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Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall

Auch bekannt als: Discus prolaps oder Bandscheibenprotrusion

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Diagnose

Der Verdacht eines Bandscheibenvorfalls lässt sich meist aus den vom Patienten geschilderten Symptomen im Arztgespräch erheben. In der nachfolgenden Untersuchung zeigen sich typische Auffälligkeiten. Zur Diagnosestellung werden darüber hinaus bildgebende Verfahren benötigt. 

Die vom Patienten im ärztlichen Gespräch geäußerten Beschwerden müssen mit den Ergebnissen der Untersuchung sowie mit den bildgebenden Verfahren übereinstimmen. Nach dem ärztlichen Gespräch dient die klinische Untersuchung der genaueren Beschreibung der Symptome, wie Schmerz, Missempfindungen, Taubheit oder Lähmungen. Zusätzlich kann der Ort des Bandscheibenvorfalls (die betroffene Nervenwurzel) genauer eingeschätzt werden. Erst im Anschluss daran findet eine Diagnostik mit weiteren Geräten statt. Hierbei werden am häufigsten bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt, verwendet.

Untersuchungstechniken

Untersuchung von Empfindungsstörungen

Zur genaueren Untersuchung von Empfindungsstörungen (Sensibilitätsausfälle) lassen sich verschiedene Verfahren für die unterschiedlichen Sinneseindrücke, für welche die Haut zuständig ist, verwenden. Hierunter fällt die Prüfung des Tast- und Vibrationssinns, sowie des Kälte- und Wärmeempfindens. Die folgenden Untersuchungen sollten vor und nach erfolgter Therapie erhoben werden, um den Erfolg zu messen:

  • Der Tastsinn lässt sich mit zwei Nadeln untersuchen: der geringste Abstand, der bei einer Berührung mit beiden Nadeln noch wahrgenommen wird (2-Punkt-Abstand), nimmt bei Nervenschädigung ab.

  • Das Vibrationsempfinden lässt sich mit Stimmgabeln überprüfen. Die Stimmgabel wird angeschlagen und schwingend auf die Haut gesetzt. Geringere Intensitäten der Vibration werden bei Ausfällen nicht mehr wahrgenommen.

  • Wärme- und Kälteempfinden können mit zwei Röhrchen, gefüllt mit kaltem und warmem Wasser, überprüft werden. Werden die Röhrchen auf die Haut gehalten, lassen sich Störungen des Temperaturempfindens entlang der Dermatome feststellen.

Nervendehnung – häufige Ursache von Schmerzen

Bei folgenden Untersuchungen wird eine Nervendehnung vorgenommen und somit ein Schmerz provoziert. Auch diese Untersuchungen dienen einerseits der Eingangsuntersuchung, andererseits im Behandlungsverlauf zur Überprüfung der Therapiewirksamkeit:

  • Beim Vorwärtsbeugen ist der Finger-Boden-Abstand aussagekräftig, zusätzlich muss überprüft werden, ob ein seitwärts oder Rückwärtsbeugen des Rumpfes Schmerzen auslöst.

  • Lasègue: In Rückenlage kommt es beim Beugen des Beines bei gestrecktem Knie zu Schmerzen vom Gesäß bis in die Rückseite des Beines.

  • Im Lendenbereich wird geschaut, ob Druck neben der Wirbelsäule Schmerzen auslöst.

Weitere Untersuchungen

  • Auch Änderungen das Gangbildes sind typisch für einige Bandscheibenvorfälle.

  • Ist der Zehenspitzen- und Fersengang nicht möglich, spricht dies auch für einen Bandscheibenvorfall.

  • Trendelenburg-Zeichen: beim Heben des Beines auf der gesunden Seite sinkt die Hüfte auf der Gegenseite ab.

Schmerzhafte Druckpunkte: Wade, Kniekehle, Hinterseite des Oberschenkels und des Gesäßes (Valleixsche Druckpunkte)

Reflexprüfung

Die Reflexprüfung dient der Beurteilung des Nervenzustandes. Zur Untersuchung wird mit einem Reflexhammer leicht gegen die Sehne eines Muskels gehauen. Bei intaktem Nerv vom und zum entsprechenden Muskel tritt die typische unwillkürliche und manchmal als unangenehm empfundene Anspannung des Muskels auf. Veränderungen zeigen sich bei Verletzungen von Nerven oder des Rückenmarks. Sie sind bei einem einseitigen Bandscheibenvorfall gegenüber der Gegenseite abgeschwächt. Untersucht werden hierbei:

  • Der Kniesehnenreflex: mit leichtem Druck durch den Reflexhammer wird auf die Sehne unter der Kniescheibe gehauen. Durch diesen Reflex lässt sich die Nervenwurzel L4 einschätzen.

  • Der Achillessehnenreflex: Bei entspanntem Fuß wird Druck auf die Achillessehne ausgeübt.

  • Der Bizepssehnenreflex: Die Bizepssehne verläuft in der Ellenbeuge, sodass bei Druck auf die Sehne der Unterarm gebeugt wird. Ein Ausfall bei einem Bandscheibenvorfall lässt auf die Nervenwurzel C6 schließen

  • Der Trizepssehnenreflex: um den Trizepssehnenreflex auszulösen wird auf die Sehne oberhalb des Ellenbogens gedrückt. Ein Ausfall zeigt eine Schädigung der Nervenwurzel C7

Bildgebende Verfahren

Heutzutage werden für die Diagnose des Bandscheibenvorfalls hauptsächlich die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt, angewandt.

Die CT arbeitet wie das klassische Röntgen mit Röntgenstrahlen und misst die Abschwächung der Stärke der Röntgenstrahlen, wenn diese durch den Körper treten. Im Unterschied zum herkömmlichen Röntgen werden hierbei Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln gemacht. Das Gesamtbild, das hierbei entsteht, zeigt den Körper in vielen kleinen Schichten, wobei die Farben auf den Bildern im Groben denen eines Röntgenbildes entsprechen: Knochen ist weiß, Luft schwarz abgebildet. Muskeln und Nerven liegen dazwischen und werden grau abgebildet. Unterschiede zwischen Muskeln, Nerven aber auch Fettgewebe können hierbei nicht eindeutig erkannt werden. Daher eignet sich die CT zur Beurteilung der knöchernen Strukturen, um bspw. die Weite des Wirbelkanals oder Knochenbrüche zu erkennen.

Die MRT trägt weit mehr zur Diagnosestellung bei. Hierbei ist die Strahlenbelastung deutlich geringer, da keine Röntgenstrahlen benutzt werden. Durch einen magnetischen Impuls werden Wassermoleküle angeregt und aus ihrem Ruhezustand gelöst. Die Zeit bis sich die Wassermoleküle wieder in ihrem Ursprungszustand befinden ist für fast jedes Gewebe unterschiedlich und ermöglicht somit deren Unterscheidung.

Die MRT kann nicht bei allen Patienten verwendet werden. Auf Grund der starken Magnetfelder, die für die Untersuchung verwendet werden, treten Wechselwirkungen mit Metallen auf. Herzschrittmacherpatienten dürfen keiner MRT Untersuchung unterzogen werden, da sich die Schrittmacher stark erhitzen können und zu Gewebeschäden führen. Die MRT Untersuchung bei Patienten mit Metallimplantaten scheint weniger problematisch, da neue Legierungen weniger magnetisch sind und durch die Größe der Implantate keine starke Erwärmung im umliegenden Gewebe stattfindet. Die MRT Untersuchung ist zudem nicht aussagekräftig, wenn bereits eine Voroperation im Untersuchungsgebiet stattfand und ein Metallimplantat eingesetzt wurde. In seltenen Fällen wird dann eine Röntgenaufnahme, bei der ein Kontrastmittel um das Rückenmark gespritzt wird, nötig (Myelographie).