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Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich

auch bekannt als: Kreuzschmerzen - Lumbago


Diagnose

Icon Bei der Diagnostik von Rückenschmerzen sollen gefährliche Ursachen ausgeschlossen werden. Darüber hinaus können Schmerzen versuchsweise objektiviert werden, um eine Verlaufsbeobachtung zu ermöglichen, und es wird nach Hinweisen für ein erhöhtes Risiko für einen chronischen Verlauf gesucht.

Aufgrund der meistens günstigen Prognose des Schmerzes und der guten Rückbildung der Beschwerden ist es oft nicht erforderlich, durch Einsatz aller zur Verfügung stehenden diagnostischen Maßnahmen eine spezifische Ursache zu suchen. Finden sich nach dem Patientengespräch (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung keine Hinweise für gefährliche Verläufe und andere ernstzunehmende Erkrankungen, wird der Arzt bei Betroffenen vorerst keine weiteren diagnostischen Maßnahmen durchführen.

Anamnese

Am Anfang der Diagnostik von Rückenschmerzen steht eine sorgfältige Anamnese. Das heißt, dass der Arzt die Betroffenen genau zu ihrer Krankengeschichte befragt, um vor allem Anhaltspunkte für die Ursache der Schmerzen zu bekommen, damit weitere Untersuchungen und die Behandlung entsprechend geplant werden können. Der Arzt fragt daher beispielsweise nach früheren Rückenschmerz-Episoden, der Stelle, an der es weh tut, einer möglichen Ausstrahlung der Schmerzen, ihrem Beginn, auslösenden, verstärkenden oder lindernden Maßnahmen in Bezug auf die Schmerzen, ihrem (tages-)zeitlichen Verlauf, ihrer Stärke und nach der Beeinträchtigung durch die Schmerzen bei täglichen Verrichtungen.

Bei der Objektivierung des Schmerzes können Schmerzskalen angewendet werden, wie beispielsweise die visuelle Analog-Skala (VAS). Der Patient verschiebt dabei auf einer Skala zwischen Symbolen für die Extremwerte „keine Schmerzen“ und „stärkste vorstellbare Schmerzen“ einen Zeiger so lange, bis die Position seinem Schmerzgefühl entspricht – beziehungsweise er markiert mit einem Stift die entsprechende Stelle, die der Stärke seiner momentan empfundenen Schmerzen subjektiv entspricht.

Der Arzt stellt außerdem Fragen, die ihm dabei helfen, einschätzen zu können, ob bei einem Rückenschmerz-Patienten psychosoziale Risikofaktoren vorliegen. Denn diese könnten vor allem einen wichtigen Einfluss auf den chronischen Verlauf der Schmerzen haben. Insbesondere werden darüber hinaus Begleitsymptome und Vorerkrankungen konkret abgefragt, die als Warnsignal für eine spezifische Ursache der Rückenschmerzen mit dringendem Behandlungsbedarf dienen.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung bei Kreuzschmerz soll helfen, spezifische Ursachen zu erkennen und abwendbar gefährliche Erkrankungen auszuschließen. Das Ausmaß der körperlichen Untersuchung richtet sich nach den Ergebnissen der Anamnese. Die Aussagekraft der Untersuchung der Wirbelsäule wird unter anderem eingeschränkt durch die oftmals unmögliche Eingrenzung des genauen Entstehungsortes der Schmerzen.

Die körperliche Basisuntersuchung bei Patienten ohne Anzeichen von neurologischen Störungen wie Lähmungen oder Gefühlsbeeinträchtigungen kann – je nach den Ergebnissen der Anamnese – folgende Punkte umfassen:

  • Zunächst beurteilt der Arzt den Allgemeinzustand, die Haltung, den Beckenstand sowie die körperliche Beeinträchtigung des Patienten und prüft, ob Deformitäten, Verletzungszeichen oder Auffälligkeiten an der Haut vorliegen (Inspektion).

  • Der Arzt tastet die Muskulatur auf Schmerzhaftigkeit und Verspannung ab und prüft auf Druck- oder Klopfschmerz.

  • Eine Beweglichkeitsprüfung wird durchgeführt, um mögliche Einschränkungen aufzudecken.

  • Durch passive Beugung des gestreckten Beins wird geprüft, ob doch eine Ausstrahlung der Schmerzen in das Bein vorliegt, was darauf hindeutet, dass der Ischiasnerv der jeweiligen Seite in Mitleidenschaft gezogen ist (Lasègue-Zeichen).

  • Möglicherweise wird durch eine passive Beugung des gestreckten Beins im Hüftgelenk außerdem mit zusätzlicher passiver Streckung des Fußgelenks eine mögliche Nervenwurzelbeteiligung überprüft (Bragard-Test).

  • Die Gelenke werden untersucht (Schulter, Hüfte).

Außerdem können auch noch folgende Punkte untersucht werden:

  • Finger-Boden-Abstand

  • Test zur Prüfung der Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule (Schober-Zeichen)

Im Falle von neurologischen Begleitsymptomen, wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Tests zur Bestimmung von muskulärer Schwäche in den Armen und Beinen (zum Beispiel Streckung des Fußes gegen Widerstand) mit Beurteilung der Kraft

  • Tests zur Bestimmung von Gefühlsstörungen (Bestreichen der Haut, Aufsetzen einer schwingenden Stimmgabel auf die Haut)

  • Untersuchung der Muskeleigenreflexe (zum Beispiel Achilles- und Kniesehnenreflex)
Erweiterte Untersuchungen

Liegen Warnhinweise vor, wird der Arzt je nach Verdachtsdiagnose und Dringlichkeit weitere Untersuchungen vornehmen. Dazu gehören:

  • Blut- oder andere Laboruntersuchungen

  • bildgebende Untersuchungen (Röntgenaufnahmen, CT-Untersuchungen, Kernspinaufnahmen)

  • gegebenenfalls Überweisung in fachärztliche Behandlung

Auch ohne Warnhinweise sollte bei Rückenschmerz, der trotz Beschwerden über mehrere Wochen andauert, eine Röntgen- oder Kernspinuntersuchung vorgenommen werden.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.





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