Gicht

Gicht

auch bekannt als: Urikopathie

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Antworten auf häufig gestellte Fragen, die fünf wichtigsten Tipps zum täglichen Umgang mit Gicht und hilfreiche Links zu weiterführenden Informationen.

Gicht ist eine chronische Erkrankung, die im akuten Anfall mit starken Schmerzen, bei längerem Bestehen auch mit körperlichen Einschränkungen infolge von Gelenkschädigungen einhergehen kann.

Betroffene sollten ihre Medikamente kennen

Betroffene sollten sich von Ihrem Arzt genau über die einzunehmenden Medikamente aufklären lassen. Hierzu zählen wichtige Fragen wie:

  • Wie heißen meine Medikamente und wie heißen die Wirkstoffe?

  • In welcher Dosierung und zu welcher Zeit muss ich meine Medikamente einnehmen?

  • Welche Nebenwirkungen habe ich zu beachten?

  • Kann es zu Interaktionen mit anderen Medikamenten oder gar Lebensmitteln kommen? So kann es bei der medikamentösen Gichtbehandlung unter der gleichzeitigen Einnahme von wassertreibenden Medikamenten beziehungsweise Blutdruckmitteln, deren Wirkstoffname auf „-pril“ endet, relativ häufig zu Hautnebenwirkungen kommen.
Regelmäßige Kontrolle

Auch bei einer gut eingestellten Hyperurikämie sind regelmäßige Kontrollen des Harnsäurespiegels im Blut durch Ihren Arzt sinnvoll. In welchem Abstand diese Kontrollen stattfinden sollten, ist von Ihrem persönlichen Risikoprofil abhängig und wird von Ihrem Arzt beurteilt.

Solche regelmäßigen Untersuchungen dienen nicht nur der Kontrolle des Harnsäurespiegels, sondern auch dem frühzeitigen Erkennen von Erkrankungen, welche im Lauf der Zeit hinzutreten können und eventuell eine Anpassung der Medikamente oder deren Dosis notwendig machen.

Es gibt in Deutschland bislang keine Gicht-Selbsthilfegruppen. Betroffene können jedoch weitere Informationen insbesondere bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung oder der Deutschen Rheumaliga finden.

Die fünf wichtigsten Tipps
  1. Betroffene sollten purinarm essen! Purine sind vor allen Dingen in Fleisch, Innereien und Hülsenfrüchten enthalten. Es muss nicht ganz auf Fleisch verzichtet werden, aber man sollte auf kleine Portionen von nicht mehr als 100 bis 150 g täglich achten. Innereien, Schweineschwarten, Schalen- und Krustentiere, Sardinen, Sardellen sowie Hefe- und Sojaprodukten sollten Betroffene soweit möglich meiden. Am besten hilft eine Tabelle mit dem Puringehalt von Lebensmitteln, damit täglich notiert werden kann, wie viel Purin gegessen wurde. Maximal 300 mg Purine pro Tag sind erlaubt. An Obst und Gemüse kann man sich satt essen, da Pflanzen in der Regel nur sehr wenige Purine enthalten. Lediglich bei Hülsenfrüchten, Spargel und Feldsalat ist etwas mehr Vorsicht geboten. Diese pflanzlichen Nahrungsmittel enthalten relativ viele Purine.

  2. Betroffene sollten auf eine fettarme Ernährung achten und weitgehend auf Alkohol verzichten!

  3. Betroffene sollten radikale Hungerkuren vermeiden, da diese einen Gichtanfall auslösen können.

  4. Täglich mindestens 30 Minuten Bewegung.

  5. Betroffene sollten konsequent die Medikamente einnehmen, die von ihrem Hausarzt verordnet wurden.
Häufig gestellte Fragen

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechsel-Erkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäure-Konzentration im Blut ausgelöst wird. Die Symptome der Gicht treten allerdings erst auf, wenn sich die überschüssige Harnsäure im Körper in harte Kristalle umwandelt, die vor allem in den Gelenken abgelagert werden. Bei Gicht kann es unter anderem zu heftigen Gelenkschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Fehlstellungen und auch Nierenschäden kommen. In den Industrieländern zählt Gicht zu den häufigsten Stoffwechsel-Erkrankungen. An Gicht erkranken mehr Männer (90 – 95 %) als Frauen.

Was ist Harnsäure?

Harnsäure ist ein Stoff, der als Endprodukt des Purin-Stoffwechsels im Körper anfällt. Purine sind wichtige Bausteine der Nukleinsäuren, aus denen sich die menschliche und tierische Erbsubstanz, die DNA (DNS), zusammensetzt. Sie entstehen im Körper selbst oder werden über die Nahrung aufgenommen. Vor allem in tierischen Lebensmitteln sind viele Purine enthalten. Die Purine werden im menschlichen Organismus zu Harnsäure abgebaut, die wiederum hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird.

Was ist eine Hyperurikämie?

Sobald die Harnsäurekonzentration im Blutserum über 6,4 mg/dl ansteigt spricht man von einer Hyperurikämie. Wörtlich übersetzt heißt das so viel wie zu viel Harnsäure im Blut. In den Industrieländern trifft dies auf etwa ein Fünftel der Bevölkerung zu. In den meisten Fällen verursachen diese erhöhten Harnsäurewerte aber keine Beschwerden. In den Industriestaaten haben 20 - 30 % der Männer und 3 % der Frauen einen erhöhten Harnsäure-Spiegel. Etwa jeder Zehnte bis Zwanzigste von ihnen erkrankt an Gicht.

Was ist der Unterschied zwischen erhöhten Harnsäure-Werten (Hyperurikämie) und Gicht?

Bei einer Hyperurikämie handelt es sich zunächst ausschließlich um die Erhöhung der Harnsäure-Werte im Blut. Solange keine Symptome einer Gicht dazu kommen, wie Schmerzen in Gelenken oder Knoten, liegt auch keine Gicht vor. Von einer Gicht spricht man also erst, nachdem ein erster Gichtanfall aufgetreten ist. Gicht kann nicht entstehen, ohne dass die Harnsäure-Werte erhöht sind. Umgekehrt muss es aufgrund erhöhter Harnsäure-Werte keinesfalls zwangsläufig zur Gicht kommen.

Wie entsteht Gicht?

Meistens ist die Gicht erblich bedingt. Die Veranlagung dazu ist in der Bevölkerung sehr weit verbreitet. Aber auch bei vorhandener Veranlagung kommt es nicht zwangsläufig zur Erkrankung. Meistens müssen weitere Faktoren, wie falsche Ernährung, Übergewicht oder mangelnde Bewegung, hinzukommen. Der erste Gichtanfall tritt bei Männern meist im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Die Harnsäurewerte von Frauen steigen erst nach den Wechseljahren und können im Alter von 50 - 60 Jahren Gicht auslösen.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn bei mir erhöhte Harnsäure-Werte festgestellt worden sind?

Sie sollten den Befund ernst nehmen, aber Grund zur übertriebenen Sorge gibt es nicht. Sehr viele Menschen haben erhöhte Harnsäure-Werte, erkranken aber nie an Gicht. Von der eigentlichen Gichterkrankung ist nur etwa jeder zehnte bis zwanzigste Patient mit erhöhten Harnsäurewerten betroffen. Bis auf das höhere Risiko einer Gichterkrankung schaden erhöhte Harnsäure-Werte darüber hinaus dem Körper nicht. Achten Sie dennoch auf eine purin- und fettarme Ernährung und bewegen Sie sich regelmäßig. Dann müssen Sie sich über Gicht nicht viel mehr Gedanken machen, als jeder andere Mensch auch.

Gibt es Getränke, die sich bei Gicht oder erhöhten Harnsäurespiegeln besonders gut eignen?

Zu empfehlen sind Mineralwasser sowie kalorienarme Frucht- und Gemüsesäfte. Unter den Mineralwässern sind solche mit einem hohen Hydrogencarbonat-Gehalt von Vorteil, da sie den pH-Wert des Urins anheben (alkalischer machen), wodurch die Harnsäure besser gelöst wird. Das hat eine vermehrte Harnsäureausscheidung zur Folge. Der Hydrogencarbonat-Gehalt sollte über 1300 mg pro Liter liegen. Erst dann zeigt sich eine Wirkung. Unter den Gemüsesäften hat Selleriesaft eine harntreibende Wirkung und ist daher gut geeignet. Bei den Fruchtsäften sollten Sie darauf achten, dass es sich um einen Saft ohne Zuckerzusatz handelt, der nur fruchteigenen Zucker enthält. Auch Kaffee schützt vor Gicht. Allerdings sollten Sie es mit dem Kaffeekonsum nicht übertreiben, um nicht andere Krankheiten und Beschwerden, wie Magenprobleme oder Nervosität, zu begünstigen.

Wie bekomme ich meine Gicht in den Griff?

Die wichtigsten Regeln bei Gicht sind: Alkohol reduzieren, purinhaltige Nahrungsmittel meiden, viel Flüssigkeit trinken, Gewicht reduzieren (aber keine radikalen Fastenkuren, da das einen Gichtanfall auslösen könnte), regelmäßige körperliche Bewegung, Stress abbauen, ausreichend Schlaf und Entspannung. Manche dieser Regeln fordern zugegeben einiges an Selbstdisziplin, vor allem wenn man ständigen Versuchungen ausgesetzt ist.

Außerdem sollten Sie regelmäßig zum Arzt gehen, um Kontrolluntersuchungen wahrzuhnemen, und verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen.

Was begünstigt Gicht noch außer der falschen Ernährung?

Außer einer purinreichen Ernährung und Alkohol kann ein Gichtanfall durch folgende Faktoren begünstigt werden: Nasskaltes Wetter, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress und eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr.

Muss ich Medikamente nehmen, wenn ich erhöhte Harnsäure-Werte habe?

Ihr behandelnder Arzt entscheidet, wann die Einnahme von Medikamenten zur Senkung des Harnsäure-Spiegels notwendig wird. Wenn Sie unter Gicht leiden, müssen Sie wahrscheinlich Medikamente einnehmen. Wenn Sie nur erhöhte Harnsäure-Werte haben, aber bisher keine Anzeichen für Gicht aufweisen, wird aber in der Regel auf Medikamente verzichtet. Hier reicht eine Behandlung mit Ernährungsumstellung, Alkohleinschränkung und mehr Bewegung.

Muss Gicht nach einem ersten Gichtanfall schon behandelt werden?

Ja, unbedingt. Ein erster Gichtanfall zieht meist weitere Anfälle nach sich, wenn er nicht behandelt wird. Außerdem kann eine Gicht langfristig ernstzunehmende Folgen haben, wie zum Beispiel Gelenkzerstörung und Nierenleiden.

Ist Gicht gefährlich?

Das kommt darauf an, wie „gefährlich“ definiert wird. Gicht ist nur in sehr seltenen Fällen lebensbedrohlich, und zwar dann, wenn die Ablagerungen von Harnsäure-Kristallen, lebenswichtige Organe so stark schädigen, dass sie nicht mehr richtig funktionieren können. Davon sind am ehesten die Nieren betroffen. Zum Glück kommt es aber nur in Ausnahmefällen dazu. Was viel gefährlicher an der Gicht ist, sind die Gelenkschäden, zu denen die Erkrankung führen kann. Diese sind zwar nicht lebensgefährlich, können aber zu ernsthaften Bewegungseinschränkungen führen. Das kann im Extremfall den Verlust der Gehfähigkeit zur Folge haben.

Ist immer nur der große Zeh von einem Gichtanfall betroffen?

Nein! Zwar ist in 50 - 90 % der akuten Gichtanfälle das Großzehen-Grundgelenk betroffen, aber auch andere Gelenke können beteiligt sein. Sprunggelenk und Fußwurzel sind in bis zu 30 % der Fälle betroffen. Das Kniegelenk in bis zu 10 % der Fälle. Seltener, aber immer noch mit Anteilen von jeweils um die 5 %, schädigt die Gicht andere Gelenke, wie weitere Zehengelenke, das Handgelenk oder die Fingergelenke.

Welche Lebensmittel sind besonders purinarm?

Purinarm sind Obst und Gemüse (Ausnahme: Feldsalat, Spargel, Hülsenfrüchte). Ganz frei von Purinen sind Milch, Käse und Eier.

Welche Lebensmittel sind besonders purinreich und sollten daher gemieden werden?

Innereien, Hirn, Schalentiere, Geflügel, Schweinefleisch, Hülsenfrüchte und Bier enthalten viele Purine.

Weiterführende Links und Quellen