Erschöpft und ausgebrannt

30.09.2011 Burn-out Depression Gesundheitstipps

Immer häufiger lesen wir in den Medien, dass bekannte Persönlichkeiten an einem Burn-out leiden. Aber auch immer mehr Menschen, die nicht im öffentlichen Leben stehen, gelangen erschöpft an die Grenzen ihrer Kräfte. Experten berichten über die Gründe eines Burn-outs und über Präventionsmaßnahmen.

Erschöpft und ausgebrannt

In den letzten Jahren lesen wir immer häufiger, dass Stars und professionelle Sportler von einem Burn-out Syndrom betroffen sind. Erst vor kurzem hat Ralf Rangnick, Trainer des FC Schalke 04, öffentlich zugegeben, er schöpfe keine Energie mehr in sich, weiter als Trainer zu arbeiten. Er ist nicht der einzige Prominente, der der Belastung seines Berufs nicht mehr standhalten kann: Der Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld, der Torhüter Markus Miller, der Skispringer Sven Hannawald oder die Sänger Mariah Carey und Ricky Martin wurden ebenfalls Opfer eines Burn-outs.

Es wäre allerdings ein Trugschluss zu behaupten, dass insbesondere Prominente aufgrund des medialen Drucks an Burn-out leiden. Professor Dr. med. Wolfgang Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn, schätzt die Situation anders ein: „ Burn-out betrifft vor allem Menschen, die einen helfenden Beruf ausüben und sich zwischenmenschlich engagieren, sei es Pfleger, Ärzte oder auch Lehrer. Auch das Pflegen eines Familienangehörigen kann zum Ausbrennen führen. Oft bleiben auch Mütter vom Burn-out nicht verschont.“

Burn-out kann also jeden von uns betreffen und das Leben erheblich erschweren.

Burn-out und seine Merkmale

Wer perfektionistisch ist und sehr hohe Ansprüche an sich stellt, hat ein erhöhtes Risiko für ein Burn-out. Professor Maier erläutert, was die Symptome eines Burn-out Syndroms sind: „Unter einem Burn-out ist eine berufsbezogene Erschöpfung bei Menschen zu verstehen, die in ihrem Beruf ihre Identität gesucht haben. Ein Burn-out geht in der Regel mit folgenden Beschwerden einher: Antriebslosigkeit, Verlust der Fähigkeit zu erholen und zu entspannen und das Erleben von Überlastung und Misserfolgen. Oft empfinden Betroffene ihre Leistungen als negativ. Nicht selten distanzieren sie sich emotional von ihrer Arbeit und ihren Kollegen. Auch können vermehrte Konflikte mit ihnen entstehen. Die Folge kann eine zynische Einstellung gegenüber den Mitmenschen sein.“

Der Sportpsychologe Christian Nawrath erklärt, warum insbesondere Fußballtrainer vom Burn-out betroffen sind: „Im Misserfolg haben die Trainer Angst, den Job zu verlieren. Bei Erfolg wachsen die Erwartungen des Umfeldes und die eigenen so stark an, dass da erheblicher Druck herrscht. So berichten Trainer, dass sie irgendwann das Gefühl hatten, in der Arbeit nicht weiterzukommen und festgefahren zu sein. Fast zwei Drittel erleben zudem ein diffuses Gefühl der Machtlosigkeit und stellen den Sinn und den Wert ihrer Arbeit in Frage. Schließlich kann es auch dazu führen, dass sich die Trainer emotional zurückziehen und auch keine Hilfe annehmen.“

Wer an Burn-out leidet, redet nicht so gern darüber. „Versagen ist nun mal beschämend. Deswegen ist dieses Thema noch tabu, aber weitaus weniger, als es vor Jahrzehnten der Fall gewesen ist“, so Professor Maier. „Insbesondere am Arbeitsplatz wird nicht offen über das Burn-out Syndrom geredet, weil dies ein Zugeständnis eines Versagens beinhalten würde. Mit der Feststellung eines Burn-outs beschuldigen häufig die Betroffenen den Chef, nicht genügend Anerkennung geleistet zu haben“, begründet Maier.

Burn-out vorbeugen

Es ist möglich, ein Burn-out vorzubeugen. Wichtig ist, noch vor dem Ausbrennen mit voller Kraft auf die Bremse zu treten. „Wenn Personen merken, dass sie überfordert sind, die Arbeit ihre Kräfte übersteigt und sie nicht das Gefühl haben, die Belohnung zu erhalten, die sie verdienen, sollten sie auf jeden Fall ihre eigenen Grenzen ziehen. Sprechen über das Burn-out ist sehr wichtig. Sprechen Sie in der Familie und mit Freunden darüber. Professionelle psychotherapeutische Hilfe sollte, wenn möglich, in Anspruch genommen werden. Häufig begleitende Erkrankungen wie Depression sollten zudem adäquat behandelt werden“, erklärt Professor Maier.

Es ist essentiell, sich neben den beruflichen Zielen auch andere Lebensziele zu formulieren. „Ich lege es jedem sehr ans Herz, dauerhaft für Entspannung und Erholung zu sorgen. Sobald man merkt, dass man so sehr im Beruf engagiert ist, dass man nicht mehr die persönlichen Ziele verfolgt, ist man höchst gefährdet, an einem Burn-out zu leiden. Sie müssen achtsam gegenüber Ihren eigenen Bedürfnissen sein und auf gar keinen Fall dem Beruf zuliebe sich selbst aufgeben“, so Maier.

Es kommt nicht selten vor, dass Burn-out Gefährdete aufgrund ihres beruflichen Engagements ihre Familie und Freunde vernachlässigen. „Fragen Sie sich doch mal öfters, was Ihnen und den Menschen, die Sie lieben, wichtig ist“, empfiehlt Professor Maier und fährt fort: „Es ist wichtig, nach einer Burn-out Diagnose zu versuchen, wieder das soziale Netzwerk aufzubauen und mit Freunden Kontakte aufzunehmen. Man muss wieder versuchen, sich aus der eigenen Isolation zu holen“.

Ändern Sie auch Ihren Umgang mit Misserfolgen. Statt „Fehler kannst du dir nicht leisten“ sollten Sie anders denken: Aus Fehlern lernt man!

fk

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