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Depression

Depression

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Entstehung der Krankheit

Jeder dritte deutsche Erwachsene erleidet mindestens einmal in seinem Leben eine depressive Phase. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei der Entstehung der Depression können viele Faktoren von erblicher Veranlagung bis hin zu Lichtmangel eine Rolle spielen.

Als Depression bezeichnet man einen längeren Zustand deutlich gedrückter Stimmung, Interesselosigkeit und Antriebsschwäche. Phasen der Trauer oder Niedergeschlagenheit kennt jeder. Sie gehören zum menschlichen Dasein genauso dazu wie Hochphasen des Glücks. Wann daraus die Krankheit Depression wird, ist nicht immer leicht zu erkennen. Oft fällt es depressiven Menschen schwer, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen und sie leiden unter starken Selbstzweifeln.

Depressionen sind weltweit häufige Erkrankungen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden sie im Jahr 2030 die höchste Krankheitslast in der Weltbevölkerung verursachen – noch vor den Herz- und Kreislauferkrankungen. Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten.

Das Bundesgesundheitsministerium nimmt an, dass derzeit in Deutschland mindestens vier Millionen Menschen von einer Depression betroffen sind. Dabei ist die Dunkelziffer hoch: Nach den Ergebnissen einer Studie der Weltgesundheitsorganisation werden depressive Erkrankungen in etwa der Hälfte der Fälle gar nicht festgestellt. Betroffene gehen häufig nicht zum Arzt oder der Arzt erkennt die Depressionen nicht.

Es gibt verschiedene Formen und Schweregrade der Depression. Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Risiko in sich, depressiv zu werden. Doch ob jemand tatsächlich erkrankt, unterliegt Einflüssen, die wir nicht unbedingt steuern können. Dazu gehören erbliche Anlagen, körperliche Faktoren und das persönliche Lebensumfeld.

Häufig können Patienten, die unter Depression leiden, keine schlüssige Erklärung für ihre Erkrankung finden. Ursachen für die Erkrankung können erblich bedingt und/oder im Lebensumfeld des Betroffenen zu suchen sein. Folgende Faktoren werden als mögliche Ursachen angesehen:

  • erbliche Veranlagung

  • Ungleichgewichte von Botenstoffen im Nervensystem

  • Medikamente

  • aktuelle oder zurückliegende belastende/verletzende Ereignisse 

  • chronische Erkrankungen

  • Lichtentzug in den Wintermonaten (sogenannte saisonale Depression)

  • erlernte negative Denkstrukturen

  • Schlafstörungen
Erbliche Veranlagung

Untersuchungen konnten aufzeigen, dass bei Verwandten von depressiven Patienten ebenfalls ein erhöhtes Risiko besteht, selbst an einer Depression zu erkranken. Obwohl also offensichtlich die Gene eine Rolle spielen, besteht keine Einigkeit darüber, welche Gene an der Auslösung der Krankheit beteiligt sind. Eine aktuelle Studie widerlegt auch die Existenz eines Depressions-Gens.

Ungleichgewichte von Botenstoffen im Nervensystem

Forschungen im Bereich der Neurobiologie unterstützen die Theorie, dass bei Menschen mit Depressionen eine Fehlregulation bestimmter Botenstoffe im Gehirn vorliegt. Bei Betroffenen führt dies zu einer Verminderung der Interessen und des Antriebs sowie zu einem Mangel an Freude. Für die Forschung sind vor allem die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin relevant.

Fachbegriffe im Überblick
Medikamente

Einige Arzneimittel können Depressionen als unerwünschte Nebenwirkung auslösen. Dies ist zum Beispiel bei Kortisonpräparaten oder Medikamenten zur Behandlung von Schizophrenie (Neuroleptika) der Fall.

Belastende Ereignisse (Stress)

Akute Trennungs- oder Verlusterlebnisse, wie der Verlust des Partners oder des Arbeitsplatzes, können Auslöser einer Depression sein. Auch privater und beruflicher Stress oder lang andauernde, belastende Erfahrungen in der Lebensgeschichte sowie Erlebnisse in der Kindheit können eine Rolle spielen.

Chronische Erkrankungen

Fast alle chronischen Erkrankungen stellen eine dauerhafte Belastungssituation für die Betroffenen dar und können daher Depressionen auslösen. Insbesondere ist dies bei Patienten mit Morbus Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie, Herzinfarkt, Krebserkrankungen, Schilddrüsen-Funktionsstörungen (Über- oder Unterfunktion) und Diabetes der Fall.

Lichtentzug in den Wintermonaten

Bei einer saisonalen Depression kommt es in der dunklen Jahreszeit (Herbst und Winter) zu Symptomen der Depression, die durch den Lichtentzug ausgelöst werden. Darüber hinaus leiden die Betroffenen auch häufig unter einem großen Schlafbedürfnis und Heißhunger-Attacken.

Erlernte negative Denkstrukturen

Bei vielen Betroffenen kann die depressive Symptomatik vorübergehend durch Wachtherapie (Schlafentzug) gebessert werden. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass durch ein vollständiges Vermeiden des Schlafes eine Besserung eintritt, die zwei bis drei Tage anhält.

Einigen Betroffenen, die regelmäßig in den Herbst- und Wintermonaten von depressiven Symptomen betroffen sind und zudem ein vermehrtes Schlafbedürfnis sowie auftretenden Heißhunger aufweisen, kann eine Lichttherapie von Nutzen sein. Dabei setzen sich die Betroffenen regelmäßig für 30 - 40 Minuten einer Lichtquelle aus.

Aus klinischer Erfahrung heraus kann außerdem körperliches Training empfohlen werden, um das Wohlbefinden zu steigern und depressive Symptome zu lindern.

Schlafstörungen

Wer häufig Probleme mit dem Schlaf hat, kann anfälliger für Depressionen sein. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht bei Menschen mit Schlafstörungen von einem drei- bis vierfach höheren Risiko für psychische Erkrankungen wie die Depression.

Verschiedene Formen der Depression

Die Depression ist ein Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Einzelne depressive Phasen nennt man depressive Episoden. Diese können einmalig oder wiederholt auftreten.

  • Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung (Rezidiv). Zwischen zwei depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten. 

  • Von einer Depression abzugrenzen ist die Dysthymie, eine anhaltende getrübte Stimmung, die das Befinden zwar beeinträchtigt, aber nicht so stark wie eine depressive Episode.

  • Von einer chronischen Depression spricht man, wenn die depressiven Anzeichen mehr als zwei Jahre anhalten.

  • Eine vollständige Wiederherstellung der psychischen Gesundheit nennt man Remission (Genesung). Nach einer depressiven Episode kann diese Remission auch unvollständig sein. Den Betroffenen geht es dann zwar deutlich besser als während der depressiven Episode, aber nicht ganz so gut wie zuvor.