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Rauchen in Deutschland

237 Millionen Tabakprodukte in Zigarettenform wurden nach den offiziellen Verlautbarungen des Statistischen Bundesamtes 2009 in Deutschland pro Tag konsumiert.

Im Bundesdurchschnitt raucht jeder Deutsche, egal ob jung oder alt, drei Zigaretten pro Tag. Dieser Mittelwert lässt sich errechnen, wenn die 87 Milliarden im Inland verkauften Zigaretten, die 2009 versteuert wurden, auf die Bevölkerung umgelegt werden. Selbstgedrehte Tabakprodukte aus Feinschnitt, Zigarillos sowie Zigarren sind in die Berechnung noch nicht mit eingegangen.

Die Zigarette ist ohnehin besonders beliebt. Nur 4 % der Raucher greifen zu Zigarillos, Zigarren, Pfeifen und Shishas. Bei den Zigaretten wird das Markenprodukt von Rauchern bevorzugt. 61,5 % des Marktanteils entfallen auf Zigaretten von Markenherstellern.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist ungefähr jede oder jeder Vierte ab 15 Jahren als Raucher einzustufen. Damit ist die Anzahl der Raucher, verglichen mit den Werten von vor zehn Jahren, um 2 % gesunken. Wichtig zu wissen ist dabei auch, wie viel Tabak ein Raucher konsumiert - ein Wert, der von Raucher zu Raucher natürlich stark variieren kann. Um die 80 % der Tabak-Konsumenten liegen bei einem Konsum von 5 bis 20 täglichen Zigaretten. Zu mehr als 20 Zigaretten greifen ungefähr 14 % der Raucher – und werden damit von der World Health Organization (WHO) als starke Raucher eingestuft. Der Anteil dieser starken Raucher hat sich in den letzten 10 Jahren um 4 % verringert. Noch geringer (7 %) ist allerdings auch der Anteil der Raucher, die sich mit weniger als 5 Zigaretten am Tag begnügen.

Es gibt eine Vielzahl von Merkmalen, innerhalb derer sich die Raucherquote stark unterscheidet. Zu diesen Merkmalen gehören beispielsweise:

  • Alter

  • Geschlecht

  • soziale Unterschiede

  • regionale Unterschiede

  • Berufe
Alter und Rauchen

Negativ zu Buche schlägt das immer frühere Eintrittsalter, in dem Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Rauchen beginnen. Über alle Altersgruppen hinweg ergibt sich für 2009 ein mittleres Einstiegsalter von 17,5 Jahren bei Männern und 18,3 Jahren bei Frauen. Besonders deutlich wird das frühe Einstiegsalter allerdings, wenn nur die Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren befragt wird. Hier liegt das Einstiegsalter im Schnitt bei knapp über 15 Jahren.

Anders sieht es aus, wenn nur die älteren Personengruppen betrachtet werden. Umso älter der Personenkreis, desto höher ist der Anteil der Nichtraucher. Nur 5 % der Personen mit einem Alter über 75 Jahren bleiben der Zigarette treu.

Positiv ist weiterhin zu vermerken, dass trotz eines gesunkenen Einstiegsalters der prozentuale Anteil der jungen Raucher zwischen 15 und 20 Jahren in den letzten zehn Jahren zurückgegangen ist. Bei den Männern ist hier eine Abnahme um 6 Prozentpunkte auf einen Anteil von nunmehr 16 % auszumachen. Bei Frauen ist der Anteil dieser Altersgruppe um 4 Prozentpunkte gefallen und beträgt nun 12 %.

Geschlecht und Rauchen

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass weibliche Raucher erst in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg und mit dem Beginn von starken Frauenbewegungen einen relevanten Anteil der Raucher stellen. Zuvor war das Rauchen vor allem den wohlhabenden Personenkreisen und hier wiederum den Männern vorbehalten. Bei Frauen ab einem Geburtsjahrgang um 1940 ist allerdings ein sprunghafter Anstieg in der Raucherquote zu erkennen.

Insgesamt bezeichnen sich aktuell 21 % der Frauen als Raucher, sowie 31 % der Männer. Während die Anzahl der Frauen in den letzten zehn Jahren damit fast konstant gebelieben ist, lag die Raucherquote der Männer ehemals bei 35 %.

Der größte Anteil männlicher Raucher ist in der Altersgruppe zwischen 25 und 30 Jahren zu finden. Bei Frauen liegt die Spitze im Konsum noch davor. Gerade die 20- bis 25-Jährigen greifen besonders häufig zur Zigarette.

Soziale Unterschiede und Rauchen

Größer als die Geschlechterunterschiede sind die Unterschiede der Raucherquote, wenn die Schulbildung betrachtet wird. Ein niedrigerer Bildungsabschluss führt zu einem signifikanten Anstieg. Hier ein beispielhafter Vergleich aus dem Jahr 2006, bei dem Bildungsunterschiede und Raucheranteil bei 40- bis 59-jährigen Männern genauer betrachtet wurden:

  • Niedriger Bildungsabschluss:  56 % Raucherquote

  • Mittlerer Bildungsabschluss:   37 % Raucherquote

  • Hoher Bildungsabschluss:      30 % Raucherquote

Ein höheres Einkommen führt ebenfalls nicht dazu, dass Personen sich häufiger Zigaretten „leisten“. Ganz im Gegenteil. Bei einem monatlichen Einkommen bis zu einer Grenze von 1.300 Euro gibt es einen Raucheranteil von 33 %. Bei einem Haushaltseinkommen von 2.600 bis 4.500 Euro ist von einem Anteil um 24 % auszugehen. Den niedrigsten Wert weisen Einkommen von über 4.500 Euro auf. Hier liegt der Raucheranteil bei eher geringen 19 %.

Sonstige Merkmale

Besonders bei jugendlichen Raucherinnen und Rauchern sind ein kleineres Nord-Süd-Gefälle und ein größeres Ost-West-Gefälle zu verzeichnen. Der prozentuale Anteil der jungen Raucher ist damit im Nord-Osten Deutschlands besonders hoch.

Weiterhin deutliche Unterschiede gibt es bei verschiedenen Berufsgruppen. Berufe, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, verzeichnen einen prozentualen Anteil an Rauchern, der unter 20 % liegt. Zu diesen Berufsgruppen gehören beispielsweise Lehrer an Gymnasien oder Ärzte. Besonders handwerklich-manuelle Tätigkeiten zeichnen sich durch eine hohe Raucherquote aus. So sind bei Malern oder Gebäudereinigern Werte von über 50 % vorhanden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Rauchen hat einen vielfältigen Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen in Deutschland. Einerseits gibt es die privaten Ausgaben der Raucher für den Verbrauch von Tabakprodukten. Zusammengerechnet entstanden hier im Jahr 2008 Kosten für die Privathaushalte von über 22 Milliarden Euro. Der größte Teil, über 19 Milliarden Euro, entfiel hierbei auf Zigaretten. Dieses Geld geht zum Teil an die Tabakindustrie und zum Teil über Steuern an den Staat.

Zum anderen müssen die Kosten von Krankheiten betrachtet werden, die durch das Rauchen entstehen. So ergeben sich weitere 21 Milliarden Euro. Hier kann von  direkten Belastungen für das Gesundheitswesen (Behandlung, Pflege) gesprochen werden und außerdem von indirekten Belastungen, die durch den krankheitsbedingten Ausfall von Arbeitskraft nach einer möglichen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit entstehen.

Kosten für das Gesundheitswesen

Direkte Kosten des Rauchens sind Pflegeleistungen und Therapien für Personen, bei denen der Tabakkonsum zu Erkrankungen geführt hat. Diese Kosten müssen durch das Gesundheitswesen aufgewendet werden. Direkte Kosten können mit jährlich ungefähr 7,5 Milliarden Euro beziffert werden.

Weitere 13,5 Milliarden Euro ergeben sich durch die indirekten Kosten. Der Wegfall der Arbeitskraft in Unternehmen durch Tod oder Verrentung ist dazuzurechnen. Auch hier wurden die Krankheiten durch den Tabakkonsum induziert.

Verursacher der Kosten sind vor allem Krebserkrankungen (40 %), Herz-Kreislauf-Krankheiten (30 %) und Erkrankungen der Atemwege (25 %).

Tabakindustrie

Die deutsche Tabakindustrie hat ihre Personalstärke in den letzten Jahren deutlich zurückgefahren. Zwischen 1991 und 2006 wurde sie von 19.000 auf 11.000 Personen gesenkt.

Dominierend auf dem deutschen Markt sind vor allem vier Wettbewerber. Hierzu gehören:

  • Philip Morris Deutschland GmbH (Marlboro, L&M). Seit 1970 ist der Konzern in Deutschland aktiv und übernahm im Jahr 1987 die Marktführerschaft.

  • British American Tobacco Germany (Pall Mall, Gauloises, Lucky Strike, HB). Das bereits seit 1926 in Deutschland ansässige Unternehmen produziert unter anderem in Bayreuth für den internationalen Tabakmarkt.

  • Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH (John Player Special, West). Reemtsma entstand um 1910 durch eine Übernahme in Erfurt. In der Zwischenzeit war auch der Tchibo-Konzern als Eigentümer aktiv. 2002 übernahm die Imperial Tobacco Group allerdings die Anteile von Tchibo.

  • Japan Tobacco International Germany GmbH (Camel). Aus dem 1908 gegründeten Unternehmen „Haus Neuerburg“ wurde nach mehreren Verkäufen der jetzige Konzern, der zur Japan Tobacco Inc. gehört. Die in Deutschland hergestellten Zigaretten werden in mehr als 40 Länder geliefert.

Etwa ein knappes Viertel des Zigarettenverkaufspreises bleibt in der Wirtschaft. Der überwiegende Teil wird als Steuer abgeführt.

Schmuggelware

Durch den Zigarettenschmuggel entgehen dem Fiskus jedes Jahr mehrere Milliarden Euro an Steuergeldern. Laut einer eigenen Studie der Tabakindustrie ist hier von einem Betrag um vier Milliarden Euro in 2008 auszugehen. Neben dem zollfreien Einkauf kamen damit rund sieben Milliarden Zigaretten durch Schmuggelaktivitäten im selben Jahr nach Deutschland - vor allem durch die illegale Einfuhr aus Osteuropa. Besonders die Ukraine und Russland tun sich hier als Herkunftsländer der Schmuggelware hervor.

Der Zigarettenschmuggel läuft auf unterschiedlichen Ebenen ab – zum Beispiel in kleinen Mengen durch Individuen, welche die Höchstmenge an Zigaretten überschreiten, die aus Ländern zollfrei eingeführt werden dürfen. Genauso gibt es aber auch den organisierten Schmuggel im großen Umfang, bei dem ganze Container mit mehreren Millionen Zigaretten illegal verschoben werden. Ist vom deutschen Zoll im Jahr 2000 noch ein Rekordergebnis mit mehr als einer Milliarde Zigaretten sichergestellt worden, hat sich dieser Wert im Jahr 2008 auf knapp 300 Millionen stark reduziert.

Problematisch ist weiterhin der Verkauf und Schmuggel von illegal hergestellten beziehungsweise gefälschten Markenzigaretten. Durch die Streckung und Verunreinigung des Tabaks entstehen zusätzliche Gesundheitsrisiken für die Konsumenten.