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Dyskalkulie

Dyskalkulie

auch bekannt als: Rechenstörung, Rechenschwäche, Zahlenblindheit, Arithmasthenie, Lernstörung

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Entstehung der Krankheit

Eine Dyskalkulie kann viele Ursachen haben. Zum aktuellen Zeitpunkt ist diese Lernschwäche nicht ausreichend erforscht, um im Einzelfall genau sagen zu können, wie diese entstanden ist. Theorien gibt es viele, bestätigt sind nur wenige.

Experten schätzen, dass etwa sechs Prozent aller Schulkinder betroffen sind. Es ist aber davon auszugehen, dass in keinem Fall nur ein Faktor zu einer Rechenschwäche führt.

Häufig wird angenommen, dass die Intelligenz eine Rolle bei der Ausbildung von Lernstörungen spielt – dies ist aber falsch. Zudem kommen Betroffene aus allen sozialen Schichten, also ist diese offenbar auch unerheblich für die Ausbildung der Lernstörung.

Die Ursachen sind vermutlich primär im genetischen und entwicklungsbedingten Bereich zu suchen.

Entwicklungsstörung als Kernursache

Mathematische Fertigkeiten basieren auf einem Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen. Studien zeigen beispielsweise, dass eine der Gehirnregion, die eine große Rolle bei der Entwicklung des numerischen Mengenverständnisses spielt, bei Dyskalkulikern atypische Aktivitäten und Entwicklungen aufzeigen.

Auch das Arbeitsgedächtnis Betroffener ist häufig beeinträchtigt.

Entwicklungsstörungen der Sinneswahrnehmung, wie der visuell-räumlichen Wahrnehmung, gelten als wichtige Risikofaktoren.

Zwar ist sicher, dass es eine genetische Komponente bei der Entwicklung einer Matheschwäche gibt, jedoch noch nicht, wie genau sich diese gestaltet. Vermutungen, dass diese Lernschwäche vererbbar ist, konnten bisher nicht bestätigt werden.

Zudem gibt es Studien, die zeigen, dass die sogenannte Simultanerfassung eine Rolle bei der Entwicklung einer Rechenschwäche spielen könnte. Unter der Simultanerfassung versteht man die Sehfähigkeit, zum Beispiel eine bestimmte Anzahl Punkte auf den ersten Blick bestimmen zu können, ohne diese zuvor zählen zu müssen. Viele Dyskalkuliker zeigen hier Defizite auf.

Einen weiteren möglichen Hinweis könnte die Entwicklungspsychologie von Piaget geben. Laut diesem Ansatz erfolgen Aufbau und Verinnerlichung von mathematischen Operationen und Zahlbegriffen in vier Phasen. Für jede Phase ist das Erreichen der vorherigen Stufe die Voraussetzung. Ist eine der Phasen gestört, kann das Kind nicht die letzte Stufe erreichen und wird dadurch rechenschwach.

Zahlreiche Nebenfaktoren

Doch auch familiäre und soziokulturelle Probleme können zu der Entstehung einer Dyskalkulie beitragen, wie zum Beispiel psychische Belastungen, Ängste oder Sprachschwierigkeiten.

Schulische Hindernisse, wie häufige Lehrerwechsel in der Grundschule, Lücken im Basiswissen oder ein mangelnder Aufbau des Zahlenverständnisses können eine Rechenschwäche zusätzlich begünstigen.

Ferner können medizinische Faktoren in der Schwangerschaft eine spätere Dyskalkulie bei dem ungeborenen Kind auslösen. Dazu gehören der Missbrauch von Drogen, Alkohol und Medikamenten sowie das Rauchen in der Schwangerschaft. Diese fördern eine Frühgeburt, die wiederum oft Entwicklungsstörungen zur Folge hat.

Auch die Einnahme des Hormons Thyroxin, ein Bestandteil von Schilddrüsenmedikamenten, steht im Verdacht, eine Rechenschwäche zu begünstigen.