von Adipositas und Übergewicht entscheidend. Langfristigen Erfolg kann nur eine grundlegende Veränderung in der Lebensweise versprechen.

Das Bilanzproblem

Übergewicht ist in erster Linie ein Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Aber was genau führt nun zu diesem Missverhältnis?

Zum einen ist der Energiebedarf des Organismus, der kaum beeinflussbar ist, bei manchen Menschen geringer. Dies kann am Grundumsatz (Energieverbrauch in völliger Ruhe) liegen, der laut Studien geringer als bei schlanken Menschen sein kann. Dies scheint genetisch festgelegt zu sein, allerdings sind die genauen Mechanismen noch immer unklar. Frauen und ältere Menschen haben einen geringeren Grundumsatz als Männer und junge Menschen. Außerdem fällt auch die Thermogenese bei der Nahrungsverbrennung geringer aus. Dies bedeutet, dass durch die Verdauung verbrauchte Energie und Energie zur Wärmegewinnung niedriger als bei schlanken Menschen ist. Dies liegt möglicherweise an der veränderten Kohlenhydratverwertung durch eine Insulinresistenz.

Zum anderen ist der Energieverbrauch zu niedrig. Durch körperliche Aktivität kann der Energiebedarf gesteigert werden. Der Grundumsatz wird auf diese Weise geringfügig angehoben, da mehr Muskulatur vorhanden ist. Außerdem kann durch die Intensität der Aktivitäten ein hoher zusätzlicher Energieverbrauch erreicht werden.

Durch Bewegung kann mehr Energie verbraucht werden und so ein Ausgleich zur Energieaufnahme erreicht werden.

Das Hauptproblem ist aber die Überernährung. Dabei ist es unerheblich ob es sich um eine zu kohlenhydratreiche oder zu fettreiche Kost handelt.

Alkohol fördert die Gewichtzunahme nicht nur als hoher Energielieferant, sondern auch als Hemmer der Fettverbrennung (Fettoxidation).