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Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich

auch bekannt als: Kreuzschmerzen - Lumbago


Komplikationen

Icon Wenn bei Rückenschmerzen keine spezifische Ursache gefunden werden kann, die Schmerzen meist von selbst wieder auf - es gibt aber auch chronische Verläufe. Liegen spezifische Auslöser zugrunde, kann es zu ernsten Komplikationen, wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen, kommen.

Die Genesungsrate des akuten Kreuzschmerzes beträgt innerhalb von sechs Wochen 90 %. 2 bis 7 % der Betroffenen entwickeln dennoch chronischen Schmerz. Der chronische Verlauf und damit verbundene Einschränkung ist die einzige Komplikation der Rückenschmerzen selbst. Alle anderen denkbaren Komplikationen hängen von der Ursache der Rückenschmerzen ab. Bei besonders schwerwiegenden Ursachen sind vor allem Lähmungen und Gefühlsstörungen denkbar. Im Vergleich zu schmerzfreien Befragten geben Personen mit Kreuzschmerz außerdem häufiger eine oder mehrere weitere Erkrankungen (Komorbiditäten) an.

Risikofaktoren für die Chronifizierung eines akuten Kreuzschmerzes
Risikofaktoren für die Chronifizierung eines akuten Kreuzschmerzes

Studien zur Chronifizierung haben gezeigt, dass psychosoziale Faktoren für den Krankheitsverlauf vom Kreuzschmerz eine entscheidende Rolle spielen. Diese psychosozialen Risikofaktoren sind für den Übergang von akuten zu chronischen Verläufen von zentraler Bedeutung. Es ist wichtig, Betroffene mit einem hohen Chronifizierungsrisiko durch psychosoziale Faktoren frühzeitig zu erkennen, um sie so früh wie möglich gezielt behandeln zu können. Im Folgenden sind einige gut belegte Risikofaktoren für die Chronifizierung von Kreuzschmerz aufgezählt.

  • Depressivität und Stress (vor allem in Bezug auf den Beruf beziehungsweise die Arbeit)

  • schmerzbezogene Gedankenstrukturen (zum Beispiel Überbewertung der Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund der Schmerzen ein negatives Ereignis eintreten könnte, Hilf-/Hoffnungslosigkeit)

  • passives Schmerzverhalten (beispielsweise ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten)

  • Gedankenunterdrückung

  • überaktives Schmerzverhalten: beharrliche Arbeitsamkeit, suppressives Schmerzverhalten

  • Neigung zur Äußerung psychischer Beschwerden und Belastungen durch körperliche Symptome (Somatisierung)

Risikomerkmale, die erst mal unabhängig vom Schmerz sind, können theoretisch schon am ersten Tag erfasst werden, an dem ein Betroffener den Arzt aufsucht. Zu diesen schmerzunabhängigen Risikofaktoren gehören zum Beispiel Depressivität oder Unzufriedenheit am Arbeitsplatz.

Schmerzbezogene Risikomerkmale, wie beispielsweise schmerzbezogene Gedankenstrukturen oder risikoerhöhendes Schmerzverhalten, setzen dagegen voraus, dass die Betroffenen eine Zeitlang Erfahrung mit den Schmerzen gemacht haben.

Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich

Weitere, aber bislang weniger gut belegbare Risikofaktoren für die Chronifizierung von Kreuzschmerz sind außerdem im beruflichen Umfeld zu suchen:

  • überwiegend körperliche Schwerarbeit (Tragen, Heben schwerer Lasten)

  • überwiegend monotone Körperhaltung am Arbeitsplatz

  • überwiegende Exposition gegenüber Vibrationen bei der Arbeit

  • geringe berufliche Qualifikation

  • berufliche Unzufriedenheit

  • Verlust des Arbeitsplatzes

  • Mobbing

Darüber hinaus kann die ärztliche Versorgung der Kreuzschmerzen ebenfalls das Chronifizierungsrisiko erhöhen. Auch diese Faktoren sind weniger gut belegt:

  • mangelhafte Respektierung vieler verschiedener möglicher Ursachen für Kreuzschmerzen (körperliche, psychische, soziale)

  • Überbewertung von Befunden in Röntgen- oder Kernspinbildern bei unspezifischen Schmerzen, denn degenerative Veränderungen der Strukturen der Wirbelsäule treten regelhaft auf

  • lange, unreflektierte Krankschreibung

  • Förderung passiver Therapiekonzepte

  • übertriebener Einsatz diagnostischer Maßnahmen

Andere Risikofaktoren, die möglicherweise einen Einfluss auf die Chronifizierung haben könnten, sind:

Lähmungen und Gefühlsstörungen

Beim unspezifischen Rückenschmerz sind Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen so gut wie ausgeschlossen. Das heißt, dass sich die meisten Rückenschmerz-Patienten über diese Komplikation keine weiteren Sorgen machen müssen.

Bei spezifischen, körperlichen Ursachen von Rückenschmerzen kann es dagegen zu Lähmungserscheinungen und Gefühlsstörungen kommen, wenn Nervenbahnen eingeengt und/oder beschädigt werden, die Hautberührungen oder die Bewegung der Beinmuskulatur sowie von inneren Organen steuern. Lähmungserscheinungen sind stets sehr ernst zu nehmen, besonders dann, wenn gleichzeitig der Schmerz nachlässt. Dies kann Anzeichen eines drohenden Nervenwurzeltodes sein, der nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. In den meisten Fällen können dauerhafte Lähmungen aber vermieden werden. Ebenfalls alarmierend sind Lähmungserscheinungen des Mastdarms und/oder der Blasenfunktion. Dies kann sich als Inkontinenz äußern, oder als Unfähigkeit, Stuhl und/oder Urin auszuscheiden. Auch diese Lähmungen sind bei schnellem Eingreifen rückgängig zu machen. Gefühlsstörungen sind ebenfalls ein Warnzeichen für einen möglicherweise eingetretenen oder drohenden Nervenschaden, bilden sich aber häufig von alleine wieder zurück.

Depression

Chronische Schmerzen führen sehr häufig zu depressiven Verstimmungen und Depression. Depression kann die Rückenschmerzen wiederum verstärken, so dass es zu einem Teufelskreis kommt.

Haltungsstörungen

Bei chronischen Schmerzen kann es, beispielsweise durch schmerzlindernde Körperpositionen oder ständige Bewegungen, zu Haltungsstörungen kommen.

Die Fachbegriffe im Überblick

Osteoarthrose

Vitale Erschöpfung

Häufige Begleiterkrankungen bei Rückenschmerzen

Die am häufigsten berichteten Begleiterkrankungen bei Rückenschmerz-Patienten sind (Osteo-)Arthrose und degenerative Gelenkerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Migräne und Kopfschmerzen, vitale Erschöpfung, Atemwegserkrankungen, Depression und Angststörungen kommen häufig gleichzeitig mit Rückenschmerzen vor. Teilweise kann es schwer sein, zwischen Begleiterkrankung und Ursache zu unterscheiden. Wie will man beispielsweise bei einem unspezifischen Kreuzschmerz und gleichzeitiger Depression sicher sein, dass die Kreuzschmerzen nicht durch die Depression bedingt sind? Andererseits könnte auch die Depression durch andauernde, schlimme Kreuzschmerzen (mit-)ausgelöst sein und somit eine Komplikation der Kreuzschmerzen darstellen. In vielen Fällen besteht also ein Henne-Ei-Problem.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.





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