Gicht

Gicht

auch bekannt als: Urikopathie

Überblick Entstehung Symptome Komplikationen Diagnose Therapie Prävention Leben mit

Therapie

Die wichtigste Therapiemaßnahme bei Gicht ist eine purinarme Ernährung. Daneben können je nach Einzelfall weitere Allgemeinmaßnahmen sowie medikamentöse, physikalische und operative Therapiemaßnahmen eingesetzt werden.

Gicht kann mit folgenden Maßnahmen behandelt werden:

  • purinarme Ernährung

  • ausreichend Flüssigkeitszufuhr

  • Aufnahme von Vitamin C

  • Abbau von Übergewicht

  • Schmerzmittel und Colchizin

  • Medikamente, die entweder die Harnsäurebildung vermindern (Urikostatika) oder die Harnsäureausscheidung erhöhen (Urikosurika)

  • Operationen

  • Physiotherapie

Wichtiger Hinweis

Die hier vorliegenden Informationen zur Behandlung der Erkrankung beruhen auf einem strengen und aktuellen wissenschaftlichen Nachweis, der den weitgehenden Nutzen einer Behandlung gezeigt hat.

Leider gibt es in Deutschland keine allgemeingültige Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Gicht. Daher wurden in diesem Artikel vor allen Dingen die im Jahr 2006 entwickelten Leitlinien der European League Against Rheumatism (EULAR) herangezogen.

Es ist zu beachten, dass die hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten unter bestimmten Bedingungen angepasst werden müssen. Dabei spielen die persönlichen Wünsche und Lebensziele des Patienten eine wichtige Rolle. Auch das Alter, der Schweregrad der Erkrankung sowie mögliche Nebenerkrankungen können die Empfehlungen mitunter stark beeinflussen. Betroffene mit Nebenerkrankungen sollten ihren Hausarzt daher unbedingt darüber in Kenntnis setzen. Darüberhinaus sollten sie ihren Hausarzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen.

Der Hausarzt wählt für seinen Patienten die passende Behandlungsform entsprechend der oben genannten Kriterien. Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neueste oder kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchsten Qualität einer Therapie für einen Patienten. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden.

Purinarme Ernährung

Die Purinzufuhr in der Nahrung sollte maximal 300 mg pro Tag betragen. Das kommt schnell zusammen. Am besten sollten Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten oder Gicht die aufgenommenen Purinmengen täglich notieren. Dazu gibt es Tabellen, in denen der Puringehalt verschiedener Lebensmittel nachgeschaut werden kann. Um ein Gefühl für die Purinbegrenzungen zu bekommen, hier einige Beispiele.

300 mg Purine entsprechen beispielsweise folgenden Nahrungsmittelkombinationen:

  • 250 g Schweineschnitzel mit 100 g Erbsen

  • 100 g Haferflocken, 0,33 l Cola, 200 g gegarter Fisch

  • 100 g Ölsardinen und 200 ml Bier

  • 100 g Sprotten

  • 500 g mageres Fleisch

  • 600 g Wurst

  • ¾ l Apfelsaft

  • 300 g Schinken

Keine oder kaum Purine sind beispielsweise in folgenden Lebensmitteln enthalten:

  • Milch, Joghurt und Quark

  • Eier

  • Salatgurken, Paprikaschoten und Tomaten

  • Kartoffeln

  • Hartkäse

  • Obst

  • Eiernudeln und Reis

  • Walnüsse

Die Reduktion der Purinzufuhr mit der Nahrung bekämpft direkt die Ursache der Gicht: Den erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Sicherlich ist es für Betroffene nicht ganz einfach, sich daran zu gewöhnen, nun immer ein Auge auf den Puringehalt von Lebensmitteln zu haben. Mit der Zeit wird es aber ganz selbstverständlich, und ein Gefühl für die täglich aufgenommene Menge an Purinen stellt sich schnell ein.

Der Nutzen des Behandlungsverfahrens ist sehr groß. In jedem Stadium der Hyperurikämie gehört eine Ernährungsumstellung zur Behandlung dazu. Im Stadium der Hyperurikämie ohne Symptome ist die Ernährungstherapie in der Regel sogar die ausschließliche Therapie. Die wichtigste ernährungstherapeutische Maßnahme ist die Einschränkung der Aufnahme von Purinen mit der Nahrung. Risiken aufgrund der Ernährungsumstellung gibt es keine, wenn man von der Gefahr einer einseitgen Ernährung absieht.

Natürlich sollte bei einer Umstellung auf purinarme Ernährung trotzdem darauf geachtet werden, dass auch alle wichtigen Närstoffe weiterhin aufgenommen werden. Wichtig ist, dass Betroffene ihre Familienangehörigen und Freunde in das Thema Ernährungsumstellung einbeziehen. Es fällt in der Regel sehr viel leichter, Änderungen in der Ernährungen umzusetzen, wenn auch das Umfeld mithilft und über die Wichtigkeit der Maßnahme Bescheid weiß.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Bei erhöhten Harnsäure-Werten oder Gicht ist es wichtig, dass ausreichend Flüssigkeit getrunken wird, um die Harnsäure-Ausscheidung über die Nieren zu verbessern. Sofern keine Nebenerkrankungen bestehen, die eine Limitierung der täglich erlaubten Flüssigkeitsmenge erforderlich machen, sollten etwa 1,5 l am Tag getrunken werden. Sehr gut geeignet zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs ist Mineralwasser.

Eingeschränkter Alkoholkonsum

Alkohol (insbesondere Bier) ist am besten ganz zu vermeiden, da der Konsum einen akuten Gichtanfall auslösen könnte. Falls das nicht ganz möglich sein sollte, können Betroffene versuchen, auf purinärmere Alkoholika auszuweichen. So ist Rotwein deutlich ärmer an Purinen als Bier.

Das Thema Alkohol ist bei Gicht sehr wichtig. Denn sehr viele Gichtanfälle entstehen infolge eines feuchtfröhlichen Abends in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages.

Aufnahme von Vitamin C

Die tägliche Aufnahme von 1 bis 1,5 g Vitamin C führt bei Männern erwiesenermaßen zu einer vermehrten Ausscheidung von Harnsäure. Diese Maßnahme ist daher zu empfehlen. Vor allem, da die Umsetzung einfach, kostengünstig und ohne unerwünschte Nebenwirkungen ist.

Übergewicht abbauen

Betroffene sollten versuchen, ihr Körpergewicht normal zu halten beziehungsweise ein normales Körpergewicht zu erreichen. Dabei ist es aber sehr wichtig, Fastenkuren oder Radikaldiäten zu vermeiden, da diese einen akuten Gichtanfall auslösen könnten. Wenn Gichtpatienten oder Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten Gewicht abbauen möchten, sollten sie am besten den Rat ihres Hausarztes hinzuziehen.

Medikamente im akuten Anfall

Im akuten Anfall sind Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die Mittel der ersten Wahl. Bei Unverträglichkeit können stattdessen auch Glukokortikoidpräparate (Cortisonpräparate) zum Einsatz kommen.

Colchizin ist ein Mittel zweiter Wahl, das wegen seiner zahlreichen Nebenwirkungen lieber vermieden wird. Es hemmt die Aktivität der Fresszellen, welche auf die Aufnahme von Harnsäurekristallen hin eine Entzündungsreaktion auslösen können. Zu den Nebenwirkungen zählen vor allem Magen-Darm-Beschwerden bis hin zum Durchfall sowie einige seltene aber ernsthafte Störungen des Blutbildes (Agranulozytose) und Muskelerkrankungen (Myopathien).

Zu beachten ist, dass die Symptome eines akuten Gichtanfalls auch unbehandelt spätestens innerhalb von sieben bis zehn Tagen abklingen. Einen erneuten Anfall erleiden etwa 60 % der Patienten innerhalb des ersten Jahres. Bei Harnsäurewerten über 9 mg/dl liegt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres eine gichtbedingte Gelenkentzündung zu erleiden, bei etwa 5 %.

Medikamente in der Dauerbehandlung

In der Dauerbehandlung der Gicht unterscheidet man Medikamente, die den Anfall an Harnsäure im Körper vermeiden (Urikostatika) von Medikamenten, die die Harnsäure-Ausscheidung verbessern (Urikosurika).

Medikamente, die den Harnsäureanfall vermeiden (Urikostatika)

Allopurinol hemmt ein Enzym, das für die Bildung von Harnsäure aus Purinen notwendig ist. Dadurch fällt weniger Harnsäure in Geweben aus. Allopurinol darf allerdings nicht im akuten Gichtanfall gegeben werden.

Bei Einnahme von Allopurinol kann es unter anderem zu allergischen Reaktionen und Blutbildungsstörungen kommen. Insbesondere in Kombination mit manchen Chemotherapeutika kann es außerdem zur Wirungsverstärkung kommen, auf die in solchen Fällen geachtet werden sollte.

Es ist davon abzuraten, Allopurinol auch in solchen Fällen einzusetzen, bei denen alleine eine Harnsäurewerterhöhung (ohne gleichzeitige Symptomen der Gicht) vorliegt, da Allopurinol zu schweren allergischen Reaktionen führen kann. Diese treten zwar nur in wenigen Fällen auf, sollten aber zum sehr überlegten Einsatz dieses Medikaments veranlassen. Selbst ein einzelner Gichtanfall ist häufig noch kein Anlass zur Einnahme von Allopurinol.

Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung können von einer Behandlung mit Allopurinol eventuell auch in Hinsicht auf diese Erkrankung profitieren. So konnte bei einer Studie, bei der Patienten mit koronarer Herzerkrankung gleichzeitig Allopurinol einnahmen, eine verbesserte Belastbarkeit bis zum Auftreten von Herzbeschwerden festgestellt werden.

Medikamente, die die Harnsäureausscheidung fördern (Urikosurika)

Benzbromaron und Probenecid können die Harnsäureausscheidung in der Niere erhöhen. Es ist wichtig, bei der Therapie mit diesen Wirkstoffen viel zu trinken (ca. 2 Liter täglich). Es besteht die Gefahr, dass sich die Harnsäure in der Niere kristallisiert, oder dass sich Harnsteine bilden. Benzbromaron ist ein Mittel zweiter Wahl, da es einnahmebedingt durchschnittlich bei einem von 25 Patienten zu Durchfall als Nebenwirkung kommt. Zusätzlich wird in der Regel Kaliumnatriumhydrogencitrat in Form von Granulat eingenommen.

Arzneimittel zur Behandlung der Gicht

Gichtmittel zur Vorbeugung eines akuten Anfalls: Urikostatika (Allopurinol), Urikosurika (Benzbromaron, Probenecid)

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Physikalische Therapie

Die Beschwerden einer chronischen Gicht können mit physikalischen Maßnahmen behandelt werden. Dazu gehören:

  • Schmerztherapie mit Ultraschall-, Elektro- oder Wärmeanwendungen

  • Kräftigung der Muskulatur durch Krankengymnastik, direkte Mittelfrequenzstrombehandlung oder eine Reizstromtherapie

  • Verbesserung der Durchblutung und Muskelentspannung mittels Massagen und Behandlung mit Wärme oder Kälte

  • Behandlung von Bewegungseinschränkungen beziehungsweise Korrektur und Vermeidung von Fehlstellungen durch Krankengymnastik und Ergotherapie

Operative Therapie

Die typischen Gichtknoten (Tophi) in Weichteilen und Knochen können operativ entfernt werden. Außerdem können in fortgeschritteneren Fällen Gelenkdeformationen vor allem an Fingern und Zehen chirurgisch korrigiert werden. Auch können künstliche Gelenke oder die Versteifung eines Gelenks angewendet werden, wenn eine Korrektur der Fehlstellung nicht ausreichend ist.

Dabei ist zu beachten, dass auch die modernste orthopädische Chirurgie nicht alle Gelenkschädigungen, die durch Gicht entstehen können, wieder heilen kann. Darüber hinaus sind Operationen natürlich stets mit typischen Risiken verbunden. Dazu gehören unter anderem Infektionen, Risiken infolge der Anästhesie oder Blutungen. Allerdings können gelungene Operationen zur deutlichen Verbesserung der Gelenkfunktion führen und damit zu einer enormen Verbesserung der Lebensqualität.

Weitere Therapieverfahren

Die hier dargestellten Behandlungsverfahren entsprechen den Therapien, deren Wirksamkeit, Sicherheit und Sinn durch Studien belegt worden sind und die in den Leitlinien empfohlen werden, welche zur Erstellung dieses Texts herangezogen worden sind. Unter anderem und vor allem zählt dazu die EU Leitlinie zur Behandlung der Gicht. Darüber hinaus gibt es gegebenenfalls noch weitere Therapiemöglichkeiten. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Bei Nicht-Behandlung können Gelenk- und Organschäden, als Folge der Gicht, schneller und in schwererer Form auftreten. Außerdem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines Gichtanfalls und die damit verbundenen heftigen Schmerzen.