Winterdepression und Winterspeck

Lichtmangel und seine Folgen

Ursachen von Winterdepression und Winterspeck

Die Hauptursachen für eine Winterdepression sind der Mangel an Tageslicht und die geringere Lichtintensität im Winter. Viele Menschen nehmen im Winter an Gewicht zu durch Bewegungsmangel und kalorienreiche Festessen. Die Winterdepression verstärkt die Gewichtszunahme.

Die dunkle und graue Jahreszeit drückt auf die Stimmung vieler Menschen und kann sogar zu einer Winterdepression führen. Dabei handelt es sich um eine spezielle Art der Depression mit leicht abgeschwächten Symptomen, die saisonal auftritt. Denn die Hauptursachen für eine Winterdepression sind der Mangel an Tageslicht und die geringere Lichtintensität im Winter – sie wird daher auch als Lichtmangeldepression oder Winterdepression bezeichnet.

Neben einer Winterdepression kommt es im Winter häufig auch zum Problem der Gewichtszunahme. Die wichtigsten Ursachen dafür sind Bewegungsmangel und kalorienreiche Nahrung gerade an den Festessen zu Weihnachten und Silvester. Das Problem wird bei Auftreten einer Winterdepression noch verstärkt, da diese mit Trägheit und der Lust auf Kohlehydrate bis hin zu Heißhunger-Attacken verbunden ist.

Es gibt auch einen biologischen Grund für die Gewichtszunahme im Winter. In der vorindustriellen Zeit waren die Menschen in einem weitaus größeren Maß von den Jahreszeiten abhängig als heutzutage. Im Sommer und Herbst konnte auf ein größeres Nahrungsangebot als im Winter und Frühling zurückgegriffen werden. Die im Sommer und Herbst eingefahrenen Ernten und geschlachteten Tiere sicherten nicht nur die Nahrungsversorgung, sondern wurden auch zu einem „intensiven Sattessen“ vor den kalten Wintermonaten genutzt. Es war für das Überleben wichtig, an Körpergewicht zuzulegen.

Das heutige Nahrungsmittel-Überangebot macht das Anlegen von „Reservedepots“ für den Winter nicht mehr notwendig, sondern führt zu unschönen Fettröllchen.

Die Fachbegriffe im Überblick

Depression

Definition und Ursachen von Winterdepression

Die Winterdepression ist eine spezielle Unterart der Depression. Saisonal bedingt geht mit ihr ein Zustand psychischer Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit einher, der oftmals auch jedes Jahr wiederkehrt. Die sogenannte saisonabhängige Depression (SAD) tritt meistens in der kalten und dunklen Jahreszeit auf, beginnt in den Herbstmonaten und endet in den Frühjahrsmonaten. Kennzeichnend für die Winterdepression ist, dass die Betroffenen energielos und traurig sind. Zudem haben sie einen gesteigerten Appetit auf kalorienreiche Nahrung wie Süßigkeiten, was in sehr vielen Fällen zu einer schnellen Gewichtszunahme und dem sogenannten Winterspeck führt.

Betroffene haben ein höheres Schlafbedürfnis als in den Sommermonaten. Die Hauptursachen für eine Winterdepression sind der Mangel an Tageslicht, die geringere Lichtintensität im Winter, die niedrigeren Temperaturen als im Sommer und die geringere Tageslänge.

Als Ursache wird vermutet, dass im Winter zu wenig Tageslicht auf die Netzhaut trifft. Die Folge ist, dass in einem bestimmten Bereich des Gehirns (Zirbeldrüse, Epiphyse) vermehrt das „Schlafhormon“ Melatonin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon regelt die biologische Uhr und den Tagesrhythmus. Bei übermäßiger Konzentration wird man müde, antriebslos und schlecht gelaunt.

Zudem gilt es als nahezu gesichert, dass ein Mangel an dem Glückshormon Serotonin bei der Entstehung von Winterdepression eine sehr große Rolle spielt.

Im Vergleich zu anderen Depressionsformen kommen saisonal bedingte Depressionen seltener vor. In Deutschland sind mehr Frauen als Männer von der Winterdepression betroffen; in „dunklen“ Ländern wie in Skandinavien sind die Zahlen der Betroffenen höher, während in mediterranen Ländern weniger Menschen daran erkranken. Dies wird mit der dort höheren Sonneneinstrahlung erklärt.

Von der Winterdepression abzugrenzen sind eine leichte depressive Verstimmung und der Winter-Blues. Dabei handelt es sich nicht um echte Depressionen, sondern mehr um akute Phasen mit schlechter Stimmungslage und Antriebslosigkeit.
Serotonin als Schlüsselsubstanz bei der Entstehung einer Winterdepression

Serotonin spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung von Winterdepression und Winterspeck. Serotonin ist ein Botenstoff im Gehirn, der bei der Signalweiterleitung zwischen den Nervenzellen beteiligt ist und glücklich macht. Er vermindert beziehungsweise verhindert Depressionen. Deswegen ist der Organismus bestrebt, dass möglichst viel von diesem Glückshormon ausgeschüttet wird.

Damit der menschliche Körper Serotonin bilden kann, ist die Aminosäure Tryptophan notwendig. Wer viele zuckerreiche Lebensmittel wie zum Beispiel Süßigkeiten isst, sorgt dafür, dass viel Insulin ausgeschüttet wird und somit viel Tryptophan ins Gehirn gelangt. Falls ein Mangel an Serotonin vorliegt, versucht der Körper durch die „Lust auf Süßes“ und somit die Zufuhr von Zucker beziehungsweise Tryptophan den Serotoninspiegel wieder zu steigern.

Der Erklärungsansatz, dass ein Serotoninmangel Winterdepression auslösen kann, stammt von klinischen Beobachtungen. Bestimmte Medikamente (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer), die gegen Depressionen eingesetzt werden, konnten die Serotoninkonzentration im Gehirn steigern und die Winterdepression bessern.

Außerdem bremst eine hohe Konzentration an Serotonin die „schlappmachende Wirkung“ von Melatonin, welches vermehrt an den kurzen und dunklen Wintertagen ausgeschüttet wird.

Definition und Ursachen von Winterspeck
Definition und Ursachen von Winterspeck

Ganz allgemein versteht man unter Winterspeck den Aufbau von Fettgewebe, um das beschränkte Nahrungsangebot im Winter zu überstehen. Man kann ihn als eine Art körperliche Nahrungsmittelreserve für die kalte Jahreszeit ansehen. Dieses Phänomen kommt sowohl im Tierreich als auch beim Menschen vor.

Tiere finden im Winter keine bis wenig Nahrung. Um diese Zeit des Nahrungsmangels zu überleben, haben sie verschiedene Strategien entwickelt. Zum einen nehmen sie an Gewicht zu und zum anderen können sie durch Winterschlaf die kalte Jahreszeit überdauern.

Auch beim Menschen war der Winterspeck früher eine wichtige Überlebensstrategie und die körperliche Veranlagung dafür besteht bei uns nach wie vor. Allerdings wird dieser in Zeiten des Nahrungsüberflusses nicht mehr benötigt. Die vielen Feiertage in der Weihnachts- und Silvesterzeit mit ihren Festtagsessen begünstigen jedoch das Ansetzen von Winterspeck.

Leckereien wie Marzipanstangen, Plätzchen, Schokoladenweihnachtsmänner, Zimtsterne oder Weihnachtsgans stehen im Winter auf dem Speiseplan ganz oben. Gerne wird dazu auch ein Gläschen Likör, Rotwein oder Bier getrunken. Der Nachteil dieser ganzen Köstlichkeiten ist, dass sie sehr kalorienreich sind. Besonders Alkohol ist oftmals für eine schnelle Gewichtszunahme verantwortlich. 1 g Alkohol liefert 7 kcal und hat damit fast so viel Energie wie 1 g Nahrungsfett (9 kcal). Die Leber „konzentriert“ sich bei Alkoholkonsum bevorzugt auf den Alkoholabbau, so dass die Fettverbrennung verlangsamt wird. Das führt dazu, dass sich aufgenommenes Fett in der Leber und vor allem am Bauch anlagert.

Neben einer positiven Energiebilanz (wenn die Nahrungszufuhr den Bedarf an Nahrungsmitteln übersteigt) ist Bewegungsmangel eine der wichtigen Ursachen für die Entstehung von Winterspeck. In der kalten Jahreszeit ziehen sich die meisten Menschen in ihre Wohnung zurück und bewegen sich weniger als in der warmen Sommerzeit. Der Grundumsatz und damit der körperliche Energieverbrauch sinken. Auch bei gleich bleibender Nahrungsmenge nimmt man so zwangsläufig zu, da durch die fehlende körperliche Bewegung der Energiebedarf sinkt.

Eine bestehende Winterdepression kann die Entstehung von Winterspeck begünstigen. Der Serotoninmangel führt zu einem gesteigerten Appetit auf kalorienreiche Süßigkeiten und somit zu einer Gewichtszunahme. Des Weiteren sinkt durch die bei einer Winterdepression herrschende Antriebslosigkeit und die fehlende Bewegung der Energiebedarf.

Hierbei handelt es sich um eine unabhängige Patienteninformation der Dr. Becker eHealth GmbH, die ohne Mitwirken von Sponsoren erarbeitet wurde. Ziel dieser Informationsdienstleistung ist es, der Leserschaft bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, welche ohne die Notwendigkeit medizinischen Fachwissens verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.


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