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Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie

Zielgerichteter Veränderungsprozess

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Kritik an der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist wissenschaftlich-pragmatisch orientiert. Sie integriert Ansätze, die sich durch Kontrollen als wirksam und wissenschaftlich begründbar erwiesen haben. Dennoch ist sie auch heute noch vielseitiger Kritik ausgesetzt.

Der Verhaltenstherapie wird „Kaltherzigkeit“, Neigung zur Manipulation, fehlende Ganzheitlichkeit, die Stärke der Interventionen durch den Therapeuten und die Art ihrer Überprüfungsmethoden vorgeworfen. Auch der Vorwurf, die Verhaltenstherapie nehme den Menschen als deutlich mehr veränderbar an als er wirklich ist, schwebt häufig im Raum.

Zu bedenken gilt in jedem Fall, dass allen Veränderungstechniken, die auf mentalem Weg versuchen, Verhalten und Denkweisen zu verändern, Grenzen gesetzt sind. Ein Allheilmittel kann auch die Verhaltenstherapie nicht bieten. Bewertungen von Situationen und Gegebenheiten können jedoch zum Beispiel mit der nötigen Selbsterkenntnis und Einsicht erfolgreich geändert werden und neues Wissen und neue Fertigkeiten kann der Mensch ein Leben lang erlernen.

Mensch als Maschine

Der Verhaltenstherapie wird von ihren Kritikern vorgeworfen, ihre Methoden resultierten aus einem mechanistischen Bild vom Menschen. Der Verhaltenstherapeut würde gleich einem Mechaniker versuchen, mithilfe eines Konstruktionsplans und dem Feilen an bestimmten Teilen einer Maschine, menschliche Probleme zu Lösen.

Die Verhaltenstherapie hält dem entgegen, dass sie auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse über den Menschen handelt. Die Erforschung des menschlichen Verhaltens hat das Ziel, Gesetzmäßigkeiten und Regelmäßigkeiten aufzuspüren und die Ursachen für diese zu finden. Ein guter Therapeut kann trotz gewisser Richtlinien die Individualität und die Autonomie seiner Patienten akzeptieren.

Manipulation

Es gibt Kritiker, die der Verhaltenstherapie einen Willen zur Manipulation unterstellen. Dies geht so weit, dass es Behauptungen gibt, die Verhaltenstherapie stünde im Dienst des Staates. Menschen, die „anders“ seien, würden als krank bezeichnet und durch die Therapie mit Hilfe von Strafe und Belohnung in die Gesellschaft eingepasst.

Diese Kritiker übersehen, dass die Therapieziele in der Verhaltenstherapie maßgeblich vom Patienten bestimmt werden und dass vom Patienten empfundener Leidensdruck gemindert oder geheilt werden soll. Ein guter Verhaltenstherapeut gestaltet den Therapieverlauf transparent und nachvollziehbar und ist bemüht, sein Vorgehen verständlich zu erklären. Zudem geben Verhaltenstherapeuten ihren Patienten Verfahren mit auf den Weg, mit denen sich die Patienten so unabhängig wie möglich selbst helfen können.

Mangelnde Ganzheitlichkeit

Ein Vorwurf an der Verhaltenstherapie ist, sie sei zu sehr auf wenige Symptome konzentriert und würde nicht den Menschen als Ganzes in den Fokus rücken. Entstammt die Verhaltenstherapie auch der Tradition des Behaviorismus, so berücksichtigt sie nicht nur beobachtbares Verhalten, sondern auch Gedanken, Gefühle, biologische Reaktionen, physische Krankheiten, vergangene und aktuelle Erfahrungen und das soziale Umfeld der Patienten.

Stärke der Interventionen

Einige Kritiker der Verhaltenstherapie meinen, die Methoden seien häufig zu früh zu stark. In der Verhaltenstherapie gibt es sanftere Methoden. Diese unterscheiden sich für Laien kaum von einer Gesprächstherapie. Es gibt jedoch auch Methoden, bei denen die Patienten stark belastet werden. Doch in jedem Fall wird die Entscheidung für die Methode mit dem Patienten gemeinsam getroffen und ist abhängig von der Art und der Schwere der psychischen Probleme.

Kritik an der Form der Überprüfung

Viele Theorien verhaltenstherapeutischer Methoden stützen sich auf Ergebnisse von Tierexperimenten oder auf Untersuchungen an relativ gering gestörten Personen. So bezweifeln Kritiker die Übertragbarkeit dieser Untersuchungsergebnisse auf psychisch schwer gestörte Patienten.

Aus ethischen und moralischen Gründen ist es häufig nicht anders möglich, zu Erkenntnissen zu gelangen. Untersuchungen an schwer gestörten Testpersonen, die dringend schneller Hilfe bedürfen, sind nicht durchführbar. Denn dadurch müssten diesen Patienten verschiedene Behandlungsmethoden zugewiesen werden, von denen einige möglicherweise weniger wirksam oder gar unwirksam sein könnten und den Leidensweg in die Länge zögen.