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Patientenverfügung

Patientenverfügung

Jetzt für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit vorsorgen

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Beispiele

Die folgenden fiktiven Beispiele machen deutlich, wie eine Patientenverfügung aussehen kann. Unerlässlich ist, die Patientenverfügung auf die eigenen Ängste, Wünsche und Bedürfnisse anzupassen. Eine Beratung durch Ärzte und Institutionen hilft, ein individualisiertes Dokument zu erstellen.

Die folgenden fiktiven Beispiele sollen zeigen, was eine Patientenverfügung enthalten kann. Wichtig ist, an dieser Stelle noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Patientenverfügung ein individuell zu erstellendes Dokument ist. Zwar können Textbausteine, Mustervorlagen und Beispielfälle helfen, einen entsprechenden Text zu verfassen. Aber einen vollkommenden Ersatz bilden diese Hilfen nicht. Vielmehr müssen die eigenen Hoffnungen, Wünsche und Ängste ergründet werden und in dem Text Ausdruck finden. Eine professionelle Beratung ist wichtig, wie sie von Ärzten, Verbänden, sozialen Pflegeeinrichtungen oder kirchlichen Einrichtungen durchgeführt wird.

Situationsbeschreibung 1

Martin Schütte ist ein Mann mittleren Alters. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Durch verschiedene Versicherungen hat er bereits dafür Sorge getragen, dass seine Familie für den Fall der Fälle auch ohne ihn abgesichert ist. Da Martin Schütte einen Organspendeausweis besitzt, hat er sich schon vor einiger Zeit mit dem Thema Tod und der eigenen Sterblichkeit auseinander gesetzt.

Martin Schütte hat Angst davor, unheilbar zu erkranken. Angst macht ihm dabei nicht der Tod selbst, sondern der Gedanke, dass er unter seiner Meinung nach menschenunwürdigen Zuständen künstlich am Leben erhalten wird.

Nun möchte er klären, was mit ihm selbst geschieht, wenn es ihm eine Krankheit oder ein Unfall unmöglich macht, seinen Willen selber zu äußern. Er hat das Thema mit seiner Frau besprochen. Obwohl sie die Angelegenheit von selber lieber nicht angesprochen hätte, hat er sie überzeugt, dass die Auseinandersetzung damit sehr wichtig für ihn ist. Es soll seiner Frau auch die Entscheidung erleichtern, was zu tun ist, wenn der Extremfall eintritt.

Nach einem Beratungsgespräch mit seinem Arzt, der ihm seine Einwilligungsfähigkeit und eine medizinische Aufklärung attestiert, besucht er einen Notar. Mit ihm spricht Martin Schütte seine Patientenverfügung durch und lässt sie später auch von ihm, im Beisein seiner Frau und seiner Geschwister, unterzeichnen.

Die Patientenverfügung bewahrt er zuhause bei den Familiendokumenten auf und einen Hinweis auf das Vorhandensein des Dokuments trägt er in seinem Portemonnaie – dort, wo auch der Organspendeausweis ist.

Zusätzlich zu der Patientenverfügung hat er bereits eine Vorsorgevollmacht vereinbart, die seiner Frau das Recht einräumt, für ihn zu entscheiden, wenn er es selber nicht mehr kann.

Mustertext 1

Patientenverfügung

Ich, Martin Schütte,

geboren am 17.Mai 1955,

Wohnsitz in: 10115 Berlin, Veteranenstraße 12,

lege hiermit für den Fall, dass ich meinen freien Willen nicht mehr äußern oder selbständig bilden kann, folgendes fest:

Geltungsbereich

  • Wenn eine Gehirnschädigung dazu führt, dass ich das Bilden von Urteilen und das Treffen von Entscheidungen nicht mehr durchführen kann und diese Fähigkeiten nach der einhelligen Meinung zweier erfahrener Ärzte (Hausarzt und Neurologe) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr zurückkehren werden, auch wenn der Zeitpunkt meines Todes noch nicht absehbar ist.
  • Wenn meine Hirnfunktionen so weit abgebaut haben, dass ich auch mit der Hilfe anderer Personen nicht mehr zu einer Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung auf natürliche Weis fähig bin.
  • Wenn ich das Endstadium einer totbringenden Erkrankung erreiche und mich nach medizinischer Sicht ohne eine Möglichkeit der Erholung im Sterbeprozess befinde.

Für den oben beschriebenen Geltungsbereich bestimme ich folgende Maßnahmen:

Lebenserhaltende Maßnahmen, die den Tod künstlich hinauszögern würden, sollen unterlassen werden.

Soweit aber noch durch natürliche Aufnahme möglich, wünsche ich mir, dass ich mit Nahrung und Wasser versorgt werde, auch wenn dazu die Hilfe anderer Personen nötig ist. Ich möchte fachgerecht gepflegt und menschenwürdig untergebracht und behandelt werden.

Ich wünsche Behandlungen, die Schmerzen und Symptome lindern können und so ein menschenwürdiges Sterben ohne große Qualen möglich machen. Ich befürworte auch den Einsatz von Mitteln, welche den Bewusstseinszustand trüben können – selbst wenn dies zu einer Verkürzung meiner Lebenszeit führen kann.

Eine künstliche Ernährung lehne ich in Gänze ab. Die Bemessung einer künstlichen Flüssigkeitszufuhr lege ich in die fachkundigen Hände der betreuenden Ärzte.

Zusätzlich zu den oben beschriebenen Situationen verzichte ich ebenfalls auf Wiederbelebungsmaßnahmen, wenn meine Atmung versagen oder es zu einem Kreislaufstillstand kommen sollte. Ebenso verhält es sich mit einer künstlichen Beatmung. Ist eine künstliche Beatmung bereits erfolgt, soll diese eingestellt werden, wenn der Einsatz von Medikamenten sichergestellt ist, welche die Atemnot lindern. Auch hier befürworte ich den Einsatz von Mitteln, welche den Bewusstseinszustand trüben können – selbst wenn dies zu einer Verkürzung meiner Lebenszeit führen kann.

Die Anwendung von Dialyseverfahren lehne ich ab, ebenso wie Fremd-Gewebe und -Organe. Fremdes Blut soll einzig zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.

Zum Sterben möchte ich in ein Krankenhaus eingeliefert werden und hier den Beistand meiner Frau erhalten.

Ich erwarte, dass meine Patientenverfügung und der dadurch kenntlich gemachte Wille von dem medizinischen Personal beachtet und befolgt werden. Ist ein Teil des medizinischen Personals nicht willens, meinem schriftlich geäußerten Willen Folge zu leisten, so wünsche ich, dass eine andere, adäquate medizinische Einrichtung für mich gefunden wird. Meine Frau als Bevollmächtigte trägt Sorge dafür, dass meine Patientenverfügung umgesetzt wird.

Kommt es zu einer Situation, die durch meine Patientenverfügung nicht eindeutig geregelt wird, sollen alle Beteiligten meinen mutmaßlichen Willen ergründen. Als Leitlinie gilt dabei meine Patientenverfügung. Gehen die unterschiedlichen Meinungen auseinander, ist die Einschätzung meiner bevollmächtigten Person maßgebend.

Sollte kein Widerruf von mir dieser Patientenverfügung entgegen sprechen, so erwarte ich, dass mir in der genannten Situation kein anderslautender Wille unterstellt wird.

Zusätzlich zu der vorliegenden Patientenverfügung habe ich eine Vorsorgevollmacht ausgestellt. Die Patientenverfügung habe ich mit der bevollmächtigten Person besprochen. Es handelt sich um:

Bevollmächtigte

Name: Philine Schütte

Adresse: 10115 Berlin, Veteranenstraße 12

Telefon: 030/21107065

Mobil: 0174/4445323

Die Möglichkeit, meine Patientenverfügung zu widerrufen, ist mir bekannt. Bis zu einem möglichen Widerruf besitzt diese Verfügung volle Gültigkeit.

Auch die Konsequenzen, die aus dieser Patientenverfügung entstehen, sind mir in vollem Umfang bewusst. Für den Inhalt bin ich selber verantwortlich und ich habe dieses Dokument ohne äußeren Druck verfasst.

Unterschrift, Martin Schütte

Berlin, den 5. September 2010

Herr Martin Schütte ist einwilligungsfähig und wurde von mir über die möglichen Konsequenzen, die aus dieser Patientenverfügung erwachsen können, aufgeklärt.

Datum: 02. September 2010

Unterschrift Dr. Weiland

Stempel

Situationsbeschreibung 2

Hilde Radtke ist eine Frau von 76 Jahren. Sie ist verwitwet, hat zwei Kinder und drei Enkelkinder, die in weiter Ferne wohnen. Frau Radtke ist durch die Tätigkeit im Roten Kreuz fest in die Dorfgemeinschaft eingebunden.

Hilde Ratke hat Angst davor, dass ihr bei einer Erkrankung oder einem Unfall aufgrund ihres Alters nicht alle möglichen Hilfestellungen und Behandlungen zugedacht werden.

Nun möchte sie klären, was mit ihr geschieht, wenn sie ihren Willen selber nicht mehr zu äußern in der Lage ist. Mit ihren Kindern hat sie über das Thema geredet und sich zusätzlich Unterstützung von ihrer Hausärztin geholt. Diese hat ein Gespräch zur Aufklärung mit Frau Radtke geführt. Zusätzlich lässt Frau Radtke das Dokument von einem Notar beglaubigen. Ihre Kinder unterzeichnen das Dokument ebenfalls.

Die Patientenverfügung bewahrt sie zuhause bei ihren Wertsachen auf und ein Hinweis auf das Vorhandensein des Dokuments steckt immer in ihrer Handtasche. Zur besseren Interpretation ihres Willens hat sie dem Dokument einige Zeilen zu ihren Wertevorstellungen angehängt.

Zusätzlich zu der Patientenverfügung hat sie bereits eine Vorsorgevollmacht mit ihrem ältesten Sohn vereinbart. Diese ermächtigt ihn, für sie zu entscheiden, wenn sie es selber nicht mehr kann.

Mustertext 2

Patientenverfügung

Ich, Hilde Radtke,

geboren am 05. August 1934,

Wohnsitz in: 31840 Hessisch Oldendorf, Lindenstraße 6,

lege hiermit für den Fall, dass ich meinen freien Willen nicht mehr äußern oder selbständig bilden kann, folgendes fest:

Die Patientenverfügung soll dann gelten, wenn ich das Endstadium einer totbringenden Erkrankung erreiche und mich nach medizinischer Sicht ohne eine Möglichkeit der Erholung im Sterbeprozess befinde. Aber auch für anderslautende Situationsbeschreibungen lege ich Wert auf die bestmögliche, ärztliche Betreuung und Pflege.

In der genannten Situation ist es mein Wunsch, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um mein Leben zu verlängern und zu erhalten, sowie meine Schmerzen zu lindern. Gewebe- und Organtransplantationen sind hierfür ein Mittel, dem ich vollumfänglich zustimme. Um Schmerzen und Furchtgefühle zu verringern, erbitte ich mir eine angemessene Symptom- und Schmerzbehandlung. Besteht dadurch die Gefahr, dass meine Lebenszeit verkürzt wird, lehne ich eine solche Behandlung allerdings ab.

Einer Ernährung auf künstlichem Wege stimme ich ebenso zu wie einer Versorgung mit Flüssigkeit durch künstliche Zufuhr. Auch eine künstliche Beatmung ist durchzuführen oder weiterzuführen, wenn dadurch eine Verlängerung meines Lebens eintreten kann.

Im Falle eines Notfalls sind Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. Ein Notarzt ist dabei ebenfalls zu verständigen.

Ich erwarte, dass meine Patientenverfügung und der dadurch kenntlich gemachte Wille von dem medizinischen Personal beachtet und befolgt werden. Ist ein Teil des medizinischen Personals nicht willens, meinem schriftlich geäußerten Willen Folge zu leisten, so wünsche ich, dass eine andere, adäquate medizinische Einrichtung für mich gefunden wird. Meine bevollmächtigte Person erhält den Auftrag, meiner Patientenverfügung Geltung zu verleihen.

Falls die Möglichkeit dazu besteht, ist es mein Wille, meine letzten Tage und Stunden in einem Hospiz zu verbringen. Beistand und geistliche Unterstützung wünsche ich mir nach Möglichkeit von dem Pfarrer meiner Gemeinde oder einem anderen evangelischen Geistlichen.

Sollte kein Widerruf von mir dieser Patientenverfügung entgegen sprechen, so erwarte ich, dass mir in der genannten Situation kein anderslautender Wille unterstellt wird.

Zusätzlich zu der vorliegenden Patientenverfügung habe ich eine Vorsorgevollmacht ausgestellt. Die Patientenverfügung habe ich mit der bevollmächtigten Person besprochen. Es handelt sich um:

Bevollmächtigter

Name: Thomas Radtke

Adresse: 80333 München, Perusastraße 5

Telefon: 089/77662980

Mobil: 0176/9734456

Als weitere Hilfe, falls eine Interpretation meines Willens nötig werden sollte, habe ich einen Text über meine Wertevorstellungen dieser Patientenverfügung angefügt.

Die Möglichkeit, meine Patientenverfügung zu widerrufen, ist mir bekannt. Bis zu einem möglichen Widerruf besitzt diese Verfügung volle Gültigkeit.

Auch die Konsequenzen, die aus dieser Patientenverfügung entstehen, sind mir in vollem Umfang bewusst. Für den Inhalt bin ich selber verantwortlich und ich habe dieses Dokument ohne äußeren Druck verfasst. Eine Beratung hat meine Hausärztin Dr. Scholl durchgeführt.

Wertevorstellungen

Ich bin 76 Jahre alt und mit meinem Leben zufrieden. Ich habe meinen Mann geliebt, vernünftige Kinder groß gezogen, die mittlerweile ihre eigenen Leben führen, aber mich dabei nicht vergessen. Ich bin stolz auf sie.

Mir war eine hohe Lebensqualität und ein langes Leben immer wichtig – unabhängig von meinem Zustand. Es macht mir nichts aus, von fremder Hilfe abhängig zu sein. Mit meinen Kindern habe ich gesprochen und sie respektieren und unterstützen meine Wünsche.

Bypass-Operationen habe ich gesundheitlich gut verkraftet und meinen hohen Blutdruck bekomme ich mit Medikamenten in den Griff. Mein Lebenswille ist ungebrochen und ich habe großes Vertrauen in die Medizin, die meinem verstorbenen Ehemann die letzten Jahre einer schweren Krankheit so erträglich wie nur möglich gemacht hat. Die Reduzierung von Maßnahmen aufgrund meines Alters lehne ich strikt ab.

Unterschrift, Hilde Radtke

Hessisch Oldendorf, den 10. September 2010