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Bluthochdruck

Bluthochdruck

auch bekannt als: Arterielle Hypertonie

Überblick Entstehung Symptome Komplikationen Diagnose Therapie Prävention Leben mit

Therapie

Wirkungsweise, Nutzen und Risiken verschiedener Therapieverfahren. Die wichtigsten Therapieverfahren sind allgemeine Maßnahmen wie Ernährung und Bewegung sowie Medikamente.

Zur Bluthochdrucktherapie gehören Allgemeinmaßnahmen wie die Beendigung des Rauchens, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und Bewegung. Die Normalisierung des Bluthochdrucks kann in einigen Fällen bereits durch diese Maßnahmen erreicht werden. Dennoch müssen häufig zusätzlich Medikamente eingenommen werden, um den Ziel-Blutdruckwert zu erreichen.

Die vom Hausarzt vorgeschlagenen Verlaufskontrollen sollten trotz optimaler Blutdruckeinstellung ernst genommen werden. Es können neue Erkrankungen wie ein Diabetes mellitus Typ 2 auftreten, die eine Anpassung der Medikamente nötig machen. Oft muss die Therapie eines multifaktoriell bedingten Bluthochdrucks lebenslang erfolgen.

Die Therapie des sekundären Bluthochdrucks, der als Folge einer anderen Erkrankung auftritt, besteht in der Behandlung der Grunderkrankung.

Wichtiger Hinweis

Die hier vorliegenden Informationen zur Behandlung der Erkrankung beruhen auf einem strengen und aktuellen wissenschaftlichen Nachweis, der den weitgehenden Nutzen einer Behandlung gezeigt hat. Dabei ist zu beachten, dass die hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten unter bestimmten Bedingungen angepasst werden müssen.

Die persönlichen Wünsche und Lebensziele des Patienten spielen eine wichtige Rolle. Auch das Alter, der Schweregrad der Erkrankung sowie mögliche Nebenerkrankungen können die Empfehlungen mitunter stark beeinflussen. Betroffene mit Nebenerkrankungen sollten ihren Hausarzt daher unbedingt darüber in Kenntnis setzen. Außerdem sollten sie ihren Hausarzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen. Der Hausarzt wählt für seinen Patienten die passende Behandlungsform entsprechend der oben genannten Kriterien.

Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neuste oder die kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchsten Qualität einer Therapie für einen Patienten. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden.

Therapieziel

Das Ziel der Therapie ist unter Berücksichtigung von Alter und Grunderkrankungen die Senkung des Blutdrucks in den Normbereich. Durch einen erfolgreich eingestellten Blutdruck vermindert sich das Risiko für Folgekomplikationen und Organschäden, womit auch die Lebenserwartung steigt.

Es ist in der Regel mindestens eine Senkung des Blutdrucks auf Werte unter 140 mmHg (systolisch) und unter 90 mmHg (diastolisch) anzustreben. Für Patienten über 80 Jahre zeigt eine Studie einen Nutzen nur bis zu einer Absenkung systolisch bis 150 mmHg. Es ist zu beachten, dass bei Nebenerkrankungen oder in bestimmten Situationen andere Zielwerte gelten könnten.

Fachbegriffe im Überblick
Risikobewertung

Bei einem multifaktoriell bedingten Bluthochdruck steht vor Therapiebeginn die Bewertung des persönlichen Risikos. Dies ist Grundlage für eine individuell passende Therapie. Nach der Höhe des berechneten Risikos ergibt sich eine Empfehlung für die Dringlichkeit und Intensität der Therapie.

In dieser Risikobewertung werden neben der Höhe des Blutdrucks auch die Faktoren Diabetes mellitus, bereits bestehende Folge-Erkrankungen (Organschäden) und weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigt.

Der Hausarzt kann das kardiovaskuläre Gesamtrisiko einstufen. Folgende Risikofaktoren sind neben dem zu hohen Blutdruckwert dabei relevant:

  • höheres Alter (Männer >55 Jahre; Frauen >65 Jahre)

  • rauchen

  • erhöhtes Gesamtcholesterin

  • bekannter Diabetes mellitus

  • mangelnde Bewegung

  • Organschäden (zum Beispiel an Herz und/oder Nieren)

  • bereits bestehende Folge-Erkrankung (zum Beispiel Schlaganfall)
Allgemeine Maßnahmen als Basistherapie

Bei einem leicht bis mäßig erhöhten kardialen Gesamtrisiko wird zunächst eine Blutdrucksenkung durch allgemeine Maßnahmen (zum Beispiel Lebensstiländerung, wie salzarme Kost und mehr Bewegung im Alltag) angestrebt. Erst wenn diese Maßnahmen für einige Wochen bis Monate erfolglos oder unzureichend sind, wird mit einer medikamentösen Therapie begonnen. Allgemeinmaßnahmen sind immer angebracht, da sie nicht nur durch ihre Blutdrucksenkung, sondern auch durch eine Wirkungsverstärkung der Blutdruckmedikamente deren Anzahl und Dosierung vermindert.

Im Folgenden sind die wichtigsten Allgemeinmaßnahmen dargestellt. In Klammern ist das blutdrucksenkende Potential der Maßnahme, sofern in Studien untersucht, angegeben.

  • Beendigung des Rauchens: Das Rauchen stellt zusätzlich ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen dar und sollte daher unbedingt eingestellt werden.

  • Gewichtsreduktion (Senkung um 5 – 20 mmHg): Bei Unter-60-Jährigen sollte bei Übergewicht mit BMI über 25 kg/m2 eine Gewichtsreduktion erfolgen. Über-65-Jährige sollten bei einem BMI über 30 kg/m2 abnehmen.i

  • Eingeschränkter Alkoholkonsum (Senkung um 2 – 4 mmHg): Frauen sollten nicht mehr als 10 – 20 g, Männer nicht mehr als 20 – 30 g Alkohol am Tag zu sich nehmen. Dies entspricht etwa 0,25 l Wein oder zwei Gläsern Bier à 300 ml.i

  • Kochsalzarme Diät (Senkung um 2 – 8 mmHg): Die Aufnahme an Kochsalz (NaCl) sollte pro Tag 6 g nicht überschreiten.

  • Körperliche Aktivität (Senkung um 4 – 9 mmHg): Regelmäßiges leichtes Ausdauertraining (zum Beispiel schnelles Gehen für 30 min am Tag an mindestens 4 Tagen in der Woche) senkt den Blutdruck und reduziert das Herzinfarktrisiko um ca. 50 %.

  • Gesunde Ernährung (Senkung um 8 – 14 mmHg): Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch und wenig gesättigten Fetten oder Cholesterin (sogenannte mediterrane Kost) wirkt sich positiv auf den Blutdruck und auch andere kardiovaskuläre Risikofaktoren, wie Übergewicht, aus.

Eine Änderung der täglichen Gewohnheiten fällt vielen Menschen insbesondere zu Beginn der Umstellung schwer. Dann hilft es, sich bewusst zu machen, dass man mit diesen Umstellungsschwierigkeiten nicht allein ist. Außerdem ist es sehr nützlich, sich über die Vorteile der Maßnahmen bewusst zu werden. Das motiviert, am Ball zu bleiben. Allgemeine Maßnahmen haben einen sehr starken blutdrucksenkenden Effekt und sind, abgesehen vielleicht von möglichen Verletzungen durch mehr körperliche Bewegung, fast vollkommen risikofrei.

Medikamentöse Therapie

Für eine medikamentöse Therapie (Pharmakotherapie) stehen in der Standardtherapie fünf Arten unterschiedlich wirkender Blutdruckmittel zur Verügung. Dabei handelt es sich um:

  • Diuretika (zum Beispiel Torasemid oder Hydrochlorothiazid): Dies sind Substanzen, die die Harnausscheidung fördern und dadurch die Volumenbelastung des Herzens vermindern.

  • ACE-Hemmer (zum Beispiel Ramipril, Captopril, Lisinopril): Diese Medikamente hemmen das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE). Durch das Fehlen des Enzym - Produktes Angiotensin II weiten sich die Gefäße, und die Harnausscheidung wird gefördert. ACE-Hemmer sind bei Diabetikern die Mittel der ersten Wahl zur Blutdrucksenkung.

  • Angiotensin-Rezeptorblocker (zum Beispiel Losartan, Candesartan): Sartane blockieren die Wirkung des Hormons Angiotensin II und haben somit eine ähnliche Wirkung wie ACE-Hemmer.

  • Selektive Beta1-Blocker (zum Beispiel Bisoprolol, Metoprolol): Dies sind Substanzen, die selektiv am Herzen durch Verminderung der Frequenz und Schlagkraft das Herzzeitvolumen und dadurch auch den Blutdruck senken. Zusätzlich vermindern Betablocker den Sauerstoffbedarf des Herzens. Nach Absetzen von Betablockern kann es zu einem sogenannten Rebound-Hochdruck kommen.

  • Calciumkanalblocker (zum Beispiel Nitrendipin, Amlodipin): Hierbei handelt es sich um Substanzen, die Calciumkanäle in Gefäßwänden und im Herzen blockieren. Durch den verringerten Calciumeinstrom weiten sich die Gefäße und es verringert sich die Herzfrequenz und –schlagkraft. Sie können als Medikamente der zweiten Wahl zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden.

Daneben gibt es noch weitere blutdrucksenkende Medikamente, die aber in der Regel erst dann zum Einsatz kommen, wenn die Standardtherapie erfolglos bleibt.

Man unterscheidet zwischen drei verschiedenen Schemata in der Anwendung und Kombination der oben aufgelisteten Blutdruckmedikamente:

  • Stufentherapie: Es wird mit der Gabe eines einzelnen Medikaments begonnen (erste Stufe), welches bei unzureichender Wirkung mit einem zweiten (zweite Stufe) oder gar dritten (dritte Stufe) Wirkstoff kombiniert wird.

  • Primäre Kombinationstherapie: Bei Vorliegen bestimmter Grunderkrankungen oder eines stark erhöhten Blutdruckwerts werden gleich zu Beginn der Therapie zwei der oben genannten Wirkstoffe kombiniert verordnet.

  • Sequentielle Monotherapie: Hier werden die Wirkstoffe nicht kombiniert. Sie werden so lange gegeneinander ausgetauscht, bis das richtige Medikament gefunden ist, um den Blutdruck effektiv zu senken.

Die Wahl des Medikaments und des Therapieschemas richtet sich zunächst nach eventuell vorliegenden Begleit- oder Folge-Erkrankungen. Dadurch erreicht man, dass nur die absolut notwendige Anzahl an Medikamenten eingenommen werden muss.

Bei Patienten mit KHK und Blutdruckwerten über 140/90 mmHg ist eine medikamentöse Behandlung angebracht.

Alle erwähnten Medikamente können Nebenwirkungen haben. Patienten, die Medikamente einnehmen, sollten die wichtigsten und häufigsten Nebenwirkungen kennen, damit sie diese frühzeitig erkennen. Ein aufklärendes Gespräch mit dem Hausarzt zu Beginn einer medikamentösen Therapie ist hier sehr wertvoll. Allgemein lässt sich sagen, dass langfristig der Nutzen durch eingenommene Medikamente größer sein sollte, als die Beeinträchtigungen durch unerwünschte Wirkungen.

Da sich der Körper bei den meisten Patienten über die Zeit an den hohen Blutdruck gewöhnt hat, kann die Blutdrucksenkung zu Beginn einer medikamentösen Therapie zunächst zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit führen. Am Anfang der Therapie mit Medikamenten wird der Hausarzt häufiger als sonst den Blutdruck messen, um so die Wirkung der Medikamente kontrollieren und deren Dosierung gegebenenfalls anpassen zu können. Bei Therapiebeginn müssen die Patienten zunächst geduldig sein, da sich die volle Wirkung je nach Medikament in der Regel erst nach einigen Wochen einstellt.
Was zu tun ist, wenn der Blutdruck wieder normal ist

Wenn durch Allgemeinmaßnahmen und Medikamente eine Normalisierung des Blutdrucks erreicht werden kann, so heißt das nicht, dass damit eine Heilung der Erkrankung eingetreten ist. Eine Blutdrucknormalisierung erlaubt daher nicht den Verzicht auf Medikamente oder eine gesunde Ernährung. Erreicht man unter einer medikamentösen Therapie durch Allgemeinmaßnahmen eine zusätzliche Blutdrucksenkung, ist je nach Risikoprofil auch der Versuch einer Dosisreduktion möglich. Man sollte aber damit rechnen, dass trotzdem auch Monate später noch der Blutdruck wieder ansteigen kann. Man sollte daher alle weiteren Blutdruckkontrollen ernst nehmen.

Verlaufskontrollen sind generell notwendig, da im Laufe der Zeit weitere Risikofaktoren oder Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus) hinzukommen können. Diese verändern das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und machen eventuell eine Anpassung der Blutdrucktherapie notwendig.

Durch konsequentes Beibehalten der allgemeinen und medikamentösen Therapiemaßnahmen erhöhen Betroffene ihre Lebenserwartung und vermindern ihr Risiko für Folge-Erkrankungen.

Hypertensive Krise und hypertensiver Notfall

Bei einer hypertensiven Krise erreicht der Blutdruck plötzlich Werte, an die der Körper nicht gewöhnt ist. Man spricht von einer Blutdruckentgleisung. Es besteht die Gefahr, dass Organe durch den kritischen Blutdruckanstieg akut geschädigt werden.

Messen Sie sehr hohe, für Sie untypische Blutdruckwerte, sollten Sie unverzüglich Ihren Hausarzt aufsuchen oder den Notarzt rufen. Kommen auch Symptome wie Brustenge, Sehstörungen oder Luftnot hinzu, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, der eine Krankenhauseinweisung und eine intensive Therapie notwendig macht! Betroffene sollten nicht versuchen, in einer solchen Situation eigenständig durch die Mehreinnahme von Medikamenten den Blutdruck zu senken. Dies kann zu gefährlichen Komplikationen führen. Die Blutdrucksenkung muss in diesen Fällen unbedingt immer von einem Arzt durchgeführt werden!

Fachbegriffe im Überblick
Therapie bei Schwangerschaftshochdruck

Die Therapie und Behandlung eines Schwangerschaftshochdruckes findet unter (Mit-)Betreuung eines Frauenarztes statt. Da eine zu starke Blutdrucksenkung das ungeborene Kind schädigen kann, findet die Einleitung und Kontrolle der Bluthochdrucktherapie während der Schwangerschaft gegebenenfalls unter stationärer Überwachung im Krankenhaus statt. Die Auswahl und Dosierung der Medikamente wird an die spezielle Situation der Schwangerschaft und später auch der Stillzeit angepasst.

Normalerweise bildet sich ein Bluthochdruck, der während der Schwangerschaft zum ersten Mal aufgetreten ist, während der ersten Wochen bis Monate nach Entbindung spontan wieder zurück. In diesem Fall kann auf die weitere Einnahme von Medikamente verzichtet werden.

Therapie eines sekundären Bluthochdrucks

Bei einem sekundär bedingten Bluthochdruck muss die organische Fehlfunktion (zum Beispiel eine Erkrankung der Niere oder eines hormonproduzierenden Organs), oder jede andere Ursache (Medikamente, Schlaf-Apnoe-Syndrom), die für den erhöhten Blutdruck verantwortlich ist, gezielt behandelt und – sofern möglich – beseitigt werden.

Weitere Therapieverfahren

Die hier dargestellten Behandlungsverfahren entsprechen den Therapien, deren Wirksamkeit, Sicherheit und Sinn durch Studien belegt worden sind und die in den Leitlinien empfohlen werden, welche zur Erstellung dieses Texts herangezogen wurden. Unter anderem und vor allem zählt dazu die hausärztliche Leitline der Leitliniengruppe Hessen zum Thema Hypertonie (Bluthochdruck). Darüber hinaus gibt es gegebenenfalls noch weitere Therapiemöglichkeiten. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Ein unbehandelter Bluthochdruck erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die beschriebenen Folge-Erkrankungen und Komplikationen, wie zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nieren- oder Augenschäden, früher und häufiger auftreten.