Aggression verstehen und kontrollieren

26.05.2011 Stress

Wutausbrüche, um sich schlagen, schreien oder gar sich selbst wehtun – aggressives Verhalten kann unkontrolliertes Ausmaß annehmen. Wenn man jedoch die Gründe dafür versteht, die auslösenden Faktoren berücksichtigen kann und von Schuldzuweisungen absieht, ist es möglich, Aggression zu kontrollieren.

Aggression verstehen und kontrollieren

Aggression stammt aus dem lateinischen Wort „aggredere“, das mehrere Bedeutungen in sich birgt: sich freundlich an jemanden wenden, sich nähern, aber auch feindlich angreifen oder überfallen. Mit Aggression assoziieren wir meistens unangepasstes, zerstörerisches, böses und destruktives Verhalten. Das Wort wird oft mit Gewalt synonym verwendet, der extremen Form von Aggression, bei der physische und/oder psychische Aggression angewandt oder glaubwürdig angedroht wird.

Wie entsteht Aggression? Sehr selten bricht sie ganz plötzlich aus; sie spitzt sich eher zu. Aufgeregte und emotionale Interaktionen mit anderen können aggressive Gefühle auslösen. In der Eskalationsphase wird ein Zustand erreicht, in dem die Person aus dem Gleichgewicht gebracht, angespannt und aufgeregt wird. Die Folge kann der Verlust der Kontrolle über das eigene Verhalten sein – was natürlich nicht immer der Fall sein muss.

Aggression heißt nicht gleich körperliche Aggression wie Schlagen, Treten oder Ähnliches. Es gibt diverse Ausdrucksformen:

  • Verbale Aggression spielt in unserem kommunikationsorientierten Alltag eine große Rolle. Hierbei handelt es sich um impulsive Unmutsäußerungen, die sich oft aus dem Affekt heraus realisieren, wie Schimpfen und Fluchen. Hier gilt auch: Der Ton macht die Musik. Schreien oder ein harter Unterton können ebenfalls ein Ausdruck von verbaler Aggression sein.

  • Autoaggression ist nach innen gerichtet. Nägel kauen, selbstverletzendes Verhalten, Haare ausreißen oder mit dem Kopf gegen die Wand schlagen können Ausdrucksformen dieser Aggressionsart sein.

  • Bei der Erlangungs-Aggression werden aggressive Verhaltensweisen eingesetzt, um materiellen oder Machtgewinn durchzusetzen. Hier spielt Ärger oft eine wichtige Rolle. Wutausbrüche können im Falle eines Versagens oder einer Niederlage auftreten.

  • Angstmotivierte Aggressionen sind emotional geleitet, die oft mit Anzeichen von Verhaltensunsicherheit und vermindertem Vertrauen in Verbindung stehen.

Aggression kann demnach unterschiedliche Dimensionen und Formen annehmen. Die vielfältigen Aggressionstypen erfordern auch darauf angepasste Lösungsansätze. Ein wichtiger Bereich der Lösungsansätze ist die Familie. Die Tendenz ist, dass in den Familien Probleme aufgeschoben und erst zu einem späteren Zeitpunkt thematisiert werden. Die Folge dieser mangelnden Kommunikation sind häufig aggressive Verhaltensweisen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die in der Familie erlebten individuellen sozialen und emotionalen Erfahrungen sehr bedeutend für die Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders sind. Allerdings bedeutet das nicht, dass eine Person, die in ihrer Kindheit der Gewalt ausgesetzt worden war, diese Erfahrung im Erwachsenenalter zwangsläufig reproduziert.

Ausschlaggebend für die dominierende Verhaltensweise ist die Interaktion. Das wiederum bedeutet, dass sehr viele andere Faktoren in der Familienstruktur ausschlaggebend für die individuellen Anlagen und Fähigkeiten im Hinblick auf Problem- und Stressbewältigung sind. Folgende Verhaltensweisen können einen erheblichen Beitrag zu einem ausgeglichenen Heranwachsen beitragen: über Probleme ohne Verzögerung reden, einander aussprechen lassen, den Gesprächspartner direkt anschauen, eine gemeinsame Problemsicht finden und Beschuldigungen und Verletzungen aus dem Weg gehen.

Im Bereich der Freizeit liegt ein weiterer Lösungsansatz. Freizeitgestaltungsmöglichkeiten hängen stark von familiären und finanziellen Situationen und Angeboten ab. Insbesondere sozial benachteiligte junge Menschen sind sehr auf Freizeitanregungen angewiesen, um Frustration abzubauen, sich abzuregen und mit weiteren Sozialisationsmethoden in Berührung zu kommen. Vor allem Bewegungsaktivitäten sind besonders hilfreich, um mit Aggression besser umzugehen.

Neben diesen allgemeinen Tipps ist es selbstverständlich notwendig, die individuelle Situation der Betroffenen zu analysieren und dementsprechend personenbezogene Lösungswege zu entwickeln. An dieser Stelle ist es sehr wichtig, über die eigenen Verhaltensstörungen reflektieren zu wollen. Maßgebend hier ist, die aggressionsfördernden beziehungsweise -hemmenden Faktoren zu identifizieren. Falls das allerdings eine zu große Herausforderung darstellt, ist es empfehlenswert, für diesen Prozess einen Psychotherapeuten aufzusuchen.

Eins gilt für jeden: Unsere subjektiven Empfindungen bestimmen unsere Wahrnehmungen und sind auch die Ursache für unsere Bewertung von Situationen und Ereignissen. Folglich kann die Entstehung von Aggression und die daraus resultierende Verhaltensweise dadurch verhindert werden, indem die für Aggression sorgende Situation neubewertet wird. Das geht am besten dadurch, dass der Betroffene versucht, seine gefühlsbestimmenden Gedanken offenzulegen, um über sie reflektieren zu können. Das Ziel ist es, durch Selbstbeeinflussung den Ärger in den Griff zu kriegen. Allein gezielte Selbstbeobachtung über ein paar Wochen kann einen positiven Einfluss auf die Bewertung der Selbstkontrolle und die Handlungsweise in Stresssituationen dadurch haben. Selbstwahrnehmungs- und Entspannungsübungen und Konfrontation mit aggressivem Verhalten können behilflich sein.

Probleme können nicht durch aggressives Verhalten gelöst werden. Einmal durchatmen und bis zehn zählen! Vielleicht haben Sie das, was Ihr Gegenüber gesagt hat, falsch interpretiert oder missverstanden? Um solche Verwechslungen zu verhindern, wird der Kommunikation eine große Rolle zugeschrieben. Ruhe bewahren und nachfragen können den einen oder anderen Wutausbruch verhindern. Ein klärendes Gespräch in einer ruhigen Minute kann vielleicht Wunder bewirken und die Kompromissbereitschaft auf beiden beteiligten Seiten erhöhen.

fk

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