Startseite > Gesund Leben > Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich

Gesund Leben: Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich

Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich

auch bekannt als: Kreuzschmerzen - Lumbago

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden in Deutschland. Sie können ganz verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen kann aber nicht genau gesagt werden, woher sie kommen. Die gute Nachricht: Meistens liegen den Schmerzen daher keine ernsten Auslöser zugrunde und meistens gehen sie nach kurzer Leidenszeit von selbst wieder weg.


Entstehung der Krankheit

mehr

Übersicht

  • Sie leiden auch unter Rückenschmerzen oder möchten aktiv vorbeugen? Das Coaching Gesunder Rücken von HausMed ist ein onlinebasiertes Gesundheitstraining über 12 Wochen und unterstützt Sie mit vielen Tipps und effizienten Übungen. Mehr erfahren

Warum es zu Rückenschmerzen kommt, kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Die Tatsache, dass sich diese Ursachen in unterschiedlichem Ausmaß miteinander verbinden können, führt zu sehr komplexen Zusammenhängen. Kurzum, oft findet man keine eindeutige Ursache für den Rückenschmerz. Gemeinsam ist den verschiedenen Ursachen allein die Auswirkung, die sie haben: Die Betroffenen haben Rückenschmerzen. Ganz egal, ob diesen vor allem körperliche, psychische oder soziale Auslöser zugrunde liegen, oder eine Kombination daraus.

Die Tatsache, dass Rückenschmerzen durch so viele verschiedene Faktoren entstehen können, entspricht dem Verständnis eines biopsychosozialen Krankheitsmodells. Diese unterschiedlichen Faktoren sind dementsprechend bei Diagnose und Therapie der Rückenschmerzen zu berücksichtigen. Bei manchen Patienten erfordert dies besondere Aufmerksamkeit, da psychosoziale Faktoren in diesen Fällen einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und Prognose dieser Erkrankung haben.

Rückenschmerz kann nach Ursache, Schweregrad, Dauer und – bei chronischen Fällen – Stadium der Chronifizierung klassifiziert werden.

Nichtspezifischer und spezifischer Kreuzschmerz

Entsprechend der Ursache kann nichtspezifischer und spezifischer Kreuzschmerz unterschieden werden. Bei nichtspezifischem Kreuzschmerz lassen sich keine eindeutigen Hinweise auf eine spezifische Ursache erkennen. Dagegen hat spezifischer Kreuzschmerz eine feststellbare Ursache, wie zum Beispiel eine Infektion, einen Tumor, Osteoporose, eine Fraktur oder einen Bandscheibenvorfall. In älteren Studien konnte nur für 15 % der Fälle eine spezifische Ursache für das Symptom Kreuzschmerz gefunden werden.

Zeitlicher Verlauf der Schmerzen

Bezüglich des zeitlichen Verlaufs wird akuter, subakuter, chronischer und chronisch wiederkehrender (rezidivierender) Kreuzschmerz unterschieden. Unter akutem Kreuzschmerz werden Schmerzepisoden, die weniger als sechs Wochen anhalten, zusammengefasst. Schmerzepisoden, die länger als sechs Wochen bestehen, werden subakut genannt.

Wenn die Symptome schon länger als zwölf Wochen bestehen, ist von chronischem, beziehungsweise chronisch rezidivierendem Kreuzschmerz die Rede. Die Schmerzintensität kann während dieser Perioden variieren. Rezidivierender Kreuzschmerz sind Schmerzepisoden im beschriebenen Rückenbereich, die nach einer symptomfreien Phase von mindestens sechs Monaten wieder auftreten.

Anatomie des Rückens

Der Rücken besteht vor allen Dingen aus der Wirbelsäule, die das Rückenmark umgibt, und den Rückenmuskeln. Die Rückenmuskeln sind in verschiedenen Schichten an der Wirbelsäule befestigt. Die Knochen, aus denen die Wirbelsäule besteht, heißen Wirbel. Diese sind über mehrere Gelenkstrukturen und Bänder miteinander verbunden und durch die Bandscheiben voneinander getrennt. Weitere knöcherne Strukturen im Bereich des Rückens sind die Schulterblätter und Rippen. Daneben besteht der Rücken unter anderem aus Nerven, Blut- und Lymphgefäßen.

Bewegungssegment

Die kleinste funktionelle Einheit der Wirbelsäule ist ein Bewegungssegment. Dieses besteht aus zwei aneinander angrenzenden Wirbelkörpern, der Bandscheibe und den Wirbelgelenken dazwischen sowie den Muskeln, Nerven und Bändern, die die beiden Wirbelkörper umgeben. Ein solches Segment erlaubt Bewegungen der Wirbelsäule. Die Beweglichkeit ist nicht in allen Abschnitten der Wirbelsäule gleich.

Aufbau der Wirbelsäule

Menschen werden mit 33 einzelnen Wirbeln geboren. Als Erwachsene haben die meisten aber nur noch 24 separate Wirbel, da die Wirbel am unteren Ende der Wirbelsäule im Normalfall mehr oder weniger miteinander verschmelzen. Unter anderem deswegen sind Babys und Kinder sehr viel beweglicher als Erwachsene.

Die Wirbelsäule ist am unteren Ende mit den Hüftknochen und am oberen Ende mit den Schädelknochen verbunden. Sie besteht aus fünf unterschiedlichen Abschnitten: Von oben nach unten aufgezählt der Halswirbelsäule, der Brustwirbelsäule, der Lendenwirbelsäule, dem Kreuzbein und dem Steißbein. Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Teil und besteht aus sieben einzelnen Wirbeln. Die oberen beiden sind ganz besonders geformt, damit sie den Schädel tragen können, und heißen Atlas und Axis.

Die Brustwirbelsäule ist mit zwölf Wirbeln der längste Teil, aber relativ unbeweglich, da sie in Verbindung mit den Rippen steht und zusammen mit ihnen und dem Brustbein den Brustkorb bildet, der vor allem das Herz und die Lunge schützt. Der nächstuntere Teil ist wieder sehr beweglich und besteht aus fünf Wirbeln. Die Wirbel werden von oben nach unten immer größer, da die unteren Wirbel der Lendenwirbelsäule mehr Kräfte aufnehmen müssen, als die weiter oben liegenden Abschnitte.

Im Kreuz- und Steißbein sind neun Wirbel schließlich zu zwei mehr oder weniger festen Knochenplatten verschmolzen. Das dreieckige Kreuzbein stellt die Verbindung zu den Hüftknochen her und schützt dicke Nervenbahnen, die die unteren Körperregionen versorgen, während das Steißbein keine wichtige Bedeutung hat, und auch keinerlei Nervenbahnen umgibt.

Bandscheiben

Die Bandscheiben spielen eine Rolle, wenn es um die Beweglichkeit der Wirbelsäule geht. Sie dienen aber auch als Stoßdämpfer, die durch ihre flexible Konsistenz Stöße und Vibrationen abfedern können, die beispielsweise durch Gehen, Rennen oder Springen ausgelöst werden. Eine Bandscheibe ist ein ovales Gebilde, das außen von einer faserigen Hülle umgeben wird, dem Anulus fibrosus, und in der Mitte einen weichen Kern hat, den Nucleus pulposus. Der Anulus fibrosus verbindet die Wirbelkörper miteinander und verhindert, dass der gallertige, schwammartige Nucleus pulposus auslaufen kann und damit seine dämpfenden, federnden Eigenschaften verliert.

Rückenmark

Nerven, die das Gehirn mit dem Körper verbinden, bilden das Rückenmark, das von den Wirbeln schützend umgeben wird. Aus dem Rückenmark zweigen auf Höhe jedes Wirbels Nerven ab, die sich weiter im Körper aufteilen und so sowohl Muskeln als auch Organe versorgen. Die Nerven leiten Befehle des Gehirns. Diese können sowohl bewusst als auch unbewusst sein. Die Nerven leiten aber umgekehrt auch Informationen aus dem Körper ins Gehirn. Zu diesen Informationen gehört auch die Schmerzinformation.

Rückenschmerzen durch Störungen der Anatomie

Der Rücken mit allen seinen Bestandteilen ist eine geniale Konstruktion, die allerdings auch sehr komplex und daher fehleranfällig ist. Bereits kleine Schäden können sich daher unangenehm bemerkbar machen. Aufgrund der vielen ineinander wirkenden Anteile im Rückenbereich kann allein schon aus rein anatomischer Sicht eine ganze Fülle verschiedenster Ursachen für Rückenschmerzen verantwortlich sein.

Muskelspasmen

Eine häufige Ursache für Rückenschmerzen sind Muskelspasmen. Eine falsche Bewegung im Rücken kann dazu führen, dass einzelne Muskeln, Bereiche davon oder ganze Muskelgruppen „zumachen“ und mitunter starke Schmerzen verursachen. Da der Schmerz dann typischerweise plötzlich einschießt, spricht man im Volksmund auch von einem „Hexenschuss“.

Manchmal reicht schon ein Niesen, Husten oder das Herunterbücken zum Schuhe binden, um einen Muskelspasmus auszulösen. Es kann aber auch dazu kommen, wenn ein schwerer Gegenstand gehoben wird, vor allem dann, wenn die falsche Hebetechnik angewendet wird. Muskelspasmen neigen dazu, mit der Zeit von selbst wieder abzuklingen. Schwerere Fälle bedürfen unter Umständen einer Behandlung.

Verletzungen – die plötzliche Zerstörung

Nach Unfällen oder Verletzungen im Bereich des Rückens kann es infolge von nicht wieder rückgängig zu machenden Zerstörungen von Bestandteilen des Rückens zu langandauernden oder permanenten Rückenschmerzen kommen.

Abnutzungserscheinungen – Schäden im Verlauf der Zeit

Der Rücken mitsamt allen seinen Strukturen ist großen Belastungen ausgesetzt. Beim Gehen, Rennen und vor allem beim Springen oder der Landung auf den Füßen nach einem Fall entstehen enorme Kräfte. Beim Laufen oder Joggen wirkt bei jedem Schritt eine Aufprallkraft in der Wirbelsäule, die etwa das Dreifache des Körpergewichts ausmacht. Aufgrund dieser starken Beanspruchung treten Abnutzungserscheinungen auf, die ersten schon ab einem Alter von 20 Jahren. So kann es mit der Zeit, genauso wie bei einer plötzlichen Verletzung, zu nicht wieder rückgängig zu machenden Zerstörungen von Bestandteilen des Rückens kommen.

Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann durch eine plötzliche Verletzung entstehen. Der häufigste Fall sind allerdings Abnutzungserscheinungen. Bei einem Bandscheibenvorfall hält der faserige, äußere Ring der Bandscheibe (Anulus fibrosus) den Belastungen nicht länger Stand und reißt ein, so dass die gallertartige Masse im Zentrum der Bandscheibe (Nucleus pulposus) auslaufen kann. Die auslaufende Masse kann auf die Nerven im Rückenmarksbereich drücken und so ebenfalls zu Schmerzen oder anderen Symptomen, wie Lähmungen, Taubheitsgefühlen oder Funktionsstörungen von Organen, führen.

Osteoporose

Die meisten Menschen haben ihre höchste Knochendichte im Alter von 20 Jahren, während sie bis zu ihrem 65. Lebensjahr etwa ein Drittel davon wieder verlieren. Junge Erwachsene haben also besonders stabile Knochen, während ältere Menschen zunehmend anfällig werden für Knochenbrüche. Die Knochendichte sinkt also mit zunehmendem Alter auch im Normalfall, ohne dass es sich um Osteoporose handelt. Wenn die Knochendichte eines Menschen allerdings auch für seine Alters- und Geschlechtsgruppe deutlich zu niedrig ist, spricht man von Osteoporose.

Menschen mit Osteoporose sind besonders gefährdet, Knochenbrüche zu erleiden. Davon sind auch die Wirbel betroffen, die bei Osteoporose spontan oder aufgrund geringfügiger Einwirkungen brechen können. Das ist der Fall, wenn ihre Struktur stark geschwächt ist. Dann können sie nicht länger die Belastungen, die auf die Wirbelsäule einwirken, auffangen. Dadurch kann es ebenfalls zu Rückenschmerzen bis hin zu Lähmungen und Gefühlsstörungen kommen. Darüber hinaus kann es bei Osteoporose zur Ausbildung eines Buckels kommen.

Die gängigste und sicherste Methode zur Bestimmung der Knochendichte und damit zur Diagnostik einer Osteoporose ist die sogenannte DXA-Methode. Sie ist mit einer vergleichsweise geringen Strahlenbelastung verbunden. Die Sonographie ist im Gegensatz dazu als Messmethode umstritten und die sogenannte QCT-Methode ist mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden.

Infektionen und Geschwülste

Sehr seltene Ursachen für Rückenschmerzen sind Entzündungen (0,01 % der Fälle) oder Geschwulstbildungen (0,7 % der Fälle) im Rückenbereich, insbesondere dann, wenn diese die Wirbelsäule betreffen. Eine Infektion der Wirbelknochen ist eine Form von Osteomyelitis. Eine Infektion der Bandscheiben bezeichnet man als Discitis.

Geschwülste und Tumoren können sich sehr selten direkt in der Wirbelsäule bilden. Viel häufiger entstehen sie aber als Aussaat eines bösartigen Tumors in einem anderen Bereich des Körpers (Metastase). Daher sind Rückenschmerzen bei Menschen, die einmal eine Krebserkrankung durchgemacht haben, besonders ernst zu nehmen. Das gilt insbesondere für Brust- und Prostatakrebs. Ansonsten sind Infektionen und Geschwülste als Ursache von Rückenschmerzen aber extrem selten.

Schäden an den Verbindungsstellen der Wirbelsäule mit der Hüfte

Besonderes Augenmerk ist auf Abnutzungserscheinungen der Kreuz-Darmbein-Gelenke zu richten. Diese Gelenke verbinden die Wirbelsäule, genauer gesagt das Kreuzbein (Os sacrum), mit dem Darmbein der Hüftknochen, das auf beiden Seiten, rechts und links, jeweils als Os ilium bezeichnet wird. Anders als andere Gelenke im Körper wie das Knie- oder das Ellenbogengelenk erlauben die Gelenkverbindungen zwischen dem Kreuzbein und den Darmbeinen kaum Bewegungen. Wenn diese Gelenke sich abnutzen oder verletzt werden, kann es zu sehr starken Schmerzen kommen, die typischerweise auch ins Gesäß und in die Beine fortgeleitet werden.

Fibromyalgie

Das Fibromyalgie-Syndrom (Faser-Muskel-Schmerz) ist eine schwere chronische Erkrankung, die ebenfalls für Rückenschmerzen verantwortlich sein kann. Sie ist gekennzeichnet von weit verbreiteten Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Körper, mit wechselnder Lokalisation. Von den Schmerzen ist häufig auch der Rücken betroffen. Häufig kommen viele andere Symptome hinzu, wie beispielsweise Müdigkeit, Schlafstörungen, Morgensteifigkeit oder Konzentrations- und Antriebsschwäche.

Den Patienten gemeinsam scheint eine gegenüber Gesunden unterschiedliche Schmerzwahrnehmung zu sein. Gleichzeitig werden in der Regel – wenn überhaupt – nur geringe krankhafte Organbefunde beobachtet und der Verlauf der Fibromyalgie ist nur selten gefährlich. Die Diagnose der Erkrankung bereitet Schwierigkeiten. Dadurch bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit schwerwiegenden, aber schnell und intensiv zu behandelnden Krankheiten, wie beispielsweise rheumatoide Arthritis.

Erkrankungen der Niere, insbesondere Nierensteine

Nierensteine können Rückenschmerzen verursachen, da die Nieren sehr nah unter der Rückenoberfläche liegen – etwa auf der Höhe des Übergangs von der Brust- in die Lendenwirbelsäule. Der durch Nierensteine ausgelöste Eingeweide-Schmerz strahlt deswegen leicht in den Rücken aus. Dementsprechend können auch andere Nierenerkrankungen wie Nierenbeckenentzündungen Schmerzen verursachen, die in den Rücken ausstrahlen.

Gynäkologische Ursachen für Rückenschmerzen

Während der Schwangerschaft sind Frauen deutlich anfälliger für Rückenschmerzen, da sich die Belastungen auf die Wirbelsäule durch das wachsende Kind ständig vergrößern. Des Weiteren haben Patientinnen mit Endometriose häufig Rückenschmerzen. Bei dieser Erkrankung bildet sich Gebärmutter-Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Viele Frauen haben außerdem während ihrer Monatsregel teilweise sehr starke Kreuzschmerzen.

Psychische Ursachen

Psychische Faktoren können Rückenschmerzen (mit-)auslösen und haben einen entscheidenden Einfluss auf die Dauer und den Schweregrad. Verschiedene psychische Belastungen wie Schlaflosigkeit oder Erkrankungen, wie Depression, Angststörungen oder psychosomatische Erkrankungen, können zu Stress führen. Stress hat bei vielen Menschen neben anderen negativen Wirkungen den Effekt, dass sich die Rückenmuskulatur verspannt und schmerzhaft wird. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass Schmerzen selbst bedeutsame Stressverursacher sind. Rückenschmerzen können sich also auf diese Weise selbst verstärken und aufrechterhalten.

Soziale Auslöser

Aufgrund von ungünstigen Bedingungen in ihrer Umwelt oder aufgrund ihres Berufs sind manche Menschen stärker gefährdet an Rückenschmerzen zu erkranken als andere. Daher ist es besonders wichtig, dass Menschen, die in stark den Rücken beanspruchenden Berufen arbeiten, ihren Arbeitsplatz ergonomisch gestalten und richtige Hebetechniken beherrschen. Aber auch in der Freizeit sind diese Regeln zu beachten. Darüber hinaus können bestimmte soziale Umstände im privaten oder beruflichen Umfeld zu Stress und Verspannungen führen und somit Rückenschmerzen auslösen.

Sozioökonomische Bedeutung von Kreuzschmerzen

Kreuzschmerz gehört zu den teuersten Erkrankungen in den industrialisierten Ländern. In Deutschland verursacht er, nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes aus dem Jahr 2006, direkte Kosten in Höhe von 8,4 Milliarden Euro pro Jahr. Nach internationalen Schätzungen gehen etwa 85 % der Gesamtkosten auf das Konto des durch Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit bedingten Produktivitätsausfalls, rund 15 % werden für die medizinische Behandlung aufgewendet. Kreuzschmerz führt seit Jahren die Statistiken der Anlässe für Arbeitsunfähigkeit und medizinische Rehabilitation an. Als Ursache vorzeitiger Berentung sind sie in den letzten Jahren allerdings vom ersten auf den dritten Platz gerückt.


Symptome

mehr

Übersicht

Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich können in ihrer Stärke und auch in ihrer Qualität (zum Beispiel stechend, dumpf, brennend) variieren. In der Regel sind sie unangenehm, aber harmlos. Es gibt aber einige Fälle, in denen ärztliche Hilfe gesucht werden sollte. Dazu gehört das Auftreten bestimmter Warnzeichen oder das Vorhandensein von Rückenschmerzen unmittelbar oder kurze Zeit nach schwereren Unfällen oder Verletzungen.

Arzt bei diesen Begleitsymptomen umgehend aufsuchen

  • vorangegangene schwerwiegende Verletzung, wie zum Beispiel durch Auto- oder Sportunfall oder Sturz aus größerer Höhe
  • bei älteren Menschen oder Osteoporosepatienten auch bei vorangegangenen Bagatellverletzungen
  • längerfristiger Einnahme von Kortisonmedikamenten
  • im höheren Alter
  • wenn eine Tumorerkrankung vorliegt oder in der Vergangenheit vorlag
  • bei Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, rascher Ermüdbarkeit
  • wenn der Schmerz in Rückenlage zunimmt
  • bei starkem nächtlichem Schmerz
  • bei Fieber oder Schüttelfrost
  • nach durchgemachter bakterieller Infektion
  • bei Drogenkonsum (vor allem intravenös, wie Heroin-Spritzen)
  • bei Immunsuppression (zum Beispiel HIV-Infektion, AIDS, Einnahme immunsuppressiver Medikamente, wie nach Organtransplantation)
  • bei konsumierenden Grunderkrankungen (zum Beispiel Tuberkulose)
  • bei kürzlich zurückliegender Infiltrationsbehandlung an der Wirbelsäule
  • bei straßenförmig in ein oder beide Beine ausstrahlenden Schmerzen (gegebenenfalls verbunden mit Gefühlsstörungen, wie Taubheitsgefühlen oder Kribbeln im Schmerzausbreitungsgebiet oder Schwächegefühl)
  • bei plötzlich einsetzender Blasen-/Mastdarmstörung, was sich beispielsweise in plötzlichem Urinverhalt, vermehrtem Wasserlassen oder Inkontinenz äußern kann
  • im Falle von Gefühlsstörungen in der Schamgegend oder im Bereich des Anus
  • bei ausgeprägten oder zunehmenden Lähmungen oder Gefühlsstörungen in den Beinen
  • bei Nachlassen des Schmerzes unter zunehmender Lähmung

Komplikationen

mehr

Übersicht

Die Genesungsrate des akuten Kreuzschmerzes beträgt innerhalb von sechs Wochen 90 %. 2 bis 7 % der Betroffenen entwickeln dennoch chronischen Schmerz. Der chronische Verlauf und damit verbundene Einschränkung ist die einzige Komplikation der Rückenschmerzen selbst. Alle anderen denkbaren Komplikationen hängen von der Ursache der Rückenschmerzen ab. Bei besonders schwerwiegenden Ursachen sind vor allem Lähmungen und Gefühlsstörungen denkbar. Im Vergleich zu schmerzfreien Befragten geben Personen mit Kreuzschmerz außerdem häufiger eine oder mehrere weitere Erkrankungen (Komorbiditäten) an.

Risikofaktoren für die Chronifizierung eines akuten Kreuzschmerzes

Studien zur Chronifizierung haben gezeigt, dass psychosoziale Faktoren für den Krankheitsverlauf vom Kreuzschmerz eine entscheidende Rolle spielen. Diese psychosozialen Risikofaktoren sind für den Übergang von akuten zu chronischen Verläufen von zentraler Bedeutung. Es ist wichtig, Betroffene mit einem hohen Chronifizierungsrisiko durch psychosoziale Faktoren frühzeitig zu erkennen, um sie so früh wie möglich gezielt behandeln zu können. Im Folgenden sind einige gut belegte Risikofaktoren für die Chronifizierung von Kreuzschmerz aufgezählt.

  • Depressivität und Stress (vor allem in Bezug auf den Beruf beziehungsweise die Arbeit)

  • schmerzbezogene Gedankenstrukturen (zum Beispiel Überbewertung der Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund der Schmerzen ein negatives Ereignis eintreten könnte, Hilf-/Hoffnungslosigkeit)

  • passives Schmerzverhalten (beispielsweise ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten)

  • Gedankenunterdrückung

  • überaktives Schmerzverhalten: beharrliche Arbeitsamkeit, suppressives Schmerzverhalten

  • Neigung zur Äußerung psychischer Beschwerden und Belastungen durch körperliche Symptome (Somatisierung)

Risikomerkmale, die erst mal unabhängig vom Schmerz sind, können theoretisch schon am ersten Tag erfasst werden, an dem ein Betroffener den Arzt aufsucht. Zu diesen schmerzunabhängigen Risikofaktoren gehören zum Beispiel Depressivität oder Unzufriedenheit am Arbeitsplatz.

Schmerzbezogene Risikomerkmale, wie beispielsweise schmerzbezogene Gedankenstrukturen oder risikoerhöhendes Schmerzverhalten, setzen dagegen voraus, dass die Betroffenen eine Zeitlang Erfahrung mit den Schmerzen gemacht haben.

Risikofaktoren 2

Weitere, aber bislang weniger gut belegbare Risikofaktoren für die Chronifizierung von Kreuzschmerz sind außerdem im beruflichen Umfeld zu suchen:

  • überwiegend körperliche Schwerarbeit (Tragen, Heben schwerer Lasten)
  • überwiegend monotone Körperhaltung am Arbeitsplatz
  • überwiegende Exposition gegenüber Vibrationen bei der Arbeit
  • geringe berufliche Qualifikation
  • berufliche Unzufriedenheit
  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • Mobbing

Darüber hinaus kann die ärztliche Versorgung der Kreuzschmerzen ebenfalls das Chronifizierungsrisiko erhöhen. Auch diese Faktoren sind weniger gut belegt:

  • mangelhafte Respektierung vieler verschiedener möglicher Ursachen für Kreuzschmerzen (körperliche, psychische, soziale)

  • Überbewertung von Befunden in Röntgen- oder Kernspinbildern bei unspezifischen Schmerzen, denn degenerative Veränderungen der Strukturen der Wirbelsäule treten regelhaft auf

  • lange, unreflektierte Krankschreibung

  • Förderung passiver Therapiekonzepte

  • übertriebener Einsatz diagnostischer Maßnahmen

Andere Risikofaktoren, die möglicherweise einen Einfluss auf die Chronifizierung haben könnten, sind:

Lähmungen und Gefühlsstörungen

Beim unspezifischen Rückenschmerz sind Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen so gut wie ausgeschlossen. Das heißt, dass sich die meisten Rückenschmerz-Patienten über diese Komplikation keine weiteren Sorgen machen müssen.

Bei spezifischen, körperlichen Ursachen von Rückenschmerzen kann es dagegen zu Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen kommen, wenn Nervenbahnen eingeengt und/oder beschädigt werden, die Hautberührungen oder die Bewegung der Beinmuskulatur sowie von inneren Organen steuern. Lähmungserscheinungen sind stets sehr ernst zu nehmen, besonders dann, wenn gleichzeitig der Schmerz nachlässt. Dies kann Anzeichen eines drohenden Nervenwurzeltodes sein, der nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. In den meisten Fällen können dauerhafte Lähmungen aber vermieden werden. Ebenfalls alarmierend sind Lähmungserscheinungen des Mastdarms und/oder der Blasenfunktion. Dies kann sich als Inkontinenz äußern, oder als Unfähigkeit, Stuhl und/oder Urin auszuscheiden. Auch diese Lähmungen sind bei schnellem Eingreifen rückgängig zu machen. Gefühlsstörungen sind ebenfalls ein Warnzeichen für einen möglicherweise eingetretenen oder drohenden Nervenschaden, bilden sich aber häufig von alleine wieder zurück.

Depression

Chronische Schmerzen führen sehr häufig zu depressiven Verstimmungen und Depression. Depression kann die Rückenschmerzen wiederum verstärken, so dass es zu einem Teufelskreis kommt.

Haltungsstörungen

Bei chronischen Schmerzen kann es, beispielsweise durch schmerzlindernde Körperpositionen oder ständige Bewegungen, zu Haltungsstörungen kommen.

Häufige Begleiterkrankungen bei Rückenschmerzen

Die am häufigsten berichteten Begleiterkrankungen bei Rückenschmerz-Patienten sind (Osteo-)Arthrose und degenerative Gelenkerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Migräne und Kopfschmerzen, vitale Erschöpfung, Atemwegserkrankungen, Depression und Angststörungen kommen häufig gleichzeitig mit Rückenschmerzen vor. Teilweise kann es schwer sein, zwischen Begleiterkrankung und Ursache zu unterscheiden. Wie will man beispielsweise bei einem unspezifischen Kreuzschmerz und gleichzeitiger Depression sicher sein, dass die Kreuzschmerzen nicht durch die Depression bedingt sind? Andererseits könnte auch die Depression durch andauernde, schlimme Kreuzschmerzen (mit-)ausgelöst sein und somit eine Komplikation der Kreuzschmerzen darstellen. In vielen Fällen besteht also ein Henne-Ei-Problem.


Diagnose

mehr

Übersicht

Aufgrund der meistens günstigen Prognose des Schmerzes und der guten Rückbildung der Beschwerden ist es oft nicht erforderlich, durch Einsatz aller zur Verfügung stehenden diagnostischen Maßnahmen eine spezifische Ursache zu suchen. Finden sich nach dem Patientengespräch (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung keine Hinweise für gefährliche Verläufe und andere ernstzunehmende Erkrankungen, wird der Arzt bei Betroffenen vorerst keine weiteren diagnostischen Maßnahmen durchführen.

Anamnese

Am Anfang der Diagnostik von Rückenschmerzen steht eine sorgfältige Anamnese. Das heißt, dass der Arzt die Betroffenen genau zu ihrer Krankengeschichte befragt, um vor allem Anhaltspunkte für die Ursache der Schmerzen zu bekommen, damit weitere Untersuchungen und die Behandlung entsprechend geplant werden können. Der Arzt fragt daher beispielsweise nach früheren Rückenschmerz-Episoden, der Stelle, an der es weh tut, einer möglichen Ausstrahlung der Schmerzen, ihrem Beginn, auslösenden, verstärkenden oder lindernden Maßnahmen in Bezug auf die Schmerzen, ihrem (tages-)zeitlichen Verlauf, ihrer Stärke und nach der Beeinträchtigung durch die Schmerzen bei täglichen Verrichtungen.

Bei der Objektivierung des Schmerzes können Schmerzskalen angewendet werden, wie beispielsweise die visuelle Analog-Skala (VAS). Der Patient verschiebt dabei auf einer Skala zwischen Symbolen für die Extremwerte „keine Schmerzen“ und „stärkste vorstellbare Schmerzen“ einen Zeiger so lange, bis die Position seinem Schmerzgefühl entspricht – beziehungsweise er markiert mit einem Stift die entsprechende Stelle, die der Stärke seiner momentan empfundenen Schmerzen subjektiv entspricht.

Der Arzt stellt außerdem Fragen, die ihm dabei helfen, einschätzen zu können, ob bei einem Rückenschmerz-Patienten psychosoziale Risikofaktoren vorliegen. Denn diese könnten vor allem einen wichtigen Einfluss auf den chronischen Verlauf der Schmerzen haben. Insbesondere werden darüber hinaus Begleitsymptome und Vorerkrankungen konkret abgefragt, die als Warnsignal für eine spezifische Ursache der Rückenschmerzen mit dringendem Behandlungsbedarf dienen.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung bei Kreuzschmerz soll helfen, spezifische Ursachen zu erkennen und abwendbar gefährliche Erkrankungen auszuschließen. Das Ausmaß der körperlichen Untersuchung richtet sich nach den Ergebnissen der Anamnese. Die Aussagekraft der Untersuchung der Wirbelsäule wird unter anderem eingeschränkt durch die oftmals unmögliche Eingrenzung des genauen Entstehungsortes der Schmerzen.

Die körperliche Basisuntersuchung bei Patienten ohne Anzeichen von neurologischen Störungen wie Lähmungen oder Gefühlsbeeinträchtigungen kann – je nach den Ergebnissen der Anamnese – folgende Punkte umfassen:

  • Zunächst beurteilt der Arzt den Allgemeinzustand, die Haltung, den Beckenstand sowie die körperliche Beeinträchtigung des Patienten und prüft, ob Deformitäten, Verletzungszeichen oder Auffälligkeiten an der Haut vorliegen (Inspektion).

  • Der Arzt tastet die Muskulatur auf Schmerzhaftigkeit und Verspannung ab und prüft auf Druck- oder Klopfschmerz.

  • Eine Beweglichkeitsprüfung wird durchgeführt, um mögliche Einschränkungen aufzudecken.

  • Durch passive Beugung des gestreckten Beins wird geprüft, ob doch eine Ausstrahlung der Schmerzen in das Bein vorliegt, was darauf hindeutet, dass der Ischiasnerv der jeweiligen Seite in Mitleidenschaft gezogen ist (Lasègue-Zeichen).

  • Möglicherweise wird durch eine passive Beugung des gestreckten Beins im Hüftgelenk außerdem mit zusätzlicher passiver Streckung des Fußgelenks eine mögliche Nervenwurzelbeteiligung überprüft (Bragard-Test).

  • Die Gelenke werden untersucht (Schulter, Hüfte).

Außerdem können auch noch folgende Punkte untersucht werden:

  • Finger-Boden-Abstand
  • Test zur Prüfung der Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule (Schober-Zeichen)

Im Falle von neurologischen Begleitsymptomen, wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Tests zur Bestimmung von muskulärer Schwäche in den Armen und Beinen (zum Beispiel Streckung des Fußes gegen Widerstand) mit Beurteilung der Kraft
  • Tests zur Bestimmung von Gefühlsstörungen (Bestreichen der Haut, Aufsetzen einer schwingenden Stimmgabel auf die Haut)
  • Untersuchung der Muskeleigenreflexe (zum Beispiel Achilles- und Kniesehnenreflex)

Erweiterte Untersuchungen

Liegen Warnhinweise vor, wird der Arzt je nach Verdachtsdiagnose und Dringlichkeit weitere Untersuchungen vornehmen. Dazu gehören:

  • Blut- oder andere Laboruntersuchungen
  • bildgebende Untersuchungen (Röntgenaufnahmen, CT-Untersuchungen, Kernspinaufnahmen)
  • gegebenenfalls Überweisung in fachärztliche Behandlung

Auch ohne Warnhinweise sollte bei Rückenschmerz, der trotz Beschwerden über mehrere Wochen andauert, eine Röntgen- oder Kernspinuntersuchung vorgenommen werden.


Therapie

mehr

Übersicht

Wichtiger Hinweis:

Die hier vorliegenden Informationen zur Behandlung der Erkrankung beruhen auf einem strengen und aktuellen wissenschaftlichen Nachweis, der den weitgehenden Nutzen einer Behandlung gezeigt hat. Dabei ist zu beachten, dass die hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten unter bestimmten Bedingungen angepasst werden müssen. Dabei spielen die persönlichen Wünsche und Lebensziele des Patienten eine wichtige Rolle. Auch das Alter, der Schweregrad der Erkrankung sowie mögliche Nebenerkrankungen können die Empfehlungen mitunter stark beeinflussen. Betroffene mit Nebenerkrankungen sollten ihren Hausarzt daher unbedingt darüber in Kenntnis setzen. Darüber hinaus sollten sie ihren Hausarzt über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen.

Der Hausarzt wählt für seinen Patienten die passende Behandlungsform entsprechend der oben genannten Kriterien. Die gewählte Behandlungsform ist nicht immer die neuste oder die kostenintensivste. Maßgeblich ist, dass die Therapie die beste Wahl für den Betroffenen darstellt. Innovation und hohe Kosten sind nicht identisch mit der höchsten Qualität einer Therapie für einen Patienten. Bei Fragen hierzu sollten sich Betroffene immer an ihren Hausarzt wenden.

Schmerzmittel

Obwohl sehr viele Schmerzmittel frei in Apotheken erhältlich sind, sollten Betroffene solche Medikamente nicht ohne ärztliche Kontrolle bei Rückenschmerzen einnehmen. Vor allem dann nicht, wenn die Einnahme dauerhaft ist. Nur durch ärztliche Kontrolle können gefährliche Nebenwirkungen vermieden, Gegenanzeigen erkannt und mögliche Kreuzreaktionen mit anderen Medikamenten verhindert werden.

Paracetamol

Bei leichten bis mittleren, akuten, nichtspezifischen Rückenschmerzen können die Schmerzen zunächst mit Paracetamol behandelt werden. Die maximale Tagesdosis beträgt drei Gramm und ein Arzt sollte nach wenigen Tagen überprüfen, ob ein Behandlungserfolg eingetreten ist. Auch bei subakuten und chronischen, nichtspezifischen Rückenschmerzen kann Paracetamol zur Behandlung kurzer Attacken eingesetzt werden. Die Einnahme sollte allerdings nur nach einer Befragung eines Arztes zu anderen eingenommenen Medikamenten (Medikamentenanamnese) und dann nur für kurze Zeit und in möglichst niedriger Dosis erfolgen.

Antirheumatika/Antiphlogistika (tNSAR)

Traditionelle nichtsteroidale Antirheumatika/Antiphlogistika (tNSAR) sollten zur Schmerzlinderung eines akuten, nichtspezifischen Rückenschmerzes nur in sehr niedriger Dosierung eingesetzt werden. Dasselbe gilt für chronische Formen.

Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis unter Beachtung und gegebenenfalls Verhütung der möglichen Nebenwirkungen und unter ärztlicher Kontrolle erhöht werden. Eventuell kann zur Verhinderung von Magen-Darm-Blutungen, die eine bekannte Nebenwirkung von tNSAR sind, ein Protonenpumpenhemmer genommen werden, der die Produktion von Magensäure hemmt. Cox-2-Hemmer können unter Berücksichtigung der Warnhinweise bei akutem und chronischem nichtspezifischem Kreuzschmerz eingesetzt werden, wenn tNSAR kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden. Zu beachten ist, dass tNSAR nicht parenteral (griechisch für „am Darm vorbei“), also zum Beispiel durch Injektion in eine Vene oder in einen Muskel, gegeben werden dürfen.

Flupirtin

Flupirtin soll zur Behandlung von akutem und chronischem nichtspezifischem Kreuzschmerz nicht angewendet werden.

Schwache Opioide

Bei fehlendem Ansprechen auf andere Schmerzmittel wie Paracetamol oder tNSAR können schwache Opioide bei nichtspezifischem Kreuzschmerz eingesetzt werden (bis 4 Wochen Gabe im Akutfall, bis 3 Monate bei chronischen Verläufen). Dazu gehören beispielsweise Tramadol oder Tilidin (letzteres in Kombinationspräparaten mit Naloxon). Tritt die gewünschte Schmerzlinderung nicht ein, soll die Einnahme nicht fortgesetzt werden. Wenn Opioide zum Einsatz kommen, ist immer auch das Suchtrisiko zu beachten. Daher sollten die Medikamente nach einem festen Zeitschema eingenommen werden („rund um die Uhr“).

Muskellockernde Medikamente (Muskelrelaxanzien)

Muskelrelaxanzien können bei nichtspezifischen Kreuzschmerzen angewendet werden, wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen oder die alleinige Gabe von nichtopioiden Schmerzmitteln keine Besserung bewirken. Muskelrelaxanzien wird der Arzt jedoch aufgrund ihrer Nebenwirkungen wie Benommenheit oder Abhängigkeit, aufgrund der allergischen Nebenwirkungen, der Beeinträchtigung der Leberfunktion und Magen-Darm-Komplikationen nur mit Bedacht einsetzen. Sie sollten nicht länger als 2 Wochen fortlaufend eingenommen werden.

Antidepressiva und andere Psychopharmaka

Antidepressiva können bei chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen als Nebenmedikation im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes vom Arzt in Betracht gezogen werden.

Medikamente, die bei Rückenschmerzen nicht angewendet werden sollten

Folgende Medikamente sollten nicht angewendet werden:

  • antiepileptische Medikamente (zum Beispiel Gabapentin oder Carbamazepin)
  • pflanzliche Mittel
  • Medikamente zur Anwendung auf der Haut
  • intravenös oder intramuskulär applizierbare Schmerzmittel, Glucocorticoide (Cortison) und Mischinfusionen

Akupunktur

Bei chronischen, nichtspezifischen Kreuzschmerzen kann es angemessen sein, Akupunktur zur Behandlung einzusetzen – allerdings nur sehr eingeschränkt. Bei der akuten Form soll Akupunktur dagegen gar nicht als Therapieform angewendet werden.

Bewegungstherapie

Bei akuten, nichtspezifischen Kreuzschmerzen sollen körperliche Aktivitäten soweit möglich aufrechterhalten werden. Bettruhe ist dagegen keine geeignete Behandlungsmethode. Das gilt auch für die chronische Form. Zusätzlich ist Bewegungstherapie, wie zum Beispiel Krankengymnastik bei der chronischen Form der nichtspezifischen Kreuzschmerzen, sehr sinnvoll. Dagegen soll bei der akuten Form aber auf keinen Fall Bewegungstherapie durchgeführt werden.

Progressive Muskelrelaxation (PMR)

Bei erhöhtem Risiko für eine Chronifizierung kann das Entspannungsverfahren PMR zur Behandlung des akuten und subakuten unspezifischen Kreuzschmerzes durch den Arzt angeboten werden. Bei der chronischen Form sollte es angewendet werden.

Ergotherapie

Ergotherapie soll bei akutem, nichtspezifischem Kreuzschmerz nicht angewendet werden. Bei der chronischen Form dagegen sollten ergotherapeutische Maßnahmen im Rahmen multimodaler Behandlungsprogramme durchgeführt werden.

Manipulation und Mobilisation

Manipulation und/oder Mobilisation können sowohl zur Behandlung des akuten als auch des chronischen nichtspezifischen Kreuzschmerzes angewendet werden.

Massage

Massage soll zur Behandlung des akuten nichtspezifischen Kreuzschmerzes nicht angewendet werden. Zur Behandlung der subakuten und der chronischen Form kann Massage in Kombination mit Bewegungstherapie angewendet werden.

Thermotherapie

Bei der Behandlung des akuten nichtspezifischen Kreuzschmerzes sollte Kältetherapie nicht angewendet werden, während Wärmetherapie angewendet werden kann. Bei der chronischen Form sollten dagegen weder Wärme noch Kälte zum Einsatz kommen.

Verhaltenstherapie

Bei Vorliegen von psychosozialen Risikofaktoren, wie depressiver Stimmungslage oder Stress, wird der Arzt bei subakutem, nicht-spezifischem Kreuzschmerz eine Verhaltenstherapie anbieten. Betroffene mit chronischem, nichtspezifischem Kreuzschmerz sollten dieses Angebot auch ohne Vorliegen von Risikofaktoren wahrnehmen.

Patientenschulungen

In Patientenschulungen werden Betroffenen viele wichtige Informationen über Rückenschmerzen vermittelt. Zentrale Punkte sind dabei im Regelfall:

  • die gute Prognose
  • die Bedeutung körperlicher Aktivität
  • kein Bedarf einer Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule
  • die Option weiterer diagnostischer Maßnahmen, falls die Schmerzen nicht weggehen oder schlimmer werden.

Rückenschule

Eine Rückenschule, die auf einem biopsychosozialen Ansatz basiert, kann bei nichtspezifischem Kreuzschmerz, der länger als 6 Wochen anhält oder rezidiviert, vom Arzt empfohlen werden. Bei chronischem Kreuzschmerz sollte Rückenschule (biopsychosozialer Ansatz) angewendet werden.

Bestimmte Therapien sollten bei Rückenschmerzen NICHT angewendet werden

NICHT angewendet werden sollten folgende Medikamente:

  • antiepileptische Medikamente (zum Beispiel Gabapentin oder Carbamazepin)
  • pflanzliche Mittel
  • Medikamente zur Anwendung auf der Haut
  • intravenös oder intramuskulär applizierbare Schmerzmittel, Glucocorticoide (Cortison) und Mischinfusionen
  • perkutan applizierbare Medikamente (zum Beispiel lokal betäubend wirkende Salben)

NICHT angewendet werden sollten folgende Behandlungsverfahren:

  • invasive Therapieverfahren (beispielsweise Operationen)
  • Bettruhe
  • Interferenztherapie
  • perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS)
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Kurzwellendiathermie
  • Lasertherapie
  • Magnetfeldtherapie
  • medizinische Stützkorsette (Orthesen)
  • Dehnungsbehandlung (Traktion)
  • therapeutischer Ultraschall

Multimodale/interdisziplinäre Behandlung

Bei einer multimodalen beziehungsweise interdisziplinären Behandlung arbeiten mehrere medizinische Fachbereiche zusammen, um den Patienten zu behandeln. Zu den Bereichen gehören die Allgemeinmedizin, die Physiotherapie, die Psychotherapie oder die Ergotherapie. Maßnahmen zur Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung gehören ebenfalls dazu.

Patienten mit chronischen, nichtspezifischen Kreuzschmerzen sollen mit multimodalen Programmen im Bereich der Kuration oder Rehabilitation behandelt werden, wenn weniger intensive und nachweislich wirksame Therapieverfahren nur unzureichend geholfen haben. Eine Rehabilitations-Maßnahme ist beispielsweise angebracht, wenn trotz leitliniengerechter Versorgung des Patienten nach spätestens 12 Wochen keine Besserung eingetreten ist. Nach multimodalen Therapieprogrammen können Folgebehandlungen mit reduziertem Umfang durchgeführt werden.

Berufliche Wiedereingliederung

Die berufliche Wiedereingliederung von Patienten mit nichtspezifischem Kreuzschmerz ist ein wichtiges Behandlungsziel. Sofern während oder nach der Behandlung absehbar ist, dass die Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben wieder hergestellt ist oder werden kann, sollte von da an die berufliche Wiedereingliederung geplant und organisiert werden. Die Betroffenen sollten durch ihren Arzt über die Möglichkeiten und Beantragungswege zur beruflichen Wiedereingliederung aufgeklärt werden. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit soll zudem die Möglichkeit einer stufenweisen Wiedereingliederung geprüft und gegebenenfalls initiiert werden.

Weitere Therapieverfahren

Die hier dargestellten Behandlungsverfahren entsprechen den Therapien, deren Wirksamkeit, Sicherheit und Sinn durch Studien belegt worden sind und die in den Leitlinien empfohlen werden, welche zur Erstellung dieses Texts herangezogen worden sind. Unter anderem und vor allem zählt dazu die Nationale Versorgungs-Leitlinie Kreuzschmerz. Darüber hinaus gibt es gegebenenfalls noch weitere Therapiemöglichkeiten. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt.

Folgen einer Nicht-Behandlung

Die Nicht-Behandlung von nichtspezifischen Rückenschmerzen bleibt in der Regel folgenlos, da nichtspezifische Rückenschmerzen in der überwiegenden Zahl der Fälle von selbst wieder abklingen. Allerdings sollten sich Betroffene ärztlich untersuchen lassen, um gefährliche Verläufe oder ernsthafte (spezifische) Ursachen auszuschließen, die unbedingt einer Behandlung bedürfen.


Prävention

mehr

Körperliche Bewegung/Aktivität

Körperliche Bewegung ist zur Vermeidung oder Verkürzung von Rückenschmerz-Episoden und zur Vermeidung von Arbeitsunfähigkeit empfohlen. Da die körperliche Belastung im Beruf oder bei Hausarbeiten meist einseitig ist, bedarf sie der Ergänzung. Die Auswahl des Verfahrens soll sich nach den individuellen Präferenzen und Voraussetzungen der Betroffenen richten (Spaß, Realisierbarkeit, Kosten). Es kommt viel mehr auf die Regelmäßigkeit der Bewegung als auf bestimmte Arten oder Methoden an.

Wer lange keinen Sport betrieben hat, kann sich von einem Arzt oder Physiotherapeuten beraten lassen. Ganzkörpersportarten wie Schwimmen (am besten Rückenkraulen), Nordic Walking und Gymnastik stärken gleichzeitig Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Auch Wandern und Fahrrad fahren sind empfehlenswert. Nicht geeignet sind Sportarten wie Tennis, Squash, Ski Alpin, Reiten und Bowlen/Kegeln. Hier ist die Belastung für die Wirbelsäule, beispielsweise durch schnelle Dreh- und Stoppbewegungen, zu groß.

Mindestens genauso wichtig ist, so viel Bewegung wie möglich in den Tagesablauf einzubauen: lieber zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, Treppensteigen, statt Fahrstuhl fahren, bei sitzender Tätigkeit häufig aufstehen und bewegen. Menschen mit überwiegend körperlich aktiver Tätigkeit am Arbeitsplatz sind zwar bereits in Bewegung, durch die Einseitigkeit ihrer Tätigkeiten aber häufig besonders gefährdet. Hier wirkt eine ausgleichende Aktivität im Freizeitbereich risikomindernd.

Auch in der sekundären Prävention ist Bewegung nützlich: Regelmäßiges Bewegungstraining im Anschluss an die Behandlung von Kreuzschmerzen kann bei einem von drei Betroffenen helfen, Rückfälle zu vermeiden.

Edukation

Patienteninformationen und Schulung basierend auf einem biopsychosozialen Krankheitsmodell über die Entstehung und den Verlauf von Rückenschmerz sind wirksame Präventionsmaßnahmen. Wichtigstes Ziel der Edukation ist die dauerhafte Verankerung der Motivation zur eigenständigen, regelmäßigen, körperlichen Aktivität.

Ergonomie

Maßnahmen am Arbeitsplatz sollten zur Prävention von Rückenschmerz eingesetzt werden. Ergonomie umfasst die Gestaltung der Arbeitsaufgaben, der Arbeitsplätze inklusive der eingesetzten Maschinen und Geräte sowie der erforderlichen Bewegungsabläufe, also beispielsweise die optimale Arbeitstischhöhe, ergonomische Bürostühle oder die optimale Höhe des PC-Bildschirms.

Weiterhin sind Ausbildung und Training mit Einweisung des Menschen in die Tätigkeit unter Vermeidung von Unter- oder Überforderung beinhaltet.

Eine optimale Arbeitsgestaltung nach ergonomischen Gesichtspunkten soll insbesondere beruflichen Belastungen, Schädigungen und im weitesten Sinne berufsbedingten Erkrankungen vorbeugen, das Unfallgeschehen reduzieren, die Gesundheit erhalten und für ein angenehmes Betriebsklima sorgen.


Leben mit ...

mehr

Übersicht

Besonders in Lebensbereichen, in denen der Rücken über lange Zeit bestimmten Belastungen ausgesetzt ist, ist es wichtig, auf rückengesunde Voraussetzungen zu achten. Insbesondere am Arbeitsplatz und beim Schlafen ist das wichtig. Daher sind in diesem Kapitel rückenfreundliche Hinweise für den Computerarbeitsplatz, das Heben von Lasten, das Autofahren und die Matratzenauswahl enthalten.

Außerdem soll das Kapitel noch mal die wichtigsten Tipps zum Thema Rückenschmerzen zusammenfassen, häufig gestellte Fragen beantworten und weiterführende Links anbieten.

Der rückenfreundliche Computerarbeitsplatz

Stundenlanges Sitzen vor dem Computer führt häufig zu Rückenschmerzen. Vor allem dann, wenn ungünstige Haltungen eingenommen werden, Bildschirm und Tastatur schlecht positioniert sind oder der Stuhl, auf dem gesessen wird, nur wenig geeignet ist.

Hier sind einige Vorschläge und Ideen, mit deren Umsetzung Computerarbeit und Rücken besser harmonieren:

  • der Bildschirm sollte bei gerader Sitzposition in horizontaler Blicklinie und in Armlängenweite Entfernung positioniert sein
  • nicht vergessen, bei der Änderung der Sitzhöhe auch den Bildschirm anzupassen
  • die Tastatur sollte sich direkt zentral auf Höhe der Körpermitte befinden
  • die Schultern sollten während der Arbeit an der Tastatur entspannt sein und die Oberarme sollten frei neben dem Oberkörper positioniert sein
  • die Höhe des Ellenbogens sollte sich in etwa auf Höhe der Space-Taste befinden
  • darauf achten, dass der Oberarm bei Bedienung mit einer Maus nicht vom Oberkörper weg bewegt wird, sonst verkrampft sich möglicherweise die ganze betroffene Körperseite
  • die Nutzung von Laptops über längere Zeit und ohne separate Tastatur, Maus und erhöhten Bildschirm sollte vermieden werden
  • der Stuhl sollte stabil und in Höhe sowie Rückenlehnenposition regulierbar sein
  • beim Sitzen sollten die Unterschenkel im rechten Winkel zu den Oberschenkeln stehen oder leicht nach vorne gerichtet sein
  • wenn der Stuhl richtig ausgerichtet ist, sollten die Füße genau auf dem Boden stehen
  • ein angewinkeltes Fußbrett kann hilfreich sein
  • wichtig ist die Grundregel: Füße abstützen, um so den Rücken zu entlasten
  • nie vergessen, dass der menschliche Körper nicht dazu entworfen ist, lange im Sitzen zu verharren, auch wenn die Haltung noch so gut ist
  • häufig aufstehen, dehnen und herumlaufen – mindestens alle 45 Minuten, besser alle 20 Minuten
  • beispielsweise Telefonate zur Bewegung nutzen
  • eventuell einen Bewegungstimer nutzen, der daran erinnert, aufzustehen und sich zu bewegen

Richtige Hebetechniken

In vielen Berufen ist schweres und häufiges Heben an der Tagesordnung. Dabei ist unbedingt auf die richtige Hebetechnik zu achten. Eine gute Hebetechnik schont durch die Gleichmäßigkeit der Belastung nicht nur die Bandscheiben, sondern den ganzen Bewegungsapparat. Sie hat zusätzlich einen gewissen Trainingseffekt und stärkt die Muskulatur. Eine richtige Hebetechnik umfasst folgende Punkte:

  • Rücken gerade halten und Knie beugen
  • auf sicheren Stand achten
  • Last sicher greifen (möglichst immer mit beiden Händen)
  • aus der Hocke heben, aber immer nur so tief gehen, wie nötig
  • mit gestrecktem, flachem Rücken heben und tragen
  • Last nah am Körper halten
  • auch beim Absetzen der Last Knie beugen und Rücken gerade halten

Heben mit gebeugtem Rücken ist die falsche Hebetechnik, da die Bandscheiben keilförmig zusammengedrückt werden. Dadurch werden sie vorne viel stärker belastet als hinten. Je weiter man sich nach vorne beugt und je größer das Gewicht, umso grösser ist die Belastung der Bandscheiben. Diese Belastung kann zu Rückenleiden führen. Beim Heben und Tragen unbedingt zu vermeiden ist daher:

  • krummer Rücken (bei Gewichten unter fünf kg darf der Rücken beim Heben auch schon mal gebeugt werden - aber ab fünf kg ist unbedingt auf die richtige Technik zu achten)
  • ins Hohlkreuz gehen (gleiches Problem bei der Bandscheiben-Belastung wie beim krummen Rücken, nur in umgekehrter Richtung)
  • Verdrehen des Oberkörpers beim Anheben und Abstellen der Last, da es dadurch leicht zu Verletzungen kommen kann
  • ruckartige Hebebewegungen
  • schweres einseitiges Heben und Tragen und generell zu schweres Tragen
  • bis zum Anschlag in die Knie gehen (und dazu noch wippen)

Was zu schwer ist, muss jeder ein Stück weit für sich selbst wissen. Allerdings gibt es Richtwerte für zumutbare Lastgewichte nach Alter und Geschlecht. Diese bewegen sich für Männer je nach Alter zwischen 15 und 25 kg und für Frauen zwischen 10 und 15 kg. Um zu große Belastungen zu vermeiden, sollten außerdem einige Tipps berücksichtigt werden:

  • wenn möglich Hilfsmittel einsetzen
  • Last möglichst aufteilen und lieber zwei Mal gehen
  • Last zu zweit tragen

Autositze mit rückenfreundlichen Eigenschaften

Der perfekte Autositz für Rückenschmerz-Leidende muss erst noch erfunden werden. Bisher konnte noch kein Sitz entwickelt werden, der den Bedürfnissen von Menschen unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Gewichts gerecht wird. Dennoch ist es, gerade für Menschen mit Rückenleiden und Menschen, die viel Zeit im Auto verbringen, sehr wichtig, möglichst rückengesunde Voraussetzungen zu haben. Daher sollten gerade diese Personengruppen darauf achten. Natürlich kauft sich kaum jemand extra des Rückens wegen ein neues Auto, aber jeder Autofahrer kann auch an den gegebenen Bedingungen im aktuellen Fahrzeug Dinge verbessern. Hier einige Tipps, die Betroffene berücksichtigen können:

  • vor dem Losfahren immer Zeit nehmen, den Autositz optimal einzustellen
  • Hüft- und Kniegelenke sollten gut gebeugt sein und eine aufrechte Haltung sollte möglich sein
  • die Arme sollten entspannt sein und auf dem Lenkrad ruhen
  • beim Sitzen im Auto sollten die Pedale gut erreichbar sein, ohne das Gefühl von Verkrampfung oder Überdehnung
  • ein Autositz sollte gute Unterstützung im Lendenwirbel-Bereich bieten
  • wenn es keine oder nur wenig Unterstützung im Lendenwirbel-Bereich geben sollte, kann ein Kissen Entlastung bringen (evtl. sind hierfür auch speziell geformte Kissen sinnvoll)
  • auf eine korrekte Einstellung der Kopfstütze achten, auch um lebensgefährliche Halsverletzungen bei Auffahrunfällen zu vermeiden – die korrekte Kopfstützen-Höhe ist gegeben, wenn der untere Rand der Kopfstütze auf einer Linie mit den Ohrenspitzen ist
  • auf langen Reisen sollten Autofahrer oft anhalten, um sich die Beine zu vertreten und den Rücken zu entlasten – am besten jede Stunde eine kurze Pause machen
  • nicht die Wirbelsäule bei Entspannungsübungen überdehnen
  • Spiegel gut einstellen, um die Notwendigkeit von Bewegungen zu minimieren

Rückengesundes Schlafen

Einen Großteil des Lebens verbringt der Mensch im Bett. Nicht zuletzt deswegen hat fast jeder schon einmal davon gehört, dass die richtige Schlafgelegenheit essentiell ist, um Rückenschmerzen vorzubeugen. Hier einige Hinweise, die bei der Matratzenwahl helfen können:

  • harte Matratzen sind nicht unbedingt die bessere Wahl bei Rückenschmerzen
  • neue Matratzen sollten mindestens zehn Minuten probegelegen werden – bei Matratzen für zwei Personen zusammen mit dem Schlafpartner
  • manche Hersteller bieten eine Testperiode an, innerhalb derer man die Matratze bei Liegeproblemen zurückgeben kann
  • beim Probeliegen in Rückenlage die Hand zwischen Matratze und Kreuz schieben – bei einer großen Lücke ist die Matratze wahrscheinlich zu hart, bei einer Lücke, die sehr eng für die Hand ist, ist die Matratze wahrscheinlich zu weich – ideal ist, wenn die Hand leicht durchrutschen kann, und sowohl Kreuz als auch Matratze leicht berührt
  • in der Regel muss nicht viel Geld für vermeintlich „orthopädische“ Matratzen ausgegeben werden
  • je schwerer die Person, umso dicker muss die Matratze sein
  • die häufigsten Matratzen sind Sprungfedermatratzen, die es in vielen Varianten und Preisklassen gibt – immer so viele Sprungfedern auswählen, wie es das Budget erlaubt
  • Memory-Schaum wurde ursprünglich für Astronauten entwickelt und reagiert auf Temperatur und Gewicht, um die Druckverteilung zu optimieren – das Material wird inzwischen auch für Matratzen verwendet
  • nach Möglichkeit immer Matratze und Lattenrost zusammen kaufen
  • gegebenenfalls zum Ausgleich der natürlichen Krümmung der Halswirbelsäule (manchmal auch der Lendenwirbelsäule) spezielle Kopfkissen beziehungsweise Präparierung des vorhandenen Kissens anwenden, um Verspannungen durch eine mögliche Schieflage zu vermeiden

Infozept Kreuzschmerzen

Patienten mit Kreuzschmerzen können viele Hausärzte gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Famillienmedizin ein sogenanntes Infozept ausstellen. Dabei handelt es sich um einen Vordruck, auf dem der Patient einerseits einige allgemeine Informationen über Rückenschmerzen erhält. Andererseits kann der Hausarzt hier auch individuell auf den Patienten abgestimmte Informationen eintragen. Folgende Informationen sind hier enthalten:

  • Sind Medikamente gegen die Rückenschmerzen verschrieben worden? Wenn ja, dann welche und in welcher Dosierung? Wie lange sollen die Medikamente eingenommen werden und zu welcher Tageszeit?
  • Den Patienten wird empfohlen, Bettruhe nur solange zu halten, wie unbedingt nötig (beispielsweise bis zum Wirkungseintritt der Schmerzmittel), sich so weit möglich zu bewegen und trotzdem der Arbeit nachzugehen.
  • Die Patienten werden darauf hingewiesen, dass kein weiterer Besuch in der Praxis erforderlich ist, wenn Beschwerdefreiheit eintritt.
  • Bei anhaltenden Beschwerden werden die Patienten angehalten, die Praxis nach einer vom Hausarzt einzutragenden Zeit nach Beginn der Behandlung erneut aufzusuchen – bei starken Beschwerden oder neuen Symptomen auch früher.
  • Der Hausarzt hat außerdem die Möglichkeit, Vorschläge für Möglichkeiten zur körperlichen Bewegung einzutragen, die er beim jeweiligen Patienten zur Vorbeugung der Kreuzschmerzen für sinnvoll erachtet.
  • Die Patienten werden angewiesen, einseitige Belastung zu vermeiden und stets körpernah zu heben und zu tragen.

Die fünf wichtigsten Tipps

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig körperlich.
  2. Halten Sie den Rücken gerade.
  3. Gehen Sie beim Bücken in die Hocke.
  4. Heben Sie keine schweren Gegenstände.
  5. Stehen und liegen Sie nicht mit gestreckten Beinen.

Häufig gestellte Fragen

Woher kommen Kreuzschmerzen?

Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers. Er zeigt an, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dem können rein körperliche oder rein psychische Auslöser oder eine Kombination derer zugrunde liegen. Die genaue Ursache der Kreuzschmerzen lässt sich trotz gründlicher Untersuchung meist nicht ermitteln. Ein ernster Schaden an den Wirbelkörpern, den Bandscheiben oder „eingeklemmten“ Nerven ist eher selten.

Sind Kreuzschmerzen gefährlich?

Fast jeder wird im Laufe seines Lebens einmal an Kreuzschmerzen leiden. Oft wird das auch als Hexenschuss, Ischias oder Lumbago bezeichnet. Gewöhnlich sind Kreuzschmerzen harmlos und sollten nicht gleich Anlass zur Sorge geben. Auch starke Beschwerden sind kein Hinweis auf einen ernsthaften Schaden im Rücken. Nur selten liegen wirklich schwerwiegende Erkrankungen zugrunde. Aber es gibt Hinweise, die den Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung erhärten sollten. Dazu gehören vor allem Fieber, Lähmungserscheinungen oder ungeklärter Gewichtsverlust. Auch sollten Betroffene aufmerksam werden, wenn sich die Kreuzschmerzen stark verschlimmern oder wenn sie im Zusammenhang mit einer vorhergehenden Verletzung, einem Unfall oder einem Sturz auftreten. Bei bekannten Diagnosen, wie Osteoporose, Tumorerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen oder HIV-Infektion, sollten Betroffene schon bei leichten Rückenschmerzen den Arzt zu Rate ziehen.

Brauche ich eine Röntgenuntersuchung?

In den meisten Fällen von Rückenbeschwerden zeigen die Bilder aus Röntgen-, Computertomographie- oder Kernspin-Untersuchungen unspezifische Abnutzungserscheinungen. Diese treten mit zunehmendem Alter häufig auf und haben keine krankhafte Bedeutung. Gewöhnlich wird Ihr Arzt deswegen zunächst keine bildgebende Untersuchung empfehlen.

Was kann Ihr Arzt tun?

Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung wird er zunächst gefährliche von ungefährlichen Kreuzschmerzen unterscheiden. Sie werden beraten, informiert und gegebenenfalls wird eine Schmerzbehandlung angefangen. Weiterführende Verordnungen von Krankengymnastik oder Massage sind meistens nicht notwendig.

Was können Sie selber tun?

Bettruhe verlängert in der Regel die Dauer der Schmerzattacke. Daher sollten Sie frühzeitig Ihre normale Tätigkeit wieder aufnehmen. Je früher Sie Ihre gewohnten Tätigkeiten wieder aufnehmen, umso eher lässt der Schmerz nach. Leichte körperliche Aktivitäten wie etwa Fahrradfahren oder Spazierengehen können Sie sofort ausführen. Bis zur Beschwerdebesserung sollten Sie aber auf gesteigerte Aktivität wie etwa Gymnastik oder Sport verzichten.

**Wie lange dauern die Rückenschmerzen?

Es ist nicht möglich, genau zu sagen, wie lange der Schmerz anhalten wird. Die gute Nachricht ist: Die meisten Betroffenen werden innerhalb von ein bis zwei Wochen weitgehend beschwerdefrei und können wieder arbeiten. Innerhalb von 6 Wochen können über 90 % von ihnen wieder zur Arbeit zurückkehren. Bei etwa jedem Fünften bestehen aber weiterhin Beschwerden, oder es kommt in kurzen Abständen immer wieder zu Beschwerden. Vorbeugende Maßnahmen sind daher empfehlenswert.

Kann Akupunktur helfen?

Bei chronischen, nichtspezifischen Kreuzschmerzen kann es angemessen sein, Akupunktur zur Behandlung einzusetzen – allerdings nur sehr eingeschränkt. Bei der akuten Form soll Akupunktur dagegen gar nicht als Therapieform angewendet werden.

Was kann ich selber tun, um Rückenschmerzen vorzubeugen?

Leider bleibt es oft nicht bei einer Schmerzattacke. Mangelnde Bewegung oder einseitige Belastung, wie zum Beispiel langes Sitzen oder Stehen, sind häufige Ursachen von Kreuzschmerzen. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich regelmäßige Bewegung, wie beispielsweise Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Alleine ist das oft schwierig, deshalb ist der Anschluss an eine Sportgruppe empfehlenswert. Training stärkt die Muskeln und Knochen, verbessert Ihre Beweglichkeit und Fitness und damit Ihr Wohlbefinden. Bettruhe und körperliche Inaktivität führen dagegen zur weiteren Schwächung Ihrer Stützmuskulatur und erhöhen so Ihr Risiko weiterer Kreuzschmerzattacken. Der weitere Verlauf der Kreuzschmerzen liegt entscheidend in Ihrer Hand. Je fitter Sie sind, desto weniger können Ihre Schmerzen Sie quälen. Wenn Sie Übergewicht haben, ist es auch sinnvoll, abzunehmen.

Brauche ich eine spezielle Matratze?

Es ist nicht notwendig, viel Geld für eine Spezialmatratze auszugeben. Normale Matratzen haben in der Regel ausreichende Qualität.

Welche Hinweise gibt es zum richtigen Sitzen und Stehen?

Grundsätzlich sollten Sie nicht zu lange in einer Position verharren oder - wenn möglich - eine Tätigkeit nicht länger als 30 Minuten ohne Pause durchführen. Benutzen Sie einen Stuhl mit gerader oder nach vorne geneigter Sitzfläche. Die Rückenlehne sollte leicht nach hinten geneigt sein und den Rücken gut abstützen. Seitliche Lehnen zum gelegentlichen Aufstützen sind hilfreich. Zeitweise bequemes Zurücklehnen verringert den Druck in den Bandscheiben. Wenn Sie länger auf einer Stelle stehen, wird Ihr Rücken durch Hochstellen eines Beines (Fußbank) entlastet.

Ist Bandscheiben-Ersatz eine sinnvolle Therapie bei Rückenschmerzen?

Nur sehr wenige Menschen mit Kreuzschmerzen brauchen eine Operation, um sich von ihren Schmerzen zu befreien. In der Regel hilft also eine Operation nicht weiter. Dadurch werden auch die möglichen Komplikationen einer Operation vermieden.

Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) zum Thema Rückenschmerzen

Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerzen

Patienteninformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)